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Zeitschrift Flugsport, Heft 16/1927

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 16/1927 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte Flugwesen

Brief-Adr.: Redaktion u. Verlag „Flugsport", Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8

Telefon: Hansa 4557 — Telegramm-Adresse: Ursinus — Postscheck-Konto Frankfurt (Main) 7701

[ Bezugspreis f. In- u. Ausland pro K Jahr bei 14täg. Erscheinen Mk. 4.50 frei Haus.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Postanstalten und Verlag. 1 Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen,

nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Nr. 16_3. August 1927__XIX. Jahrgang

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 17. August

Rhön 1927.

Der achte Segelflug in der Rhön hat diesmal bei warmem, windschwachem Wetter begonnen. Trotzdem wurde bereits am Sonntag tüchtig geflogen; es wurden 75 Flüge ausgeführt. Von den gemeldeten Maschinen waren 65 zur Stelle.

Das Fliegeiiager hat sich immer weiter ausgedehnt. Die vielen weißen Flügel bedecken die umliegenden Lagerwiesen, das Segelfliegersportfeld der Rhön! — Sollte es nicht einmal wirklich international werden? Sollte es nicht einmal der Tummelplatz der europäischen Jungflieger werden?--

Vor und in den Zelten wurde emsig geleimt und geklopft. Es war ein herrliches Bild, das fieberhafte Arbeiten der Flieger, meistenteils nur mit Sporthose bekleidet, zu beobachten. Auch die Franzosen trafen pünktlich noch Sonnabendabend mit ihrem Flugzeug-Transportauto ein.

Die erschienenen Flugzeuge zeigten allerhand interessante Versuche in den verschiedensten Richtungen. „La Pruvo", gebaut von Kirchner, ist ein kleines, gut geformtes Maschinchen von nur 32 kg Gewicht bei 9 m Spannweite, 8,5 m2 Flügelinhalt und 90 cm Gesamthöhe.

Guten Eindruck macht sowohl hinsichtlich Maschinenarbeit wie geschlossener Gruppenzusammenarbeit die „Marcho Silesia". Ferner sind neu frisiert die Münchener und Fuldaer Maschinen. Soliden, flugfähigen Eindruck machen die Flugzeuge der Hamburger. Espenlaub brachte seine „Espenlaub 11" mit 35 PS Anzani mit, an die er ein Segelflugzeug, ähnlich der „Espenlaub 10", anhängen kann, j Auch Hoppe ist mit einem kleinen Motorflugzeug, mit 14 PS Vil-

[ liersmotor, erschienen. Zum Wettbewerb fliegt er eine hochwertige

Segelmaschine „Erni".

Fick brachte sein Segelflugboot „Vogel Roch" nach der Wasserkuppe. Dieses Flugzeug, welches bereits im Jahre 1923/24 entstanden ist, macht selbst noch heute einen sehr guten Eindruck, Der Flügel

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Vom Wettbewerb in der Rhön: Espenlaub 11 mit 35 PS Anzani.

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Vom Wettbewerb in der Rhön: Die'i-„Schwanzlose" der R. R. Q.

von 12,3 m Spannweite hat Querruder mit Lachmann-Schlitzen. Der Gesamtaufbau dürfte einmal vorbildlich werden, von der Werkstattarbeit abgesehen, für ein Leichtmotorflugzeug mit hintenliegendem Motor, geeignet für Sondersport auf Binnenseen. Für die Flüge auf der Wasserkuppe war die Unterseite des Bootes mit einer pneumatisch abgefederten Kufe versehen.

Vom Wettbewerb in der Rhön: Eindecker „La Pruvo" von Kirchner, Kassel. Man beachte die leichte undVe in fache Gitterkonstruktion des Holmes,

Winter-Segelflüge Iii Rußland

Wenn auch durch die Presse usw. wenig bekannt wurde, so waren die russischen Segelflieger doch nicht müßig und haben in aller Stille weitergearbeitet und selbst im strengsten Winter ihren Segelflugbetrieb aufrecht erhalten. In der Zeit vom Dezember vorigen Jahres bis März wurde an jedem Sonn- und Feiertag geschult und konnten so 20 Flugtage durchgeführt werden. Zur Schulung wurde u. a. auch ein, von einem Deutschen in der Krim erbauter „Pegasus" verwendet.

Wir zeigen nebenstehend einige Abbildungen der Wintersegelflüge :

Großes Bild: Der von Luschina und Tolstych erbaute „Mastjascheart" im Fluge. Kleine Bilder: Links oben und rechts unten: Hochdecker „Cakawkasez" (Hinterkaukasus) nach der Landung und beim Transport mit Pferd. — Mitte: „Starasja Werek" (Bemühe dich nach oben), erbaut vom Verein „Autopolka", kurz nachdem Start.

Vom Wettbewerb in der Rhön: Kleinmotorflugzeug „Hoppe" mit 14 PS Villiers-Motor.

KONSTRUKTION INZEbHEITEH

Ventilkühlungc

Die hervorragenden Erfolge verschiedener luftgekühlter Motoren sind in hohem Maße eine Folge der neuartigen Ventilkühlung, durch die es eigentlich erst möglich wurde, starke luftgekühlte Motoren herzustellen. Bei Verwendung der allgemein üblichen Ventile ergaben sich sehr häufig Ventilstörungen durch Brüche, Festklemmen, Verziehen usw., die auf Ueberhitzen der Ventile durch die entzündeten Gase zurückzuführen sind und wobei besonders das Auslaßventil am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Abb. 1 zeigt, wie sich die Wärme im Ventil verteilt und dann auf den Sitz und die Führung des Ventils übergeht. Am stärksten macht sich die Ueberhitzung an der Uebergangs-stelle zum Ventilschaft bemerkbar, wobei die Schwierigkeit hier darin besteht, daß der dünne Ventilschaft die von dem verhältnismäßig großen Ventilteller aufgenommene Wärmemenge kaum abführen kann.

Man suchte nun, durch intensivere Kühlung den schädlichen Einflüssen der Ueberhitzung zu begegnen und erhöhte die Wärmeabfuhr durch Vergrößerung des Schaftdurchmessers und Anwendung eines Kühlkernes, der aus einem guten Wärmeleiter besteht. Die Versuche

bewegen sich hier nun in zwei getrennten Richtungen, wobei man den Kühlkern entweder aus einer Füllung mit Salz bildet oder einen festen Aluminium-Kühlkern einsetzt.

Ueber die Ausführung von salzgekühlten Ventilen haben wir schon früher berichtet (siehe „Flugsport" 1926, Heft 12, Seite 230). n Ergänzung dieses Berichtes bringen wir heute einige weitere Ausführungen solcher Ventile. In Abb. 2 sind zwei Ventile gezeigt, bei denen eine Mischung aus Soda und Pot-asche oder aus Lithium und Potasche verwendet wurde. Um Explosionen zu vermeiden, muß die Mischung wasserfrei sein. Bei einem Abb- 2- Dauerlauf von 100 Stunden wurde eine Ventil-

temperatur von ca. 300 Grad gemessen, während sie bei gewöhnlichen Ventilen 750 Grad betragen hatte. — Abb. 3 zeigt rechts im Schnitt das salzgekühlte Thompson-Auspuffventil, das

Abb. 3.

bei dem bekannten Wright „Whirl-wind" verwendet ist. Besondere Beachtung verdient hier die „Kuppe" im Ventilteller, die eine große Berührungsfläche zwischen dem heißen Teller und dem wärmeabführenden Kühlsalz ermöglicht und dadurch die bestmöglichste Kühlwirkung erzielt.

Neben diesen salzgekühlten Ventilen werden nun auch, wie bereits erwähnt, Ventile mit einem Kühlkern aus Aluminium angewendet. Eine derartige Ausführungsform zeigen wir in Abb. 3 links im Schnitt und Draufsicht auf den Ventilteller. Selbstverständlich muß der Kühlkern gut eingepreßt werden, damit sich die Oberflächen auch tatsächlich berühren und einen raschen Wärmeausgleich herbeiführen. Der verwendete stählerne Ver-schlußpropfen muß gut gesichert werden, damit sich die eingespannten Teile im Betrieb nicht lösen. In der Ausführung nach Abb. 3 wurde der Propfen eingeschraubt und durch zwei Körnerschläge im Ventiltellerschlitz gesichert.

Ventilanordnung beim Bristol „Jupiter".

Die Ventilanorclnung des luftgekühlten Sternmotors Bristol „Jupiter" zeigt einige interessante Einzelheiten. Das Ventil selbst besitzt eine aufgezogene Kappe (1), die vorher gehärtet wird. Damit wird erreicht, daß das eigentliche Ventilmaterial im Schaft nicht durch Härten beansprucht wird. Der geteilte Klemmkonus (2), der in üblicher Weise den Federteller festhält, greift in Rillen des Ventilschaftes, wodurch es möglich ist, die Spannung der Feder zu verändern.

Besonders bemerkenswert ist die Ausbildung der Ventilführung (3). Die Führungsbuchse ruht hier in einer halbkugelförmig ausgebildeten Unterlage (4), die am Zylinderkopf befestigt ist. Diese halbkugelförmige Lagerung soll bewirken, daß das Ventil bei Verdrehungen nicht beansprucht wird, sondern stets frei bleibt. Die Federung wird durch je zwei ineinander angeordneten Federn bewirkt, von denen jede so bemessen ist, daß sie allein nur bis zu 60% ihrer zulässigen Beanspruchung belastet wird. Endlich wäre noch auf den Abdichtungsring (5) hinzuweisen, der aus Phosphorbronce gefertigt ist.

Deutscher Dauer- und Streckenleistungs-Preis.

Der Aero-Club von Deutschland und der Deutsche Luftfahrt-Verband e. V. schreiben folgenden Einzel-Wettbewerb aus:

Reichsmark 50 000.— (fünfzigtausend) als erster Preis Reichsmark 25 000— (fünfundzwanzigtausend) als zweiter Preis

werden dem Führer desjenigen Flugzeuges ausgezahlt, das in der Zeit bis zum 31. Oktober 1927, um 24 Uhr, in einem mindestens SOstündigen Fernflug den

größten und zweitgrößten in der Luftlinie gemessenen Flugweg ohne Zwischenlandung zurückgelegt haben wird.

Die Mindestentfernung muß 4000 km Entfernung Luftlinie betragen.

Die Zeit rechnet vom Abheben vom Boden bis zum Stillstand bei der Landung. Flugbeginn und -ende werden nach mitteleuropäischer Zeit bestimmt.

Zulassungen:

Zugelassen sind in Deutschland gebaute Flugzeuge ohne Einschränkung der Flugzeugart.

Die Flugzeuge müssen in Deutschland zugelassen sein.

Die Motoren dürfen ausländischer Bauart, müssen aber in Deutschland hergestellt sein.

Als Bewerber ist der meldende Flugführer anzusehen. Die Flugführer müssen in Deutschland zugelassen sein und die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Es müssen grundsätzlich zwei Flugführer sich im Flugzeug befinden.

Nennung:

Die Nennung zum Wettbewerb hat 10 Tage vor dem Tage des beabsichtigten Starts zu erfolgen, und zwar unter Beifügung eines Nenngcldes von RM 250.—.

Versuchsflugzeug „Ente" der R. R. Q. Man beachte die Seitensteuer auf den Flächencnden.

Die Nennung gilt, wenn die Termine und Bedingungen der Nennung zum Deutschen Nord-Amerika-Wettbewerb eingehalten werden, grundsätzlich als auch für den vorliegenden Wettbewerb erfolgt.

Das Nenngeld dient zur Deckung der Unkosten der Beurkundung des Starts durch den Deutschen Luftrat. Der verbleibende Rest verfällt zugunsten der Luftfahrerstiftung.

Die Nennung hat für 10 Tage Gültigkeit; erfolgt der Start nicht innerhalb dieser Frist, so ist eine erneute Meldung und erneute Nenngeldzahlung erforderlich.

Der Veranstalter kann nicht zusichern, daß — wenn drei Meldungen für verschiedene Startorte vorliegen, deren Beurkundungszeit ineinandergreift, — die Beurkundung sichergestellt werden kann.

Einreichungen:

Die Bewerber müssen vor dem Fluge einreichen:

1. Photographien des Flugzeuges, von verschiedenen Seiten aufgenommen.

2. Ein Ausrüstungsverzeichnis des Flugzeugs.

3. Photographien und Lebensläufe der Insassen.

4. Zulassungsurkunden des Flugzeugs und der Flugführer oder beglaubigte Abschriften dieser Urkunden.

5. Mitteilungen über das beabsichtigte Fluggewicht.

6. Angaben über den beabsichtigten Flugweg.

Start:

Der Start muß an einer beliebigen Stelle innerhalb des Hoheitsgebietes (auf See innerhalb der Drei-Meilen-Grenze) beginnen und muß von Sportzeugen des Deutschen Luftrats beurkundet werden.

Beurkundung:

Für Start, Landung und Beurkundung des gesamten Fluges gelten die für Rekorde maßgeblichen Bestimmungen der F. A. I.

Preisgericht:

Der Deutsche Luftfahrtverband bildet zusammen mit dem Aero-Club von Deutschland das Preisgericht, welches aus mindestens sieben Personen bestehen muß.

Für eine Leistung im Wettbewerb um den Deutschen Nord-Amerika-Preis können die Preise nur dann gewonnen werden, wenn im Nord-Amerika-Preis ein Preiszuspruch nicht stattfindet.

Berufung:

Berufung an den Deutschen Luftrat über die Entscheidung des Preisgerichts kann innerhalb 14 Tagen vom Augenblick der Aufgabe eines bezüglichen Tele-grammes des Preisgerichtes an den Bewerber von diesem erfolgen. Mit der Berufung zugleich muß der Betrag von RM 100.— eingesandt werden, welcher zugunsten der Luftfahrerstiftung verfällt, wenn die Berufung für unbegründet befunden wird.

Schriftverkehr:

Aller Schriftverkehr in Sachen des Wettbewerbs ist zu richten an die Geschäftsstelle des Aero-Clubs von Deutschland, Berlin W 35, Blumeshof 17. Berlin, den 26. Juli 1927. Deutscher Luftfahrt-Verband e. V. Aero-Club von Deutschland

der stellvertretende Vorsitzende: der geschäftsführende

T Vizepräsident:

v. Tschudi. ™ , ,.

v. Tschudi

Deutscher Nord-Amerika-Preis.

Der Aero-Club von Deutschland und der Deutsche Luftfahrt-Verband schreiben folgenden Einzel-Wettbewerb aus, der bis zum 1. August 1928, um 24 Uhr, ausgeflogen sein muß:

Reichsmark 100 000.— (einhunderttausend) werden dem Führer eines Flugzeuges ausgezahlt, welches als Erstes von einem Ort des deutschen Hoheitsgebietes nach Neuyork fliegt.

Eine Gesamt-Reisedauer von 3K> Tagen (84 Stunden) darf nicht überschritten werden. Die Zeit rechnet vom Abheben vom Boden am Startort in Deutschland bis zum Stillstand bei der Landung am Ziel bei Neuyork.

Flugbeginn und -ende werden nach mitteleuropäischer Zeit bestimmt.

Zwischenlandungen sind statthaft.

Zulassungen:

Zugelassen sind nur Seeflugzeuge, Amphibien oder mehrmotorige Landflug-zeuge. Seeflugzeuge dürfen mit Hilfsvorrichtungen von Land starten.

Der Veranstalter behält sich vor, zu entscheiden, ob ein Flugzeug als Landflugzeug, als Seeflugzeug oder als Amphibium anzusehen ist und durch seinen Bau etwa den Ansprüchen des Veranstalters an Sicherheit nicht entspricht.

Die Flugzeuge müssen in Deutschland gebaut und zugelassen sein.

Die Motoren dürfen ausländischer Bauart, müssen aber in Deutschland hergestellt sein.

Das Flugzeug muß mindestens zwei Mann Besatzung haben, die in Deutschland als Flugführer zugelassen sind und deutsche Staatsangehörigkeit haben. Als Bewerber ist der meldende Flugführer anzusehen.

Nutzlast:

150 kg Nutzlast müssen mitgeführt werden, deren Art bei der Nennung zur Genehmigung anzugeben ist.

Der Veranstalter behält sich vor, einen Teil der Nutzlast vorzuschreiben.

Angaben über das Flugzeug, die zur Beurteilung der Nutzlast erforderlich sind, sind bei der Nennung einzureichen.

Funkgerät:

Das Flugzeug muß mit Funkgerät für Empfang und Senden, letzteres mindestens 300 km Sendeweite, versehen sein.

Das Funkgerät muß ton der Besatzung bedient werden können. Die Welle wird vom V-eranstalter vorgeschrieben.

Nennung:

Die Nennung zum Wettbewerb hat 10 Tage vor dem Tage des beabsichtigten Starts zu erfolgen, und zwar unter Beifügung eines Nenngeldes von RM 500.—.

Das Nenngeld dient zur Deckung der Unkosten der Beurkundung des Starts durch den Deutschen Luftrat. Der verbleibende Rest verfällt zugunsten der Luftfahrerstiftung.

Die Nennung hat für 28 Tage Gültigkeit, erfolgt der Start nicht innerhalb dieser Frist, so ist eine erneute Meldung und erneute Nenngeldzahlung erforderlich.

Einreichungen:

Die Bewerber müssen vor dem Fluge einreichen:

1. Photographien des Flugzeuges, von verschiedenen Seiten aufgenommen,

2. ein Ausrüstungsverzeichnis des Flugzeuges,

3. Photographien und Lebensläufe der Insassen.

4. Zulassungsurkunden des Flugzeugs und der Flugführer, oder beglaubigte Abschrift dieser Urkunden.

5. Mitteilungen über das beabsichtigte Fluggewicht,

6. Angaben über den beabsichtigten Flugweg.

Start:

Der Start kann an jeder beliebigen Stelle innerhalb des Hoheitsgebietes (auf See innerhalb der Drei-Meilen-Grenze) erfolgen und muß von Sportzeugen des Deutschen Luftrates beurkundet werden.

Als Startpunkt gilt der Stillstandspunkt vor dem Ablauf.

Landung:

Die Landung muß innerhalb eines Kreises mit dem Halbmesser von 50 km um das Stadthaus von Neuyork erfolgen.

Als Landungspunkt gilt der Stillstandspunkt des Flugzeuges. Minderung der Nutzlast:

Eine Minderung der Betriebslast und vorstehend erwähnten Nutzlast während des Fluges kann zur Disqualifikation führen.

Als Minderung wird nicht angesehen der Verbrauch von Betriebsstoff und Abwurf von Betriebsstoffbehältern und Emballagen und Teilen des Flugzeuges, die nicht zur Sicherheit des Fluges und der Landung dienen.

Ersatz des Betriebsstoffes im Fluge und auf der Erde ist statthaft.

Preisgericht:

Der Deutsche Luftfahrtverband bildet zusammen mit dem Aero-Club von Deutschland gegebenenfalls das Preisgericht, welches aus mindestens sieben Personen bestehen muß.

Das Preisgericht ist befugt, den Preis zuzusprechen, wenn unwesentliche, durch die Verhältnisse begründete Abweichungen von den Ausschreibungsbedingungen stattgefunden haben. Gegen eine hierauf bezügliche Entscheidung des Preisgerichtes kann Berufung von anderen Bewerbern nicht eingelegt werden.

Berufung:

Berufung an den Deutschen Luftrat über die Entscheidung des Preisgerichts kann innerhalb von 14 Tagen vom Augenblick der Aufgabe eines bezüglichen Telegrammes des Preisgerichtes an den Bewerber von diesem erfolgen.

Mit der Berufung zugleich muß der Betrag von RM 300.— eingesandt werden, welcher zugunsten der Luftfahrerstiftung verfällt, wenn die Berufung für unbegründet befunden wird.

Schriftverkehr:

Aller Schriftverkehr in Sachen des Wettbewerbs ist zu richten an die Geschäftsstelle des Aero-Clubs von Deutschland, Berlin W 35, Blumeshof 17.

Berlin, den 26. Juli 1927.

Deutscher Luftfahrt-Verband e. V. Aero-Club von Deutschland

der stellvertretende Vorsitzende: der geschäftsführende

gez. v. Tschudi Vizepräsident:

gez. v. Tschudi

Mitteilungen der Rfaön-Rossitten-Gesellschaft

Versuche mit neuartigen Flugzeugen auf der Wasserkuppe in der Rhön.

(Vgl. Abb. Seite 305 und 309.)

Die großen Anforderungen, die durch die weitspannenden Ziele der zivilen Luftfahrt an die Konstruktion und Leistungsfähigkeit der Flugzeuge gestellt werden, bedingen ein erneutes Streben nach größerer Wirtschaftlichkeit der gebräuchlichen Flugzeugformen.

Um in dieser Richtung neue Wege zu bahnen, ist es notwendig, bisher unerprobte Bauarten einer praktischen Untersuchung zu unterziehen.

Das Forschungsinstitut der Rhön-Rossitte n- Gesellschaft auf der Wasserkuppe hat bereits im Vorjahre auf Grund einer neuen Versuchsmethode mit freifliegenden Modellen neuartige Flugzeugbauformen entwickelt und diese Arbeit durch den Bau zweier Segelflugzeuge in diesem Jahre weitergeführt.

Es handelt sich hierbei um das schwanzlose Segelflugzeug „Storch", sowie um das Versuchsflugzeug „Ente".

Der Konstruktion des Flugzeugs „Storch" liegt der Gedanke zugrunde, unter Vermeidung aller unnötigen Bauteile das „Nur-Flügel-Flugzeug" zu entwickeln. Die beim Normalflugzeug am Rumpfende befindlichen Steuerflächen wurden an die Enden des pfeilförmig nach hinten gezogenen Flügels gelegt, der einen kleinen stromlinienförmigen Rumpf trägt.

Die Vergrößerung dieser Bauart zum Zwecke des Großluftverkehrs gestattet die Ausnützung der in dem Flügel vorhandenen Räume zur Aufnahme der Insassen, Motoren und der Brennstoffbehälter, so daß alle bisher außerhalb des Flügels befindlichen Bauteile in Fortfall gebracht werden können.

Die ersten Versuchsflüge des Segelflugzeugs „Storch" haben die Eignung dieses Typs klar bewiesen und die an die Flugeigenschaften dieser neuartigen Bauform gestellten Erwartungen vollauf befriedigt.

Das zweite Versuchsflugzeug „Ente" vertritt ähnliche Gesichtspunkte in seinem Aufbau.

Hier wurden die Seitensteuerflächen ebenfalls auf die Flügelenden verlegt und das Höhensteuer vor die Tragflächen auf der Rumpf spitze gelagert. Dadurch wird dieses sonst nur zur Steuerung und Stabilisierung notwendige Steuer zur Tragfläche umgestaltet. Diese Anordnung hat den Vorteil besserer Einbaumöglichkeiten der Motoren und höheren Wirkungsgrades der frei hinter der Tragfläche anzuordnenden Luftschrauben.

Auch dieser Typ bewies als Segelflugzeug seine gute, durch die Modellversuche geförderte Entwicklung und zeigte auf einer Reihe von Flügen die richtige Durchbildung der bisher noch nicht verwendeten Steuerung.

Beide Flugzeuge sind von dem Konstrukteur Lippisch der Flugtechnischen Abteilung des Forschungsinstitutes der R. R. G. entworfen und wurden von den bekannten Segelfliegern F. Stamer und J. Nehring geflogen.

Mit diesen Konstruktionen hat der Segelflug erneut seine für weite Kreise des Flugwesens fruchtbringende Tätigkeit bewiesen, und es ist zu hoffen, daß der Weiterentwicklung des deutschen Flugwesens dadurch neue Tore geöffnet werden.

Mitteilungen des Deutschen Luftrats.

Betr. Anerkennung von Weltrekorden:

Von der Fäderation Aeronautique Internationale (F. A. I.) wurden lt. Mitteilung vom 20. Juli 1927 folgende Weltrekorde anerkannt:

Klasse C (Landflugzeuge) Nutzlast: 2000 kg. Deutschland: W. Zimmermann auf Junkers Q 24 mit drei Junkers L 5-Motoren je 280 PS, Dessau, am 28. Juni 1927: Geschwindigkeit auf 500 km: 209,115 km. Geschwindigkeit auf 1000 km: 208,738 km.

Nutzlast: 1 00 0 kg. Deutschland: Geschwindigkeit auf 500 km: 209,115 km. Geschwindigkeit auf 1000 km: 208,738 km.

Nutzlast 2000 kg. Deutschland: J. Ristics auf Junkers G 24 mit drei Junkers L 5-Motoren je 280 PS, Dessau, den 29. Juni 1927: Dauer: 13 Std. 1 Min. 12,8 Sek. Entfernung: 1 621,088 km. Klasse C bis (Wasserflugzeuge) Nutzlast: 5 0 0 kg. Amerika: Lt. S. W. Callaway auf Wasserflugzeug Vought „Corsair", Pratt & Whitnoy „Wasp"-Motor zu 425 PS, Hampton Roads, den 23. April 1927: Geschwindigkeit auf 100 km: 236,998 km.

Leichtflugzeuge, 3. Kategorie: Frankreich:

Lt. Thoret, auf Eindecker Caudron, Salmson 40-PS-Motor, Le Bourget-Tem-pelhof, 18./19. Mai 1927: Größte Entfernung in gerader Linie: 868 km. — Albert, auf Eindecker Albert T. E. I. 40-PS-Salmson-Motor, Orly, 20. Juni 1927: Höhe: 5 535 m. Magnard, auf Eindecker Albert T. T. I. 40-PS-Salmson-Motor, Orly, 19. Juni 1927: Geschwindigkeit auf 100 km: 151,821 km.

Berlin, den 25. Juli 1927. Deutscher Luftrat.

Der Vorsitzende: I. A. v. Tschudi.

Fritz Schuster Unten liegt Mähr. Ostrau

Der Deutsche Luftrat hat folgende Flugleistungen als deutsche Rekorde anerkannt und zur Anerkennung als Weltrekorde an die Föderation Aeronautique Internationale (F.A.I.) weitergereicht:

Alfred Gothe und Johann Ristics mit Junkers G 24 mit drei Junkers L 5-Motoren je 280 PS am 10. Juli 1927:

Mit 1000 und 500 .kg Nutzlast: Geschwindigkeit über 2000 km . 183,280 km/Std.

Mit 1000 kg Nutzlast: Entfernung..........2125 km

Berlin, den 15. Juli 1927.

Deutscher Luftrat.

Der Vorsitzende: I.A.: v. Tschudi.

Luftfahrt im Physikunterricht. Das Provinzia 1 schu 1 ko 11 egiuin hat kürzlich folgende Verfügung erlassen: „Um der zukünftigen Bedeutung der Luftfahrt gerecht werden zu können, muß unserer Jugend bereits heute eine genügende

Kenntnis der physikalischen und technischen Grundlagen des Fluges vermittelt werden, worauf sich das Verständnis für die Aufgabengebiete und Entwicklungsmöglichkeiten der Luftfahrt aufbauen kann. Dies läßt sich zwanglos durch geeignete Behandlung des Stoffes im Rahmen der bereits bestehenden Unterrichtsfächer, vor allem in Physik und Erdkunde, und Beschäftigung der Jungen mit Modellbau erreichen."

Segelflieger Horst der Akad. Fliegerschaft Marcho-Silesia

Die wirtschaftlichen deutschen Flugrekorde. — Das Urteil eines französischen

Fachmanns.

Im ,,Petit Journal" vom 8. 7. nimmt einer der ersten Mitarbeiter der bekannten französischen Fachzeitschrift „L'Air" unter der Ueberschrift ,,Die Ursachen und Heilmittel unseres Abstiegs in der Luftfahrt" zu den deutschen Rekorden mit folgenden Worten Stellung: „ . . . . L'Allemagne travaille avec acharne-ment le Probleme de l'aviation commerciale. • Sans cesse eile bat des records. Oh! ce ne sont pas des records tapageurs, ä panache, mais ils sont utiles, prati-ques. Aveugles, nous leur consacrons deux lignes ä peine, — quand nous les notons, — et pourtant quelle importance! Onze de ces records ont ete homologues du 29 mai au 10 juin. II s'agit presque uniquement de vols avec 2000 kilos de Charge marchande, reuissis sur tri-moteur Rohrbach et sur tri-moteur Junkers . „ . . . Deutschland arbeitet mit Erbitterung an dem Problem der Handelsluftfahrt. Ohne Aufhören schlägt Deutschland Rekorde. Oh! Das sind keine lärmenden Rekorde mit szenischer Aufmachung, sie sind vielmehr nützlich, praktisch. Blind, wie wir sind, widmen wir ihnen kaum zwei Zeilen, wenn sie zu unserer Kenntnis gelangen, und doch, wie wichtig sind sie! Elf dieser Rekorde sind vom 29. 5. bis 10. 6. anerkannt worden. Es handelt sich beinahe ausschließlich um Flüge mit 2000 kg Nutzlast, die mit dreimotorigen Junkers- und Rohrbach-Flugzeugen ausgeführt wurden . . ."

Rudolf Dörr — Dr. Milch — Ihlow f

sind bei einem Ueberlandflug bei Amöneburg zwischen Kassel und Gießen verunglückt. Führer des Flugzeuges war Rudolf Dörr, 24 Jahre alt, Sohn des Ministerialrates Dörr in Darmstadt. Dr. Milch ist am 19. März 1900 in Wiesbaden geboren und seit 25. Oktober 1922 am Meteorologischen Institut in Frankfurt tätig. Promoviert hat er im Juni 1923. Seit etwa 2 Jahren ist er der Leiter des Flugwetterdienstes für den Frankfurter Flughafen. Ihlow flog als Bordwart mit. Alle drei waren tüchtige, für das Flugwesen begeisterte Jünger und in

Rudolf Dörr f

Dr. Milch t

Fliegerkreisen sehr geschätzt. Gerade für unseren ausgebildeten Nachwuchs bedeutet dieser Unfall einen schweren Verlust.

Betriebsergebnisse der Deutschen Luft-Hansa im Monat Mai 1927. Wie im

Vormonat, so zeigt auch der Luftverkehr im Mai aufsteigende Beförderungsergeb-nisse sowohl gegenüber den vorangegangenen Wochen als auch gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im planmäßigen Verkehr wurden befördert 11 281 Passagiere gegenüber 6.474 im gleichen Monat des Vorjahres und 5 568 im April dieses Jahres. Die entsprechenden Zahlen stellen sich für befördertes Gepäck auf 94 170 kg, 44 218 kg, 50 285 kg. Für beförderte Fracht auf 95 406 kg, 22 507 kg, 33 809 kg und für beförderte Post und Zeitungen auf 48 560 kg, 33 350 kg, 19 127 kg. Dabei Wurden geflogen im Mai 1927 1 080 000 km gegenüber 805 387 km im Mai 1926 und 617 911 km im April 1927. Daß sich die Beförderungsmengen prozentual erheblich stärker gesteigert haben als die Zahl der geflogenen Kilometer bei ungefähr gleichgebliebenem Flugzeugeinsatz, ist eine besonders erfreuliche Erscheinung und ein Beweis dafür, daß der angebotene Laderaum in den Verkehrsflugzeugen allmählich voll ausgenutzt wird.

Junkers-Versuchsdauerflug abgebrochen. Im Rahmen der Versuchsflüge zur Sammlung von Erfahrungen im Dauerflug ist Freitag, den 22. 7. um 4.43 Uhr früh die Maschine W 33 gestartet. Sie mußte am 23. 7. gegen 0.15 Uhr in der Nähe des Flughafens Mockau im hügeligen Gelände notlanden. Die Notlandung wurde dadurch veranlaßt, daß der. Motor, der bis dahin einwandfrei gearbeitet hatte, nicht mehr genügend Brennstoff bekam. Die Ursache der ungenügenden Brennstoffzufuhr dürfte darin zu suchen sein, daß bei dem Start auf aufgeweichtem Flugfeld ohne Startbahn die Maschine mit ihrem nahezu doppelten Normalfluggewicht vor dem endgültigen Abheben vom Boden einige Male auf den Boden aufsetzte, und diese Stöße der mit 3700 kg belasteten Maschine zum Verbiegen eines Brennstoff-Zuleitungsrohres führten, was sich erst bei Einschaltung des betreffenden Tanks herausstellte. Trotzdem die Maschine noch ein Fluggewicht von ungefähr 3000 kg hatte und die Notlandung bei der durch bedeckten Himmel vollständig dunklen Nacht im hügeligen Gelände erfolgen mußte, sind nur das Fahrgestell und der Motorvorbau leicht beschädigt worden. Die beiden Piloten haben keinerlei Schaden erlitten. Der Versuchsflug hat sehr interessante und wertvolle Ergebnisse gezeitigt und wird in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Ein fliegender Schulrat. Der neue Berliner Stadtschulrat Nydahl hat das Protektorat über die Gleit- und Segelflugriege der Berliner Turn- und Sportlehrer angenommen und gelegentlich einer Besichtigung selbst einige kurze Gleitflüge gemacht.

Flugzeugbau Richard Dietrich. Unter dieser Firma hat sich Dietrich nunmehr am Flugplatz in Teltow-Berlin niedergelassen und dort in den Fabrikräumen der früheren Morddeutschen Flugzeugwerke den Bau von Sport-, Schul- und Reise-flugzeugen aufgenommen. In den umfangreichen Werkräumlichkeiten stehen rinden Flugzeugbau moderne Arbeitsmaschinen und geschulte Arbeitskräfte zur Verfügung.

Ausland.

Aircraft International Register (A. I. R.)

Am 21. Juni 1927 haben in Paris die folgenden Klassifikations-Gesellschaften ein gemeinsames Vorgehen in der Klassifikation der Luftfahrzeuge beschlossen: England: British Corporation Register of Shipping and Aircraft Italien: Registro Italiano

Deutschland: Germanischer Lloyd

Amerika: American Bureau of Shipping

Norwegen: Norske Veritas

Japan: Imperial Japanese Corporation

Frankreich: Bureau Veritas. Das Abkommen betrifft hauptsächlich folgende Punkte: 1. Im Jahre 1928 wird ein internationales Register unter dem Namen „Aircraft International Register" (A. I. R.) herausgegeben werden, das die in den beteiligten Ländern vorhandenen Zivil-Luftfahrzeuge enthalten soll. Das Register wird nach dem Muster des jetzigen Registers des Bureau Veritas erscheinen.

2. Jede der beteiligten Klassifikationsgesellschaften wird in ihrem Territorium die notwendigen Besichtiger anstellen; diese werden dann für alle beteiligten Klassifikations-Gesellschaften gleichmäßig tätig sein. Auf diese Weise wird erreicht, daß in allen in Frage kommenden Ländern eine genügende Anzahl von Sachverständigen den Klassifikations-Gesellschaften zur Verfügung stehen wird, ohne daß es nötig ist, daß die einzelnen Klassifikations-Gesellschaften eine spezielle Organisation in den anderen Ländern schaffen.

3. Die beteiligten Klassifikations-Gesellschaften werden bei der Aufstellung und Entwicklung der Klassifikations- und Bauvorschriften zusammenarbeiten.

Das Abkommen ist am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getreten.

Neue Luftverkehrslinien in der Türkei. Außer der bereits bestehenden Luftverkehrslinie von Konstantinopel nach Angora ist die Aufnahme folgender Linien geplant: Caesarea—Siwas—Erzerum, ferner Caesarea—Malatia—Diarbeka und Caesarea—Angora—Konstantinopel. Während die ersten beiden Linien der Beförderung von Fracht und Passagieren dienen sollen, ist die letztgenannte Strecke nur zur Postbeförderung vorgesehen. Zum Betriebe dieser Linien hat die türkische Luftverkehrsgesellschaft das Monopol der türkischen Regierung erhalten.

Luftverkehr mit Riga. Seit 15. Juli wird Riga durch die Post- und Passagier-Flugzeuge der Deruluft, welche einen werktäglichen Verkehr zwischen Ost-und West-Europa unterhalten, regelmäßig angeflogen werden. Riga erhält dadurch direkten Anschluß an das große europäische Luftverkehrsnetz. Der Reisende, welcher Berlin um 3 Uhr früh verläßt, erreicht Königsberg um 7.20 Uhr und Riga um 11.30 Uhr osteur. Zeit. Der Start von Riga erfolgt um 10.50 Uhr osteur. Zeit, die Landung in Königsberg 12.30 Uhr und die Landung in Berlin 17.20 Uhr.

Neue Flughäfen in Spanien. In Spanien werden demnächst acht neue Flughäfen errichtet, die zum Teil auch Wasserflughäfen erhalten werden. Vorgesehen sind hierzu die Städte Madrid, Sevilla, Valencia, Alicante, Malage, die Insel Galice und die Kanarischen Inseln. Der Wetterdienst soll in bedeutend vergrößertem Maßstab der Fliegerei nutzbar gemacht werden.

Barcelona—Neuyork. Die spanische Zeitung „Le Publicidad" organisiert ebenfalls einen Atlantikflug. Als Pilot für den Flug Barcelona—Neuyork ist der bekannte spanische Flieger Jose Canudes gewonnen worden. Das Flugzeug, über dessen Typ noch nichts Näheres bekannt ist, soll mit einem 600 PS Hispano Suiza ausgerüstet werden.

Neuyork—Rom. Auch die Italiener wollen nicht in der Reihe derer fehlen, deren Hauptstadt mit der Landung eines Ozeanfliegers beehrt wurde. Man hat nun erreicht, daß der amerikanische Pilot Lloyd Bertaud seinen Qzeanflug nach Rom ausführen wird. Bertaud, der von dem Verkehrsflieger James Hill begleitet wird, verwendet einen einmotorigen Fokker F VII, der mit einem 450 PS Bristol Jupiter ausgerüstet wird. Der Start mit dem ,,01d Glory" (so wurde das Fokker-Flugzeug getauft) soll Mitte August erfolgen.

Illuminierte Flugzeuge.

Anläßlich einer Festlichkeit in Kairo wurden 3 englische Vickers Victoria-Flugzeuge (Napier-Motoren) mit je 750 kleinen elektrischen Lampen illuminiert. Die in 100 m Höhe kreisenden Maschinen boten ein gutes Bild.

Die Vorbereitungen für Paris—Neuyork sind in vollem Gange. Drouhin hat den Wright Whirlwind gegen einen neuen ausgewechselt und macht zur Zeit Versuche mit Metalluftschrauben. Er will in den nächsten Tagen starten.

Qivon, der nun an Stelle Drouhins den „blauen Vogel", die zweimotorige Farman-Maschine fliegen wird, hofft ebenfalls in allernächster Zeit starten zu können, während M. Costes mit einem Breguet vorbereitet. Der bekannte Kriegsflieger Tarascon wird mit einer Bernard-Ferbois-Maschine starten, deren letzte Vorbereitungen eben getätigt werden. Die Maschine soll eine Zuladung von 5000 kg aufnehmen können.

Luftlinien im Saargebiet. Wir entnehmen einer Veröffentlichung der Regierungskommission des Saargebietes folgende Angaben über die demnächst einzurichtenden Luftverkehrslinien im Saargebiet. Als Hauptflughafen kommt Saarbrücken in Betracht, und zwar werden von hier aus folgende Linien beflogen: Saarbrücken—Trier—Köln—Düsseldorf—Essen—Mülheim/Ruhr, Saarbrücken'— Basel—Genf—Marseille (Zürich, Lausanne), Saarbrücken—Frankfurt a. M., Saarbrücken—Paris, Saarbrücken—Brüssel—Amsterdam. Die Strecken werden von der Deutschen Lufthansa in Gemeinschaft mit den ausländischen Verkehrsgesellschaften K. L. M., C. I. D. N. A. und Balaire beflogen.

Die Vorbereitungen Courtneys sind nunmehr endgültig beendet, so daß in den nächsten Tagen mit seinem Start gerechnet werden kann. Nachdem in den letzten Tagen eine große F.-T.-Anlage in das Flugboot eingebaut wurde, unternahm Courtney einen größeren Probeflug, der zufriedenstellend verlief.

Die holländische Regierung hat sich nunmehr bei der holländischen Luftverkehrsgesellschaft K. L. M. mit 500 000 Gulden beteiligt und gewährt der Gesellschaft außerdem für die nächsten 7 Jahre eine Subvention von 2,8 Millionen Gulden.

Luftverkehr in Chile. Die ,,Compania de Aero Navigacion" von Südamerika hat kürzlich, den Luftpostdienst zwischen Santiago und Valparaiso eröffnet. Der Flugdienst ist durch Frankreich organisiert worden. Für den Luftverkehr werden „Morane-Saulnier"-Flugzeuge mit 120 PS benutzt, die 150 kg Post tragen und für die Strecke Santiago-Valparaiso und zurück (insgesamt 200 km) mil Zwischenlandung zwei Stunden benötigen.

Woellenstein Rumpf-Hochdecker mit Preßluftmotor.

Anläßlich des Anfänger-Modellwettbewerbs des Frankfurter Modell- und Segelflugvereins am 26. Juni führte 'Woellenstein, Frankfurt a. M., einer der langjährigsten Modellbauer (siehe u. a. Flugsport 1913, Heft 17, Seite 640 ff.) einen selbstgebauten Preßluft-Hochdecker vor, der infolge seiner vorzüglichen Ausführungen und guten Flugeigenschaften allgemeines Aufsehen erregte.

Der Hochdecker hat eine Spannweite von 2400 mm und eine Länge von 1125 mm. Die Profilrippen des Flügels haben in der Flügelmitte eine größte Tiefe von 330 mm und eine größte Dicke von 46 mm, die sich nach außen auf 16 mm verjüngt. Die Holme bestehen aus Bambus von 4X3 und 3X2 mm. Der Vorderholm ist mit 0,8 mm Fournier verkleidet.

Der achteckige Rumpf verläuft nach hinten tropfenförmig und hat als größten Durchmesser 130 mm. Die 9 Rumpfspanten sind aus 2 mm Sperrholz, die 8 Rumpfholme aus 3X3 mm Bambus hergestellt. Die verstellbare Dämpfungsfläche wurde ebenso wie das Höhensteuer an der Vorderkante fourniert, die Rippen wurden aus 0,8 mm Sperrholz gefertigt.

Die Bespannung der Flächen besteht aus weißem, die des Rumpfes aus hellbraunem Seidenbattist, der celloniert wurde.

Das Fahrgestell wird aus tropfenförmigen Bambusstäbchen gebildet, die einen Querschnitt von 10X7 mm aufweisen. Die Fahrgestellachse aus 2,5 mm Stahldraht trägt Scheibenräder aus 3 mm Sperrholz, die mit Messinglaufbuchsen versehen sind. Zur Abfederung ist die Radachse in bekannter Weise an der sogenannten Hilfsachse mit Gummisträngen befestigt.

Die Luftschraube besteht aus verleimtem Nußbaum- und Erlenholz und hat einen Durchmesser von 500 mm bei einer Steigung von 24 mm.

Der Preßluftmotor, der ebenfalls von Woellenstein selbst hergestellt ist, hat drei Zylinder mit 14 mm Bohrung und 20 mm Hub, mit einer Leistung von ca. Vs PS. Er ist in einer halbkugeligen Aluminiumschutzkappe am ersten Rumpfspant 'befestigt. Die Kappe hat bei einer Blechstärke von 2,5 mm einen Durchmesser von 100 mm. Der Luftbehälter aus Messingblech ist anschließend an den Motor im Rumpf untergebracht und mit dem Motor durch einen Absperrhahn verbunden. Am hinteren Ende besitzt der Behälter ein Lufteintrittsventil, das als Rückschlagventil ausgebildet ist. Zur Füllung der Luftflasche sind ca. 350 Pumpenstöße mit einer kräftigen Fahrradpumpe nötig.

Gesamtgewicht des flugfähigen Modells rund 1500 g. Erreichte Fluglänge 300 m bei 6—8 <m Anlaufstrecke und einer Höhe von 7—8 m. Baukosten für Flugzeug einschließlich Motor RM 45.—.

Der vorzügliche Eindruck des Modells wird durch eine sinngemäße Lackierung noch verstärkt; so wurde der Rumpf vom ersten Spant ab, die Fournier-

nasen des Flügelvorderholmes und der Dämpfungsfläche mit rotem Spirituslack abgesetzt, während das Fahrgestell und die Reifenatrappen mit hellgrauem Spirituslack gestrichen sind.

Frankfurter Modell- und Segelflugverein E. V., Frankfurt a. M. Schau- und Uebungsfliegen.

Zwei neue Rekorde.

Die Modellabteilung veranstaltete am Sonntag, den 24. Juli, ein Flugmodell-Schaufliegen. Trotzdem es einige Zeit schwach regnete, wurden gute Leistungen erzielt (21 Teilnehmer mit 44 Modellen), die um so höher zu bewerten sind, als die Modelle größtenteils vom Regen durchnäßt und verzogen waren.

Schilling erzielte gleich zu Beginn der Veranstaltung noch bei strömendem Regen mit einem Rumpfhochdecker über 200 Meter. Nach kurzer Unterbrechung durch einen Regenschauer stiftete Pilot Kelting von der Frankfurter Rundflug G. m. b. H. je einen Freiflug für die längste Flugstrecke und für einen Kreisflug von mindestens 25 Meter Durchmesser. Infolge dieser höchst anerkennenswerten Stiftung setzte bis Schluß (gegen 6 Uhr) ein eifriger Wettbewerb ein, dem zahlreiche Zuschauer beiwohnten.

Ergebnisse: Zeit: 1. Layritz (Stab-Ente), 62 Sek.; 2. Stemmler (Stab-Eindecker), 25,6; 3. Schaaf (Taube, Kreisflug 25,4 (Freiflug der Rundflug G. m. b. IL) 4. Honadel (Doppelschrauben-Ente), 21,4 Sek. — Strecke: 1. Layritz, 220 m (Frei-flug der Rundflug G. m. b. IL); 2. Schilling, 200 m. — Flüge unter 20 Sek. und unter 200 m wurden nicht gewertet.

Ein Uebungsfliegen am Sonntag, den 31. VII. 27 brachte hervorragende Leistungen, wobei sich unter den Anfängern besonders Lederteil und Liebeskind auszeichneten. Lederteil erreichte mit einer Stab-Ente eine Flugdauer von 104 Sek.

Layritz konnte ebenfalls mit einer Stab-Ente sehr gute Zeiten, wie 60, 74, 82 und 110 Sek. erzielen und konnte schließlich mit 148 Sek. einen neuen deutschen Dauerrekord aufstellen. Mit der Ente verbesserte Layritz auch den deutschen Streckenrekord auf 576 m, wobei die Ente in verschiedenen Kreisflügen eine Höhe von ca. 70 m erreichte. Mit dieser Leistung ist Layritz zugleich Anwärter auf den vom Warenhaus Hermann Wronker A.-G., Frankfurt a. M., gestifteten wertvollen Wanderpreis für die größte Flugstrecke.

Die Flüge fanden bei nahezu Windstille statt. Außer den Sportzeugen war auch der bekannte Flieger-Fachschriftsteller Gymnich zugegen.

Literatur.

Die hier besprochenen Bücher können durch uns bezogen werden.

Großer Luftverkehrs-Atlas von Europa, Jahrgang 1927. Bearbeitet und herausgegeben unter Mitwirkung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt E. V. (W. G. L.), Berlin, und unter Benutzung des Materials der Deutschen Luft-Hansa A.-G., Berlin. Preis gebunden RM 25.—. Verlag für Börsen- und Finanzliteratur A.-G., Berlin W 35.

Das größte und bedeutendste Kartenwerk auf dem Gebiete des Flugwesens, der Luftverkehrs-Atlas von Europa, erscheint nun in seiner 2. Auflage, die diesmal, wie schon der Name sagt, auf ganz Europa ausgedehnt ist. Mit unendlicher Mühe und Sorgfalt wurde aus Deutschland, Belgien, Bulgarien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Jugoslawien, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Oesterreich, Rußland, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Ungarn und Nordafrika das Material zusammengetragen und liegt nun hier in einer Fülle vor, die wohl nur ein Fachmann zu würdigen weiß.

40 hervorragend gezeichnete und bearbeitete Spezialkarten sowie 2 Ueber-sichtskarten führen die gesamten Luftverkehrslinien von Europa auf. Auf den Karten sind jedesmal alle Luftverkehrslinien, die durch den betreffenden Kartenausschnitt ziehen, verzeichnet. Ferner sind auf den Karten enthalten: Flughäfen, Verkehrslandeplätze, Militärflugplätze, Leuchttürme, Feuerschiffe, Großfunkstationen; ferner Einflug-, Gefahr- und verbotene Zonen.

Mehr als 150 Flughäfenskizzen im Maßstab 1 : 75 000 geben ein genaues Bild von der Lage und der Umgebung der ständig angeflogenen Flughäfen. Sorgfältige Gegenüberstellungen der Flugentfernungen und der Flugzeit im Vergleich mit dem Schnellzugsverkehr heben die Vorteile der Flugzeugbeförderung hervor.

Ein derartiges Material über den Flugverkehr ist bisher noch nirgends gesammelt worden und es wird daher sicherlich überall, im In- und Ausland, in Zivil-, Militär- und Industriekreisen das größte Interesse dafür vorhanden sein.

Luft-Kursbuch für Deutschland und die wichtigsten Flugstrecken im Ausland. Juli 1927. Herausgegeben durch die Abt. Luftfahrt der Hamburg-Amerika-Linie, Hamburg. Verlag Siegfried Blogg, Hamburg.

Die Hamburg-Amerika-Linie verteilt hier am Ersten jeden Monats ein Luft-Kursbuch kostenlos an ihre Interessenten, das in der bekannten Aufmachung anderer Kursbücher sämtliche Flugpläne und alle sonstigen im Luftverkehr bestehenden Anordnungen und Bestimmungen enthält.

Die Austauschmöglichkeit der Steuerflächen untereinander ist nicht neu und bereits unterm 3. 12. 1916 Gustav Otto, München, patentiert worden. Dieses Patent 300050 betrifft ein Flugzeug, bei dem sämtliche Steuerflächen (Verwindungs-klappen, Seiten- und Höhenst&uerflächen) einheitliche Form, Größe und Befestigungsart aufweisen, so daß die Steuerflächen, untereinander vertauscht, an den verschiedenen Steuerflächensitzen des Flugzeuges in gleicher Weise verwendet werden können. Vergl. Patentsammlung Nr. 1921 und Heft 4 1921 des Flugsport.

Geschäftliche Mitteilungen,

Schlesische Motorbau A.-G. vormals Ernst-Werke, Breslau.

Die Generalversammlung der Ernst-Werke A.-G. hat am 19. Mai 1927 den Namen der Firma in Schlesische Motorbau A.-G. vormals Ernst-Werke umgeändert. Gleichzeitig wurde das Aktienkapital auf RM 300 000.— erhöht. Die durch Musterschutz geschützte Bezeichnung ,,Ernst-MAG" für die Motorräder bleibt bestehen. Durch bedeutende Vergrößerung des Betriebes (Aufkauf des Industriegeländes vom früheren Stahlwerk Mark) konnte die Monatsproduktion auf das Zwölffache gesteigert werden.

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65 PS 4 Zyl. Daimler-Mercedes-Flugmofir

§= 1350 Umdreh., zum Preise von RM 550.— zu verkaufen. Angebote unter 2397 an = die Exped. „Flugsport".

JDUNA-KONZER

- Begründet 1854 -

Versicherungen aller Art

Vertragsgesellschaft der grö&ten deutschen Luftfahrtverbände bezw. Vereinigungen bezw. Verkehrs- und Sportunternehmungen.

BERLIN SW 68 Dönhoff 631-35 JDUNA-HAUS