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Zeitschrift Flugsport, Heft 12/1923 und Heft 13/1923

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 12/1923 und Heft 13/1923 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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GEGRÜNDET 1.908 v. HERHUSGEGEBL VON OSmfC URSINUS * CIVIL-ING.

Jllustn'erte

No. 12/13 JIIUSU ICI IK1 Sezuosprsf«

25. Juli technische Zeitschrift und Anzeiger !Z 0«!"™?"

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1923. Jahrg. XV. für das gesamte Einzeipr.« 4000.

Telef. Hansa 4557. PlllfVnrACan" Postscheck-Conto

Tel.-Adr.: Ursinns. „rlU^ YVC3C11 Frankfurt (Main) 7701. ßrief-Adr. Redaktion und Verlag „Flugsport* Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. == Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. == Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten1* versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Internationale Luftfahrtausstellung in Gotenburg.

Am 20. Juli ist die Ilug durch den König von Schweden eröffnet worden. Es ist dies die erste wirklich internationale Ausstellung nach dem Kriege, eine erste internationale Veranstaltung, auf der auch Deutschland vertreten ist. Die Leistungen der deutschen Industrie

T«n .1. C.otJ'iiliui'K Anaslclliinir. ulirn .-f.-|,w..,li«tbr AM. (Jlarine-.4»sstr-ll.) Unten Kllohamw

sind umso höher anzuschlagen, wenn man b^riicksichtigt, daU sie unter den fesselnden H^dirignngen des Versailler Vertrages zustande gekommen sind. Die deutsche Industrie war durch den Frif dann vertrag gezwungen, neue Wege zu gehen und Flugzeuge mit, geringen PS Leistungen hervorzubringen. Alle anderen Länder, vor allem die Sieger, waren gezwungen nach dem Kriege weiter Kriegsflugzeuge zu

entwickeln und zu bauen. Die Interessen der sogenannten Landesverteidigung im Ausland gestaltete den Flugzenpfirmen nicht, in durchgreifendem Mause den Lultverkohrsbe-dürfnissen Rechnung r/,u tragen. Als Druckmittel dienten die staatliehen Subventionen, welche sich die Firmen nicht entgehen lassen wollten. Em Kriegsflugzeug kann niemals ein ökonomisches und sicheres Verkehrsflugzeug sein, foi Kriege spielt die Sicherheit der Person keineßolle. "Wenn ein Führer ausfällt, wird ein neuer kommandiert. Bei Kriegsflug zeugen muß beim Bau Rücksicht auf Wendig-Leichtigkeit, gutes Schußfeld u.a.m. genommen werden. Das Verkehrsflugzeug hingegen soll möglichst automatisch stabil und sicher fliegen. Von den Gefechtsbeding-urjgen der Spezial-, Kampf-, Bomben-, und sonstigen Flugzeugen, welche in den Ausstellungskatalogen und Prospekten in etwas anders benannter Aufmachung als Verkehrs-f flugzeuga angepriesen werden, brauchen WLr hier nicht zu. reden. Man findet sie \u den Spezialkatalogen für Knegst'lugzeuge. WerdieNach-. teile dieser angepriesenen sogenannten Verkehrsflugzeuge wissen will, braucht nur im Katalog, wo die gleichen Typen als Kriegsl'lugzeuge bezeichnet sind, deren gerühmte Vorteile zu studieren.

Tm Gegensatx zu dieser unglücklichen Entwicklung waren die deiltschenKonstrukteure gezwungen, jedwede Rücksichtnahme auf militärische Verwendung auszuschalten. In diesem Moment liegen auch die Ursachen zu der gesunden Entwicklung der deutschen Verkehrsflugzeuge. Auf Oekonomie, Sicherheit, Bequemlichkeit konnte überall Rück sieht genommen worden. Eine Son-

No._l2/M „FLUGS P

derentwicklung neigt die Konstruktion von deutschen Kleinflugzeugen. Auch hier waren die fesselnden Bestimmungen des Versailler Vertrages die Ursache. Uen Ausgangspunkt der Forschungsarbeit in dieser Richtung bildeten die Segel flugstu dien in der Rhön. Vergleiche die Richtlinien im „Flugsport1' No. 4 u. 6/7 11)20. Die Nachahmung der deutschen Forschungarbeit in dieser neuen Richtung in. allen Ländern beweist, daß wir in Deutschland auf dem richtigen Wege waren. Leider war es leider infolge der Markentwertung vielen Firmen nicht möglich, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Der Aus-stellungsbe.sucher ist daher nicht in der Lage sich ein vollkommenes Bild von der Entwicklung der modernen deutschen Flugtechnik zu machen. Und das ist vielleicht gut so. Denn es wäie schade, wenn die deutschen Konstrukteure und Flugzeugfirmen, welche zur Zeit infolge des französischen Druckes nicht unbehindert arbeiten können, durch Ausstellung von Mustermaschinen und vorzeitiger Bekanntgabe ihrer Ideen und Forschungsarbeit durch Nachahmung um die Früchte ihrer Arbeit gebracht würden.

Schweden hat, gerade dieses Jahr eine Luftfahrtausstellung zu veranstalten, einen glücklichen Zeitpunkt gewählt. Die Luftverkehrsgesellschaften aller Länder suchen, soweit sie ans militärischen Gründen dürfen, nach geeigneten Verkehrsmaschinen, um ihren Betrieb sicher und rentabel zu gestalten. Die vielen internationalen Besucher der Goten bürg Ausstellung suchen weniger Kriegsflugzeuge als Verkehrsflugzeuge. DieKviegsmaschinenlieferanten dürften daher kaum auf ihre Kosten kommen.

In der grollen Lufthalle sind ca. 50 Maschinen ausgestellt. Vertreten ist Schweden, Deutschland, England, Niederlande, Frankreich, Italien und die Tschecho-Slowakei. Die

UKUTSrilK AUTLILLX«, sticht durch ihre eigenartige, du" modernen Fortschritten entsprechende

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Formgebung der Maschinen wesentlich von allen andern Flugzeugkofl-struktionen ab. Wir sehen aneinander gedrängt die Stände von Juli kers und Dornier mit ihren wuchtigen freitragenden Metallflügelma-schinen. Auf dem Stand von Junkers zwei Passagiermaschinen von verschiedenen Grössen, sehr bequem eingerichtet. Ferner die kleine in Deutschland bekannte Sportmaschine, sowie Plane über organisierte Fluglinien. Imposant ist der Stand von Dornier, Friedriehshafen, welcher mit seinen bekannten Typen vergl. den Typenanhang in dieser Nr., vertreten ist. Vergl. auch die vorstehende Abb. Auf dem nächsten Stand erblickt man das gleichfalls den Ij^sern dieser Zeitschrift bekannte Flugzeug Caspar, eine Zweischwimmermasohine mit freitragenden Flügeln. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Stand der Nord f lug werke, welche einen Eindecker mit 5 Zyl. Siemensmotor ausstellen. Auf dem danebenliegenden Stand vom Stahlwerk Mark finden wirdie bekannte kleine Sportmaschine mit Zweizylinder Haacke Motor. Mehrere deutsche Maschinen zogen es vor, der Ausstellungshalle fernzubleiben, um ihre Maschinen im Fluge auf den nahegelegenen Flugfeldern den Ausstellungsbesuchern praktisch im Betrieb vorzuführen. Das Caspar Sportflugzeug ist auf dem Luftwege in Gotenburg eingetroffen. Vergl. die verschiedenen Typen in dem Typenverzeichnis dieser Nummer. Die •

ENGLISCHE ABTEILUNG ist recht reichhaltig. Vertreten ist ein großer Handley Page, vollkommen aus Stakl. Flügelrippen aus Holz. Die Maschine dient als Torpedo-Flugzeug und trägt 1600 kg Bombenlast. Dar Aufbau des Handley Page zeigt in seinen äußeren Formen keine bemerkenswerte Veränderungen. Interessant, wenn auch Kriegsflugzeug, ist der Avro] Adlershot mit 1000 PS Napir Cab Motor, Gewicht 1000 kg. Auf dem Stand von Vickers befindet sich ein Flugboot mit hochziehbarem Fahrgestell, genannt Vicking, mit einem 450 PS NapierLion. Das Arrangement der englischen Abteilung läßt eine einheitliche Organisation erkennen und macht einen guten Eindruck. In der

FRANZÖSISCHEN ABTEILUNO kann man lernen, wie man Reklame machen muß. Man sieht Dioramen und Lichtpanoramen. Auf den Flugzeugständen sieht man die bekannten Typen von Farman, Oaudron, Breguet. Letzterer propagiert besonders seine Flugboote für den Krankentransport. Auch ein Maneyrol Segler ist vertreten. Die

SCI 1WED1S011E AI »TEILEN(1 besteht aus Maschinen der Marine, hübsche, leichte, solide Apparate älterer Konstruktion. Die modernen Formen zeigt das zweisitzige M G Seeflugzeug, eine Weiterentwicklung des von Heinkel konstruierten bekannten Tief-Eindeckers. Die

ITALIENER

sind vertreten durch Savoya, welcher ein Flugboot mit zwei Riesen-Bomben ausstellt. Die

NIEDERLANDE

repräsentieren durch ihre weltbekannten Fokkermarke, deren Verkehrsflugzeuge den Lesern dieser Zeitschrift zur Genüge bekannt sind. Vergl. die Abb. in dieser Nummer. Auf dem Stand sieht man einen Zweisitzer M O Flugzeug C TV Motor 400PS Liberty Oaschw. 240 km, und ein Jagdflugzeug D XI Motor 300 PS. Ilispano Suiza, Oeschw. 250 km. 5000 m in 12 Min. Tragdecks aus Sperrholz, Flügelstiele

No. 12/13

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V Form. Die

TfcT.iiKriin-sunvAKKi

frappiert vor allem mit ihren modernen Farben. Sonst nichts spezielles, aber die Maschine ist gnt.

Interessant ist das Studium dor Abteilung für Handelsverkehr und Flugpost. Hier findet man sehr viel wertvolles Material zusammengetragen, und muß feststellen, daß die Erde sehr klein ist. Interessant ist noch die historische Maschine von Ellehammer 1!) PS. mit welcher Ellohammer am VA, Sept. l'AOti Probeflüge machte.

Die Laser dieser Zeitschrift interessieren vor allen Dingen der konstruktive Teil der Ausstellung. Wir nehmen daher Abstand über die einzelnen Unterabteilungen, wie Duftpost mit Briofmai konabteihuig etc. zu berichten.

Alles in allem, die Ausstellung in Uoteabrirg ist für Schweden ein voller Erfolg. 1 he Organisatoren haben ihr menschenmöglichstes getan. I las Haupt verdienst liegt aber darin, daß jetzt in Schweden ein Samenkorn gelegt wurde, wie es zur Entwicklung eines friedlichen Luftverkehrs auf einem andern als neutralem Boden nicht aufgegangen wäre.

Albatros-Sport-Flugzeug Type I, 59-fc0._

Das AIl»a 1 ros-S|M>rt-FlnR/cur Type L .ri!>/l>0 kann als Linsitzer oder als Zweisitzer verwendet werden. Als Kinsitzer triijjl rs die liezeirhniini;' 1;5!( unter Verweiulnnir eines Motors von 50 liO l'S als Zvi'isit/.rf Iraj-rt

Snle IVK> „KLIICSl'OKT" _ NoJ'i/l.»

es die Iti'/.i'ii'liiiuiij: l.f'O iiiiIit Verwctidwijf eines Motors von !H) MIO l'S l)rr Unterschied bei beiden Typen macht sich nur bemerkbar in dem Kill bau eines anderen Motors und eines /.weiten Sitzes, sonst bleiben sämtliche Maße dieselben. Die Wahl des Baumaterials, die Fesligkeils-iind Sla,|>ilitäfs-|!orechuungeu sind £cm;ili der jetzt ^cltiMiilcn deutschen Baubestimmungen l'iir Flugzeuge festgelegt.

Das Flnpu'iig hat folgende Abmessungen'. (lanze Höhe über alles 2f>5<> nun. Breite 1(1300 nun, Länge 510O nun.

Der Kump! des KlngxriigvK ist nach der bewährten Ausführung aus .Sperrholz hergestellt und /.war ist die kaiinivortoiliing so gewählt, daß hinter dem Motor der h'l u^zc iii; Iii ine r und beim Zw e i si t'/.e r- Fl ugze.ug rechts von dem Führer nach hinten gestaffelt der Begleiter sitzt. Der BetriclisstoH'behälter liegt «im Schwerpunkt iiml /.war unter dem Flug-z.eugführersitz. Das Boot trägt am Kode die Kinlerorgane; die Steuerung erfolgt durch Kniippel.sl.ener. Das Seilensleiier wird mittels Fulilieliel betätigt. Der kaum des Führersitzes ist so ausgebildet, daü der Flugzeugführer beipiem alle zur Bedienung des Flugzeuges unil des Motors dienenden Organe erreichen kann.

Der unterhalb des liujnpfex augeordnete Flügel ist der bequemen Transporttnüglichkeit halber dreiteilig; am Mittelstark ist das Fahrgestell iesl eingebaut. Der Flügel selbst trägt keinerlei Vorspannung-, er isl freitragend ans Holz hergestellt und mit .Sperrholz beplankt.

Als Antriebsniotor wird beim Typ |jf>9 ein 50—60 l'S Sieniens luftgekühlter Stern-Motor, beim Typ I, (i() <>()—1 <><) l'S luftgekühlter Stern-Motor derselben Finna Verwendet.

Der Betriebsstoffbehälter liegt im Schwerpunkt und zwar ist. er in den Flügeln eingebaut. Kr fallt für je :;,.'» Std. Betriebsstoff für den Typ 1,50 wie für den Typ Mit). Der Oelbehälter liegt hinter dem Motor inulfal.it für dieselbe Stundenzahl (loh

Die Nutzlast des Flugzeuges Typ 1,50 beträgt |;S2 kg. Flugzeugführer 75 kg. Ilelriebstoffe' 57 kg — 'l.'VJ kg. Das Flugzeug-Vollgewiebt beträgt 4S0 kg. Die Nutzlast d'es Flugzeuges ], 00 ' beträgt ä:U kg. 1 Flugzeugführer 75 kg. I Begleiter 75 kg, Betriebsstoffe SI kg -•i.'il kg. Das Flug/.eug-Vollgevvich! beträgt (MI kg.

Die llorizontal-(iesch\vindigkeit des Flugzeuges in 1000 m ist beim Typ 1,5!» 140 km Std.. beim Typ 1,00 1-15 km Std.

1000 in bei Tvp 1,50 werden erreicht in !) Min., bei Typ LOOin 8 Min.

Albatros Verkehrs-Flugzeug Type L. 58

Die Allialroswerke A.-(!.. Berlin.loliannistlial haben mit ihrer neusten Findecke.r Type I, 58 ein Verkehrsflugzeug herausgebracht, das für Verkehrs/.« ecke, in fliegerischer Hinsicht alle Bedingungen, die an ein solches gestellt werden, in glänzender Weise erfüllt werden, das aber auch den Passagieren (iewälir für Sicherheit und Iiequenilichkeit bietet. Das Flugzeug (siehe die Abbildungen) ladel von selbst zum Fliegen ein. Doch die eigentlichen Vorzüge der Maschine kommen eist in der Luft zur (leltimg. In einein bequemen Sessel ruhend, hat der l'as.-agicr einen unbehinderten Ausblnk auf das unler ihm liegende (.eländc. Kein Trag-üVck. keine Spannseile siüp-n ihm die Aiissicbl. ( H nie Meie igei äusi-h oder von irgend welchen \ ibralinuen gestört zu werden, können sich die 0 Passagiere ungezwungen inileiua mler 11 uterhall <■ 11 und sieh geg-enseilig- auf InteresM'

No. 12/K3_ „ U_G S ? 0 li_T " _ _ _ _Seito I_23

All);iti'us-V,''i'krlirsnup'zrii.^ L. r>s xtarM.

i'i'i elende |'imkt>-. iilici' 11 i i • man fci-radc hiiiwrgllii'Kl. aufmerksam machen. Weil angenehmer und ruhiger als in dem li('i|iicnisl('ii Aldo schwebt m;in sanlf durch die Luid und kann den Heiz einer l''ahrl zwischen llimiiiel und lü'de voll »■eniessen.

hurch die als Ihichdeckcr konslrui'.'rtc Ma.-chinc ist llie;;enseh eine ^riislnmuliche Siciierheit erreichf. 'durch die denkbar «'iinsli^'sle (!e-wichtsverteiluni;'. stellt sich das Kliijf7.cn«; mmi 'eilet in eine stabile

l:Ii,l. ,„ .Ii, r.a.ui.' il.'s Ut>;ilr.., V, hi l I« . T>|, I

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No. 12J13

Lage ein. Das PlugztMig hißt 8 IVrsoncn. Der Führersitz liegt hinter, bezw. über dem Motor und zwar sitzt der Führer links, der als Herleitet' in Frage kommende Monteur oder Beobachter rechts daneben. Beide haben ausgezeichnete Sicht, nach allen Seiten. Aaf Wunsch läßt sieb ohne Schwierigkeiten eine Doppelsteuerung anbringen. Hinter dem Führor-raum schlieft sich die Kabine für die Fluggäste an. Sie bietet Platz für (> Passagiere, von denen 4 in Fahrtrichtung und zwei entgegengesetzt sitzen. Die Kabine hat. einen lichten Raum von 2.80 m Lange. 1,15 tu Breite und 1,60 in Höbe. Links sind 2 Türen angebracht. Das Kin-uuri Aussteigen geschieht äusserst bequem ohne Zuhilfenahme von Leitern oder Klettern über Tragdecks oder Fahrgestell. Je 5 Fenster, davon je )S als Schiebefenster, in jeder gewünschten Lage feststellbar, geben dem Kaum die nötige Helligkeit und gestatten eine gute Durchlüftung. Auf Wunsch wird die Kabine heizbar eingerichtet. Der Rumpf selbst ist aus Sperrholz. Die Tragfläche, die eine Spannweite von 18 in hat, liegt, oberhalb des Rumpfes und wird aus einem, wenn gewünscht aus ;) Stücken angefertigt. Sie wird an 4 liefestigungspunkte.n am Rumpf gehalten, die beim Montieren des Plugzeuges leicht zu lösen sind. Die Fläche selbst, trägt, da sie. ungewöhnlich dick ist. in sich den (icpac.kra.um für die. Fluggäste, sowie die Benzinbehälter für den Motor. Als freitragende Fläche ist. nicht noch durch Kabel mit dem Kumpf verbunden. Ein Verziehen der Tragfläche ist. durch ihre solide Bauart und. da als Bekleidung ebenfalls Sperrbolz gewählt ist. unmöglich.

Das Flugzeug ist für den Pinbau der verschiedensten in- und ausländischen Motore normaler Bauart eingerichtet, sofern sie eine Mindestleistung beim Start von 260 l'S und ein Gewicht von 400 kg nicht übersehreiten. Ohne weiteres lassen sieh Maybach-.Ylotore Type M P> IV von 260 PS und Rolls-Royce Motore, Type Faleo» von 260 PS verwenden. Die Benzinbofürdernng geschieht als Fallbenziii. wodurch Versagen irgendwelcher ürcunstoffpunipen ausgeschaltet wird.

Das Fahrgestell weicht nicht von der Konstruktion des Normal-Fahrgestells ab. das sich seit Jahren bewährt hat. Das' Flugzeug lätit sich durch schnelle Verwandlung der Fluggastkabine in einen Nutzlast-raiirn leicht zur Beförderung, reiner Pasten oder zum Postflugzeiig umbauen. Auch sei hier noch auf den wesentlichen Vorteil hingewiesen, der in der einfachen und schnellen Ansbessernngsmöglicbkeit liegt, die durch die (lanzTlolzkonstruktion erreicht wird. Mittlere Bruchschäden lassen sich an Ort und Stelle von jedem Tischler ohne weiteres reparieren, ohne daß ein Verschicken von Frsatzteilon erforderlich wird, geschweige denn das Flugzeug in die Fabrik versandt zu werden braucht.

Rhön-Wettbewerbs Beginn 1923.

Wenn diese Zeilen die Leser zu Gesicht bekommen, hat bereits der Rhön-Wettbewerb begonnen. Zur Zeit ist die Aufmerksamkeit durch die Gotenburg-Ausstellung abgelenkt. Auch allerlei Kräfte, welche gerade jetzt bei Beginn des Wettbewerbs nötig waren, haben ich verlaufen. Für die an der Stange treu haltenden, gab es daher doppelte Arbeit zu leisten. Wir halten es für unsere vornehmste Aufgabe allen diesen uneigennützig an der guten Sache arbeitenden, sich verdient gemachten Persönlichkeiten zu danken. Gerade im jetzigen Moment vor Beginn.des Wettbewerbes gilt es, die Kräfte, um sie auswirken zu lassen, in der richtigen Weise einzusetzen.

Der erste Wettbewerb 1920 begann bescheiden mit. ein paar Flugzeugen. Bis heute am 2r>. verzeichnet die Nennungsliste deren 93. Besonders schwierig war in diesem Jnhre die Beköstigungsfrage. Man kann den Teilnehmern nicht

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zumuten, daß sie pro Tag 70,000 M. und mehr für den Unterhalt aufbringen. Die Leitung rechnet im Lager mit einer Beköstigung von maximal 500 Personen. Der Beköstigungspreis für aktive Teilnehmer soll sich in der ungefähren Höhe von 15000 M., für Nicht-Aktive von 20 bis 30,00(1 M bewegen (die Zahlen sind unverbindlich). Die Organisation des Wirtschaftsbetriebes mit diesen günstigen Beköstigungsverhältnissen sind dem rechtzeitigen Eingreifen des Verbandsehrenvorsitzenden Herrn Dr. Kotzenberg zu verdanken, welcher in überaus großzügiger Weise die Finanzierung mit ihren vor einigen Monaten recht gewaltigen Beträgen ermöglichte. Jedenfalls ist für alles gesorgt. Das Lager auf der Wasserkuppe hat sich zu einer kleinen Stadt entwickelt. Von der Straße die nach Wüstensachsen führt, ist mit bescheidenen Mitteln vom Wetterhäuschen nach dem Fluglager, durch die Mitwirkung von ehrenamtlichen Kräften, eine Straße gebaut worden, sodaß man mit jedem Gefährt von Gersfeld bequem zum Lager fahren kann. Die Unterkunftsmöglichkeit ist in diesem Jahre schwierig, indessen ist sie leicht für diejenigen, welche gewöhnt sind, sich Situationen anzupassen und sich Schlafdecken und Kopfpolster mitbringen.

In den letzten Jahren haben wir vermocht, unter Einsetzung von verhältnismäßig bescheidenen Mitteln, die Welt in Erstaunen zu versetzen. Es gilt jetzt in diesem Jahre ebenbürtige Leistungen zu vollbringen. Daher ist es Pflicht eines jeden Einzelnen an der guten Sache mitzuwirken. Wünschen wir, daß wir eine Steigerung der Begeisterung vom 24. August 1922, als wir Hentzen unser .Haltet aus, haltet aus" zuriefen, erleben mögen.

Rhön-Segelf lug-Wettbewerb.

Die Nachträge 1—111 zu den Meldungen zum Vor- u. zum Hauptwettbewerb sind in diesem Jahr nicht mehr an die Geschäftsstelle einzusenden, sondern von den Teilnehmern in das Fliegerlager auf der Wasserkuppe mitzubringen und an den Technischen Ausschuß, bezw. die Sportleitung unmittelbar einzureichen. Alles Nähere steht auf den Vordrucken unmittelbar unter der Ueberschrift.

Die Eisenbahnverbindung nach der Röhn ist wesentlich verbessert durch die Einlage von einem Zugpaar Fulda ab 9 Uhr 30 vormittags Gersfeld an 10 Uhr 29. Gersfeld ab 8 Uhr II vormittags Fulda an 9 Uhr 9 vormittags. Außerdem gehen im Juli und August die bisher nur für den Sonntag vorgesehenen Abendzüge 7 Uhr 34 ab Gersfeld nach Fulda und 7 Uhr 40 ab Fulda nach, Gersfeld täglich. _

Verbandsmitteilungen.

Für den Nationalen ModellwettbeweTb sind folgende Ehrenpreise ausgesetzt: Preis des Flugtechnischen Vereins Karlsruhe, Ehrenbecher des Deutschen Modell- u. Segelflugverbandes. Für den Rhönwettbewerb werden die Vereine gebeten, Wimpel mit ihren Vereinsfahnen oder Abzeichen mitzubringen, die im Fliegerlager gehißt werden sollen.

Alle Anfragen an den Verband in Modellsachsn sind an Herrn P. Schaaf, Frankfurt a. M., Louisenstraße 44, zu richten.

Den deutschen Segelfliegerausweis haben erhalten:

No. 51. Franz Freiherr v. Kuhn-Skeene, Ausweis A und B. No. 52. O. Hohmuth, Fichtenau b. Berlin, Ausweis A. No. 53. A. Mann, Pforzheim, Ausweis A. No. 54. H. Kraft, Pforzheim, Ausweis A. No. 45. R. Holzhauer, Pforzheim, Ausweis B. Weiterhin wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Reichsverkehrsministerium die Beförderung von Segelflugzeugen allgemein als Stückgut zugelassen hat. Einzelheiten sind bei den Eisenbahndirektorien zu erfahren.

gez. Dr. Georgii

Inland.

Wolfgang Hirth ist bei einem Segelflugversuch nach einem gutgelungenen Aufstieg infolge Einknickung einer Stoßstange (in der Steuerung) aus 30 m Höhe abgestürzt. Hirth erlitt leider einen schweren Beckenbruch sowie eine leichte Gehirnerschütterung außer Quetschungen und Hautabschürfungen. Der Apparat ging völlig in Trümmer. Hirth liegt im Krankenhause zu Fulda und läßt alle Freunde grüßen.

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Espenlaub Segeleindccker I9>3. Das von Espenlaub in diesem Winter auf der Wasserkuppe gebaute Segelflugzeug, hat unter Führung des bekannten Vor-kriegsfliegers Alexander von Bismarck mehrere erfolgreiche Flüge ausgeführt.

Er erreichte schon beim 2. Flug der Maschine 32 Min. und eine Höhe von 300müberderStart-stelle. Herr von Bismarck hat der Leistung der Maschine volle Zufriedenheit ausgesprochen, so segelte er am 10. 6. am Westhang der Wasserkuppe 42 Min. und landete nach Der neue freitragende

Eindecker (vergl. d. Abb.) hat bei 14 m Spannweite 20 m 2 Tragfläche. Die beiden Laufräder sowie der Stoßball unter der Nase sind in den Rumpf eingelassen.

Ausland,

Der Fokker F V in Rußland«

Vor einiger Zeit führte eines der bekannten Fokkev VerkelirKfhitfzeuge Typ. V. V' woruber wir bereits in Nummer I, (1!>2;J) unserer Zeitschnlt, eine eingehende lieschrei-lmr\£ brachten, einen rro)iae;iinda)lun Amsterdam — Moskau ans, wobei über öOOO km ohne mich mir den allergeringsten Deiekt znrnek»ele<ct wurden.

Die Cabine des Flu^zeu^ex war lur die jirolJe Reise besonders ausgestattet worden

Segel-Eindecker Espenlaub 1923 einem 9 km Ueberlandflug in der Nähe von Weyhers.

Der Fokker V V an! dem lJlu»'e Amsterdam — Moskau — Amsterdam. Von links n;ich rechts; JJordmonteui' Zywina, Chefpilot Just von der IVrulnl't, ITen'Seekatz von der Firma Fokker, die „liierende Sekretärin", Henry Hagener, holländischer Jjuftl'alirt-.lonrnali.st.

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und gleicht einem „Fliegendem liiirow, in dem alle nur dankbar bequemsten Einrichtungen vorhanden sind. Wahrend der Binzen Flugdauer kann der 'Passagier arbeiten, er ist also nicht, dazu gezwungen, die Fahrt als Nichtstuer abzufliegen. Aus den beistehenden Abb. geht, ilie pracktische Einrichtung der über mannshohen ('abine den tl ich hervor. Der Rumpf besitzt folgende flauptrünine: Den FÜhrerraiim für 2 Piloten, daran aiisehlieliend, durch eine groll« Tür verbunden, der eigentliche Aufenthalts ran in für die Passagiere, dann die geräumige Toilette, worin sich bequem 2 Personen aufhalten können und in welcher der Luit reis ende alles vorfindet, Cölniscli W asser. Aspirin, Pyrniuidol etc.. In einem besonderen Kaum legen die Passagiere ihre (Jarderobeti ab. A iischlirllend befindet sieb noch ein grollet' l'auiii für sperrige (Jüter, während das Handgepäck in dein (iepäek-rautn direkt- unter dem Führerraum untergebracht wird,

Eine Einrichtung die sich während der langen Kt-iso ganz besonders bewahrt hat, ist die Möglichkeit des Verkehrs zwischen Führerranru und den übrigen Kiinnipn wahrend des Fluges. Der eine Führer kann bequem die Steuerung seinem Nebenmann überlassen, geht in die ('abine orientiert die Passagiere Uber den Verlauf des Fluges, setzt sich an den grollen Tisch und stärkt sich an Leckerbissen und (Jetränken die im IJülTet untergebracht sind. Er ist nicht dauernd wie dies bei den meisten Verkehrsflugzeugen der Fall ist an seinen Sitz „festgeschnallt", saudern kann sich vollkommen frei bewegen.

Das Flugzeug steuert sich durartig bucht, auch bei allerschlechtestein Wetter, daß der Pilot dem IJordninnteur, der ja gewöhnlich über fliegerische Kenntnisse verfügt. ruhig* die Steuerung für einige. Zeit übertragen kann. Aul dem Fluge nach Moskau hat der

Die erste Landung des Fokker FV aul russischem Boden in Smolensk.

Monteur stundenlang allein gesteuert, während der Führer die Orientierung leitete, ein Beweis, welche erstklassigen Flugeigenschal'tcn Her Fokke»' V Wsitzt.

In IJuIlland hat das Erscheinen dieser neuen Maschine ganz bedeutendes Aulsehen erregt. Von den maÜgcbcustcn Persönlichkeiten haben fast alle an den Uiindl'lügen Uber Moskau teilgenommen, in lierlin der ersten Zwischenlandung des Fokkor FV nahmen der russische (JesiimUe. Krestinski sowie der Vorsitzende der russischen Handelsvertretung Sta-mionnkoff, beide grolle Anhänger und Förderer der Verkelirsl'lieg! ici in RulJland, (ielcgen-sieb selbst durch Teilnahme an einigen Probeflügen vom Flugplatz Staaken aus, von der genialen Konstruktion und grollen. Leistungsfähigkeit des FV speziell für Feinflüge zu überzeugen.

Das Flugzeug hatte einen glänzenden Erfolg, überall wo es erschien, zu verzeichnen gehabt und durfte momentan das modernste und Uesteingeriehtete Verkehrsflug-zeng, das d;is Uesultat von dreijährigen Erfahrungen mit den bekannten Fokker F III Flugzeug ist, die auf den verschiedensten regeliiiällig betriebenen Luftverkehrslinien des Continent-s tätig sind, darstellen.

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Die (■;il)ine <1bh Fnfeker F V. Das fließende Hüvo, der Keisonde erledigt während de» Fluges Heine CorreKpondenz.

Freie r>ewefi'nn»'snn)ü;lu']ikeit zwischen Fiihrovshintt und der Cabine sowie, ilen übrigen innen des Fokker KV während 'des Kluses. Der eine Führer kunn wilhrend des Fluges in die Cabine gehen und die. IViswugiere über den Verlaul' des Fluges orientieren. Etil Hintergrund der doppelte. Führerstand.

der

beste Fallschirm der Gegenwart.

Während des Weltkrieges als einziger Flugzeugfallschirm bei den Armeen der Mittelmächte in lOOOen von Exemplaren im Gebrauch, hat er unzähligen Fliegern das Leben gerettet. -----........

Die bedeutendsten Luftverkehrsgesellschaften, die Armeen Hollands, Schwedens, Norwegens, Jugoslaviens, Rußlands, Finnlands, derTschecho-Slowakei, Schweiz, Türkei, und Andere benutzen ausschließlich den „Heinecke-Fallschirm".

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