HAUPTSEITE ]

Zeitschrift Flugsport, Heft 14/1928

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 14/1928 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

PDF Dokument

Sie können auch das originale Abbild im PDF Format in hoher Druckqualität gegen Zahlung einer Lizenzgebühr herunterladen. Sie können das PDF Dokument ausdrucken, am Bildschirm komplett mit Abbildungen vergrößern und besser lesen oder in Ihre Publikationen übernehmen. Nutzen Sie bitte vor dem Kauf die kostenlosen Leseproben von Heft 22/1919, Heft 23/1933 und Heft 4/1944, um die Qualität der PDF Dokumente zu prüfen.

 » PDF Download


Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte Flugwesen

Brief-Adr.: Redaktion u. Verlag „F1 u g s p o r t", Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8

Telefon: Hansa 4557 — Telegramm-Adresse: Ursinus — Postscheck-Konto Frankfurt (Main) 7701

Bezugspreis f. In- u. Ausland pro K Jahr bei 14täg. Erscheinen Mk. 4.50 frei Haus.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Verlag. Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Nr, 14

4. Juli 1928

XX. Jahrgang

Die nächste Nummer des „Flugsport erscheint am 18. Juli

Pariser Salon 1928.

Von Oskar Ursinus.

Paris, den 30. Juni 1928. IL Salon! Wenn man zehnmal als begeisterter Mitarbeiter im rluirwcscn in fiebernder Erwartung den Salon betreten hat, so ist

Photo Branger, Paris.

Pariser Salon: Stände der deutschen Abteilung. Im Vordergründe von links: Junkers, Typ Bremen; Heinkel. Links oben im Hintergrunde sieht man das Mittelstück eines Farman-Verkehrsflugzeuges,

einem in den vielen Jahren manches zur Gewohnheit geworden. Das Milieu war ein klein wenig verändert. Diesmal war statt Dezemberkälte — Juniwärme. Die schwarzen, primitiven Oefen, so wenig schön, wie sie waren, man hatte sich dran gewöhnt — sie fehlten. Auch fehlte diesmal die Beleuchtung, welche in den früheren Winter-Salons den hohen, weiten Raum mit seinen glitzernden Vögeln in stimmungsvollem Glänze erscheinen ließ. Die einfache, übersichtliche Dekoration und Anordnung der Firmenschilder hatte man dieses Jahr beibehalten.

Die Zeiten ändern sich und damit auch die im Vordergrund stehenden Persönlichkeiten. Die alten Pioniere vermißt man. Bleriot sieht man nur auf vielen Bildern in der aviatischen Ruhmesgalerie, bestehend aus großen, an der Wand aufgehängten, nachgeahmten Pergamentrollen, auf welchen die gesamte Geschichte des französischen Flugwesens verzeichnet ist. Farman sah man nur als Wachsfigur in einem lebensgroßen Diorama, welches Farmans erste Flugzeughalle darstellte.,— President der Chambre syndicale des Industries Aeronau-tiques ist jetzt der bekannte Industrielle M. F. Liore.

Auch durch' die Art der ausgestellten Flugzeuge hatte man versucht, dem XI. Salon ein etwas weniger kriegerisch wirkendes Gepräge zu geben. Vor allen Dingen hatte man die Kriegsmaschinen ganz hinten in den großen Kuppelraum verlegt. In der Haupthalle sah man daher etwas weniger Maschinengewehre, Bomben, Torpedos und ähn-

Pariser Salon: Gesamtansicht von der Nordseite gesehen. Im Vordergründe -Verkehrsflugzeug der Tschechoslowakei. Photo Branger, Paris.

liches Kriegshandwerkszeug. Es hätte immer noch weniger sein können. Weiter hatte man versucht, die zunehmende Entwicklung des Metallbaues zu unterstreichen. Für den Verkehrsflugzeugbau hat man zunächst überall die im Militärflugzeugbau übliche Metallkonstruktionsweise übernommen. Die Zeit wird zu kurz gewesen sein, um eine Metallbauweise, wie sie der Luftverkehr erfordert, zu entwickeln. Irgendeine neu eingeschlagene Richtung irgendeiner Konstruktionsbauart, wie z. B. Auflösung des Zweiholmsystems, war nicht zu spüren. Fortschritte waren nur in der fabrikatorischen Organisation festzustellen.

Sehr instruktiv war die Fabrikationsausstellung der Metall- und Holzbauweise der führenden französischen Industriellen in dem oberen hinteren Saal der Galerie. Die Schablonenbauweise mit ihren Vorrichtungen, z. B. für Rippen und Holme, machte Vor- und Nachteile beider Bauarten augenscheinlich. Bei beiden Bauarten konnte man sich eine Vorstellung von der rentablen Fabrikationsmethode machen, wenn gut durchgebildete Hilfsmittel von Spezialeinrichtungen Schablonen, Matrizen und Werkzeugen zur Verfügung stehen. Auch vergleichende Darstellungen von Fabrikationsgängen unter Verwendung von verschiedenen Baumitteln, wie Winkel- oder Rundprofil, gab interessante Einblicke; es zeigte sich, daß z. B. Rundprofile kompliziertere Knotenpunkte verlangen. Auf die Einzelheiten werden wir bei der Besprechung der einzelnen Konstruktionen noch zurückkommen.

Konstruktionseinzelheiten,

Die Hauptstände in der Mitte wurden von Louis Bregnet, Potez, Nieuport Delage und Liore et Olivier eingenommen. Auf dem Stand von

—: . .----

Photo Bransel', Paris.

Pariser Salon: Italienisches Luftministerium. Torpedo-Wasserflugzeug Savoia

Marchetti.

Breguet

sah man im Vordergrund den Breguet XIX von Costes und Le Brix, mit welchem diese den großen Weltflug vollbrachten; ferner einen großen, blauen Verkehrsdoppeldecker für acht Fluggäste mit 500 PS wassergekühltem Renaultmotor im Rumpfvorderteil. Das Gerippe von Rumpf und Flügel war aus Duralumin, mit Leinwand bespannt Flügelinhalt 55 m2, Gewicht belastet 3320 kg, Geschwindigkeit 200 km. Rechts vom Eingang sah man auf dem Stand von

Potez

ein Aufklärungsflugzeug Potez 35, sowie ein kleines Verkehrsflugzeug Potez 32 in Metallbau als Zubringer-Maschine mit verkleidetem Führerraum nach amerikanischer Bauart.

Der Typ 35 mit zwei zu beiden Seiten des Rumpfes vor dem Flügel angeordneten Renaultmotoren von 480 PS ist für Kampf und Bombenwerfen bestimmt. Motor mit Motorbock sind leicht auswechselbar. Der mit hintereinanderliegender Doppelsteuerung ausgerüstete Führerraum ist mit anschließendem Photographier- und Radioraum bequem begehbar. Die untenstehende Skizze gibt eine Vorstellung von der Raumverteilung. Die beiden Hauptbetriebsstoffbehälter von je 350 Liter sind im Innern der Flügel untergebracht.

Spannweite 19,2 m, Länge 12,8 m, Höhe 3,2 m, Flügelinhalt 63,2 in2, Leergewicht mit Wasser 2130 kg, Betriebsstoff 520 kg, Nutzlast 800 kg, Gesamtgewicht 3450 kg. Geschwindigkeit in Bodennähe 242 km/Std., Geschwindigkeit in 3500 m 230 km/Std. Gipfelhöhe 7000 m.

Der Typ 32, ein abgestrebter Eindecker, mit dreiteiligem Flügel, Mittelstück und Ansatzflügel, macht einen soliden Eindruck. Baumaterial vorwiegend Holz. Fahrgestell mit schwingenden Halbachsen. Die Einstellung der verstellbaren Höhenflosse kann vom Führersitz wahrgenommen werden. Hinter dem vollständig mit Fenstern eingekleideten Führerraum liegen vier Fluggastsitze mit anschließender

Potez Aufklärungs Flugzeug Typ 35.

Blick in den Führ er räum.

Copyright „Flugsport"

Copyright „Flugsport"

Toilette. Einsteigtür von der linken Seite. Die obenstehende Skizze zeigt einen Blick in den Fluggastraum.

Spannweite 14,5 m, Länge 10,15 m, Höhe 4 m, Flügelinhalt 35,2 m2, Motor Salmson 230 PS, Leergewicht 950 kg, Gesamtbelastung 800 kg, Gesamtgewicht 1750 kg, Belastung pro nf 50 kg, pro PS 7 kg, Geschwindigkeit am Boden 190 km/Std., Gipfelhöhe 4500 m, Aktionsradius 800 km.

Liore et Olivier,

welcher fabrikatorisch die Metall-Bauweise bereits sehr weit entwickelt hat, zeigte ein Zweimotoren-Aufklärungsflugzeug mit 500 PS Bristol-Jupiter-Motoren. Die unbespannte Metallzelle hatte man, um die große Spannweite erkenntlich zu machen, senkrecht aufgestellt. Einen rassigen Eindruck machte ein kleines Flugboot mit hoch über dem Flügel liegendem Bristol-Jupiter-Motor und hintenliegender Schraube (vergleiche die untenstehende Abbildung). Die Befestigung und Form der durch Schotten unterteilten seitlichen Stützschwimmer mit Handlochverschlüssen ist gleichfalls nebenstehend skizziert.

Der große Stand von Nieaport Delage wurde von einem im Bau befindlichen Mittelstück eines großen Zweischwimmer-Eindeckers ausgefüllt. Bei diesem Wasserflugzeug waren

Flugboot Liore Ct Olivier. Copyright „Flugsport"

die stark beanspruchten Teile, wie Rumpf-Profilholme, aus Stahlblech und leichter beanspruchte Teile aus Duralumin gezogen. Um den Raum zwischen den Schwimmern (siehe die obenstehende Abbildung) für Bomben und Torpedos frei zu bekommen, sind die Schwimmer gegen die Motorenausleger abgestützt. Das auf dem gleichen Stand befindliche Jagdflugzeug in Ganz-Metall, wovon ein Flügel unbespannt war, zeigte einen außerordentlich komplizierten Aufbau und auffallend viele Luftwiderstand bildende Knotenpunkte. Die in den Flügeln untergebrachten Hauptbenzinbehälter waren abwerfbar eingerichtet.

Der Typ 52 C 1 hat: Spannweite 12 m, Höhe 2 m, Oesamtlänge 7,5 ni, Gewicht marschbereit 1800 kg, Belastung pro PS 3,2 kg, Geschwindigkeit in 7500 m Höhe 226 km, Steigfähigkeit 7700 m in 37 Min.

Sehr schöne Details zeigte das in Ganz-Metall ausgeführte Stafettenflugzeug von

Pariser Salon: Stand von Nieuport Delage. Im Bau befindliches Mittelstück eines Metall-Zweischwimmereindeckers.

fiamiot,

Der Motor mit Motorbock läßt sich durch Lösen von vier Schrauben schnell auswechseln. Die vorstehenden Abbildungen zeigen den verkleideten Motorbock mit den Anschlußverschraubungen an dem Rumpf; ferner die Anordnung des Fahrgestells sowie Führerraum mit seitlichen Sichtfenstern.

Morane-Saulnier

baut seine Flugzeuge noch mit Flügelverspannung über einem Spannturm. Der auf dem Stand befindliche Typ 149 hat einen 95-PS-Salm-son-Motor, der in der Stunde 25 1 Benzin und 800 g Oel verbraucht. Geschwindigkeit 130 km.

Einen sehr guten Eindruck machte das auf dem Stand von

Schreck

befindliche, gelb angestrichene Post-Wasserflugboot Typ 21 mit 450 PS Lorraine-Dietrich. Der Motor, tropfenförmig verkleidet, treibt eine Zugschraube. Fortsetzung folgt.

Copyright „Flugsport"

Die Siemens-Sternmotoren.

Die drei Typen der Siemens-Sternmotoren sind unseren Lesern aus der Nr. 8 des „Flugsport" vom 13. April 1927 bekannt. Wir bringen nun noch einige Abbildungen der Siemens-Motoren — des Sh 10 5 Zylinders von 60/70 PS, des Sh 11 7 Zylinders von 84/96 PS und des, Sh 12 9 Zylinders von 108/125 PS —, aus denen die näheren Konstruktionseinzelheiten zu ersehen sind.

Das Kurbelgehäuse ist zweiteilig ausgeführt. Trennfuge und Zentrierung der Leichtmetall-Kurbelgehäusehälften liegen in der Zylindermittelebene. Im Hintergehäuse eingegossen ist der ringförmige Saugkanal. Die Kurbelgehäusehälften werden gleichzeitig mit den Abschlußdeckeln durch durchgehende Schraubenbolzen zusammengehalten. Der hintere Abschlußdeckel trägt die zwei Zündapparate,

Siemens-Sternmotor Sh 12, mit Auspuff Sammler, Vorwärmer und Anlasserfuß.

MM

.;- ff ^ S+r

Wmk

Siemens-Sternmotor Sh 11.

Oel- und Luftpumpe. Für die Kugellager der Kurbelwelle sind

Bronzebuchsen eingepreßt und verschraubt.

Die Kurbelwelle ist zwecks Aufbringung der Kugellager zweiteilig ausgeführt. Sie ist durchgehend hohlgebohrt. Besonders leicht ist das hintere Ende gehalten, da dieses nur kleine Kräfte zu übertragen hat. Die Gegengewichte auf den Kurbelwangen werden durch Querbolzen und Paßstift gehalten. Die Verbindung der beiden

Siemens-Sternmotor Sh 10.

Wellenhälften geschieht durch einen schlanken Konus mit Mutter und Paßstift. Das Material der Kurbelwelle ist hochwertiger Chromnickelstahl.

Die Pleuelstangen von rohrförmigem Querschnitt sind aus hochwertigem Vergütungsstahl. Der Kopf der Hauptpleuelstange, in dem die Nebenpleuel um Bolzen schwingen, umfaßt die Kröpfung über Kugellager. Die Anlenkungs- und Kolbenbolzen laufen in eingepreßten Bronzebuchsen.

Alle Pleuelstangen sind auf gleiches Gewicht und gleiche Schwerpunktlage gebracht.

Rückansicht des Sh 12.

a) hintere Kurbelwelle, b) Schmierölbohrung:, c) Antriebsrad zur Oelpumpe, d) Antriebsrad für die Magnetapparate, e) Vergaser, f) Vergaseranschluß an den ring-s förmigen Saugkanal, g) Ansaugrohr-Anschluß, h) Ansaugrohr, i) Nebenpleuelstange.

Kurbeltrieb des Sh 12. a) Kurbelwelle mit b) Gegengewichten, c) Hauptpleuelstange, d) Anschluß für Ansaugrohre, e) Oelsumpf, f) Oelablaß.

Ebenso sind auch die Leichtmetallkolben auf gleiches Gewicht gebracht, um einen einwandfreien Massenausgleich zu gewährleisten.

Die Zylinder bestehen aus Stahllaufbuchse und Leichtmetall-Zylinderkopf, der durch Schrumpfring und Gegenmutter gegen Verdrehung gesichert ist. Für Ventilsitze und Zündkerze sind Einsätze aus Spezialbronze vorgesehen. Die Ventile, die quer zur Flugrichtung liegen, bestehen aus hitzebeständigem Stahl. Sie werden durch Stoßstangen und Steuerhebel, die auf Rollen laufen, betätigt.

Die Rollenstößel laufen in Bronzebuchsen, die in Stößel- 1

führungen aus

Leichtmetall |#^. „

eingesetzt ,,

sind. In ihrem .. H; * *

Innern neh- . '

men die Stö- , ;jr:-ßelführungen eine lange Feder auf, die das Herausfallen der Hauptpleuel, Nebenpleucl und zugehöriger Anlenkbolzen.

30

Stoßstangen beim Hängenbleiben eines Ventils verhindert. Das Einlaßventil öffnet 6° vor dem oberen und schließt 48° nach dem unteren Totpunkt. Das Auslaßventil öffnet 48° vor dem unteren und schließt 6° nach dem oberen Totpunkt. Die Vorzündung bertägt 34°.

Die beiden Oelpumpen sind so dimensioniert, daß die Rücklaufpumpe die doppelte Menge wie die Frischölpumpe fördert. Das Kurbelgehäuse ist also immer frei von Oel.

Der Auspuffsammler dient gleichzeitig zur Vorwärmung der angesaugten Luft.

fr

Zylinderkopf mit Steuerung, a) Aufgesetzter Ventilhebel für Einlaßventil, b) für Auslaßventil, c) Einlaßstcuer-hebel mit Welle, d) Auslaßsteuerhebel mit Welle, e) Kugelschraube zur Einstellung des Ventilspiels, f) Steuerbrücke, g) Ansaugrohr, h) Einspritzhahn (nur am

obersten Zylinder),

Napler Lion Serie XI A.

Bei der neuen Type der Napier-Motoren sind die Erfahrungen, die bei den übrigen Typen gemacht wurden, zur Vervollkommnung des Motors herangezogen worden. So hat sich z. B. gezeigt, daß es zweckmäßig ist, die Vergaser an die Rückseite der Maschine zu legen, da sie hier von den Zylindern gegen den Luftstrom gedeckt sind.

Der Motor besitzt 12 Zylinder, die V-förmig unter 30 Grad angeordnet sind. Je 4 Zylinder sind zu einem Block vereinigt. Die Zylinder haben eine Bohrung von 139,7 mm und einen Hub von 130,2 mm. Der Motor leistet mit einem Kompressions Verhältnis von 6,1 bei einer normalen Umdrehungszahl von 2530 530 PS, bei einer Umdrehungszahl von 2585 570 PS. Das Gewicht der Maschine beträgt mit Schraubennabe, Getriebe, Anlasser 451 kg, das Gewicht pro PS also bei normaler Leistung 1,04 kg/PS, bei maximaler Leistung 0,967 kg/PS. Der Brennstoffverbrauch ist 229 g/PS/h bei normaler Leistung, der Oel-verbrauch 10,6 g/PS/h.

Der Napier-Lion-Flugmotor Serie XI A.

Der Motor hat eine Länge von 1550 mm, eine Breite von 1067 mm und eine Höhe von 991 mm.

Der Motor hat sich im Betrieb sehr gut bewährt; so wurde der Flug Kairo-Kap Town und zurück mit diesem Motor ausgeführt. Auch den 100-Stunden-Versuch des britischen Luftministeriums hat der Motor sehr gut durchgehalten.

„ILA" Berlin 1928.

Die Vorbereitungen für die erste große Internationale Luftfahrt-Ausstellung nach dem Kriege, die „ILA" Berlin 1928, die in der Zeit vom 7.—28. Okt. auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm stattfinden wird, sind gerade in diesen Tagen der Ozeansiegesfeiern zum Abschluß gekommen. Der Zufall ließ das Eintreffen der siegreichen ,,Bremen"-Besatzung Köhl, Fitzmaurice und von Hünefeld zusammenfallen mit einem auf den heutigen Sonnabend nach dem Flughafen Tempclhof einberufenen Empfang der in- und ausländischen Presse, zu dem die Veranstalter — der Reichsverband der deutschen Luftfahrt-Industrie E. V. und das Ausstel-

lungs-, Messe- und Fremdenverkehrs-Amt der Stadt Berlin — eingeladen hatten. Der Empfang gestaltete sich durch die außerordentlich große Zahl der erschienenen in- und ausländischen Vertreter, durch die bekanntgegebenen Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten und durch die persönliche Anwesenheit der drei Ozeanbesieger zu einem besonderen Ereignis.

Die Gäste, unter denen sich zahlreiche prominente Vertreter der Luftfahrt-Industrie, des Auswärtigen Amtes, des Reichsverkehrs-Ministeriums, des Preußischen Staatsministeriums, des Preußischen Ministeriums des Innern und der Stadtverwaltung befanden, wurden in der Halle der Lufthansa durch den Direktor des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehr.s-Amtes der Stadt Berlin, Dr. Adolf Schick, begrüßt, der die Anwesenheit der Ozeanflieger als ein glückhaftes Symbol auch für das Gelingen der „ILA" bezeichnete, zum Besten deutscher Pionierarbeit auf dem Gebiete der Luftfahrt, zum Besten der Fortentwicklung der Luftfahrt-Interessen der ganzen Welt im Dienste des Friedens und der Völkerverständigung! Dr. Schick führte u. a. folgendes aus:

„Unser heutiger Empfang der in- und ausländischen Tages- und Fachpresse hat zu unserer großen Freude dadurch eine ganz besondere Auszeichnung erfahren, daß sich unsere kühnen Ozeanbezwinger, Dr. Köhl, Fitzmaurice und von Hünefeld, auf unsere Bitte bereitgefunden haben, trotz ihrer großen Inanspruchnahme der letzten Tage hier zu erscheinen, um damit dem Gedanken der „TLA" Berlin, der kommenden großen Internationalen Luftfahrt-Ausstellung in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm, ihr besonderes Interesse zu bekunden. Ich glaube, nicht nur im Namen der Ausstellungsveranstalter der „ILA", sondern sicherlich auch in Ihrer aller Namen zu sprechen, wenn ich unseren allverehrten und bewunderten Ozeanfliegern mit allerherzlichsten Willkommensgrüßen für ihr Erscheinen unseren aufrichtigen Dank sage.

Es ist in diesen Tagen allerorts und nicht zuletzt an dieser Stätte, aus berufenerem Munde die geradezu epochale Bedeutung der fliegerischen Leistung, die in der ersten Atlantik-Ueberquerung von Ost nach West liegt, gewürdigt worden. Es bleibt den Veranstaltern der „ILA" ihrerseits nur übrig festzustellen, daß der Plan Deutschlands, im Oktober dieses Jahres die erste große, ausschließlich friedlichen Zwecken gewidmete Internationale Luftfahrt-Ausstellung nach dem Kriege in der deutschen Reichshauptstadt zu veranstalten und alle Luftfahrt treibenden Staaten der Welt zu dieser großen Schau bei sich zu Gaste zu sehen, durch den Ruhm der unter uns weilenden Pioniere der Luft aufs neue gerechtfertigt und beflügelt worden ist. Ist doch durch den mit einem deutschen Flugzeug vollbrachten Ozeanflug der Nachweis, den auch die „ILA" Berlin führen will, vor den Augen der Welt aufs .sichtbarste erbracht; daß die deutsche Luftfahrt-Industrie in der Lage ist, sich im Rahmen der Ausstellung in friedlichem Wettbewerb mit den Luftfahrt-Interessen des Auslandes zu messen und haben doch andererseits gerade unsere deutschen Ozeanflieger durch ihre edle Zusammenarbeit mit Herrn Fitzmaurice und durch das Welt-Echo, das ihr Flug weckte, und ganz besonders in der neuen Welt zur gesteigerten Weltgeltung deutscher Gründlichkeit, deutschen Wagemuts und deutscher Arbeit verhalf, mit dazu beigetragen, die völkerverbindende Mission der Luftfahrt zu unterstreichen, die der andere wichtige Zweck unserer Internationalen Luftfahrt-Ausstellung in Berlin ist.

So grüßen wir heute die Ozeanflieger ganz besonders als kraftvolle Wegbereiter und Förderer der „ILA" Berlin 1928 und sehen in ihrer heutigen Anwesenheit bei unserem, der Vorbereitung der , ILA" dienenden Presse-Empfang ein glückbaftes Symbol auch für das Gelingen unserer „ILA" zum Besten deutscher Pionierarbeit auf dem Gebiete der Luftfahrt, zum Besten der Fortentwicklung der Luftfahrt-Interessen der ganzen Welt im Dienste des Friedens und der Völkerverständigung!"

Hierauf ergriff der Direktor des Reichsverbandcs der deutschen Luftfahrt-Industrie E. V. und Geschäftsführer der „ILA" Berlin 1928, Tetens, das Wort, um über den Stand der Aufbauarbeiten zu berichten. Er wies eingangs auf die hohe Bedeutung hin, die der Ausstellung nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte WTelt. zukäme. Dann skizzierte er noch einmal kurz die Einteilung; die ursprünglich vorgesehenen 5 Gruppen sind beibehalten, und zwar:

1. Luftfahrzeugindustrie (Flugzeuge, Motoren, Modelle usw.).

2. Luftverkehr (deutsch und international).

3. Flugzeugführer (Ausbildung zum Sport- und Verkehrsflieger).

4. Wissenschaftliche Abteilung.

5. Historische Abteilung.

Dank der intensiv betriebenen Ausstellerwerbung, der persönlichen Fühlungnahme mit dem Auslande und durch eigens hierzu bestellte Vertreter des Reichsverbandes in den verschiedensten Industrieländern, ist nach den bisher eingegangenen Meldungen die Beteiligung als außerordentlich befriedigend zu bezeichnen, und es ist damit zu rechnen, daß die ca. 30 000 qm der alten und neuen Automobilhalle am Kaiserdamm vollständig belegt werden. Soweit sich bisher übersehen läßt, wird die Raumverteilung etwa folgende werden: Tn der Halle I werden ausstellen: die gesamte deutsche Flugzeug-, Flugmotoren- und Liefer-Industrie, darunter auch die Firma Junkers, der deutsche Luftverkehr, Flughafen- und Boden-Organisation; in der Halle II: die gesamten ausländischen Aussteller und die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt, im Obergeschoß der Halle II: die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt, wissenschaftliche und historische Abteilung und Luftbildwesen.

Vom Auslande werden erscheinen: Frankreich mit seiner ganzen Flugzeug-und Motoren-Industrie sowie den nötigen Hilfsindustrien (vertreten durch die ,,Chambre Syndikaie des Industries Aeronautiques), Italien und Tschechoslowakei (vertreten durch die betreffenden Regierungen), Rußland, England und Belgien; ferner liegen Anmeldungen vor aus der Schweiz, Oesterreich, Ungarn, Schweden, Dänemark und Spanien. Eine Beteiligung von Amerika, besonders der Vereinigten Staaten, ist ebenfalls zu erwarten, doch sind die Verhandlungen hier noch nicht zum endgültigen Abschluß gekommen. Wenn also die Internationale Luftfahrt-Ausstellung Berlin 1928 (IIa) am 7. Oktober d. J. für 3 Wochen ihre Tore öffnet, so wird dies ein bedeutungsvolles Ereignis sein, denn auf die Allgemeinheit wird die „ILA" auch noch deshalb eine besondere Anziehungskraft ausüben, weil auf ihr nicht nur Flugzeuge in Modellen, wie sonst meistenteils üblich, sondern in natürlicher Größe vorhanden sein werden, so daß hier auch jedem Laien gezeigt wird, was sonst nur derjenige zu sehen bekommt, der der Luftfahrt und dem Luftverkehr nahesteht. Dir. Tetens sprach u. a. die Hoffnung aus, die „Bremen"', mit der der deutsche Ozeanflug gelungen sei, auf der „ILA" zu sehen.

Zum Schluß beschrieb der Leiter der Presse- und Werbe-Abteilung des Aus-stellungs-, Messe- und Fremdenverkehrs-Amtes der Stadt Berlin, Chefredakteur Karl Vetter, die Wege, auf denen im In- und Auslande für den Besuch der „ILA", als das Weltereignis des Herbstes, geworben wird. Es sind nicht nur seit Monaten Inserate, Plakate und der Rundfunk mobilisiert, es arbeiten nicht nur zahlreiche Vertreter der Ausstellungsleitung im Auslande persönlich, die Schiffahrtslinien werben (besonders in den Vereinigten Staaten), und auch mit Flugzeug und Luftschiff selbst wird der Welt zugerufen: „Auf zur ,ILA' nach Berlin!" Der Redner machte in diesem Zusammenhang Mitteilungen von einem Propagandaflug, der von dem bekannten Segelflieger Dipl.-Ing. Arthur Martens mit dem eigens für diesen Zweck gebauten und entsprechend kenntlich gemachten Flugzeug „ILA" Berlin 1928 im Auftrage der Ausstellungsleitimg durch zahlreiche Städte Europas in den nächsten Wrochen zur Durchführung gebracht wird. Ueber eine „ILA"-Fahrt des neuen Zeppelins zur Landung in Staaken und die propagandistische Bedeutung des Zeppelin-Fluges nach Amerika vor der „ILA" führte er wörtlich aus:

„Wir istehen in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem Luftschiffbau Zeppelin, um das vor seiner Vollendung stehende neue Zeppelin-Luftschiff zu einer besonderen ,,ILA"-Fahrt zur Zeit der Ausstellung über Europa zu veranlassen, die in einer Landung in Staaken, die wir durch Erstellung eines Ankermastes möglich machen werden, während der Ausstellungszeit ihre besondere Bedeutung für die Ausstellung finden soll. Wir hoffen, daß diese Verhandlungen zu einem baldigen Abschluß führen, der es uns ermöglicht, „ILA"-Besuch am Kaiserdamm und Zeppelin-Besichtigung in Staaken für eine Reihe von Ausstellungstagen zu einer organisatorischen Einheit zusammenzufassen, die allen, wie wir hoffen, 'Hunderttausenden Besuchern der „ILA" auch die Besichtigung dieses neuen erfolgversprechenden Instrumentes deutscher Luftfahrtindustrie ermöglicht. Durch entsprechende Verkehrsverbindungen zwischen Witzleben und Staaken, die bei der Nähe beider Ausstellungsstätten und den vorhandenen guten Verkehrsmöglichkeiten unschwer auszunützen sein dürften, hoffen wir, diese organisatorische Maßnahme ganz besonders wertvoll zu machen. Wir geben der Hoffnung Ausdruck,

das zur „ILA"-Fahrt in Berlin gelandete Zeppelin-Luftschiff gleichzeitig begrüßen zu können als doppelten neuen Ozeanbezwinger von seinem Rückflug aus Amerika, wohin es voraussichtlich vor der „ILA" die ersten größeren Fahrten führen werden. Wir hoffen zuversichtlich, daß auf Grund entsprechender Verhandlungen das neue Zeppelin-Luftschiff auch bei seinem Amerika-Flug die Werbeinteressen unserer Internationalen Luftfahrt-Ausstellung als lebendigstes Werbeinstrument in besonderer Weise, die zur Zeit Gegenstand der Verhandlungen mit dem Luftschiffbau Zeppelin ist, vertreten kann."

Zum Schlüsse streifte Vetter die zur Zeit der „ILA" in Berlin stattfindende Veranstaltung: „Berlin im Licht", die in Zusammenarbeit mit der „ILA" zu einer anziehungskräftigen und neuartigen Nacht-Flugveranstaltung: einem „ILA-Licht-fest in Tempelhof", voraussichtlich am Abend des 13. Okt. ausgebaut werden soll.

Inland.

Mitteilung der Rhön-Rossitten-Gesellschaft E. V.

Mit Genehmigung des Deutschen Luftrates wird der Termin des Rhön-Segelflug-Wettbewerbs 1928 mit Rücksicht auf den französischen Küstensegelflugwett-bewerb in Vauville, welcher von einer deutschen Segelflicgergruppe beschickt wird und erst am 26. Juli zu Ende geht, um 3 Tage verschoben. Der Rhön-Segelfmg-Wettbewerb beginnt demgemäß erst am

Mittwoch, den 1. August, und dauert bis Mittwoch, den 15. August.

Die übrigen Daten betreffend Nennungsschluß, Probe- und Zulassungsflüge ändern sich nicht.

Rhön-Segelflug-Wettbewerb 1928. I. A.: gez.: Dr. Graf Ysenburg.

Die Segelfliegerschulen der Rhön-Rossitten-Gesellschaft auf der Wasserkuppe und in Rossitten sind seitens der Reichsbahnverwaltung als Fachschulen im Sinne des Tarifs anerkannt worden, so daß Schüler, welche an einem Kursus auf einer der beiden Schulen teilnehmen, Fahrpreisvergünstigung im Rahmen der hierfür einschlägigen Bestimmungen genießen.

Um die Vergünstigung zu erlangen, haben die Schüler bei der Fahrt zur Schule die Fahrkarte am Zielort nicht abzugeben, sondern mit der Begründung der beabsichtigten Reklamation zurückzubehalten und dem Schulleiter abzuliefern, der die Rückvergütung des Differenzbetrages veranlassen wird.

Beim Verlassen der Schule wird von Seiten der Schule die Fahrpreisermäßigung beantragt werden.

103 Meldungen für den diesjährigen Rhön-Segelflug-Wettbewerb.

Während in anderen Ländern der Segclflug nur Gastrollen gespielt hat, hat sich in Deutschland der Segelflugsport in aufsteigender Linie gewaltig entwickelt. Bis heute liegen 103 Meldungen vor;dabei ist erst Nachmeldeschluß 10. Juli. Da für die vielen Teilnehmer auf der Wasserklippe keine Unterkunftsmöglichkeit vorhanden ist, wird man vielfach zu der alten, in früheren Jahren geübten Unterbringungsart zurückgreifen müssen und in der Unterbringung vor allem jene Flugzeuge bevorzugen, welche gemäß der Ausschreibung ihren Verpflichtungen nachkommen.

Die historische Abteilung der „ILA" Berlin 1928. Ein Appell der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt.

Getreu der ersten „ILA" Frankfurt a. M. 1909 ist auch für die „ILA" Berlin von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt (WGL) eine historische Abteilung geplant, die einen möglichst umfassenden Ueberblick über die aeronautischen Bestrebungen der Kulturvölker bis zum Weltkrieg geben soll. Zum Unterschied von der Frankfurter „ILA", die bekanntlich als erste ihrer Art in Fachkreisen das größte Interesse fand, soll die historische Abteilung der Berliner

„ILA" nämlich auch noch, die Zeit umfassen, die von der Jahrhundertwende ab bis zum Jahre 1914 die Entwicklung der Luftfahrt durch reichhaltiges und umfangreiches Bilder- und Büchermaterial, durch historische Modelle, Archivalien, Briefe, Skizzen, Medaillen usw. systematisch veranschaulicht.

Zu diesem Zweck soll an Regierungen, Behörden, Luftschiffverbände und wissenschaftliche Gesellschaften, die tätigen Anteil an der phantastischen Entwicklung der Luftschiffahrt genommen haben, mit dem Appell zur Beschickung der Berliner Ausstellung herangetreten werden. Die Kostbarkeiten und reichhaltigen Schätze der der Oeffentlichkeit sonst nicht zugänglichen Dokumente sollen durch diesen Werberuf den interessierten breiten Massen den sprunghaften Entwicklungsgang der Luftschiffahrt zeigen. Ferner sind auf Grund der Unterlagen des Liebmann-Wahlschen Kataloges der historischen Abteilung der „ILA"-Frankfurt a. M. 1912 all die Quellen auszuschöpfen, die Dokumente über die historische Entwicklung der Luftschiffahrt einzeln aufführen. Es ergehen daher an alle Bibliotheken, Museen, Archive, Luftschiffervereine, Antiquare, Kunsthändler, Sammler usw. Aufrufe, die zur Beschickung der historischen Abteilung der Berliner „ILA" einladen. Es ist zu hoffen, daß diesem Werberuf in noch reichlicherem Maße als im Jahre 1909 Folge geleistet wird.

Die Ausstellungsleitung sichert allen Ausstellern ausdrücklich absolute Garantie und Sicherheit für die ihr anvertrauten Schätze zu. Sie trägt auch die Versicherungskosten in der ihr angegebenen Höhe, sowie alle Versand- und Verpackungsspesen.

Als Leiter dieser Ausstellung wurde von der WGL. Herr Dr. Louis Liebmann aus Frankfurt a. M., der Mitleiter der historischen Abteilung der Frankfurter „ILA", gewonnen. Die damalige historische Ausstellung hat sich auch über die Aus» Stellungszeit hinaus einen wissenschaftlichen Namen gesichert.

Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt E. V., Berlin W 35, Blumeshof 17 IV. Fernsprecher: Lützow 6508, 2409—13. Telegrammadresse: Flugwissen.

-4 A 4

Empfang der Bremen-Flieger an Bord des Cohimbus. Von links nach rechts: Ministerialdir. Brandenburg, Hauptmann Köhl, Major Fitzmaurice, Freiherr v. Hünefeld.

• 4-

Die „Deutsche Flugspendc", die zu Ehren der Transozeanflieger vom Deutschen Luftfahrtverband e.V. eingeleitet worden ist, ist durch gemeinsamen Be-schlu(j der D-Banken mit dem Beitrage von RM 50 000.— eröffnet worden. Die „Deutsche Flugspendc" soll bekanntlich der Förderung sportlicher Flüge, zur Ausschreibung von Preisen und zur Fortbildung besonders begabter, aber minderbemittelter junger Sportflieger dienen. Wie die Zuschriften und Aufrufe großer deutscher Wirtschaftsverbände erkennen lassen, hat der Gedanke der „Deutschen Flugspende" weiteste Zustimmung gefunden. So haben sich die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels, der Reichsverband des Deutschen Verkehrsgewerbes, der Deutsche Industrie- und Handelstag, der Deutsche Städte- und Landkreistag usw. mit Aufrufen an ihre Organisationen gewandt, in denen sie betonen, daß jede Förderung des deutschen Fluggedankens eine Stärkung des Ansehens Deutschlands in der Welt bedeutet, und daß die Ausbildung junger Kräfte und die Unterstützung des deutschen Flugsportes durch die hierbei gesammelten Erfahrungen, nicht zuletzt auch der deutschen Handelsluftfahrt, die im Dienste der deutschen Wirtschaft steht zugutekommen. Eine wertvolle Unterstützung erfährt die „Deutsche Flugspende" auch durch einen Aufruf, der von sämtlichen großen deutschen Anslandsverbätiden unterzeichnet und allen Ausländsdeutschen zur Kenntnis gebracht worden ist mit der Bitte um weitestgehende Förderung der „Deutschen Flugspende". Durch Sinnsprüche, die von Bürgermeister Dr. Lohmeyer, Oberbürgermeister Dr. Adenauer, Dr.-lng. e. h. Eckener, Ministerpräsident a. D. Dr. Ii. c. Stegerwald, Reichsministcr a. D. Dr. Scholz, Landesdirektor von Winterfeld, Freiherrn v. d. Goltz von der Hapag usw. zur Verfügung gestellt wurden, wird ebenfalls das Ziel der „Deutschen Flugspendc" wirkungsvoll unterstrichen.

Beiträge zur „Deutschen Flugspende" werden von sämtlichen Postanstalten,

Heinkel-Landflugzeug H D 22b mit Junkers L. 5-Motor als Reisemaschine des Luftattaches der amerikanischen Botschaft in Berlin, Herrn Major Geo.

E. A. Reinburg.

Reichsbanknebenstellen, Banken, Sparkassen usw. sowie auf dem Zeiitral-Post-konto der „Deutschen Flugspende" Berlin 130198 entgegengenommen.

Den Ozeanfliegern wurde die Adlerplakette des Reichsausschusses für Leibes» Übungen überreicht.

Ausland.

Fronval t, einer der tüchtigsten französischen Flugzeugführer, wurde am 28. Juni von einem anderen französischen Flieger beim Rollen auf der Erde angefahren. Der wohl durch Somienblendung verursachte Zusammenstoß war so stark, daß der über cbm fassende Benzinbehälter zerriß und Feuer fing. Während der andere Flugzeugführer und Beobachter herausgeschleudert wurden, verunglückte Fronval tödlich.

Italienischer Rundflug.

Im September d. J. wird in Italien ein Rundung durchgeführt werden, an dem sich nur Leichtflugzeuge italienischer Konstruktion beteiligen dürfen. Der Flug führt von Rom über Neapel—Foggia—Padua—Mailand—Turin—Bologna—Florenz —Pisa zurück nach Rom. Als Preise wurden vom italienischen Luftniinisteriuin und vom Italienischen Aero-Club je 150 000 Lire ausgesetzt.