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Zeitschrift Flugsport, Heft 05/1923 und Heft 06/1923

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 05/1923 und Heft 06/1923 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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No. 5/6 21. März

Jllustrierte

Bezugspreis

technische Zeitschrift und Anzeiger J»d oe"t"!!l"i!

Quartal M. 3000.1923. Jahrg. XV. für da» gesamte Ein«ipr.«l.6W.-

Telef. Hansa 4557. C1 \gryTH/OCOn" Postscheck-Conto

Tel.-Adr.: Ursinus. „rlUg WC5C1I Frankfurt (Main) 7701.

ßrief-Adr. Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

== Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. -

Manöver — gegen England ?

Am 21./:'.. 23 naehm. gegen :} Uhr erschien über dem Weichbild von Frankfurt ein großer französischer Doppeldecker, der allem Anscheine nach von der Stadt photographisebe Aufnahmen in achte.

Die Hetze des „Echo de Paris" wird anders wirken als es beabsichtigt war. Jedenfalls sind die deutschen Konstrukteure durch die Aktion nur zur intensiveren Arbeit angespornt worden und in England verursacht das Gerassel der franz. Luftwaffe Unbehagen. In Frankreich beginnt man den Fehler einzusehen. Im „Sportsman" ist folgendes zu lesen:

Kann die deutsche Luftfahrt unterdrückt werden?

Wir glauben es nicht und bedauern, daß ein Presse-Feklzug diesen phantastischen Wunsch verfolgt.

Welcher beschränkte Geist könnte glauben, daß Frankreich jemals die ganze Welt herausfordern wird, um den einzigen Vorteil, daß es Deutschland nicht mehr offiziell Flugzeuge fabrizieren sehen wird?

Wir sind überzeugt, daß wir dieses Verbot niemals erreichen werden und darum ist es gefährlich, die ganze öffentliche Meinung irre zu führen, indem man ihr als Ziel dieses V "bot.s eine Verminderung der Lasten unserer Luftfahrt zeigt.....

Wer könnt die Deutschen in Zukunft hindern, in den neutralen Staaten zu bauen und im Kriegsfall Millionen von Flugzeugen zu mobilisieren, die nur einige Hunderte von Kile.: eter zurückzulegen hatten, tun im eigenen Lande zu sein?

Und glaub, man selbst in Deutschland, daß unsere" Kontrolle immer streng gentig sein wie.', "m unser Verbot zu beachten? Wir wollen nicht von den Herstellungen in gn .er Anzahl sprechen, aber einfach von den Arbeiten in den Laboratorien. V.'er wird sie hindern? Glaubt man wirklich, daß Deutschland ein halbes Jalirlinnderl unter der vollständigen Herrschaft Frankreichs stehen wird?

Anstatt immer nur auf das zu achten was die Deutschen machen, wollen wir uns doch lieber damit beschäftigen, unsere Luftverkehrslinien im Gang zu haben, und Luftfahrzeuge zu besitzen, die bequem, sicher und schnell sind und wollen wir uns nicht mit Phantastereien abgeben.

Sin unsere ^ße^iefjer!

Der Bezugspreis für das II. Vierteljahr beträgt M. 3000. - Damit keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt, bitten wir mit der beigefügten Zahlkarte den Betrag einzuzahlen Für spätere Lieferung können wir nicht einstehen, dii infolge der holten Herstellungskosten knuppes'e Bemessung der Anfluge notwendig ist. Nur die whtzcitiyi■ l'inzahlnng gewährleistet eine rege lind lüge Zustellung, l'erlt<{/~ V'lngspott.

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KLUGSPÜRT"

Nr. 5/6

Fokker Amphibie FBH.

Die Verwendung von Flugbooten hat in letzter Zeit sehr großen Umfang angenommen. Bei den ausländischen Marineverwaltungen findet man jetzt derartige Flugzeuge in verschiedener Ausführung und in großer Anzahl vor.

Die Ansprüche, die jedoch besonders von den Kolonialländern an die Einsetzung derartiger Flugzeuge gestellt worden sind, haben dazu geführt; das Flugboot noch weiter durchzubilden, damit es auch als Landflugzeug verwendet werden kann. Hieraus ergab sich der Bau eines Spezialflugzeuges, eines sogenannten Amphibies, das, wie der Name schon sagt, vom Wasser als auch vom Lande starten und auf beiden Elementen landen kann.

Die Erfahrungen, welche mit diesen Flugzeugen gemacht worden sind, haben dazu geführt, die Typen immer noch weiter auszubauen und als neuestes Erzeugnis auf diesem Gebiete kann das Fokker Amphibie Flugboot F B ii angesehen werden.

Das Flugzeug ist als Kriegs- sowie als Verkehrsflugzeug verwendbar und hat die Erwartungen, die man an dasselbe gestellt hat, in glänzender Weise erfüllt.

Das Boot ist in Duraluminkonstruktion hergestollt und zeigt für das Abwassern sehr günstige Linienführung. Um eine besondere große Längsfestigkeit zu erhalten, ist der Kiel durch einen bis oben herauf reichenden Mittelträger versteift. Der Bootskörper hat 11 wasserdichte Abteile, welche zum Teil durch den Mittelträger, zum Teil durch die Spanten gebildet werden. Die nicht begehbaren Abteile sind durch sogenannte „Mannlöcher" zu erreichen. Der Boden des Bootes hat zwei nicht wasserdichte Stufen, bei welchen entsprechende Oeffnungen für das schnelle Ablaufen des Wassers beim Start angebracht sind.

In der Spitze des Bootes ist der Beobachterraum mit Notsteuer. Sitz und Notsteuer können bei Nichtgebrauch weggeklappt werden. Durch einen Gang in der Steuerbordseite des Bootes gelangt man zum Mechanikersitz. Links neben diesem ist der Führerraum. Die komplette Steuereinrichtung mit Sitz ist zwecks einfacher Montage auf einem gemeinsamen Rahmen montiert. Wird der Mechanikersitz weggeklappt, so gelangt man nach hinten durch einen Gang zum interessantesten Teil des Bootes.

Die Gummiseilabfederung, Auslöse- und Hochziehvorrichtung des hochziehbaren Fahrgestells ist auch im Fluge direkt erreichbar, bezw. zu kontrollieren. Das Fahrgestell besteht aus den an den Boots wänden

Fokker Amphibie nach ilor Lamlinifr auf dem Flugplatz Siliiphul.

gelenkig angeschlossenen Achsen mit Rädern, aus den Druekstiitzen, welche von den Rädern schräg nach oben ins Boot laufen und zwecks Hochziehen teleskopartig ausgebildet sind und aus Zugstützen, welche ebenfalls gelenkig am Boot angebracht sind. Die Hoch ziehkurbel kann sowohl vom Führer als auch vom Mechaniker und selbst vom vorderen Beobachter leicht bedient werden. Beim Herablassen des Fahrgestells kann der Führer durch Treten auf ein Pedal das richtige Arbeiten der Sperrklinken kontrollieren, bezw. nachhelfen. In dem Bootsteil hinter dem Fahrgestell ist der Betriebsstoff in vier Tanks mit zusammen 600 Liter Inhalt untergebracht. "Weiter hinten befindet sich der zweite Beobachtersitz. Der sehr stark gehaltene, steuerbare und mit Wasserruder versehene ^Schleifsporn ist in die^hin-tere Stufe eingebaut.

Die guten Flug-Eigenschaften weiden durch die eigentümliche Anordnung der Flächenzelle erreicht. Die zweiteilige obere Fläche in Holzkonstruktion zeigt sehr starke Pfeilform und ist an einen auf dem Boot stehenden Pyramiden-M-förmigen Bock befestigt. Die untere durchgehende Fläche, ebenfalls vollkommen aus Holz hergestellt, ist zur oberen stark rückwärts gestaffelt angeordnet und liegt direkt auf dem Boot. Sie hat keine Pfeilform, sondern nur ganz leichte V-Form. Die Zellenstreben zeigen iu Vorder- und Seitenansicht N-Fortn. Die

Fokker Amphibie ISO PS Kapier Lion. Ansicht der llotoranlage und des hochziehbaren Fahrgestells.

Fokker Amphibie- Man beachte das horhgeZOgGne Fahrgestell

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„FLUGSPORT"

No. 5/0

Flächen sind vollkommen mit Triplex bekleidet. Die an den unteren Flächenenden angebrachten Seitenschwimmer sind aus Duralumin hergestellt und federnd aufgehängt. Auf Wunsch können die Flächen auch vollkommen in Metall ausgeführt werden.

Das Leitwerk ist in seinem Aufbau sehr einfach. Es besteht aus der Kielflosse mit Seitenruder und aus der durchgehenden Höhenflosse mit Höhensteuer. Die Höhenflosse ist im Fluge vom Führersitz verstellbar. Die hierzu erforderliche Vorrichtung ist in der sehr dick ausgeführten Kielflosse untergebracht.

Der Motor ist mit den Kühlern und Oeltank als einheitliches Aggregat ausgebildet und treibt eine vierflügelige Druckschraube. Dieses Aggregat ist an vier Punkten mit dem Flügelbock verbunden. Zu seiner Demontage brauchen keine Teile der Zelle oder dergleichen demontiert zu werden; es kann bequem von oben mit einem Kran gefaßt werden. Die Motorträger haben Füße, sodaß das komplette Aggregat ohne Beschädigung der Kühler und des Motorgehäuses auf den Boden gesetzt werden kann.

Spannweite oben 18,2 m, unten 10,5 m, Flügeltiefe oben 2,4 m, unten 1,8 m, Länge über alles 12 m, Höhe 3,3 m, Leergewicht 1800 kg, Nutzlast 800 kg, Betriebsstoff für 4 Std., Geschwindigkeit ca. 2000 km/Std., Startzeit vom Wasser bei Vollast ca. 20 Sek., Motor: Napier „Lion" 450 PS, Kühler: 2 Lamblin. 1

Ueber den Flug.

Für den Flug sind zwei Erscheinungsformen typisch. Während der Flug an sioh als ungebändigte Energie sich geltend macht, die in eine Form gefaßt werden muß, damit sie in Erscheinung tritt; sind es eben diese beiden Formen, die En- oder Ektropie (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik), welche den Flug als solchen lassen sichtbar werden.

Der Drachenflug hat entropischen (anorganischen) Charakter; diese Art des Fluges strebt einem Maximum zu. Der Segelflug hat ektropischen (organischen) Charakter; diese Art des Fluges strebt einem Minimum zu. Jede dieser beiden Flugarten (Formen) ist utopisch ; es entstehen fliegende Motore und fliegende Flächen. Die eine Art ist Wechselwirkung der anderen, die jedoch beide gleich erforderlich sind für den Flug an sich; daher sieht man den Vogel teils Drachen- teils Segelflug ausführen mit dem Unterschied, daß der Vogel den ektropischen Flügelschlagvortrieb verwendet an Stelle des entropischen Propellervortriebs des Menschen-Flugzeuges.

Es gilt also zur rechten Zeit umzuwandeln: den entropischen Charakter "des Fluges in den ektropischen bezw. umgekehrt, um den Flug an sioh zu bewerkstelligen. Der Vortrieb soll die Zwischenstadien überwinden. Als.

Budig-Segelflugzeug mit Hilfsmotor.

Die Erfolge der deutschen Segelflieger im Rhöngebirge ließen im Spätsommer des Jahres 1922 die Welt aufhorchen. Das uralte Problem des menschlichen Fluges war seiner idealen Erfüllung wieder um einen Schritt näher gekommen; es war gelungen, stundenlange Flüge ohne die Kraft eines sehr starken, mit großem Betriebsstoff-

Budig-Segelflngzeug mit 1 PS Hilfsmotor im Fluge. Unten rechts: Motoranlage u. Bndig.

verbrauch arbeitenden Motors auszuführen. Ein Wettkampf unter den Nationen entbrannte um die Höchstleistung im Segelflug. Die letzten Versuche mit ihren Höchstleistungen haben gezeigt, daß die Konstrukteure bei der heutigen Bauart von Maschinen nicht stehen bleiben können, wenn sie ein praktisch allgemein brauchbares Sportflugzeug herstellen wollen. Die gänzlich motorlosen Flugzeuge sind zu sehr auf die Gunst des Geländes und der Windströmungen angewiesen, als daß sie zu jeder Zeit und für jedermann verwendbare Sport- und Kleinverkehrsflugzeuge werden könnten. Infolgedessen liegt es nahe und ist schon im „Flugsport" angeregt worden, ein segelfähiges Flugzeug zu erbauen, das zum Aufstieg und bei ungünstigen Windverhältnissen durch einen Motor von wenigen Pferdekräften (4—6 PS) unterstützt wird. Als Erster ist nun Ing. F. Budig mit einer solchen Maschine hervorgetreten, die durch erfolgreiche Probeflüge ihre Brauchbarkeit bewiesen hat. Das Flugzeug Budigs ist mit einem kleinen 2 Cyl. Fahrradmotor von 4 PS ausgerüstet, der während des Segelfluges ausgeschaltet werden kann.

Gleichzeitig zeigt das Flugzeug eine interessante (den Rhönteilnehmern von 1921 bekannte) Neuerung in Gestalt einer ebenfalls von Budig in langjährigen Versuchen konstruierten automatischen Vorrichtung zur Erhaltung der Längsstabilität, welche die Gefahr eines Absturzes in der Längsrichtung verhindert, sodaß der Flugzeugführer seine ganze Aufmerksamkeit der Eihaltung des seitlichen Gleichgewichts zuwenden kann. Hierdurch wird auch weniger gewandten Personen das Erlernen der Führung eines solches Flugzeuges bedeutend erleichtert. Gleichzeitig dient der Automat zur Ausnützung der horizontalen Windschwankungen im Gegensatz zu den bisher erfolgten Flügen der motorlosen Segelflieger im vertikal aufsteigenden Hangwind der Gebirge. Die genannte Vorrichtung ist auf der nebenstehenden Abb. als Vorderteil des Flugzeugs deutlich erkennbar und besteht aus einer Steuerfläche, die durch den wechselnden, stärker und schwächer werdenden Fahrtwind verstellt wird und dadurch die Bewegung des Flugzeugs den Erfordernissen des Segelfluges entsprechend beeinflußt.

Da das Flugzeug serienmäßig hergestellt werden kann und der Preis dann den eines Motorrades kaum übersteigen wird, so ist zu hoffen, daß diese Neukonstruktion weiteren Kreisen zugänglich wird.

Seite fili

^FLUGSPORT"

No. 5/6

Englischer Kleinmotor „Cherup" Bristol 18 PS.

Die in unserer Zeitschrift „Flugsport" Anfang 192Ü gegebenen Richtlinien über den Bau von Kleinflugzeugen sind von fast allen Ländern der Welt, welche sich mit dem Flugwesen befassen, aufgegriffen worden.

Wir erinnern an j i^V

die Leitartikel : „Einkehr" vom 18. 2. 20 und insbesondere „Wie ; sieht das Kleinflugzeug der Zu- ; kunft aus" vom 24. 3. 1920. Ueber den französischen Kleinmotor haben wir bereits berichtet.

Bristol Cherup 18 PS

erschienen. Es werden zwei Modelle,

In England ist vor kurzer Zeit der Bristol-Motor „Cherup" 18 PS

eins mit im Gehäuse liegendem 0 bersetzungsgetrie-be 2:1, das andere mit auf der Kurbelwelle sitzender Propellernabe geliefert. Die beiden luftgekühlten gegenüberliegenden Zylinder von 85 mm Bohrung und 94 mm Hub besitzen abnehmbare Zylinderköpfe, in denen seitlieh die Ventile angeordnet sind. Durch die über der Kurbelwelle seitlich angeordnete Nockenwelle entstehen ungleich lange Stösselführungen.

Die Details zeigen nebenstehende Abbildungen. Der untere Teil deB Kurbelgehäuses dient als Oslbehälter, aus welchem die Oelpumpe die Zirkulationssehmierung unterhält.

Umdrehungen der untersetzten Type 895, Leistung 18 PS bei 2500 Umdrehungen an der Kurbelwelle, Gewicht 39,5 kg.

Einzelteile des Bristol Cherup 18 PS. 1. Cylinder mit abgenommenen Ventilkopf- 2. mit Ventilkopf 3. Kurbelgetriebe. 4. u.5. G. Ventil-Stüsselführung u. StusseI 7. Nockenwelle.

Ausschreibung

für die „Deutsch-Chilenische Segelflugspende".

1. Die Deutsch-Chilenische Segcll'lugspende in Hohe von M. 500000, die von den Hainburger Nachrichten verwaltet und unter Leitung des Hamburger Vereins für Luftfahrt ausgeflogen wird, kommt unter nachstehenden tie-dingungen zur Austragung.

2. Zeit: Von der Veröffentlichung dieser Ausschreibung bis zum 31. Juli 1923 einschließlich.

3. Ort: Die preiszukrönende Leistung muß auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel vollbracht werden.

4. Zugelassen sind: Reichsdeutsche — sofern sie nicht von der Segelflug G. m. b. H. disqualifiziert oder nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte — sind.

Motorlose Fluggerate, die in Deutschland von Deutschen hergestellt sind.

5. Bedingungen: Der Bewerber muß sich mit einem Gerät — nicht gleichzeitig mit mehreren — gefesselt oder ungefesselt vom Boden erheben. Eine etwaige Fesselverbindung mit der Erde muß spätestens 2 Minuten vor der Wiederberührung der Erde gelöst sein. Die für die Wertung maßgebliche Zeit wird nach folgender Formel berechnet: Die in der Luft in gefesseltem Zustand verbrachte Zeit in Minuten wird zu der in die 2. Potenz erhobenen Zeitdauer des ungefesselten Zustandes in der Luft in Minuten addiert. Gewinner ist derjenige, dessen Gesamtsumme die höchste Zahl, mindestens jedoch 10, ergibt.

Beispiele:

Gefesselt ungefesselt Wertung

5 2 9 3 4 19 1 3 10

6 2 10

Bei Summengleichheit verschiedener Bewerber gibt die Zeit des ungefesselten Zustandes den Ausschlag.

ü. Bewerbungen sind dem Hamburger Verein für Luftfahrt bis zum Mitlag am Tage vor dem Versuch schriftlich unter Beifügung einer Photographie des Geräts und eines Betrages von M. 200.— als Nenngeld (das zurückgezahlt wird, wenn die Sportzeugen bestätigen, daß das Flugzeug bei dem betreffenden Versuch den Boden verlassen hat) mitzuteilen. Für die Benachrichtigung und die Anwesenheit zweier beim Hamburger Verein für Luftfahrt zu erbittender Sportzeugen ist der Bewerber verantwortlich.

7. Die Wertungen erfolgen auf Grund der schriftlichen Angaben der beiden Sportzeugen, sofern solche übereinstimmen. Wenn das Preisgericht die Angaben der Sportzeugen verwirft, so kann daraus der Bewerber keine Rechte herleiten.

ü. Das Preisgericht wird spätestens 10 Tage nach Schluß der für den Wettbewerb offenen Frist gebildet und zwar aus 2 Vertretern der Hamburger Nachrichten und 2 Vertretern des Hamburger Vereins für Luftfahrt, welche 4 Personen durch Mehrheitsbeschluß eine fünfte, als Obmann, wählen. Der Spruch soll 2 Monate nach Ablauf des Wettbewerbes erfolgt sein.

9. Falls eine Fliegergruppe auf Grund ihrer Abmachungen mit dem Flieger Anspruch auf den Preis haben sollte, so soll gemäß dem Wunsche des Stifters dennoch der Flieger '/» des Preisbetrages persönlich erhalten. Im übrigen erfolgt die Auszahlung an denjenigen, der die Anmeldung znm Wettbewerb unterschrieben hat, bezw. an den, der in der Anmeldung als eventueller Empfänger des Preises bezeichnet wurde.

10. Durch die Bewerbung unterwirft sich der Bewerber den Bestimmungen der Ausschreibung, insbesondere auch dem Recht der Ausschreiber, photo-graphische Abbildungen des Gerätes und dessen Führers zu veröffentlichen.

11. Falls kein Bewerber die Mindestleistung erfüllt, so kann das Preisgericht '/j der Preissumme als Trostpreise verwenden, während der Rest für Sonderpreise für den Rhön-Segelflug-Wettbewerb 1923 Verwendung finden soll.

12. Gegen die Entscheidungen des Preisgerichtes gibt es eine Berufung an die Segelflug G. m. b. H., die alsdann ein neues Preisgericht bildet, das endgültig entscheidet. Die Berufung muß spätestens am 12. Tage, nachdem die Entscheidung in den Hamburger Nachrichten veröffentlicht war, im Besitz der Segelflug G. m. Ii. H. sein.

13. Aller Schriftwechsel ist mit dem Hainburger Verein für Luftfahrt zu führen. Hamburger Verein für Luftfahrt. Die Hamburger Nachrichten.

gez. W. Fehling. gez. Dr. Hartmeyer.

Genehmigt von der Ausschreibungskommission der Segelflug G. in. b. H.

Seite 58

„FLUGSPORT"

No. 5/(i

Ergänzungen zum Preisausschreiben der Technischen Hochschule zu Berlin für einen Segelflugwettbewerb vom 29. Januar 1923 (Nr. 394 T. R.)

Die Radio-Apparate-Gesellschaft hat sich bereit erklärt, auf ihre Kosten und in ihren Werkstätten ein Segelflugzeug zu erbauen, das befähigt sein muß, an dem Wettbewerb um den von ihr gestifteten Segelflugpreis der Technischen Hochschule zu Berlin teilzunehmen. Dasselbe muß von einem Mitgliede der Technischen Hochschule (Lehrer oder Studierender) entworfen sein und von dem Preisgericht zur Ausführung empfohlen werden.

Wer sich um die Ausführung seines Entwurfes durch die Radio-Apparate-Ciesellschaft bewirbt, hat diesen im Maßstab 1 :10, Einzelheiten, soweit erforderlich, im Maßstab I : 1, dem Rektor bis zum 1 April 1923 einschließlich vorzulegen unter Beifügung einer Erklärung, daß der Einreicher — oder eine Gruppe von Einreichern — den Entwurf selbständig konstruiert hat — haben — und sich darum bewirbt — bewerben -, daß die Radio-Apparate-Gesellschaft den Entwurf ausführt.

Die Erfinderrechte verbleiben dem Konstrukteur ungeschmälert; auch verlangt die Radio-Apparate-Gesellschaft kein Vorkaufsrecht. Das Flugzeug selbst wird Material-Eigentum dieser Gesellschaft.

Cha rlotten bürg, den 14. Februar 1Ü23. I. Nr. 394 T. H.

Der Rektor der Technischen Hochschule zu Berlin. B1 u n k.

Inland.

Wer am Rhön-Segelflng-Wetlbewcrb 1923 teilnehmen will, setze alles daran, mit seinen Vorbereitungen rechtzeitig fertig zu werden! Schon im vorigen Jahre waren alle, die zu spät kamen, im Nachteil; immerhin wurden Zulassungsprüfungen noch bis in die allerletzten Tage abgehalten. In diesem Jahre finden Zulassungsprüfungen für den Vorwettbewerb nur vom 2.-7. August, für den Hauptwettbewerb nur vom 16.-21. August statt. Diese Fristen sollen nicht verlängert werden. Wer also bis dahin nicht fertig ist, kann am Wettbewerb nicht teilnehmen.

See-Segelflug-Wetlbewerb Ostpreußen 1923. Nachdem der Deutsche Luftfahrt-Verband die Genehmigung zur Veranstaltung eines Segelflug-Wettbewerbs an der See dem Ostpr. Verein für Luftfahrt für das Jahr 1923 erteilt und die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt, Berlin, den Ehrenschutz über diese Veranstaltung übernommen hat, findet in den Tagen vom 15.—22. Mai d. Js.

Kt:itns IS PS ScKelflnK Hilfsmotor Zwei-Takt int :UlÜKl'l. Si-hraubf, Otwh'fat H kß.

dieser Wettbewerb bei Rossitten auf der Kurischen Nehrung statt. Namhafte Geldpreise sind bereits von interessierenden Kreisen in Aussicht gestellt Die Wettbewerbsausschreibung wird in allernächster Zeit veröffentlicht. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle des Ostpr. Vereins für Luftfahrt. Königsberg Pr„ Mitteltragheim Nr. 23.

Für die Internationale Luftfahrt-Aasstelinns: in Göteborg 1923 haben deutscherseits bisher folgende Firmen Anmeldungen eingereicht: Albatros G. m b. H., Berlin-Johannisthal, Bahnbedarf A.-G, Darmstadt, Baumann & Lederer A.-G., Cassel, Bäumer Aero G. m. b. H., Hamburg, Dornier Metallbauten G. m. b. H., Friedrichshafen a. B., Junkers-Werke Dessau, Stahlwerk Mark, Abt. Breslau, Steffen & Heymann, Berlin W. 50, Telefunken G.m.b.H., Berlin SW. 11, Udet Flugzeugbau G. m. b. H.. München-Ramersdorf.

Ausland.

Der Bristol Bulifinch, jedenfalls als Jagdeinsitzer gedacht, hat vor kurzem seine ersten Probeflüge gemacht. Die Flügel besitzen in ihrer mittleren Spannweite ihre größte Dicke und sind freitragend. Zum Betriebe dient ein 400 PS Jupiter Motor. Ueber die Einzelheiten der Maschine werden aus militärischen Gründen Details nicht bekannt gegeben.

Hubschrauber Bothezat. Dieser HubschrauberO-wei (iflügel. Schrauben), gebaut v. de Bothezat, erhob sich am

18. Dez. 22 auf dem Flugfeld McCook Fieid Dayton Ohio auf 4 m Höhe und blieb 1 Min. 42 Sek. in der Luft. Am

19. Jan. erhob sich der Hubschrauber mit Passagier und stieg auf ungefähr 1 m Höhe.

Der erste Gleitflug in Skandinavien wurde am I3./3. von einem norwegischen Leutnant auf einem Apparat, gebaut von Offizieren des Marine-Flugwesens, ausgeführt. Länge 2 km.

Vereinsnachrichten.

Plugsport-Club Pforzheim. Am 17., 18. u. 19.2. fand in Pforzheim in der* Turnhalle an der Enzstraße die Ausstellung des dem Club gehörenden Segelflugzeugs statt. Die Bevölkerung zeigte größtes Interesse für die Veranstaltung und der Besuch war sehr stark, sodaß die Ausstellung als in jeder Beziehung gelungen bezeichnet werden kann Zahlreiche Neuanmeldungen und Spenden bewiesen, daß der Club in der kurzen Zeit seines Bestehens in Pforzheim bereits festen Fuß gefaßt hat, z. Zt. zählt er gegen 160 Mitglieder, die Jugendgruppe nicht miteingerechnet.

Die große Turnhalle war mit Fahnentüchern, Pflanzen und Blumen festlich geschmückt. In der Mitte erhob sich auf einem Mlnck von l\, m die Harth-

Seile (SO

„FLU (ISP ORT"

No. fv(i

Messerschmitt-Maschine. Der linke Flügel war geöffnet, damit die Besucher einen klaren Ueberblick über die Innonkonslruktion erhalten konnten. Mitglieder des Clubs erklärten dem Publikum den Mechanismus. An den Seiten der Halle hingen Lichtbilder von den Flügen auf der Rhön und der [Entwicklung des Sogel-flugwescns. Aber auch die Motorfliegerei war berücksichtigt worden, um allen Interessen gerecht zu werden. Die Technische Hochschule Karlsruhe halte dem Club in liebenswürdigster Weise ein Benz-Motor-Modell zur Verfügung gestellt. Der Club beabsichtigt, nach Reparatur des Flugzeuges, in einigen Wochen mit Schulflügen in der Nähe der Stadt zu beginnen und sich im August d. Js. am Rhön-Wettbewerb zu beteiligen. Der I. Vorsitzende ist Herbert Kraft, Pforzheim, Schwarzwaldstraße 32.

Berliner Segelflug-Verein. Geschüftsst. P. Schlafe N. 58, Pappel Allee 15. Am Sonntag den 11./2. wurden auf itnscrm neuen Segeleindecker die ersten Flüge von Hohnmth ausgeführt. Bei dem letzten Fluge, der von der ca. 35 m hohen Kuppe der Püttberge erfolgte, kam es durch falsches Starten zum Ueberschlag. wodurch die Maschine beschädigt w:urde. Der Schaden ist inzwischen wieder repariert, die Flüge wurden am 18./3. bei gutem Wetter wieder fortgesetzt. Inzwischen wird in der Werkstatt Anncnstr. lb Dienstags und Donnerstags an der Fertigstellung des Schuldoppeldeckers gearbeitet. Bei Flugwetter ist Sonntags vormittags 11 Uhr Treffpunkt im Restaurant „Paradiesgarten" in Rahnsdorf, wo der Apparat untergestellt ist.

Flugtechnische Vereinigung München E. V. Am 17. 1. 23 fand im Nebensaale des Restaurant Bluiueusäle die diesjährige Generalversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand der Bericht der Vorstandschaft über das verflossene Geschäftsjahr und die Neuwahl derselben. Nach Rücktritt Dipl.-lng. Kraus und Petzl, denen im Namen der Vereinigung der Dank für ihre langjährige Tätigkeit zum Besten der F. V. M. ausgesprochen wurde, wurden neugewälüt: 1. Vors. Dipl.-lng. Weidinger, Assistent der Teclm. Hochsch. München; üeschäftsf. Dipl.-lng. Baierlein, Assistent der Teclm. Hochsch. München; Kass. Moser, Balmvorstand.

Die Vereinigung hat zur Zeit einen Gleitflieger und eine Segelflugmaschine fertiggestellt, die in den nächsten Tagen zum Flugplatz Pähl am Ammersee abtransportiert werden. Die Rhönmaschine geht unter den Erbauern Toruke und Stubenrauch ihrer Vollendung entgegen. (Konstruktion von Dipl.-lng. Finslerwalder.)

Der Bau von Segelflugmodelleu wird jetzt durch die neu gegründete Jugendgruppe und Modellabteilung der F. V.M. tatkräftig unter der Leitung des bekannten Modellbauers Möbius-Pasing aufgenommen werden.

Für die Werkstatt der Vereinigung am Priel wurde von der Firma Dr. Alex. Wacker München Lechbruck eine Beagid-Beleuchtungs- und Schweißanlage und von der Fa. Neumeyer München eine große Anzahl Werkzeuge gestiftet, wofür an dieser Stelle diesen Werken der Dank der F\ V. M. ausgesprochen werden soll. Geschäftsstelle Müllerstraße 32/1.

Ernst Heiukel Flugzeugwerke, Warnemünde. Unter diesem Namen hat der bekannte Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel jetzt eine eigene Firma gegründet und diese soeben handelsgerichtlicli eintragen lassen. Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung von Sport- und Verkehrsflugzeugen aller Art. Heinkel, dessen Konstruktionstätigkeit entscheidenden Einfluß auf die Fortschritte des Flugzeugbaues während der letzten 10 Jahre ausgeübt hat, war 1913/14 Chefkonstrukteur bei den Albatros-Werken, 1914/19 Chefkonstrukteur und Direktor der Hansa- und Brandenburgischcn Flugzeugwerke A.-G. und hat während des letzten Jahres bei den Caspar-Werken, Travemünde, zwei Flugzeuge für Amerika und zwei für Japan gebaut. Dein neuesten Stande moderner Flugzeugtechnik entsprechend, zeichnen sich let/.lere u. a. durch eine außerordentlich leichte und rasche Demontierbarkeit aus. Sämtliche neuen z. Z. bei der schwedischen Marine in Licenz gebauten Flugzeuge sind'von Heinkel konstruiert.

Entler-Werk Bremen. Zum Geschäfts!, wurde Dipl.-lng. l-'ritz Weiss bestellt, mit der Befugnis, in Gemeinschaft mil einem Geschäftsf. bezw. Prokuristen zu zeichnen.

Der Selfridge 50 Meilen Segelpreis kann nur von britischen Fliegern aul in F.ngland gebauten Maschinen in England selbst bestritten werden.

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