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Zeitschrift Flugsport, Heft 19/1929

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 19/1929 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte Flugwesen

Brief-Adr.: Redaktion u. Verlag „Flugsport", Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8

Telefon: Hansa 4557 — Telegramm-Adresse: Ursinus — Postscheck-Konto Frankfurt (Main) 7701

Bezugspreis f. In- u. Ausland pro % Jahr bei 14täg. Erscheinen Mk. 4.50 frei Haus.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Verlag. Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

19 18. September 1929 XXL Jahrgang

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 2. Oktober

England siegt Im Coup Schneider.

Die Schneider-Trophäe ist, wie zu erwarten war, von England gewonnen worden. Das Rennen war nicht nur das größte-sportliche Ereignis Englands, sondern der ganzen Welt. Eine Riesenmenschenmenge hatte sich an der Rennstrecke, hauptsächlich auf der Nordseite der Insel Wight, eingefunden. Der Verlauf des Rennens wurde durch Radio auf die größeren Sender Europas übertragen.

Der Verlauf des Rennens bei herrlichstem Sommerwetter ging programmäßig vor sich. Die 350 km lange Rennstrecke wurde von den drei englischen Maschinen ohne Zwischenfall durchflogen.

Sieger wurde Fliegerleutnant Waghorn auf Supermarine-Rolls-Royce S 6 mit 39 : 42,4 Min. Geschwindigkeit 528 km. Die größte Rundengeschwindigkeit erzielte Fliegerfähnrich Atcherly mit 534 km (148 sec/m). Der Italiener Balmolin erreichte 455 km.

Der Supermarine S 6, den wir bereits in der letzten Nummer des „Flugsport" beschrieben haben, zeigt in seiner Formgebung Feinheiten, die man erst nach längerem Studium erkennt. Schwierigkeiten machte die Entlüftung des Führerraums. Bei einem Stromlinienkörper wird an der Spitze ein größtes Ueberdruck plus und hinten ein Unterdruck minus vorhanden sein. Es muß nun eine Stelle auf dem Stromliryenkörper geben, wo der Plusdruck in Minusdruck übergeht. Diese Stelle wäre die geeignete für den Führerraum. Durch den Riesenmotor rückt jedoch der Führerraum weit hinter diesen Punkt in den Minusdruckraum hinein. Dadurch werden die Gase vom Motor durch den Rumpf angesaugt. Bereits im vergangenen Jahre hatten die Amerikaner mit großen Schwierigkeiten durch Vergasung zu kämpfen. Auch bei dem Supermarine zeigten sich bei Probeflügen ähnliche Erscheinungen, die man durch Einleitung von Druckluft vom Vorderteil des Rumpfes behoben hat.

Verehrte Leser des Flugsport! Bitte sparen Sie unnütze Nachnahmespesen und senden Sie uns die fällige Bezugsgebühr für das vierte Vierteljahr 1929, RM 4.50, möglichst auf unser Postscheckkonto 7701 Frankfurt a. M. Nach dem 2. Oktober werden wir diese zuzüglich 35 Pfg. Spesen durch Nahnahme einziehen.

Verlag „Flugsport1'.

Die physische Beanspruchung1 der Flieger scheint bei weitem nicht SO' groß zu sein, als man annimmt. Den englischen Fliegern machte, wie man aus ihren Gesichtern lesen konnte, die Rennfliegerei einen Heidenspaß. Jedenfalls ist das Fliegen mit großen Geschwindigkeiten lange nicht so gefährlich wie die Hochgeschwindigkeitsversuche mit Rennwagen.

593,399 km Std.-Geschwindigkelt

Die vorzüglichen Geschwindigkeitseigenschaften des Supermarine veranlaßte die Engländer, den Geschwindigkeitsrekord noch höher hinaufzuschrauben. Am 10. Sept. startete Squadron Leader Orlebar, der Führer des englischen Schneider-Teams, auf der internationalen Rennstrecke über 3 km, die zweimal hin und zweimal zurück mit dem Supermarine-Rolls-Royce S6 1800 PS ohne Unterbrechung geflogen werden mußte, und erzielte eine , Durchschnittsgeschwindigkeit von 572,48 und eine Höchstgeschwindigkeit von 593,399 km. Gestoppt wurde mit einem kinematographischen Verfahren, welches eine genaue Zeitaufnahme gewährleistete.

Diese Geschwindigkeitssteigerung ist ein beachtenswerter Erfolg. Er wird die Konstrukteure der Welt in allen Ländern aufrütteln, im nächsten Jahr noch weitere Steigerungen zu erreichen. 1913, als Prevost mit 160 PS Gnom 72,6 km vollbrachte, haben selbst Fachleute sich eine solche Entwicklung nicht träumen lassen. Die Entwicklung wird weitergehen.

Die Geschwindigkeitssteigerung mit Erhöhung der PS-Zahl hat sich seit 1913 fast stetig entwickelt, so daß eine weitere Steigerung bestimmt zu erwarten ist.

1913, 16. April — Monaco: Ueber 280 km in 28 Runden, Prevost (Frankreich), auf Deperdussin-Zweischwimmer-Eindecker mit 160 PS luftgekühltem Gnom, 72,6 km/h.

1914, 20. April — Monaco: Ueber 280 km in 28 Runden, Pixton (England), auf Sopwith-Zweischwimmer-Doppeldecker mit 100 PS luftgekühltem Mono-Gnom, 139,7 km/h.

1919, 10. Sepember — Bournemouth: Ueber 370 km in 10 Runden, Rennen wegen Nebel abgebrochen.

1920, 19.—21. September — Venedig: Ueber 375 km in 10 Runden, Bologna (Italien), auf Savoia S 19, Zweischwimmer-Doppeldecker mit 550 PS wassergekühltem Ansaldo-Motor, 172,5 km/h.

1921, 6.-7. August — Venedig: Ueber 370 km in Runden, De Brigan-

Vom Coup Schneider: Gloster-Napier-Rennflugzeug. (Man beachte die an den Enden dicker werdenden Flügel und die Ausbildung des Knotenpunktes des Flügelanschlusses und Strebenangriffpunktes am Rumpf.)

tini (Italien), auf Macchi-VII-Wasserdoppeldecker mit 200 PS-Isotta-Fraschini-Motor, 178,5 km/h.

1922, 10.—12. August — Neapel: Ueber 370 km in 13 Runden, HL C. Biard (England), auf Supermarine-Doppeldecker mit 450 PS wassergekühltem Napier-Lion-Motor, 234,5 km/h.

1923, 27—28. September — Cowes: Ueber 344 km in 5 Runden, D, Rittenhouse (U. S. A.), auf Curtiss-Navy-C. R.-Zweischimmer-Doppeldecker mit 465—500 PS wassergekühltem Curtiss-D 12-Motor, 285,4 km/h.

1925, 23.-26. Oktober — Baltimore: Ueber 350 km in 7 Runden, J. Doolittle (U. S. A.), auf Curtiss-Army-R. 3 C. 2-Zweischwim-mer-Doppeldecker mit 600 PS wassergekühltem Curtiss-V 1400-Motor, 374,2 km/h.

1926, 13. November — Hampton Roads: Ueber 350 km in 7 Runden, De Bernardi (Italien), auf Macchi-Zweischwimmer-Eindecker mit 800 PS wassergekühltem Fiat-Motor, 396,6 km/h.

1927, 25.-26. September — Lido, Venedig: Ueber 350 km in 7 Runden, S. N. Webster (England), auf Supermarine-S 5-Zweischwim-mer-Eindecker mit 850 PS-Napier-Lion-Motor, 450,64 km/h.

Rundflug der kleinen Entente und Polen.

Für dieses Geschwindigkeitsrennen, organisiert von dem Königl. Aero-Club von Rumänien und den benachbarten Ländern, offen für einsitzige Jagdflugzeuge, waren 600 000 Lei ausgesetzt. Der Wettbewerb begann mit einer Geschwindigkeitsprüfung in entgegengesetzten Richtungen mit 150 kg Zuladung in einer Minimalhöhe von 100 m. Die Ergebnisse dieser Vorprüfung waren folgende:

Folge

Führer

Flugzeug

Motor

Max.-Qeschw.

erzielte Punkte

1

Soukup

BH 33 L

Skoda L

298 km/St.

15

2

Dewoitine

Hispano

293 „

14.738

3

Divis

BH 33 L

Skoda L

292 „

14.685

4

Dewoitine

Hispano

290 ,

14.600

5

 

Hispano

289 „

14.535

6

Bräzda

BH 33 L

Skoda L

288 „

14.499

7

Dewoitine

Hispano

287 „

14.438

8

Malkovsky

BH 33 E

Jupiter VI

273 „

13.725

9

Kalla

S 31

Hörnet

272 „

13.688

10

Spady

260 „

13.100

 

Nieuport

 

260 „

13.100

11

Fiat

 

255 „

12.800

12

Agares

BH 33 E

Jupiter VII

247 „

12.420

Das Hauptrennen begann am 5. September. Zwischenlandungen mußten vorgenommen werden in Jasi, Lemberg, Warschau, Krakau, Prag, Brünn, Zagreb und Belgrad. Am 7. September mußten die Wettbewerber in Bukarest zurück sein. Die Bedingungen für das über eine Gesamtstrecke von 3112 km führende Rennen waren nicht leicht. Leider hatte die Veranstaltung unter ungünstigen meteorologischen Verhältnissen zu leiden. Von 24 Teilnehmern waren bis zum 6. auf dem Flugplatz Prag nur 11 eingetroffen. Viele Flugzeuge wurden durch starke Gewitterbildung zur Notlandung gezwungen. Staatskapitän Soukup wurde bei einer Notlandung getötet.

Vom Rundflug der Kleinen Entente: Avia-Jagdflugzeug B. H. 33 mit 500-PS-Skoda-L-Motor, gesteuert von Kapitän Soukup, erreichte in der Geschwindigkeitsprüfung auf einer Strecke von 6 km

298 km.

Den ersten Preis hat der tschechoslowakische Flieger Kalla, der bereits im vergangenen Jahr Erster war. Zweiter ist der Jugoslave Sintitch.

BMW^Sternmotor 5 Zyl. 65 PS und 9 Zyl. 110 PS,

Die Bayerischen Motorenwerke haben auf den baulichen Grundlagen ihrer Hornetmotoren einen schnellaufenden Kleinmotor mit Untersetzungsgetriebe entwickelt. Der kleine Motor hat 5 Zylinder und leistet 65 PS. Weiter soll noch eine weitere Type mit den gleichen Zylinderabmessungen mit 9 Zylindern HO PS entwickelt werden.

Die luftgekühlten Zylinder von 83 mm Bohrung und 80 mm Hub, Gesamthubraum 2,17 1, besitzen eine Stahllaufbuchse mit eingedrehten Kühlrippen. Der Zylinderkopf aus Leichtmetall mit schräg sitzenden Ventilen und eingekapselten Ventilhebeln besitzt eingeschrumpfte Aluminiumbronzesitze und ist auf die Stahlzylinder aufgeschraubt und durch Schrumpfung befestigt. Das fünfteilige Kurbelgehäuse aus Elektron besteht aus einem zweiteiligen Mittelstück, an welches die Zylinder aufgeschraubt sind. Im hinteren Teil liegt das durch Zahnradvorgelege angetriebene Kreiselgebläse für die Vorverdichtung. Auf der Hinterwand quer zur Kurbelwellenachse liegen zwei Boschmagnete und zwischen diesen ein mit Heizung und Luftvorwärmung versehener BMW-Vergaser. Der Motor kann von hinten vom Führersitz aus durch eine Handkurbel angedreht werden.

Die Betätigung der Stößel und Stoßstangen geschieht durch eine Nockentrommel. Die zweiteilige Kurbelwelle mit einer Kröpfung läuft in Kugellagern und ist mit einem Farman-Kegelradumlaufgetriebe gekuppelt. Die Nebenpleuelstangen von H-förmigen Schaft Querschnitten greifen auf einer auf Rollenlager laufenden Hauptpleuelstange an. Die zwei Oelzahnradpumpen für Umlauf und zum Absaugen liegen im unteren Teil des Gehäuses.

Zur Motorbefestigung dienen sechs Bolzen von 9 mm Durchmesser, Lochkreis 276 mm Durchmesser. Auf dem vorderen das Untersetzungsgetriebe enthaltenden Gehäuseteil sind sechs Augen mit Stehbolzen zur Befestigung der Blechverkleidung vorgesehen.

Der Motor macht in seinem Aufbau einen recht gediegenen, gut durchdachten Eindruck. Zur Zeit befindet er sich in Adlershof, wo er bereits erfolgreiche Läufe hinter sich hat. Die Hauptdaten sind:

Zulässige Höchstleistung 65 PS, Drehzahl der Kurbelwelle 3000 U/Min., Drehzahl der Luftschraube 1500 U/Min., zulässige Dauerleistung 50 PS, Drehzahl der Kurbelwelle 2750 U/Min., Drehzahl der Luftschraube 1375 U/Min., Brennstoffverbrauch 0;240 kg/PS/h, Oel-verbrauch 0,020 kg/PS/h.

BMW-Sternmotor 5 Zyl. 65 PS

mit Untersetzungsgetriebe.

Durchmesser über alles 712 mm, Länge über alles 780 mm, Länge hinter dem Einbauflansch 222 mm, Entfernung von Hinterkante, Einbauflansch bis Mitte Luftschraube 500 mm.

Gewicht des Motors mit Luftschraubennabe, ohne Auspuffsammler 75—80 kg.

Amerikanischer Kinner-5-Zyl.-Sternmotor 100 PS.

Dieser 5-Zylinder luftgekühlte Sternmotor von 108 mm Bohrung und 114 mm Hub ist von der Kinner Airplane and Motor Corporation, Glendale in Kalifornien, nach achtjähriger Versuchsarbeit gebaut. Die Zylinder sind aus Stahl, Zylinderkopf aus Aluminium mit eingewalzten Stahlventilsitzen. Die Ventilfederung und Ventilhebel sind eingekapselt. Die aus einem Stück geschmiedete, mit Gegengewichten versehene Kurbelwelle läuft in zwei Querlagern und in einem Längslager zur Aufnahme * des Propellerschubes.

Die vier Nebenpleuel sind an einem Hauptpleuel angelenkt. Das Hauptpleuel hat Bronzelager. Für jeden Zylinder ist ein besonderer Ein- und Auslaß-

Amerikanischer Kinner-5-ZyL-Sternmotor.

nocken vorgesehen. Stoßstangen aus Aluminiumrohr mit eingesetzten Kugelenden. Das Gehäuse besteht aus einem ungeteilten Mittelstück und ist vorn und hinten durch einen Gehäusedeckel verschlossen. Befestigung der Zylinder am Gehäuse mit 8 Schrauben.

Die Stößelführungen und Gaszuführung liegen im mittleren Gehäuseteil. Der vordere und hintere Deckel können abgenommen werden, ohne daß das Kurbelgetriebe auseinandergenommen zu werden braucht.

Die Schmierung geschieht durch zwei Oelpumpen; davon arbeitet eine als Umlaufpumpe zur Schmierung durch die hohle Kurbelwelle. Die beiden Scintillamagnete sitzen quer zur Kurbelachse und sind auf einem Konsol am hinteren Gehäusedeckel montiert. Zwischen beiden Magneten sitzt ein Heywood-Selbststarter.

Maximalleistung bei 1880 Umdrehungen 113 PS. Gewicht trocken ohne Starter 118 kg, Kompressionsverhältnis 5,1, größter Durchmesser 1070 mm, Durchmesser des Schraubenkreises für die Befestigung am Motorbock 355 mm.

Studiensegelflüge im Riesengebirge.

Von Gerhard Pusch, 1. Vors. d. Bresl. Modell- und Segelflugv.

„Schlesischer Adler". Einer Einladung des Bundes Deutscher Flieger, Hirschberg, folgend, unternahm der Breslauer Modell- und Segelflugverein „Schlesischer Adler" vom 11. 7. bis 5. 8.1929 eine Exkursion nach dem Riesengebirge. Wir hatten die Aufgabe, für die verschiedenen Windrichtungen geeignete Segelhänge und Startstellen auszuprobieren. Ferner

Segelfliegen im Riesengebirge:

Oben:

Der erste Segelflug in der Tschechoslowakei am 24. 7., Rolle auf „Burkbraun", Startstelle: Brandkoppe 1560 m hoch, segelte 41 Min. über dem Hochplateau der Brunnenberge. Landung bei der Wiesenbaude 1400 m hoch.

Unten links: „Burkbraun", Führer Rolle, über den Brunnenbergen.

Unten rechts: „Dr. Friedel" über dem Gräbergebirge. Führer

Rolle (Juli 29).

sollten wir an den Flug- und Autosporttagen in Bad Warmbrunn und Krummhübel mitwirken, wofür wir Vergütung für den Maschinen-transport, freie Unterkunft und Verpflegung in den jeweiligen Standquartieren erhielten.

An Maschinen besaßen wir die eigenen Flugzeuge: den Prüfling, Dr. Friedel und den verkleideten Zögling vom D.L.V. „Lilo". Später stellte uns noch der Hirschberger Verein von seinen Maschinen „Burk-braun" und zu den Veranstaltungen den Doppelsitzer „Bad Warmbrunn" zur Verfügung.

Während unseres Aufenthaltes im Riesengebirge wurden mit diesen Maschinen Flüge unternommen:

bei Saalfeld neben dem Kynast,

im Gräbergebirge (Startstelle Stirnberg 800 m),

in den Rabenbergen bei Krummhübel,

vom Riesengebirgskamm (Startstelle oberhalb der Hampelbaude 1300 m),

auf den Brunnenbergen (Startstelle Brandkoppe 1560 m) und im Gelände der Segelflugschule Grünau.

Leider blieb das gesamte Isergebirge, welches für Südwind sehr geeignet ist, für Segelflüge resp. Startstellen unerforscht, was aber womöglich in den Herbstferien nachgeholt werden soll.

In den ersten Tagen, bei Nordwestwind, gelangen in den Vorbergen Segelflüge von 8 Min. bis 2 Std. 53 Min. Dauer. Später setzte Windstille ein und nachher Südwind. Es mußten daher vorwiegend Gleitflüge gemacht werden. Doch bewiesen diese Gleitflüge mit zeitweisem Segeln in thermischen Aufwinden, daß die Segelmöglichkeiten im Riesengebirge, auch bei fast ruhigem Wetter, mit besseren Segelflugzeugen als dem Prüfling sehr aussichtsreich sind.

Eine mehr oder weniger gute Startstelle fand sich an jedem der gewählten Berge. Der oft sehr schwierige Transport der zerlegten Flugzeuge! durch Wälder und Geröllhalden zeigte aber, daß die mit den Transportwagen erreichbaren Startstellen zu bevorzugen sind.

Als gegebenes Startgelände ist die Wiese vor der Hampelbaude anzusprechen und die vom Knieholz freien Stellen auf dem Riesengebirgskamm dahinter. Ebenso bieten sich hier völlig ausreichende Landemöglichkeiten. Unter anderem gelang eine Landung bei der Hampelbaude. Das Gelände bei der Wiesenbaude, 1400 m hoch, ist sogar als Motorflugzeug-Landegelände geeignet.

Flüge über 5 Min. Dauer wurden von folgenden Vereinsmitgliedern ausgeführt:

Maschinenbauschüler Rolle auf „Dr. Friedel":

am 13.7. Start bei Saalfeld, Flugzeit 8 Min., Landung bei Hermsdorf;

am 14.7. Start im Gräbergebirge, Flugzeit 2 Std. 53 Min., Lan-

• clung bei Merzdorf. Letzterer Flug mußte abgebrochen werden, da die Querruder zu flattern begannen, weil das Kabel nachlässig gespannt war.

Am 19.7. Start von der Hampelbaude, 1280 m, bei fast Windstille, Ziellandung bei Steinseiffen, Flugzeit 15 Min.;

am 24. 7. Rolle auf „Burkbraun", Start von der Brandkoppe, 1560 m, 1 km von der 1605 m hohen Schneekoppe entfernt. Rolle segelte 41 Min. über dem Hochplateau der Brunnenberge, 1700 m ü. d. M.; Landung wegen einbrechender Dunkelheit bei der Wiesenbaude, 1400 m hoch.

Seiler auf Doppelsitz „Bad Warmbrunn" mit Passagier:

Am 24. 7. Start vom Flachenseiffen-Hang (Grünau), Flugzeit 52 Min.

Sieben kürzere Flüge zur Geländeerkundigung führten im Riesengebirge noch aus auf „Burkbraun" und „Dr. Frieder die Mitglieder Rolle, Tonn und Breitkopf. Die Startstellen lagen in den Rabenbergen, oberhalb der Hampelbaude, bei der Wiesenbaude und den Brunnenbergen.

Anläßlich der Flug- und Autosporttage in Krummhübel am 27. und 28. 7. unternahmen alle Segelflugzeuge Talflüge, Start von der Hampelbaude, 1280 m, und Landung auf dem Ziellandegelände bei Krumm-hübel-Steinseiffen. Die Flugzeit der von uns geführten Maschinen lag zwischen 7 und 9 Min., da an beiden Tagen Windstille war.

Rolle am 27. und 28. je einen.Talflug auf „Burkbraun";

Seiler am 27. und 28. je einen Talflug auf „Bad Warmbrunn" (am 28. 7. mit Passagier);

Breitkopf am 27. auf „Dr. Friedel";

Tonn am 28. auf „Dr. Friedel";

Kentsche am 28. auf dem Zögling „Lilo".

Alle Landungen erfolgten auf der bestimmten Landestelle ohne Bruch. Andresen, B.D.F., Hirschberg, flog persönlich auf dem Segelflugzeug „Krummhübel" an diesen Tagen mit. Die sehr geschickt von ihm arrangierten Flugtage fanden großen Anklang und werden sich in ihrer Auswirkung als außerordentlich werbend für den Segelflug im Riesengebirge erweisen. Der in Krummhübel zur Kur anwesende Reichsverkehrsminister Stegerwald verfolgte die Veranstaltung mit großem Interesse und sprach den Piloten seine Anerkennung aus, Da an diesen Tagen auch die hiesige Akademische Fliegerschaft „Marclio-Silesia" mit ihrem Segelflugzeug „Werner Schmeidler" mitwirkte, flogen am Samstag fünf, am Sonntag, den 28., sechs Segelflugzeuge vom Kamm hinunter zu Tal.

Rolle bekam bei der Sportveranstaltung in Warmbrunn am 14.7. eine vergoldete Bronzeplakette für den längsten Segelflug in Schlesien auf „Dr. Friedel", ebenso Seiler bei den Veranstaltungen in Krummhübel am 28. für den längsten Flug mit Passagier auf „Bad Warmbrunn"; die übrigen Führer erhielten silberne Erinnerungsplaketten.

Vom 29. 7. bis 5. 8. wurde mit den Flugzeugen „Dr. Friedel", „Lilo" und „Burkbraun" im Gelände der Segelflugschule Grünau geflogen. Es führten eine größere Anzahl Gleitflüge und Segelversuche die Mitglieder Seiler, Rolle, Tonn, Breitkopf, Tilch, Kentsche und Pusch aus. Bei den herrschenden Windverhältnissen wurde bei keinem dieser Flüge über 3 Min. Flugdauer erzielt.

Bis auf die letzten Tage in Grünau ist keine unserer Maschinen „Dr. Friedel" und „Lilo" unter ein Dach gekommen und waren stets dem Wetter ausgesetzt. Wir bohrten Löcher in die Rümpfe, damit das Regenwasser ausfließen konnte; da Flügelgerippe und Rümpfe gut ge-firnist sind, konnten wir an den Maschinen kein Verziehen feststellen, womit allerdings nicht behauptet werden soll, daß die Flugzeuge durch den Regen besser geworden wären. Zum Segeln im Wolkenaufwind, wozu unsere derzeitigen Maschinen auch kaum geeignet sein dürften, kam es leider nicht. Es fehlen uns die Rhönerfahrungen resp^ die Mittel, um auch endlich einmal nach der Rhön gehen zu können, denn aus der .,ZFM" allein kann man die Wolkensegelei nicht lernen.

Nach der Fertigstellung unserer Hochleistungsmaschine und des Doppelsitzers werden wir die künftigen Riesengebirgsexkursionen mit besseren Aussichten antreten können, obgleich unser „Prüfling" weit mehr geleistet hat, als wir erwartet haben. Gerade im Riesengebirge

mit seinen Vorbergen und Kesseln ist der gute Gleitwinkel einer Maschine sehr wertvoll. Mit dem „Prüfling4' durfte man nicht zu viel riskieren und mußte genau die jeweilige Höhe beachten, um über die, Vorberge noch in das freie Gelände hinaus zu kommen. Die Abwind-verhältnisse, selbst an den Teichkesseln unterhalb des Kammes, erwiesen sich als wesentlich geringer, als wir befürchtet hatten.

Die Vorberge reichen bei starkem Wind zum Segeln voll aus und bieten wegen der nahen Ebene leicht zu erreichende Landemöglichkeiten. Bei guten Wind- und Sichtverhältnissen ist der Riesengebirgs-kamm dagegen zum Segeln ideal und auch für Streckenflüge durchaus geeignet. Vorläufig mußten wir uns allerdings damit begnügen, den längsten Dauersegelflug in Schlesien ausgeführt zu haben und den ersten Segelflug in der Tschechoslowakei. Daß sich unser „Zögling" Startstellen in 1280 m Höhe suchte, spricht für den Unternehmungsgeist der Jungflieger, für die Grünauer Schulung, daß alle Maschinen

Segelfliegen im Riesengebirge.

Oben: Doppelsitzer „Bad Warmbrunn", „B. D. F. Hirschberg" nach der Landung nach dem 51-Min.-Flug mit Passagier. Mitte: Flugzeug „Dr. Friedel". Landung bei Merzdorf (bei Bad Warmbrunn). Unten: Vor dem Start am 27. 7. von der (1280 m) Hampelbaude zum Talflug.

am Schluß noch flugfähig waren. Die diversen Kufenbrüche und Rumpfbodenbeschädigungen durch steiniges Gelände konnten wir immer an Ort und Stelle beheben.

Reicher an Erfahrungen kehrten wir am 5. 8. heim und mußten mit Bedauern feststellen, daß unser Maschinenbaufonds infolge der hohen Ausgaben im Riesengebirge, Haftpflichtversicherung usw. so zusammengeschmolzen ist, daß wir wieder betteln gehen müssen, um die Mittel zur Fertigstellung der im Bau befindlichen Maschinen zusammenzubringen.

Ministerialrat Knipfer vom Handelsministerium, Abt. Luftfahrwesen, wurde von der Hochschule Breslau der Dr.-Ing. h. c. verliehen.

Der Schulungs-Wettbewerb auf den Herchenhainer Höhen, auch Rhein-Main-Segelflugwettbewerb 1929 genannt, hat einen sehr guten Verlauf gehabt. Es wurde recht fleißig geflogen. Die Tagesmeldungen vom 25. 8. verzeichnen 22, die vom 31. 8. 19 und die vom 1. 9. 37 Flüge. Es konnten vier A- und vier B-Prüfungen, von denen sieben von Mitgliedern des Frankfurter Flugtechnischen Vereins, eine B-Prüfung vom Offenbacher Verein, erledigt werden. Größere Windstärken als 4 bis 5 m wurden nicht angetroffen. Das Ergebnis des Wettbewerbes:

1. Pr. (Preis der Stadt Frankfurt a. M.) RM 100.— Flugzeug Frankfurt 91 i mit 14 Punkten. 2. Pr. (Preis des Kreises Schotten) RM 50.—, Flugzeug Offenbach und Frankfurt 92 je zur Hälfte mit je 7 Punkten.

Tagespreise: Ziellandungspreis 25.8.: Offenbach (20 m durchschnittliche Entfernung) RM 20.—. Prämie für den längsten Flug des Tages: Erich Loge für den Flug von 46 Sek. RM 10.—.

Tagespreise 31. 8. und 1. 9. 29: Ziellandungsjireis: Prüfling Mainz (durch-schnittl. Entfernung 19,3 m) RM 20.—Dauer: nicht ausgeflogen, als Prämie zuerkannt dem Flugzeug Meenzer Bub für einen Flug von 3 Min. 4 Sek. und 3700 m Strecke RM 30.—. Längste Strecke: Flugzeug Frankfurt 91 für eine Gesamtstrecke von 9683 m RM 25.—.

Prämie für Jugendliche und Anfänger: Liebeskind RM 20.—. Prämie Martens. Dr. Stern für den weitesten Flug eines Jugendlichen: Liebeskind RM 10.—.

Preis der Frankfurter Nachrichten für den längsten Flug des Tages: geteilt zwischen Liebeskind und Demharter für einen Flug von je 1050 m RM 20.—.

Weiter wurden zugesprochen: eine Anerkennungsprämie für die Erschließung von neuem Gelände an Reiter RM 15.—, für bes. Leistungen vor und während des Wettbewerbes an Demharter RM 20.—, für bes. Flugleistungen an Ott und Weiland je RM 10.—.

Ferner erhielten Ehrenpreise: Görich, Demharter, Weiland, Ott, Reiter, Staiger, Stemmler, Knoblauch, Liebeskind und Flinsch.

700 000 Flugkilometer hat Flugkapitän Noack am 2. August zurückgelegt.

Karl Noack, der 1917 zur Fliegerei kam, ist seit dem 1. März 1920 ununterbrochen in der friedlichen Handelsluftfahrt tätig und hat die Verkehrsflugzeuge der Luft-Hansa wohl schon auf allen internationalen Strecken gesteuert. Auf den Linien nach London und Paris, nach Kopenhagen und Wien, nach Amsterdam und Zürich hat er sich ebenso wie auf der Nachtstrecke nach Moskau hervorragend bewährt. Bei seiner Landung am 2. August im Flughafen Tempelhol wurde dieser Pionier des deutschen Luftverkehrs festlich empfangen und die Luft-Hansa gab ihm ihre ganz besondere Anerkennung zum Ausdruck.

Der Ring der Flieger hatte am 29. 8. die Europaflieger zu einem Begrüßungsabend auf der Terrasse des Hauptverwaltungsgebäudes des Flugplatzes Tempelhof eingeladen.

Inland.

Der DLV-Zuverlässigkeitsflug 1929, veranstaltet vorn Deutschen Luftfahrt-Verband, findet vom 27. bis 29. September 1929 statt. Bis zum Nennungsschluß am 1. Sept. waren insgesamt 42 Nennungen abgegeben worden. Diese Zahl dürfte sich bis zum Nachnennungsschluß am 10. Sept. noch erhöhen. Da bedauerlicherweise infolge der geringen zur Verfügung stehenden Geldmittel ausschreibungsgemäß nur 35 Flugzeuge an dem Wettbewerb teilnehmen dürfen, so muß der Veranstalter noch Ausscheidungen vornehmen. Diese finden nach dem Prinzip statt, daß den Flugzeugen mit deutschem Motor der Vorrang vor ausländischen Motoren gebührt. Die endgültige Teilnehmerliste wird nach Nachnennungsschluß veröffentlicht werden.

Die Teilnehmer, die innerhalb von drei Tagen eine Strecke von 15 StundenX Reisegeschwindigkeit des Flugzeuges durchfliegen müssen, erhalten keine Preise, sondern Streckenentschädigungen für jeden planmäßig geflogenen km. An Streckenentschädigungen steht für die 35 Teilnehmer der Gesamtbetrag von nur RM 43 000.— zur Verfügung. Außerdem wurde erfreulicherweise vom Magistrat Berlin ein Anflugpreis für den Flughafen Berlin-Staaken in Höhe von RM 500.— gestiftet.

Die Strecken sind, unter Verzicht auf einen gemeinsamen Zielflughafen, von jedem Teilnehmer nach dem Gesichtspunkt der Vermeidung von An- und Abflugwegen außerhalb des Wettbewerbes, selbst zusammengestellt worden. Sie führen, fast alle deutschen Flughäfen berührend, in nahezu allen Fällen wieder zum Heimathafen zurück. Auf diese Weise wird der Wettbewerb nicht nur denkbar billig, sondern auch ohne Berufsstörung für die Teilnehmer, die nur reine Amateurflieger sein dürfen, durchgeführt werden können. Durch die Bestimmung der Ausschreibung, daß die Flugzeugbesatzungen — mit Ausnahme von denjenigen Privatflugzeugen, die vom Besitzer geflogen werden — mehrmals gewechselt werden müssen, wurde das erfreuliche Ergebnis erreicht, daß ca. 115 Piloten und 125 Begleiter an dem Wettbewerb beteiligt sind. Der Hauptzweck des Wettbewerbes, die Mitglieder der DLV-Vereine und Privatflugzeugbesitzer in möglichst großer Zahl trotz der äußerst beschränkten Mittel zum Fliegen zu bringen, kann mit diesen Zahlen schon heute als erreicht angesehen werden.

Einen Rückenflug von 37 Min. vollführte am 4. Sept. 29 der Jungflieger Gerd Achgelis auf Focke-Wulf S 24 „Kiebitz" mit Siemens-Motor SH 13. Der bisherige längste Rückenflug von Fieseier betrug 16 Min.

Durch das Großfeuer in den Focke-Wulf-Werken am 12. 9., bei dem die Werkstätten vollständig ausbrannten, wird der Betrieb nicht gestört. Der Brandschaden ist durcb Versicherung gedeckt. Die vorliegenden Flugzeugaufträge können, da weitere Betriebsräume zur Verfügung stehen, ausgeführt werden.

Ausland.

Siegerin im Damen-Luftrennen in U. S. A. wurde Miß Louise Thaden, Pitts-bourg. Sie benötigte für die Rennstrecke Kalifornien—Cleveland 20 Std. 19 Min. Von 20 Wettbewerberinnen erreichten 15 das Ziel.

Ein Coup Bleriot für Landflugzeuge entsprechend dem Coup Schneider für Seeflugzeuge beabsichtigt Bleriot zu stiften.

Der Fokker IX für 18 Passagiere mit drei 450-PS-Motoren ist zum erstenmal in Schiphol geflogen.

Deutsch-polnisches Luftverkehrsabkommen. Bisher gehört wohl Polen seit 13.10.19 der Pariser Konvention an, aber nicht Deutschland. Nunmehr ist durch

Führerraum des 4motorigen 40-Passagier-Handley-Page-Flugzeuges. Die beiden Steuerruder ruhen auf einer gegabelten Steuersäule, Seitenruder, Betätigung durch Fußpedale. Die Motorbedienungshebel befinden sich zwischen beiden Führern und sind leicht erreichbar.

Modelle.

Der „Flug-Modellbau-ünterrieht" von Ursinus. Eine praktische Anleitung für Modellbau und Einführung in den Modellsport. 2. Auflage erscheint Anfang Oktober.

Rumpfhochdeckermodell „Mohs", Dessau.

das neue deutsch-polnische Luftverkehrsabkommen die Rechtsgrundlage für die Einrichtung und den Betrieb von Luftverkehrslinien zwischen Deutschland und Polen geschaffen. Es wurde beschlossen, bereits vor der Ratifizierung deutschen Luftfahrzeugen auf den bereits betriebenen Luftverkehrslinien Berlin—Danzig und Berlin—Königsberg das Ueberfliegen polnischen Gebietes und polnischen Luftfahrzeugen auf den ebenfalls bereits betriebenen Linien Posen—Kattowitz und Warschau—Danzig das Ueberfliegen deutschen Gebietes zu gestatten. Für die Linien Berlin—Danzig und Berlin—Königsberg ist diese Regelung insofern von großer Bedeutung, als nicht nur eine schnellere, sondern vor allem betriebssichere Beförderung gewährleistet ist. Bisher mußten die Flugzeuge, um ein Ueberfliegen polnischen Gebietes zu vermeiden, auf das offene Meer hinaus und konnten nur durch dieses für Landflugzeuge immerhin gefährliche Unternehmen nach Königsberg und Danzig gelangen. Erst nach der Ratifizierung wird die Errichtung einer Fluglinie Berlin—Warschau erwogen werden.

Die Tatsache, daß Deutschland jetzt mit Polen ein Sonderabkommen über den Luftverkehr abgeschlossen hat, schließt nicht aus, daß Deutschland zu irgendeinem Zeitpunkt der Pariser Konvention beitritt. Für diesen Fall sind automatisch die mit den verschiedenen Staaten geschlossenen Sonderabkommen hinfällig.

Vereinsnachrichten.

Der „Verein für Flugsport e. V., Neumünster" ist kürzlich gegründet worden und hat z. Zt. 42 Mitglieder. Vorsitzender: van Ewig, Geschäftsstelle: Bankdirektor Brunstamp, Neumünster, Großflecken, Sportleitung: Ing. W. Wohldorf, Schleusberg. Der Modellabteilung gehören 14 Herren an, bei den bisher abgehaltenen Uebungsfliegen wurden bereits gute Resultate erzielt. Ein Teil der Mitglieder hat sich im Laufe des Sommers in den Segelflugschulen Rositten, Grünau und Sylt bis zum A- und B-Schein ausbilden lassen und bildet die erste Jungfliegergruppe. Seitens der Stadtverwaltung Neumünster ist in der früheren Kaserne ein großer Werkstattraum zur Verfügung gestellt worden, in diesen Tagen wurde mit dem Bau des ersten „Zögling" begonnen. Uebungsgelände: Boostedt Höhe 53 und der Bocksberg bei Innien.

Berichtigung

Betrifft Ergebnisse Internationaler Rundflug 1929. In der Siegerliste auf Seite 344, Nr. 18, „Flugsport", ist die von Lusser geflogene Maschine irrtümlich mit 95 PS angegeben. Es muß richtig heißen 40 PS Salmson-Motor AD 9. Diese Leistung von Lusser ist um so beachtenswerter, da er mit 40-PS-Motor in der Geschwindigkeit nur 6 km hinter dem Siegerflugzeug von Morzik zurückgeblieben ist.

Die englischen Abkürzungen bedeuten: B. E. = Doppeldecker der British Experimental. R. F. C. = Royal Flying Corps. R. A. F. = Royal Aircraft Factory. Eine Tafel der ausländischen Kriegsflugzeuge finden Sie in Nr. 8 des „Flugsport" 1918.

Ernst Plochmann ist am 29. Sept. 1910 nicht auf einem Grade-Eindecker, auf welchem er seine Pilotenprüfung erwarb, sondern auf einem Aviatik-Doppel-decker abgestürzt.

Sabotage. Wir glauben nicht an diese Märchen und geben solche Nachrichten nicht gern, um nicht zur Nachahmung wie bei Eisenbahnsabotagen anzureizen. Wie wollen Sie Wasser in den Vergaser gießen? Das ist nicht so einfach. Ebenso schwer ist es, Sand in den Motor zu bringen. Warum ist es immer sehr feiner Sand? Die wirkliche Ursache ist vielmehr sehr natürlich. Wasser kann schon mit dem Betriebsstoff mit eingefüllt sein, oder es haben sich Niederschläge durch Temperaturdifferenzen gebildet. Staub und feiner Sand sind in der Flugzeughalle beim Motorlaufenlassen im Stand angesaugt worden und sind in die Getriebeteile geraten.

Literatur.

(Die hier besprochenen Bücher können von uns bezogen werden.)

Jahrbuch 1929 der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt E. V. Verlag R. Oldenbourg, München. Ganzleinen RM 42.—.

Das umfangreiche Jahrbuch enthält außer dem Tätigkeitsbericht der DVL. die DVL.-Berichte Nr. 102—140, Schrenk: Ueber Profilwiderstandsmessung im Fluge nach dem Impuls verfahren. Kaiser: Blutkreislauf-Untersuchungen im Unterdruck. Hoffmann: Entwicklung eines Anschnallgurtes von einheitlichem Muster. Lacmann: Einige Nomogramme und andere Hilfsmittel für die Luftbildmessung. Hübner & Pleines: Kinematographische Messung der Trudelbewegung an einem Flugzeug vom Muster Albatros L 68. Koppe: Die Bedeutung der Meßtechnik für die Luftfahrt. Thalau: Belastungsversuche an Flugzeugen. Faßbender: Die zweckmäßigsten Wellen für den drahtlosen Langwellenverkehr mit Flugzeugen. Schmiescheck: Der Energienivellierer, ein neues Gerät zur Untersuchung von lichtempfindlichen Emulsionen auf ihre selektive Empfindlichkeit. Kaiser: Die Sauerstoffdrosselung in der Atemluft bei Atmosphärendruck (Stickstoffnarkose). Schrenk: Probleme des Höhenflugs. Seewald: Ueber die Messung

der Kräfte an Luftfahrzeugen. Schrenk und v. Pilgrim: Die Festigkeit von Bolzen in Holzbauteilen. Brenner: Dynamische Festigkeit von Flugzeug-Konstruktionsteilen. Kaiser: Blutkreislauf-Untersuchungen im Ueberdruck. Fuchs und Schmidt: Stationärer Trudelflug. v. Baranoff: Beitrag zur Frage der Stabilität der Trudelbewegung. Bienk: Göttinger Sechskomponentenmessungen an Flügeln mit V-Foiin, Pfeilform und Verbindung. Lürenbaum: Ueber die meßtechnische Untersuchung-beschleunigter Bewegungsvorgänge, insbesondere über die direkte Ermittlung von Beschleunigungen mittels eines schwingungsfähigen Systems (Masse und Feder). Dobberke und Schraivogel: Flugzeug-Sperrholz und seine Prüfung. Kraemer; Untersuchung über den Einfluß von Aufbau und Faserverlauf auf Zugfestigkeit, Biegung und Dehnung an Birkenfurnieren und Birkensperrholz. Kurzwellenversuche bei der Amerikafahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Krüger und Plendl: Ueber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000-Kiiometer-Bereich. Faßbender und Kurlbaum: Abhängigkeit der Reichweite sehr kurzer Wellen von der Höhe des Senders über der Erde. Gloeckner: Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. Rackwitz und Schmidt: Prüfverfahren zur Beurteilung der Korrosionsbeständigkeit von Metallen gegen Witterung und Seewasser. Rackwitz und Schmidt: Ueber den Schutz von Sperrholz gegen Feuchtigkeitsaufnahme durch Paraffinvorbehandlung. Blenk und Liebers: Gekoppelte Biegungs-, Torsions- und Querruderßchwingungen von freitragenden und halbfreitragenden Flügeln. Hübner: Erfahrungen bei Flugeigenschaftsprüfungen im Jahre 1927/28. Brenner: Korrosionsschutz von vergütbaren Aluminiumlegierungen im Flugzeugbau. Rackwitz und Schmidt: Prüfung der Korrosionsbeständigkeit von Alcladblechen. Matthaes: Prüfung der Festigkeitseigenschaften von Alcladblechen. Küßner: Schwingungen von Flugzeugflügeln. Küßner: Schwingungen mehrfach gestützter Stäbe mit Axialkräften. Caspari; Zergliederung und statistische Erfassung von Flugzeugunfällen. Essers-Kober: Untersuchung von Flügelschwingungen im Windkanal. Ebner: Zur Berechnung räumlicher Fachwerke im Flugzeug-Fachwerk-Rumpf. Seydel: Ermittlung der Stabkräfte im Flugzeug-Fachwerk-Rumpf. Stieglitz: Drehschwingungen in Reihenmotoren.

Wirtschaftliche Luftfahrt von Hermann Röder, Ingenieur und Flugkapitän. Verlag Otto Herrn. Hörisch, Dresden N 6, 286 Seiten, br'osch. RM 13.—, geb. RM 15.—.

Die in dem Buch nach der heutigen Technik behandelten Fragen sind außerordentlich lesenswert. Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs, diese Bezeichnung ist in den letzten Jahren oft als Titel für die verschiedensten Zwecke verwendet worden. Die Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs kann eine Wissenschaft für sich sein und werden. Sie kann es aber auch sein als eine Ueberschrift für einen bestimmten Zweck. Die Zusammenstellung der Diskussionen im vorliegenden Buch ist interessant. Interessant besonders für die Kraftverteilung, hier Junkers, dort Luft-Hansa. Allerdings sind die Parteien und die für diese tätigen Kräfte nur für den Eingeweihten mit Sicherheit erkennbar. Auch das ist eine Wissenschaft für sich.

Segel-Fliegerlied, für Gesang mit Klavierbegleitung von Gustav Striedinger. (Im Selbstverlag.)

Das Lied erschien zum 10. Rhönsegelflug-Wettbewerb und ist dem „Rhöngeist" gewidmet. Eine lebhaft bewegte, kraftvolle Melodie hat sich dem eigenartigen Rhythmus der Worte innig verbunden zu einer Einheit, wie sie nur selten unter glücklicher Eingebung zustande kommt. Das ganze atmet Rhöngeist, herbe Frische. Es kündet in Wahrheit, „was des Fliegers Herz beseelt im Tatendrang". Die deutsche Jugend muß an dieser markigen Marschweise ihre helle Freude haben, insbesondere wird es in Fliegerkreisen als ein Festgesang auch bei feierlichen Gelegenheiten seine Wirkung nicht verfehlen, Wir glauben nicht besser dafür werben zu können, als daß wir den Text zum Abdruck bringen. Das Lied, dessen Titel ein Bild des Fliegerlagers auf der Wasserkuppe schmückt, kann vom Verlag des „Flugsport" zum Preise von 1.— RM zuzüglich 25 Pfg. für Porto und Verpackung bezogen werden.

Segel-Fliegerlied.

Stolz flieg' auf, mein Lied, Freiheitsgesang!

Verkünde, was des Fliegers Herz beseelt im Tatendrang!

Wo Aufwind deutscher- Kraft Wege zur Freiheit weist,

da lebt und wirkt noch heldenhaft der deutsche Fliegergeist,

Schließt den Ring! Hebt die Hand, Hüter deutscher Ehr und Art: Freiheit gilt's, Vaterland! Fliegergeist sei treu bewahrt!

Met zwang, Volk ohne Raum, Schicksalsgebot.

Wir glauben an den deutschen Traum, was immer uns bedroht!

Das Herz schlägt unverzagt trotz aller Not der Zeit!

Die Freiheit grüßt! Ihr Morgen tagt im Reich der Herrlichkeit..

Sonne steigt! Jauchze Herz! Wahrheit wird der Fliegertraum:

Freie Bahn, sonnenwärts! Erde hat für alle Raum!

Gruß dir, Heldenmal, Horst in der Rhön.

Wie blinkt der goldne Sonnenstrahl auf Erz und Stein so schön.

Der Stolz wallt auf im Blut! Heldengedächtnis gilt's!

Vermächtnis bleibt's und heiiges Gut, zu deutscher Tatkraft schwillt's:

Flieger sein, Sieger sein! Losung bleibt es immerdar;

Hals und Bein, Flieger sein. Schwing dich auf, du freier Aar!

Rhönführer. Von Dr. Gustav Schneider, Sanitätsrat, mit einer Uebersichts-karte der Rhön und 14 Wegekärtchen, 19 Abb. sowie einem Verzeichnis von Reiseplänen für die Rhön. Preis RM 4.—, Verlag der Universitätsdruckerei H. Stürtz A.-G., Würzburg.

Es gibt wohl kaum einen Segelflieger, dem außer der Wasserkuppe auch die Schönheiten der Rhön nicht in ihren Bann gezogen haben. Der vorliegende Führer ist eine ausgezeichnete Uebersicht über die gesamte Rhön. Sehr wertvoll sind die 14 Uebersichtskärtchen, die bei Ueberlandflügen gute Dienste leisten. Der billige Preis steht in keinem Verhältnis zu dem Gebotenen.

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