HAUPTSEITE ]

Zeitschrift Flugsport, Heft 02/1916

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 02/1916 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

PDF Dokument

Sie können auch das originale Abbild im PDF Format in hoher Druckqualität gegen Zahlung einer Lizenzgebühr herunterladen. Sie können das PDF Dokument ausdrucken, am Bildschirm komplett mit Abbildungen vergrößern und besser lesen oder in Ihre Publikationen übernehmen. Nutzen Sie bitte vor dem Kauf die kostenlosen Leseproben von Heft 22/1919, Heft 23/1933 und Heft 4/1944, um die Qualität der PDF Dokumente zu prüfen.

 » PDF Download


pro i

per Krauzband M. 19.20 Einxalpr. M.O.W.

j JUustrirte

No 2 technische Zeitschrift und Anzeiger proB"^Sr^

19. Januar für das gesamte

m „Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telef. Hansa 4557 Oskar UrsinUS, Civilingenieur. Tel.-ftdr.: Ursinus.

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — == Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. =

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 2. Februar.

Das deutsche Flugwesen in der Luft voran.

Die größten Leistungen in der Luft haben unsere Flieger vollbracht.

Die Leutnants Bölke und Immelmann schössen nordöstlich von Tourcoing und bei Bapaume je ein englisches Flugzeug ab. Den unerschrockenen Offizieren wurde in Anerkennung ihrer außerordentlichen Leistungen durch Se. Majestät dem deutschen Kaiser der Orden pour le merite verliehen.

Diese hohe Auszeichnung ist zum erstenmal für Leistungen in der Luft verliehen worden.

Alle diejenigen, welche die Entwicklung des Flugwesens mitgemacht haben, empfinden diese Auszeichnung mit ebenso großem Stolz, wie die beiden Lufthelden.

Inzwischen hat Leutnant Bölke den neunten feindlichen Flieger heruntergeholt. Unseren Gegnern muß es ganz eigenartig zu mute sein.

Dank den Leistungen unserer Flieger! Auch Dank den deutschen Konstrukteuren und der deutschen Flugzeugindustrie, welche unsere Flugzeuge auf eine solch hohe Stufe der Entwicklung gebracht haben!

Von den ersten Fliegerangriffen gegen Italien.

Ein interessantes Detail aus den allerersten Tagen des Krieges gegen Italien: Der Kriegserklärung Italiens folgten bekanntlich unmittelbar die überraschenden Angriffe unserer Flotte gegen die italienische Ostküste und die Flüge unserer kühnen Marineflieger nach Venedig, das mit Bomben belegt wurde. Der Flieger aber, der als Irrster die Bomben auf Venedig niederwarf, ein junger österreichischer Marineoffizier, hatte venezianisches Blut in seinen Adern, er stammte aus einer jener alten Ortschaften Dalmatiens, deren Häuser noch vielfach das Wappen der Lagunenstadt zeigen.

Deutsche /(riegsauss/e/lung Berlin. Russisr/ies Flugzeug französisdier Herkunft (Typ Voisin) mit Maschinengewehr und Fenstern am Boden des Führersitzes.

Herbstabend, im Speisesaale des vor Anker liegenden Schiffes — so erzählt Arnold Höllriegel, der Kriegsberichterstatter eines deutschen Blattes — mitten unter den Kameraden, Seeoffizieren, Ingenieuren sitzt der Flieger; ein scharfes Profil aus der venezianischen Renaissance,

Haar und Augen dunkel, die Nase lang, der Mund knabenhaft fein über dem bartlosen Kinn, lange feingliederigo Hände. Man plaudert über die ersten Tage des Krieges, die Augen blitzen vor Stolz in froher Erinnerung; man sprach eben von dem Ueborfall auf Ancona.

Der junge Flieger denkt etwas nach und beginnt: „An dem Tage bin ich zuerst selbst mit einem Motorboot zur Hafenausfahrt gefahron und habe den Kameraden auf den Kriegsschiffen gewinkt und mich heiser gerufen: Hurra! Hurra! Dann aber zurück zum Fliegerschuppen; ich hatte den Befehl, gleich nach Venedig zu fliegen. Rasch noch Zigaretten eingesteckt, ein paar Kakes, eine Flasche Kognak. Mein Beobachter, der Kadett, setzt sich neben mich. Also wir fliegen los

Deu/sc/ie K.riegsausstcllung Berlin. Rassisches Flugzeug französisdier Herkunft (Typ Voisin).

und kommen über Venedig. Ich habe den Plan der Stadt wunderbar im Kopf gehabt, im Frieden war ich wiederholt in Venedig, ich habe immer so eine Vorliebe für die Stadt gehabt. Wollen Sie sehen, wie Venedig von oben ausschaut? (Er holt aus der Brieftasche ein Paket Fliegerfotograf'ien. Richtig: Lido, Santa Maria Maggiore, San Marco, Canal Grande, alles seltsam verirrt und verniiehtert in dieser Bombenperspektive.)

Also Bomben auf das Arsenal und die Luftschiff hallen! Wir hören es explodieren, sehen den Brand auflodern, oh. dieses Gefühl, Ich habe die Bombe fallen lassen, damit die Bande doch weiß, wozu sie mit uns Krieg angefangen hat!"

Ich sehe mir den Mann von der Seite an. Das Profil ist wie aus harter Bronze, die Augen glühen. Er haßt Venedig, weil er Venedigs Enkel ist, dieser Dalmatiner. Er liebt Venedig, wehe, wenn es ihn zwingt, sein Feind zu sein.

Und dann der .Jubel, als das Flugzeug in den Hafen zurückkehrte. Und andere Flüge, andere Taten Wie in Antivari einmal umständlich zwei Flugmaschinen ausgeladen wurden, für die Herren Montenegriner. Unser Flieger wartet bis die Apparate fein säuberlich ans Land gebracht sind, dann geht er auf 600 Meter Höhe hinab, wirft seine Bomben ab, und aus ist es mit den beiden Flugmaschinen der Feinde.

Oder das Luftbombardement von Pellagosa. Die Italiener hatten die kleine Insel besetzt, der Hydroplan flog darüber hin, rekognoszierte. So ein Ballonabwebrgeschütz haben sie also nicht? Gewehrkugeln machen nichts! Ah, da stehen sechzig, siebzig italienische Soldaten auf einem Haufen beisammen und starren in die Luft. Bombe hinein! Krach, Feuer, Rauch, alles still, keine Lebenden mehr zu sehen. Jetzt in Ruhe alles Wissenswerte notiert und fotografiert und noch eine Bombe schnurgerade aufs Leuchtbaus, und noch eine Bombe a-uf den Tender dort, daß er versinkt, und nun. kehrt im Hui nach Hause! Nachmittags wieder nach Pelagosa, diesmal mit achzehn Bomben. Holla, was ist das, ein weißes Sprengwölkchen, das über dem Hydroplan explodiert? Haben die Kerle jetzt plötzlich ein Abwehrgeschütz ? Also rasch höher und die achtzehn Bomben abgeworfen und taktaktak die Kugeln des Maschinengewehres über die Insel gespritzt. Und am nächsten Tag noch einmal ein Besuch über Pelagosa. Jetzt sinds der Abwehrgeschütze schon zwei, aber das eine kriegt einen Bombentreffer direkt ins Rohr. Endlich ist es den Italienern auf unserer Insel Pelagosa ja doch ungemütlich geworden und sie haben sich verzogen!

Der Flieger hält inne; es ist ihm etwas eingefallen: —Ich habe eigentlich immer Glück gehabt, höchstens mal ein paar Kugellöcher in den Tragflächen. Aber, zum Beispiel, mein Kamerad B.; er flog einmal nach Bari und hatte dort, kaum zehn Meilen von Feindesland, eine Havarie und mußte aufs Wasser hinab und seinen Hydroplan schwimmen lassen, denken Sie, drei Tage und drei Nächte. Schließlich konnten sie landen; die Küsten wache hat ihnen erst gar nicht glauben wollen, daß sie gut Freund seien.

Später? Ja, ich flog noch einmal nach Venedig. Mit 200 Kilogramm Sprengstoff.....

Es wird etwas lauter in dem hübschen hellen Schiffssaal; die Gesichter sind froh. Einer hat eine Mandoline aus seiner Kabine gebracht. Der Flieger mit dem venezianischen Profil soll etwas singen. Er singt ein venezianisches Lied:

. . evviva il mare, mare ' evviva l'amor, l'amor . .

Weiter unten am Tisch lacht man sehr über einen uralten Marinewitz aus Pola; man soll erraten, wieviel der Schuster Schotola verloren hat. als ihm einer für ein Paar Stiefel eine falsche Note gab und er sie noch wechselte; es ist sehr verzwickt. Der Flieger von Venedig sitzt, halb zurückgelehnt, und spielt und singt und sieht aus, als käme er direkt aus einem Gemälde der venezianischen Renaissanze.

No. 2

.FLUGS P 0 Ii T ".

Seite 35

Am nächsten Morgen durfte ich zusehen, wie das Wasserflugzeug sich zu einem Uebungsfluge aufschwang. Aus dem Holzschuppen zogen Matrosen den Flugapparat hervor; da stand er jetzt auf dem polierten seetüchtigen Bootskörper, der seine Gondel bildet. Der Flieger, fast unkenntlich in der runden Lederkappe, stand da und erklärte was von Motor und Seitensteuer und Höhensteuer, und wie er von seinem Sitze aus durch einen Zug an dem Metallhebcl da die kreiself'örmige Bombe loslösen könne, und daß der Sitz unter ihm gepanzert sei gegen Kugeln von unten. Dann stiegen sie ein, er und der Kamerad.

Deuisdie /</ icgsuustcllurg Berlin. Hin bei Przemysl heruntergcsdwsscner französischer Voisin-Doppeldecker.

Knatternd begann der Motor sein Spiel; aufschäumte das stille Wasser der Bucht; höher aus den Wellen hob sich der Kiel des Bootes, jetzt strich er nur über die Kämme der umschäumten Wellen, jezt flog, von seinen Flügeln getragen, das helle Fahrzeug. Höher im Kreis. Ah, jetzt begann das Maschinengewehr. Von seinem Sitze mit der rechten Hand bediente es der Flieger. Taktaktak, der gelle Ton flog über die Bucht zu den kahlen Bergen, brach sich an ihnen, schwang zurück: ins Wasser peitschten die Kugeln. Und höher kreisend empor und seewärts dahin ins Unbestimmte flogen die verwegenen Männer.

Amerikanischer Blinklichtscheänwerfer zum Signalisieren.

Neben den bekannten funkentelegrafischcn Einrichtungen zur Verständigung mit Flugzeugen hat man in Amerika auch den Bau von Lichtsignalen wcitervorfolgt. Von diesen Einrichtungen sollen viele an unsere Gegner geliefert worden sein.

Diese sogenannten Blitzlichtscheinwerfer für Flugzeuge können sowohl bei Tageslicht und Sonnenschein gelesen werden. Die Reich-

Seile 3li

„FLUGSPORT".

No. 2

weite dos Scheinwerfers beträgt zirka 15 kil. Er besteht aus einem parabolischen Reflektor mit einer sehr starken Lichquelle, welche durch eine Klappjalousie abgeblendet wird. Zur Justierung der Klappjalousie dient eine Mikrometerschraube c. Um den Lichtkegel auf das Ziel

Amerikanisdier Sperry-Sdieinwerfer.

bezugsweise die Verständigungsstation zu richten, dient die Visiereinrichtung A B. Mittels des obigen ßlinkscheinwerfers ist man in der Lage pro Minute 20--30 Worte zu übermitteln.

Neue Pläne für die Luftoffensive der Verbündeten.

In Frankreich ist man wieder einmal nach Meldungen Pariser Blätter gar nicht zufrieden mit dem Stand des französischen Flugwesens. Der Abgordnete Aubigny erhob vor dem Heeresausschuß der Kammer heftige Anklagen gegen die Leitung des französischen Luftschiff Wesens. Er erklärte

die militärishhe Luftschiffahrt mache in Frankreich eine ernste Krise durch.

Die Herstellung von Flugzeugen habe sich in zwei Monaten um ein Viertel verringert. Auch würden über die Tätigkeit der Flugzeug-Depots sehr beunruhigende Tatsachen mitgeteilt, die eine logische Organisation dieser Waffe unmöglich mache. \

Die Bewaffnung der Kampfflugzeuge sei ungenügend.

Gewisse Motorsorten funktionierten nicht und es mangele an Sicherheit in allen Abteilungen der Verwaltung. Hinter der Front fehle es an Ordnung und Methode. Einer der besten französischen Flugzeugführer habe dem Abgeordneten gesagt, seitdem die Deutschen schnelle, gut bewaffnete Flugzeuge besitzen, nehmen wir niemals den Kampf auf. ohne im Voraus zu wissen, daß wir unser Leben opfern müssen.

No. 2

.FLUGSPORT".

Seite 37

Es fehle nicht an Flugzeugen zur Beobachtung, wohl aber an Flugzeugen für die Sicherung, an Kampfflugzeugen.

Frankreich besitzt zur Zeit die Herrschaft in der Luft nicht,

es müsse sie aber bis zum Frühjahr haben und dazu gehören vor allen Dingen Kampfflugzeuge. Es sei möglieh die Oberhand im Luftkampf zu erzwingen, wenn man die Erfahrungen aller französischen Flugzeugbauer zusammenfasse, bei aller Freiheit der Erfinder die einzelnen Typen prüfe und den Typ wähle, der nach Lage der einschlägigen Industrie in der kürzesten Zeit hergestellt werden würde.

Deutsche K''iegsausstellung Berlin. tZnglisdics Kampfflugzeug Type B. E. mit Renault-Motor u. vierflügel. Schraube.

Die Ursache aller Klagen über die bestehenden Mängel wird der Leitung des französischen Flugwesens zur Last gelegt. Sie sei unfähig, die vorhandenen Vorteile auszunutzen. Es fehle dem Unterstaatssekretär Bescard an der nötigen technischen und militärischen Erfahrung. Das Luftschiffahrtswesen ist ein Teil der Armee und es gebührt dem verantwortlichen Chef der Armee allein dessen Leitung zu übernehmen.

Man hat eine große Untersuchung über diese Zustände eingeleitet, über deren Ergebnis vor dem Heercsausschuß des Senates unter Vorsitz Olemenceaus berichtet wurde. Der Ausschuß nahm die Darlegungen des Ministerpräsidenten, des Kriegsministers und des Unterstaatssekretärs des Luftscliiffahrtswesens entgegen und faßte den Beschluß, die Dokumente unverzüglich der Regierung und dem Präsidenten der Republik zu übermitteln.

Außerdem hat man noch einen neuen Plan ins Auge gefaßt, um diesen Zuständen, die wohl nicht alle durch die Berufung eines neuen

Seile 38

„FLUGSPORT"

No. 2

Luftministers behoben werden können, abzuhelfen, und zwar bemüht man sich zur Zeit mit England zusammen

ein gemeinsames Vorgehen in der Luftoffensive zu erzielen.

Man sucht ein einheitliches Kommando herbeizuführen, wie es von Sachverständigen des Kriegsluftfahrtwesens gefordert wird.

Der englische Sachverständige Desbleds kam in besonderer Sendung in Paris an, um den französischen Behörden einige seiner Ge-

Deulsche K.'~iegsausstellung Berlin. Englisches Kampfflugzeug mit Lewis-Maschinengewehr. (Rechts außerhalb des Rumpfes befindet sich auf eine Trommel aufgewickelt die Antenne für die drahtlose Tclegrapliie.

Sichtspunkte über das Zusammenwirken der Engländer nnd Franzosen in der Luft auseinanderzusetzen. Er meine, daß nach achtzehn Kriegsmonaten genug Anhaltspunkte vorhanden seien, um einen Plan für die Luftoffensive auf ebenso zuverlässigen Unterlagen aufzubauen, wie für die Land- und Seeoperationen.

Bei der Schaffung \

einer monatlichen französischenglisthen Konferenz für das Flugwesen in Paris werden die anderen verbündeten Nationen ebenfalls zur Teilnahme an der Konferenz eingeladen. Eine russische Mission ist bereits in Paris eingetroffen. Man hat nicht nur die Entsendung französischer Flieger als Lehrer nach Rußland, sondern auch die Entsencluug von russischen Fliegern nach Frankreich ins Auge gefaßt, die in Frankreich ganze Einheiten für den östlichen Kriegsschauplatz bilden und unterrichten sollen.

Auf diese Weise hofft man auch das russische Fingwesen einigermaßen in geregelte Bahnen zu leiten.

No. 2

„FLUGSPORT".

Seite 39

Zwischen Flügelschraube und Kanonenrohr.

Feldpostbrief von Franz Richard Behrens.

An der Dünafront war es. Einer der wenigen frostblanken Dezembermittage. Der ganze russische Flugpark schien in der Luft zu hängen. Drei flinke Eindecker und zwei Doppeldeckerkasten schwebten zu gleicher Zeit in der F'erne. Die Beobachter hatten Augen und Hände voll zu tun. Da entdeckte einer plötzlich im Norden noch einen Eindecker. Der war bereits auf sieben Kilometer heran. Also höchste Eisenbahn ! Es wurde geladen, im letzten Augenblick sah der Entfernungsmesser das Eisenkreuz. Ein Deutscher. Einfach unerhört, überrascht war alles im Augenblick. Man bedenke: der erste deutsche Eindecker, den wir erblickten. „Und nich mal ne Taube!"

Der Krieg schafft die unmöglichsten Möglichkeiten. Die normale Aufgabe der B. A. K. (Ballon-Abwehr-Kanone) heißt, Flieger zu bekämpfen. Häufig genug ist auch das Umgekehrte der Eall, der feindliche Flieger wirft seine Bomben auf den Abwehrzug. Daß Flieger gegen Flieger kämpfen, weiß jedes Kind. Daß aber B. A. K. gegen B. A. K. schießt, haben wir selbst vor Dünaburg erlebt. Die Sprengstücke der Festungsabwehrgeschütze galten ja den über unseren Köpfen kreisenden deutschen Maschinen, sausten doch ausgerechnet in unsere Feuerstellung, so die Bedienung zum schleunigen Verschwinden in den Graben-Unterstand nötigend.

Eine alte Berliner Firma hat einen neuen Doppeldecker herausgebracht. Natürlich verbietet das militärische Geheimnis jegliche Angaben. Trotzdem ist von der Sache zu reden. Denn die Konstruktion weist ganz neue Wesenszüge auf, läßt manches bisher allgemein Benutzte fallen. Mit den sich deckenden Tragflächen, dem doppelten Stahlrumpf sieht das Ding von weitem einem Voisin ähnlich. In der Nähe sient man den durchaus deutschen, eigentümlichen, robusten Aufbau. Daß unsere Industrie in der Hochdruckarbeit während des Feldzuges sowas fertig brachte, muß mit Stolz an die große Glocke gehängt werden.

Die Russen benutzen jetzt neben ihren Voisin- und H. Farman-Doppeldeekern zwei Typen von Sikorsky, Der bekannte Riese „Grand" hatte für Kriegszwecke den Nachteil der geringen Beweglichkeit. So kam nun ein kleiner Sikorsky raus, der, obwohl immer noch respektablen Umfanges, sich brauchbarer erwies, als der große Bruder.

Unsere Offensive gegen Serbien war nötig, um den serbischen Ikarus an das Tageslicht zu heben. Die Sage erzählt von dem Zaren Trojan, der über der Save in Mitrovica sein Liebchen hatte, das er täglich besuchte. Obwohl dieser Ort weit von seinem Schlosse Troja-nowgrad entfernt, lag, überwand er die Strecke leicht, dieweil er drei

Köpfe und Flügel besaß. Einmal überraschten ihn seine Freunde bei seiner Geliebten, verrammelten am frühen Morgen die Türen ihres Hauses und öffneten sie erst gegen Mittag, das bekam dem Zar Trojan schlecht. Als er eilends nach seiner Burg zurückfliegen wollte, schmolzen die aus Federn und Wachs gewirkten Flügel in der Sonnenglut, und er stürzte sich elend zu Tode.

Weshalb heuer König Peter das unmoderne Pferd vorgezogen hat. Und Frankreichs Rettungsflieger sich selber gerettet hatten nach — Saloniki.

Flieger über den serbischen Bergen.

Beim Abendbrot im Kinosaal in Kraljovo, an einer Ecke des langen Tisches, sitzen sie als eine Gruppe für sich zusammen, die jungen Kerle, die Wagendsten unter den Wagenden, mit den von Frost und Wind der Höhe verbrannton Gesichtern : die Flieger. Sie haben ihre Eßzeit für sich, denn die wechselnden Abenteuer ihres Daseins ver= tragen keine Regelmäßigkeit, in was es auch immer sei. Ein rheinischer Großindustrieller ist darunter. Ein anderer ist ein Nachfahr des ersten großen Reichskanzlers. Nach dem Abendbrot sprechen die Flieger nicht wie die anderen über dies und das, sondern, kaum daß der Tisch abgeräumt ist, breiten sie ihre Karten aus und bereden das Ziel der morgigen Fahrt. Sie erzählen von dem urplötzlichen Luftwirbel über den Bergsehluchten, die den Apparat Hunderte von Metern hinaufreißen. Erzählen davon, daß sie, um zu sehen, tief in die schmalen Täler herunter müssen, und wie schwer es dann ist, den Apparat wieder hinaufzuschrauben, ohne ihn an den engen Felswänden zu zerschmettern. Sie erzählen von den plötzlichen weißen Hoehgebirgs-nebeln, die sie einsam und ratlos machen wie dio Schiffer auf dem Meer. Die Freude an Gefahr und ihrer Meisterung macht, daß ihre Augen glänzen, als brenne noch die Höhensonne darin. Jedes ihres Worte glänzt gleichsam, wie auch von dieser Sonne vergoldet. Nur in einem fühlen sie sich schwach: daß sie das Wetter des nächsten Tages nicht wissen. Tiefe Wolken genügen, um ihren Flug zwecklos, um sie zu Blinden zu machen. Was bei den friedlichen Bürgern daheim eine fatale Gewohnheit ist: das Gespräch vom Wetter, wird bei ihnen zum heiligen Ernst. Könnten sie das Wetter machen, wären sie wahrhaft in allem götterfrei.

Einer sitzt da für sieh. Lang, schmal. Fast noch ein Kindergesicht. Hinter einer großen Brille große blaue Augen. Das Fliegergenie, dessen Ruhm noch weiter geht, als seine Flüge. Obwohl er von Frankreich unmittelbar hierhergeflogen gekommen ist. Einer, der im Westen schon gefangen war und wieder entkommen ist. Seine Augen sind nicht etwa scharf ausschauend, sondern sonderbar in sich hineingedreht. Er sieht nicht die Karten mit an, denn er hat sein Ziel für sich. Er spricht nicht über das Wetter. Denn er fliegt, mag immer was für ein Wetter sein. Er fliegt allein, ohne Beobachter. Er lebt nur, wenn er oben ist, allein im Blau. Darnm sitzt er hier unten so still da. In seinen Augen hat er die Schicksale der letzten Tage.

Auf dem Marktplatz stehend, habe ich ihn heute aus der Luft herabkommen sehen. So jäh, daß er auf den Platz herabzustürzen

H>\. 2

.FLUGSPORT ".

schien und daß uns allen das Herz zu schlagen aufhörte. Jetzt sitze ich neben ihm und schweige ihn an, wie er mich. Dadurch bringe ich ihn dazu, daß er endlich ein wenig erzählt. Leise, daß er kaum zu verstehen ist.

Gostern, mitten am sonnigsten Tage, ist der verhaßte Nebel über ihn hergefallen. Dick, wie eine weiße Wolldecke. Und naß, daß die Tropfen von seinem Apparat trieften, mehr, daß sein Apparat zu regnen begann. Er fliegt eine Stunde. Er fliegt zwei Stunden. Und obwohl er gewärtig sein muß, seine Maschine jeden Augenblick an einer Bergspitze in tausend Stücke zu zerbrechen, wird es ihm bald langweilig. Da sieht er ein Loch im Nebel, stürzt sich auf jede Gefahr hin

Deutsche K\>'iegsausstellung Berlin. Rumpf mit Motor eines englischen Doppeldeckers mit hinten liegendem österreichischen Daimler-Motor.

hinunter. Und sieht, daß er über Mitrowitza ist. Ueber Mitrowitza hat er sein wollen, sein altes Glück. Er sieht, was er sehen will, wirft seine Bomben ab, fliegt in den Nebel zurück, landet irgendwo, in einem Gebiet, das noch von den Serben besetzt ist, schläft auf der Maschine. Kehrt am nächsten Tage bei Sonne zurück,

Heute, über den kahlen Bergen bei Raska, erkennt er plötzlich hinter sich feindliehe Flieger. Kr zählt acht. Er wundert sich, da er weiß, daß die Serben kaum Flieger haben. Aber er macht sich schleunigst davon. Da sieht er, daß die acht sich auf einen Bergabhang

niedersetzen. Er wundert sich noch mehr, fliegt zurück, näher heran, ganz nahe heran. Sieht, daß es acht rießige Aasgeier sind.

Beschämt und sich selbst verspottend, kann er das seltsame Bild doch nicht vergessen. Es muß ihm noch im Kopf gesteckt haben, als er am Nachmittag zum zweiten Mal hochstieg. Er erspäht eine wichtige und eilige Sache, wendet, um die Nachricht nach Hause zu bringen Unterwegs sieht er unten einen Stab in seinen Autos festliegen. Es ist nichts so einfach, als die Nachrieht gleich hier abgeben. Er stürzt sich in die enge Schlucht hinein, denen unten fast auf die Köpfe, geht auf ein hängendes Stück Gras nieder.

Vor zwei Tagen ist er über die Jbarberge nach Raska geflogen. Da sieht er nun doch Dinge, die er ganz nah sehen muß. Er geht bis fast auf die Türme herunter. Sieht die mit Geschützen, Karren, Truppen vollgepfropften Straßen. Was die Serben selten tun, das tun sie jetzt: sie beschießen die zudringlich brummende Bremse da oben mit Schrapnells, die einen merkwürdig braunen, fast roten Rauch entwickeln. Der Flieger seinerseits schneidet, da er allein ist, die Bomben ab, die er unter seinem Sitz angebunden hat.

Er verrät mir sogar sein Ziel für morgen. Er will zu den Bulgaren hinüber. Da ist manches zu bereden, festzustellen, zu vereinbaren. Er trinkt nicht mehr als ein Glas. Geht um 9 Uhr zu Bett. Er, der sein Leben täglich wagt, hat immer diese Besorgtheit für seinen Körper. Genau wie für seine Maschine. Beides muß in tadelloser Ordnung sein, wenn er gute Arbeit tun soll.

Am nächsten Morgen ist weißer Nebel. Die Bäume, die in einem Kreis um den Marktplatz von Kraljevo stehen, vier Meter vor den Fenstern, sind nicht zu sehen. Die Flieger sitzen unten beisammen. Warten. Bis 9. Bis 10. Der Nebel hockt. Sie warten. Beginnen Sekt zu trinken, den kleinen Freuden der Erde zugetan wie die Seeleute. Man spottet, daß jener eine, der so früh ins Bett kroch, immer noch drin liegt. Man schickt, ihn wecken. Da kommt die Nachricht, daß er längst -.aufgeflogen ist. In den weißen Nebel hinein.

Am Abend erst kommt die Sonne durch, färbt noch schnell die weißen Häuser von Kraljewo rot, sinkt dann hinter den Berg. Nirgendwp am Himmel, mit dem weittragendsten Glas nicht, ist unser Fliegen, zu entdecken. Dann ist es, wie immer hier unten, ganz plötzlich schwarze Nacht.

Jeden Morgen waten wir durch den Schlamm der Straße zur Ibarterrasse. Terrasse heißt hier, ein Stück rote, zerfallene Ziegelmauer, hoch am Ufer. Wir sehen zu den Ibaibergen, deren Schnee von Sonne ganz überströmt ist. Wir sehen, wie die Flieger sich hochschrauben, über das unablässige Schlagen der Geschütze hinaus, über die Berge weg. Manchmal zieht auch einer, wie ein Schiff, tief unten in das beschattete Dunkel einer Felsschlucht hinein.

Wir wissen nichts von der Welt hinter den Bergen. Wir wissen nichts von den Serben. Gar nichts. Wir hören die Geschütze ihrer Nachhut den unsern antworten. Wir sehen die Gefangenen in langen Reihen aus den Schlünden des Gebirgs herauskommen. Die Flieger aber, sie stehen wie die Adler über Truppen und Kolonnen, sehen mit einem Blick stundonweit über jedo Straße, sehen in jedes Tal, in jede Schlucht hinein. Sic sehen auf die. Plätze der fernen Städte, da Minarets stehen und verschleierte Frauen gehen sollen. Der Städte,

Nu. 2

., F L U G S P 0 R T ".

Seile 43

die uns so zauberhaft anlocken. Zu denen sie in einer Stunde hinfliegen und zu denen wir zu Wagen oder Pferd vier Tage hinkriechen werden müssen.

Mittags, wenn sie zurück sind, erzählen sie uns, die wir vorgebeugt um sie herumsitzen. Sie haben den Abglanz der gesehenen Wunder noch in den Augen.

Abends aber gehe ich noch allein zur Terrasse. Sehe über den Ibar weg. In die Richtung, .wo die Bulgaren stehen. Vier Tage ist jener eine~*fort, der nur ein Glas trank, um am nächsten Tag einen

Deutsche K,riegsaussteliung in Berlin. Der zerschossene Rumpf eines englischen Kampfflugzeuges, Type B E.

guten Flug zu tun. Wo hat sein Flug geendet? Nicht einmal eine Meldung über ihn ist gekommen. Als wenn der Nebel ihn verschluckt und die Sonne ihn mit aufgesogen hätte. Ich möchte nach ihm rufen, durch die Lüfte, nach dem Großbebrillten mit dem Knabengesicht.

Aber ich könnte ebensogut einem verschollenen Schiffer aufs -leere Meer nachrufen.

Wilhelm Schmidtbonn, Kriegsberichterstatter.

Französische Fliegerzettel.

Nachdem Frankreich trotz der schwersten Anstrengungen auf keinem seiner Kriegsschauplätze Siege melden kann, versucht man wieder einmal durch Ueberredung au erreichen, was durch die Waffengewalt nicht möglich ist. Französische Flieger werfen neuerdings wieder ihre bekannton Flugzettel ab, so haben sie in den Ardennen

Seite 44

No. 2

zweierlei Blätter abgeworfen, ein französisches als Trost für die Bevölkerung und eins in deutscher Sprache als Lockmittel für unsere Soldaten. Der Inhalt der Zettel ist so bekannt lügnerisch und sinnlos, daß wir auf deren Inhalt nicht einzugehen brauchen.

Diese neueste Art, Erfolge spielend erringen zu wollen, wenden sie nun auch auf dem Balkan-Kriegsschauplatz an. Nach Meldungen bulgarischer Blätter warf ein französisches Flugzeug über Totrisch Zettel ab mit dem Aufruf an die bulgarischen Soldaten, sich einzeln waffenlos zu ergeben; das hochherzige Frankreich werde die tapfer Kämpfenden aufnehmen, während sie von Deutschland zugrunde gerichtet würden. Das Blatt nennt den Aufruf sinnlos, sowie eine Frechheit der Franzosen, die glauben, das bulgarische Volk täuschen zu können. Die Franzosen kamen nach dem Balkan, um zu rauben, plündern und zu vergewaltigen, und die Balkanvölker zu unterjochen. Die bulgarischen Soldaten seien aber keine käuflichen Horden, wie jene von Poincare und Sarrail, sondern treue Verteidiger ihres Vaterlandes und würdig des Vertrauens, welches das bulgarische Volk in sie und ihren Patriotismus setze.

Flieger in Seenot.

(Schluß.)

Den Vizesteuermann scheint ein Fieber zu rütteln. Er phantasiert von grauen Dampfern mit roten Schornsteinen. Die beiden anderen sprechen in männlicher Fassung gelegentlich. ein ernstes, aber nicht hoffnungsloses Wort. Der Doktor erholt sich soweit, daß er aus dem Schutzblech der Motorhaube einen Nottreibanker bauen kann. — Als es dämmert, ist der Benzinvorrat verbraucht, und jede Welle droht das Uberlastete Flugzeug zu versenken. H . . . . sieht, aus Halbschlaf erwachend, in die bleichen Gesichter der von Nässe, Kälte und Hunger erschöpften Kranken, sucht den Horizont ab, ohne eine Rauchfahne zu finden, und schüttelt wieder den Kopf. Mit entschlossenem Ruck richtet er sich auf und ist fast schon aus dem Sitz, als der Doktor begreift und ihn am Rockzipfel hält. Der junge Offizier darf sich nicht für die Kameraden opfern. Sie sind vier--Männer in gleichem Boot. Zu Vieren werden sie zusammen gelassen in den Tod oder lachend zurück ins Leben gehen. Auch soll H . . . sich noch nützlich machen. Der Treibanker leistet mit einem Karabiner als Ballast bessere Dienste, als zu erwarten war, und der Wind springt auf Nordwesten um. Das Hoffen auf Rettung wächst. Da läßt der von 36stündigem Führen übermüdete S . . . sich endlich durch H . . . ablösen und fällt in bleiernen Schlaf. Die anderen haben zu tun, um im Seegang das Flugzeug über Wasser zu halten. Auch der fiebernde P . . . hilft tapfer, obwohl ihn oft ein Anfall von Schwindel und Schwäche Ubermannt. Der Doktor aber hat viel für kommende Tage für sein Handwerk gelernt. Frisch und gesund in den endlich hellen Morgen blickend, nimmt er sich vor, Magenverstimmung fortan nur noch durch Hungerkur zu heilen. Wie die Kameraden hat er seit 24 Stunden nichts zu sich genommen, aber nun das Gespräch darauf kommt, kann keiner sich zu Durst oder besonderem Appetit bekennen. Um so besser, da an Nahrungsmitteln nur 8 Colapastillen vorhanden sind! Wie des leeren Magens, achten die Vier auch der von Arbeit zerrissenen blutenden Hände nicht.

Der Tag bringt Regenböen. Dann läßt der Wind an Stärke nach und um 5 Uhr bricht die Sonne durch Wolken und Nebel. Unter der Wärme ihrer Strahlen

dünkt wunderbar schön den Vieren die Welt und das Dasein auf dem Flugzeug beinahe behaglich. Wie gestern vom Benzinvorrat, glauben sie jetzt des Lebens Länge von der Dauer der Schwimmfähigkeit des Apparates abhängig, da Menschen-hoffen sich an immer dünnere Strohhalme zu klammern versteht. Eine Untersuchung ergibt, daß die Maschine dank guter Bauart und Geschick der Führer im Sturm wenig litt. Das Ausbessern kleiner Schäden hilft über ein Morgenstundchen hinweg. Dann wollen sie in ihre anscheinend dauernde Existenz zwischen Wellenbergen Ordnung durch eine Wachregelung bringen. Da der Schwanz des Flugzeugs bei jeder See ins Wasser klatscht, müssen immer zwei auf Motor und Propeller sitzen, um die Maschine vorn zu belasten. Ein dritter soll für je eine halbe Stunde im Beobachtersitz schlafen. So hoffen sie vor dem jetzt günstig wehenden Wind in etwa 30 Stunden zur deutschen Küste zu treiben. Als es Mittag wird, haben drei Schlummerstündchen S . . für neue Arbeit im Führersitz gestärkt. Er löst H . . . ab. Alle vier sind gleichzeitig wach, und der Doktor darf zu Tisch bitten. Mit gutgelauntem „Mahlzeit meine Herren" gibt er jedem eine der acht Colapastillen. Beim wenig Zeit raubenden Schmaus wird gesprochen und sogar gescherzt. H . . . . ruft den anderen das Bild einer Schüssel voll Rührei mit Schinken vor Augen. Dabei läßt eine Dünung das Flugzeug fast kentern, und der Doktor zürnt vorwurfsvoll, die Mahnung der Nordsee bedeute: „Wenn Sie jetzt noch Spickaal sagen, liegen Sie unten". Um nach dem Lachen die Stimmung zu halten, greift er auf die ältesten unter dem Stab Aeskulaps gesammelten Erfahrungen zurück. Er berichtet, daß Menschen ohne Nahrung schon 4Ü- Tage lebten und erinnert an den Heizer von S. M. S. „Köln", den nach dreitägigem Schwimmen ein Dampfer lebend aus dem Wasser fischte.

Um 3 Uhr nachmittags wird, so gut es geht, Standortaufnahme gemacht und wohl mehr angenommen als berechnet, daß das Flugzeug etwa 45 Seemeilen westlich von Helgoland treibe und noch 23 Stunden schaukeln müsse. Der Stabsarzt hat gerade Wache und sieht in Südwest die graue Silhouette eines kleinen Fahrzeugs, das er zunächst für ein U-Boot hält. Aber bald wird eine zweite und auch Rauch sichtbar. Also ist eine Flottille auf der Suche! „Sterne schießen!" ruft der Wachthabende mit so fröhlich heller Stimme, daß sogar R . . . aus einem Ohnmachtsanfall erwacht und mittun will. Vier Augenpaare spähen in gespannter Erwartung nach den Booten mit der bangen Frage, welchen Kurs sie nehmen werden. Sie halten auf das Flugzeug zu! Die vier wissen sich gerettet und sind mit dem Apparat bald an Bord eines Torpedobootes.

Es geht aber das Gerücht, sie hätten auf Helgoland eine Flasche Sekt getrunken und rund um die Uhr herum geschlafen.

Deutsche Flugzeuge über Salonik. Ein deutsches Flugzeug, geschwader von zwölf Flugzeugen warf am 7. Januar 78 Bomben auf Salonik, besonders auf die Lager der Engländer und Franzosen. Zwanzig Volltreffer verursachten Brände im Lager. Zwei feindliche Flugzeuge wurden heruntergeschossen, Das deutsche Geschwader hatte keine Verluste.

Otto v. Gottberg.

(Rundfcbau

Inland.

Nach einer Meldung aus Sofia richtete ein aus zwölf Flugzeugen bestehendes deutsches Luftgeschwader am 7. Januar einen sehr erfolgreichen Angriff auf das englische Lager bei Kilindir. Die feindlichen Abwehrgeschütze fügten den Flugzeugen keinen Schaden zu. Seither besorgen die Engländer und Franzosen den Transport von Kriegsmaterial nur bei Nacht. Die deutschen Flugzeuge flogen weiter in der Richtung aui Sarigoel und Salonik, auf dem ganzen Wege Bomben abwerfend. Die Zahl der Opfer ist unbekannt, doch konnten die Piloten trotz der außerordentlich großen Höhe beobachten, daß stellenweise Brände entstanden und daß die Truppen entsetzt auseinanderstoben Die Flugexpedition nahm mehrere Stunden in Anspruch und es wurden im ganzen 7S Bomben abgeworfen. Unbedingt sicher honnte festgestellt werden, daß keine einzige Bombe auf Salonik fiel. Aus dem französischen Lager stiegen mehrere Flieger auf, um die deutschen Aeroplane zu vertreiben, jedoch war dieser Versuch für die Franzosen verhängnisvoll, da zwei ihrer Maschinen abgeschossen wurden. Die deutschen Flieger, die wichtige Beobachtungen und Aufnahmen über den feindlichen Stellungen machten, kehrten unversehrt auf ihre Ausgangsstation zurück. — Der amtliche

Deutsäie K.riegsaussteilung in Berlin. Versehentlich hinter der front gelandeter französischer Caudron-Doppeldeder mit 100 PS Le Rhone-Motor französische Bericht hatte zu dem Angriif durch die deutschen Flieger gemeldet, daß bei der Beschießung des englisch-französischen Lagers von Salonik ein deutsches Flugzeug abgeschossen worden sei. Die Havasagentur sieht sich jetzt gezwungen, berichtigend zu melden, daß bei einem Besuch der deutschen Flieger über Salonik zwar ein Flugzeug abgeschossen wurde, aber nicht ein deutsches, sondern ein französisches, das von einem Erkundungsflug heimkehrte und von den deutschen Flugzeugen, die das englisch-französische Lager bombardiert hatten, unter Feuer genommen wurde.

Ueber die feindlichen Fliegerangriffe auf Salonik erfahren verschiedene Morgenblätter nachträglich aus London, daß mehrere Munitionstransporte im Lager der Ailiierten explodierten. Zahlreiche Wagen, Pferde und viel Material wurden vernichtet. Durch eine Bombe geriet ein Zeltlager in Brand; über hundert Mann wurden getötet. Unter den indischen Truppen brach eine Panik aus, da unter den Indern bei Fliegerangriffen stets große Furcht vorherrscht.

Am 16. Januar fanden erneut Luftkämpfe bei Kilindir statt. Dcutsclic Flugzeuge bombardierten den Bahnhof von Kilindir, der von den Franzosen besetzt worden ist. Ein Benziiidepot ist verbrannt. Zwei französische Flugzeuge wurden im Luftkampf vernichtet. Die deutschen Flugzeuge kehrten wohlbehalten heim.

Graf Holck in Gefangenschaft geraten. Rittmeister Graf Holck, der sich als Flieseroffizier auf dem Balkan-Kriegsschauplatz befindet, ist nebst seinem Beobachter Oberleutnant Freiherrn von Zobel von einem Erkunduugsflug nicht wieder zurückgekehrt. Beide Offiziere sind in montenegrinische Gefangenschaft geraten. Graf Holck gehörte von der Rennbahn her zu den bekanntesten und besten Reiteroffizieren der deutschen Armee, und auch Freiherr v. Zobel ritt seit mehreren Jahren mit gutem Erfolg im Rennen. Beide Offiziere gingen im Vorjahr von der Kavallerie zu den Fliegern über. Weihnachten verlebte Graf Holck noch bei seiner Familie in Berlin.

Leutnant ßölke, weldier auf Fokkcr Kampfflugzeugen mit deutschem Ilmlaufmotor in kurzer Zeit neun feindliche Flugzeuge zur Strecke brachte. Wettbewerbungsflng des Marinefliegerkorps Johannisthal Adlershof. Bei dem am 1. Januar vom Marinefliegerkorps Johannisthal - Adlershof veranstalteten Wettbewerbungsflug rund um die Provinz Brandenburg, ging der Flugschüler Walter Kuhlmey auf einem Rumpler-Doppeldeckcr in der Schülergruppe als Sieger hervor. Er wurde mit der Flugmeister-Medaille ausgezeichnet.

Entschädigung für durch Fliegerangriffe Verletzte und Getötete. Das

badische Ministerium des Innern wurde von den von Fliegerangriffen heimgesuchten Städten ersucht, beim Bundesrate zu beantragen, daß in das zu erlassende Reichsgesetz auch die Entschädigung für persönlichen Schaden einbezogen werde, schon jetzt aber Entschädigungen an hilfsbedürftige Verletzte und Hinterbliebene der Getöteten zu bewilligen.

Liquidierung der Wiener Flugfeldgesellschaft. Die Wiener Flugfeldgesellschaft hat die Liquidierung beschlossen. Die Kriegsverwaltung hat mit der Gemeinde Wien als Eigentümerin des Flugfeldes bei Aspern, bereits Verhandlungen betreffend dessen Uebernahme durch die Kriegsverwaltung eingeleitet.

Ausland.

Feuer im Luftschiffahrtdepot von Nancy. Wie aus Genf gemeldet wird, brach am 4. ds. Mts. im Luftschiffahrtsdepot von Nancy ein Feuer aus, das zwei Schuppen zerstörte. Eine Anzahl Fliegerbomben, die sich in einem der Schuppen befanden, explodierte und verursachte eine Panik unter der Bevölkerung.

Fliegerabsturz. Auf dem Marsfelde stürzten, wie Pariser Blätter melden, zwei französische Flieger ab Der eine wurde durch den Propeller enthauptet, der andere schwer verletzt

Rückkehr des französischen Fliegergeschwaders aus Serbien. Am 2. Januar ist das französische Fliegergeschwader, das unter Führung des Hauptmanns Vitrat die serbische Armee unterstützt hatte, über Italien nach Frankreich zurückgekehrt. Sie wurden in Lyon vom Unterstaatssekretär Godart empfangen Drei Mechaniker sind auf dem Rückzüge in Skutari durch eine von inem deutschen Flieger abgeworfene Bombe getötet worden. Die Flieger haben furchtbar unter""-Kälte und Hunger gelitten, auch fehlte es Ihnen an Kleidern und Stiefeln.

Flucht französischer Flieger-Offiziere aus der Schweizer Internierung. Wie die „Neue Züricher Zeitung" berichtet, sind die beiden, in der Züricher Kaserne internierten Iranzösischen Flieger-Offiziere Madon und Chatelain, die bereits vor mehreren Monaten einen vergeblichen Fluchtversuch gemacht hatten, wieder verschwunden. Sie hatten die Erlaubnis, inBegleitungeines schweizerischen Soldaten einen Spaziergang zu machen, sind aber nicht zurückgekehrt. Von der französischen Militärbehörde wurde eine strenge Untersuchung angeordnet. Die beiden Flieger, die sich in Frankreich meldeten, werden in der Kaserne des 11. Jägerregiments in Annecy gefangen gehalten SolltedieUntersuchung ergeben, daß die Flucht der beiden unter Ver-trauensmißbrauch bewerkstelligt wurde, so sollen sie, wie verlautet, nach der Schweiz zurückkehren.

Luftkampf über Chalons. Bei Chalons sur Marne fand am 10. Januar ein aufregender Luftzweikampf statt. Augenzeugen des Angriffes, den ein deutscher Der bekannte franz. Flieger Louis Noll, Eindecker gegen einen französischen Dop- Adjudant bei der obersten Leitung des peldecker des französischen Leutnants Flugwesens an der Front.

Ladron unternahm, berichten, daß das überaus aufregende Schauspiel zwei Minuten dauerte. Der Sieg des deutschen Eindeckers war seiner großen Schnelligkeit und seiner unleugbaren Manövriertüchtigkeit zuzuschreiben. Ladron gab sein Bestes, wurde aber in dem Augenblick, als die Zuschauer ihn gerettet glaubten, durch einen Schuß in die Herzgegend getötet; sein Beobachter, Kapitän Courtois, der mit dem Apparat abstürzte, ist seinen Wunden erlegen.

Ein neues riesenhaftes Flugboot in Amerika. Auf Veranlassung von Santos Dumont, der wieder zum Flugwesen zurückgekehrt ist, hat Curtiss in Amerika ein riesenhaftes Flugboot gebaut. Das Boot hat eine Länge von 36 Meter und wurde beim ersten Aufstieg in Long Beach von Santos Dumont gesteuert.

Türkische Flugzeugerfolge. An der Dardanellenfront wurden bei dem Angriff von Ryck Boddike zwei feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht; sie fielen brennend herab. Das erste dieser Flugzeuge, ein französisches, Typ Farman \r. 42, fiel am 6. Januar vormittags östlich des Kaps Nara, das andere, ein englisches, Typ Farman, fiel auf die europäische Küste östlich Jalova. Im Laufe des gleichen Tages warf ein türkisches Flugzeuggeschwader erfolgreich mehrere Bomben auf die feindlichen Stellungen von Sedd-ül-Bahr und auf den Flugplatz auf der Insel Imbros. — Am 9. Januar schössen unsere von den Leutnants

Zwei Motoren-Flugboot von Benoist, das Passagierflüge zwischen St. Petersburg und Jampa (Florida) ausführt. Das Flugzeug trägt sechs Personen und ist mit zwei WOpferdigen Roberts-Motoren ausgestattet.

Boddicke und Chonos gelenkten Flugzeuge einen vierten feindlichen Flieger ab; er stürzte auf offener See bei Sedd-ül-Bahr ab. — Am Nachmittag des 12. Januar griff das von Boddicke geführte Flugzeug das fünfte feindliche Flugzeug vom

Farman-Typ an und brachte es in der Umgebung von Sedd-UI-Bahr zum Absturz. Wir fanden den Führer tot, den Beobachter verwundet. Das Flugzeug wird nach kleinen Verbesserungen von uns benutzt werden können. Ein anderer Flieger von uns griff einen englischen Flieger an, der Saros überflog, verfolgte ihn und nötigte ihn, auf lmbros niederzugehen.

Italienische Fliegerangriffe und ihre Erwiderung. Der österreichisch-ungarische amtliche Bericht vom 11 Januar meldete von dem italienischen Kriegsschauplatz: In Südnrol erschienen über dem Etschtal elf italienische Flieger, die an mehreren Punkten erfolglos Bomben abwarfen. Das Wiener Kriegspressequartier meldete noch folgende Einzelheiten dazu: Das italienische Flugzeuggeschwader bestand aus einem Großkampfflugzeug, das zu den neuen von Frankreich gelieferten mit zwei Gnommotoren ausgestatteten, nur von den besten italienischen Fliegern bedienten Aeroplanen gehören dürfte, in denen die vier Mann starke Besatzung sich während des Fliegens abzulösen pflegt, und zelra

sonstigen Flugzeugen. Die Luftflotte Flog das Etschtal abwärts im Abwehrfeuer\ unserer Stellungen, kehrte aber bald wieder um. Nur eins gelangte bis Trient, warf drei Bomben ab und zerstörte hierdurch einen unbespannten Wagen, ohne größeren Schaden anzurichten. Die Erwiderung auf diesen Angriff erfolgte durch die österreichisch-ungarischen Flieger am Tage darauf. Am II. nachmittags belegte ein Geschwader von Seeflugzeugen in Rimini die Munitions- und die Schwefelfabrik, Bahnhof uud Abwehrbatterie mit verheerendem Erfolge mit Bomben. Trotz des heftigen Feuers mehrerer Abwehrgeschütze sind alle Flugzeuge unbeschädigt zurückgekehrt.

Der frühere französische Plugzeugfabrikant Deperdussin, der eine Pariser Bankgesellschaft um 30- Millionen Franken schädigte und schon 1913 verhaftet wurde, soll nunmehr in der zweiten Hälfte des Monats Janaar vor die Pariser Geschworenen gestellt werden.

Aufschiebung der Inte rpellation über das Flugwesen. In der französischen Kammersilzung vom 13. Januar drohte es zwischen den Deputierten Laffont, Girod und Aubigny, die die Regierung über die Krisis im Flugzeugwesen interpellieren sollten und dem Ministerpräsidenten zu einem Konflikt zu kommen. Briand ersuchte nämlich um Vertagung der Interpellationen, bis der Armee- und Budgetausschul.) den Unterstaatssekretär der Luftschiffahrt Besnard verhört hätten. Trotz der heftigen Opposition Laffonts, der Briand beschuldigte, daß er die Diskussion der heiklen Frage der Oeffentlichkeit entziehen wolle, wurde der Vorschlag des Ministerpräsidenten über die Festsetzung der Interpellationen am 20. Januar zu bestimmen, von der Kammer mit Stimmenmehrheit angenommen.

Der leichte Akkumulator. Weite Kreise setzen große Hoffnungen auf den leichten Akkumulator. Man verspricht sich von ihm für die Zukunft die mannigfachsten Fortschritte auf den veischiedensten Gebieten der Technik, insbesondere für die Luftschiffahrt, das Flugwesen, den Seeverkehr usw. usw. Der Fachmann steht derartigen Versuchen skeptischer gegenüber. Daß aber auch er sich nicht immer genau Rechenschaft über die Grenzen der Leistungsfähigkeit der heutigen Akkumulatorentechnik zu geben vermag, beweisen die zahlreichen Patentanmeldungen, die immer noch auf die mannigfachsten Konstruktionen einlaufen, deren Zweck es ist, das Gewicht der Akkumulatoren weiter zu verringern. Dass es für jede Art von Akkumulatoren eine bestimmte Grenze gibt, über die

Verschiedenes.

No. 2

.FLUGSPORT".

hinaus eine Gewichtsverminderung nicht mehr möglich ist, zeigte Dr. Ludwig Strasser in einem im „Elektrotechnischen Verein" gehaltenen Vortrag.

Im Gegensatz zu allen übrigen Kraftquellen lässt sich die Leistung eines Akkumulators nicht in Kilowatt oder Pferdestarken, sondern nur in Kilowattstunden (KWST.) ausdrücken, weil er diese Leistung nur während einer begrenzten Zeit abzugeben vermag, die stets in Rechnung gezogen werden muß. Seine Kapazität in Amperestunden ändert sich in der F.ntladezeit in beträchtlichen Grenzen. Wenn ein Akkumulator in zehn Stunden entladen wird, so gibt er etwa die doppelte Anzahl von KWST. ab, als bei der Entladung in einer Stunde. Man muß deshalb, um überhaupt Vergleiche anstellen zu können, eine mittlere Ent-ladezeit annehmen, die für diese Vergleiche in fünf Stunden in Rechnung gesetzt

F. T. Station einer Feldflieger-Abteilang. wurden. Beim Bleiakkumulator muß man sich vor Augen halten, daß eine leichtere Bauart eine Verminderung der Dauerhaftigkeit in Gefolge h?t. Da eine Erleichterung beim stationären Bleiakkumulator nicht notwendig erscheint, so ergibt sich hier ein ungünstiges Verhältnis zwischen dem Gewicht und der in KWST. ausgedrückten Leistung. Für eine KIVST. ist dem schweren stationären Akkumulator ein Gewicht von 130 kg nötig. Bei den schwersten Typen der transportablen Bleiakkumulatoren, wie sie in Lokomotiven usw. eingebaut werden, hat man durch Anwendung sehr dünner Bleigitter und sonstiger Mittel eine Herabsetzung des Gewichts auf 85 — 100 kg für KWST. erzielt. Bei den mittleren Typen derartiger transportabler Akkumulatoren, die sich z. B. in Omnibussen, Feuerwehr-fahrzeugen u. dergl. befinden, ist man bis zu einer Gewichtsverminderung von ÖO Kilo für KWST. gelangt, während man von den leichtesten Typen in der Praxis Bleiakkumulatoren anwendet, die nur 32 kg die KWST. wiegen. Es fragt sich nun, ob es theoretisch möglich ist, diese Unterst praktisch erzielte Grenze für das Gewicht eines Bleiakkumulators noch weiter herabzusetzen. Aus theoretischen Betrachtungen über die Vorgänge im Bleiakkunuilator zeigt sich, daß man bei günstigster Konzentration der Schwefelsäure, sowie bester Ausgestaltung der Gitter und aktiven Massen, sowie ferner bei der größtmöglichsten Erleichterung an Behältern und anderen Zubehörteilen als Grenze, bei der der Akkumulator einigermaßen für die Praxis brauchbar wäre, auf ein Geweht von 2(i kg pro KWST. kommt, das aber bis jetzt nach nicht erreicht ist. Nimmt man eine

Seite 52

„FLU GSPORT".

No. 2

sonstige kurze Lebensweise und Nachteile mit in Kauf, so läßt sich als alleräußerste Grenze für die theoretische höchste Leistung des Bleiakkumulators ein Gewicht von 20 kg pro KWST. aufnehmen.

In neuerer Zeit hat nun der alkalische Akkumulator zu den weitgehendsten Hoffnungen berechtigt, insbesondere in einer Ausbildung, die ihm Edison gegeben hat. Beim Edison-Akkumulator wird die KWST. durch ein Gewicht von 28 33 kg geleistet. Er ist also nicht wesentlich leichter als der leichte Bleiakkumulator, hat aber größere Lebensdauer und hat weniger Wartung nötig. Seine Nachteile bestehen in einem höheren Preise, in größerem Raumbedarf und einem schlechteren Nutzeffekt. Theoretische Betrachtungen über die in seinem Innern stattfindenden Vorgänge zeigen, daß man durch Erhöhung der inneren Leitfähigkeit sowie durch konstruktive Verbesserungen auf eine theoretische Grenzleistung von 14 kg für die KWST. kommt — also auch hier kein beträchtlicher Unterschied gegenüber dem Bleiakkumulator.

Faßt man nun im weitesten Sinne jede Möglichkeit der Aufspeicherung von Kraft als Akkumulator auf, so zeigt sich, daß wir über eine ganze Anzahl von „Akkumulatoren" verfügen, die Besseres leisten als die Blei- oder die Edison-Akkumulatoren. So erzielen wir aus komprimierter Luft die auf 100—200 At-moshären zusammengedrückt ist, unter Einbeziehung des Gewichts ihrer Behälter in die Berechnung eine Leistung von 1 KWST aus 10—12 kg Gewicht. Bei Kohle lä'Bt'sich die KWST. aus 2 kg erzeugen, in Dampflokomotiven wird bei 5 stündiger Arbeitszeit aus ihr die KWST. von einem Gewicht von 20 kg hervor-

Unterstand der Funker bei einer Feldflieger-Abteilung. gebracht. Ganz außerordentlich günstig in bezug auf Leistung arbeitet der Explosionsmotor. Beim Betriebe mit Benzin ergibt die KWST. mit einem Gewicht von nur 0,5 kg. Es erscheint daher nach Ansicht des Vortragenden ganz ausgeschlossen, daß der Blei- oder Edison-Akkumulator im Flugzeug oder Luftschiff jemals den Benzinmotor verdrängen wird. Hingegen wird man, wenn es möglich sein wird, einen Akkumulator im Verhältnis von 14 kg pro KWST. bauen, die Dampfkraft übertreffen, sodaß er dann sogar mit den Dampflokomotiven auf langen Schnellzugstrecken in Wettbewerb treten kann.

No. 2

„FLUGSPORT".

Seile 53

Ein Leichtmetall für den Flugzeugbau. Man schreibt uns: Das große Problem im Flugzeugbau ist und bleibt vorerst noch die Gewichtsfrage. Zur Zeit haben wir uns, was die Gewichtsverhaltnisse angeht, der Höchstgrenze soweit genähert, wie es mit den gegenwärtigen technischen Mitteln nur irgend möglich ist. Das Gewicht ist derzeit noch limitiert, sonst könnten wir Mehr-Motorenapparate bauen, von denen wir eine'außerordentliche Tragfähigkeit und im Vergleich zum Einmotor-Flugzeug eine mehrfache Sicherheit in den beanspruchten Teilen erfahren dürften. Nach dem „Iron Agc" ist es dem Generaldirektor Krause der Polyplane Motor Company in St. Louis gelungen, ein neues Metall, nach dem Erfinder „Krauseüum" genannt, zu entdecken, das die Festigkeit des Eisens mit der Leichtigkeit des Aluminiums vereinigen soll. Die Untersuchung durch das öffentliche Materialprüfungsamt ergab folgende physikalische Eigenschaften des Metalls:

Sorte

Spez. Gew.

Zugfestigkeit kg/qmm

1

1,92

24,50

2

2,04

20,30

3

2,12

16,10

4

2,16

15,14

Erfahrungsgemäß ist amerikanischen Entdeckungen gegenüber zwar ein gewisses Mißtrauen berechtigt, eine Nachprüfung der Erfindung des Amerikaners mit dem guten deutschen Namen zur Zeit auch erschwert, immerhin verdient die Nachricht alle Aufmerksamkeit. Die Verwendung eines solchen Metalls, das bei weiterer Verbesserung seiner Qualitäten berufen wäre, die Lücke zwischen Eisen und Aluminium auszufüllen, könnte auch den einzigen schwerwiegenden Nachteil unseres bewährten zuverlässigen Standmotors, eben dessen großes Gewicht beheben. ,

Patentwesen.

Patent-Anmeldungen.

77h. St. 20=t99. Vorrichtung zum Abwerfen von Bomben. Dr. Bruno Stange, Thorn, Schulstr. 7. i.4. 12. 14.

77h. E 20 727. Bombenstreuvorrichtung für Luftfahrzeuge S. H. Ende, Berlin, Lietzenburgerstr. 39 24. 9. 14.

7?h. D. 28 534. Fahrgestell für Flugzeuge. Max Deuschle, Stuttgart, Löwentorstr. 43. 13. 3. 13.

77 h. G 38 948. Mit Dämpfungsflächen versehenes Wasserflugzeug. Neu-feldt & Kuhnke u. Gesellschaft für nautische Instrumente G. m. b. H , Kiel. 24. 4. 13.

77h. R. 33433. Antriebsvorrichtung für Luftfahrzeuge mit mehreren Motoren und mehreren Propellern. Gaston Rose, Paris; Vertr.: Dipl-Ing. B Wassermann, Pat-Anw, Berlin SW. 68. 20. 6. 11.

77 h. R. 39 370. Langgestreckte Tragfläche für Flugzeuge von trapezförmigem Grundriß. R. H. Wilh. Rump, Hamburg, Lortzingstr. 14. 1. 12. 13.

77h.-Seh. 47Ö25. Flugzeugriunpf mit in den Seitenwänden befindlichen Beobachtungsöffnungen. Franz Schneider, Berlin-Johannisthal. 7. 7. 14.

77 h. D. 30 564. Luftschraubenantrieb, bei welchem zwischen die Luftschraube und den Motor eine Reibkegelkupplung eingeschaltet ist und die Ueber-tragung auf die Luftschraube durch ein Rädergetriebe erfolgt. Daimler Motoren-Gesellschaft, Untertürklieim. 19. 3. 14.

77h. W. 42331. Flugzeug, dessen Tragflächen um in der Flugriclitung liegende Achsen schwingbar angeordnet sind. Wilhelm Weiger, Mülheim a. Rh, Deutzerstr. 160. 19. 5. 13.

77h. W. 45 121. Zum Abwerfen mehrerer Bomben bestimmte Bornbenwurf-einrichtung für Flugzeuge. Robert Woemer, Berlin-Johannisthal. 11. 10. 12.

Seite 54

„FLUG SPORT".

No. 2

Patent-Erteilungen.

77 h. 289 492. Stabilisierungskreisel, insbesondere für Flugzeuge, der durch Beschleunigung seiner Präzession stabilisierend wirkt. Friedrich Rau, Berlin, Kesselstr. 16. 20. 3. 14. R. 40221.

77 h. 2S9Ö17. Luftfahrzeug mit durch Radiumisierung bewirktem elektrischen Spannungsausgleich. Max M. Bock, Hamburg, Alfredstr. 61. 11.6.14. B 77 002.

77 h. 2S9 630. Flugzeug, dessen seitliche, um in der Flugrichtung liegende Achsen schwingbare Stabilisierungsflächen durch ein Pendel verstellt werden. Ernst Lindner, Gera-Reuß, Spörlstr. 5. 3. 12. II. L. 33479.

Curtiss-Militiir-Doppcldecker, wie er nadi England geliefert wird. Gebrauchsmuster.

77 h 540167. Luftschraube für Luft- und Wasserfahrzeuge usw. Franz Reschke vorm. Jul. Metzer G. m. b. H. Berlin. 28. 11. 12. R. 34 430. 29. 10. 15.

77h. 639 584 Radiotelegraphi-che Station für Flugzeuge. Signal-Gesellschaft m. b H, Kiel. 24. 11. 14. S. 34 999.

77h. 6398öS Vogelflugapparat mit stabilisierten Trag- usw. Flächen und mit anziehbaren Flügelseiten, bewegbaren Flügel-, Vorder- und Hinterrändern und mit nur einem stabilen geschweiften Schwanzsteuer, das in einem Kugellager gelagert und von Federn in Normalstellung gehalten, nach allen Seiten hin dreh-und verwindbar ist. C.W. Gebauer, Dresden. Tittinannstr 7. 5.5. 14. G 36 489.

77h. 639 86.*). Vorrichtung auf Luftfahrzeugen zur Unterbringung und zum Abwerfen von Bomben Franz Schneider, Berlin-Johannisthal 4 11.14 Sch. 54303.

77 h. 639867. Benzinstandanzeiger. Franz Schneider, Berlin-Johannisthal. 28. 11. 14 Sch. 54 437.

77h. 639895. Eindecker. Franz Schneider, Berlin-Johannisthal 22. 10. 15. Sch. 55 8S9.

77 h. 639 900. Hölzerne Luftschraube Albert Sali. Berlin, Krautstr. 4 5. 30. 10. 15. S 36 399.

77h. 639 902. Schußwaffenlagerung für Luftfahrzeuge, insbesondere Flugzeuge. Albatroswerke G. in. b. H, Berlin-Johannisthal. 1. 11. 15 A. 25 113.

?7h. 039 90.3. Kabelschoner für Flugzeuge. Max Lange, Leipzig-Gohlis, Wilhelmstr. 32. 1. 11. 15. L. 37 160.

77h. 639904. Strebe für Flugzeuge. Max Lange, Leipzig-Gohlis, Wilhelm-Straße 32. 1. 11. 15 L. 37 161.

77h. 639905. Heizanlage für Flugzeuge. Ago Flugzeugwerke G. in. b. H., Berlin-Johannisthal. 1.11.15. A. 25 106.

77h 039 907 Spiralfeder zur Abfederung von Pilotengürteln. Reinhold Richter, Berlin-Friedenau, Wiesbadenerstr. 5. 3. 11. 15 R. 4!7tfü.

77 h. 640119. Tragfläche für Flugzeuge. Albatroswerke G m. b. H., Berlin-Johannisthal. 1. II. 15, A. 25 111.

77h. 640 120. Gefechtsstand für Flugzeuge. Albatroswerke G. m b. H., Berlin-Johannisthal. 1. 11. 15 A. 25112.

Offizielle Mitteilungen. Bund deutscher Flugzeugführer, E. V.

Geschäftsstelle: Berlin-Johannisthal, Kaiser-Wilhelm-Straße 47. Telegramm-Adresse: Fliegerbund. Fernsprecher : Ami Oberschöncweide964.

Eintrittsgeld Mit. 20.- :—: Monatlicher Beitrag Mk. 3.50'

I. Vorsitzender: Felix Lausch.

Ein neuer Modellmotor. D.R.GM.

H. Aecherli.

Der Gummimotor war der erste und einfachste Motwr, der sich für Flugmodelle bewährte. Er hat nur den unliebsamen Nachteil einer kurzen Flugdauer und Flugweite. So gebraucht man z. B. einen Strang von 1 m Länge um einem normalen Eindeckermodell von 1 m Spannweite eine Fhiglänge von 80 —100 in zu

1 a____

>diliirt lies .\luildlnl"t"r.s.

erteilen. Für Experiinentnlzwccke und Wettbewerbe werden aber meistens noch größere Strecken gewünscht, was nur durch Anwendung von teuren Preßhift-motoren oder durch längere Gummistränge ermöglicht würde. Um die Modelle aber nicht ungewöhnlich lang zu gestalten,kam man auf die Anwendung von Zahnradübersetzungen mit zwei und mehreren Gummisträngen, die gleichzeitig ablaufen.

spoktivenzfklimuiK lies Jlmlelliiintiirs von Acrlicrli.

Dadurch erhöhen wir aber nur die Anfangsturenzahl, aber nicht die Flugdauer. Es lag nun auf der Hand efh'en solchen sogenannten Multiplikator derart einzurichten, daß wenn der erste Gummistrang abgelaufen, der zweite ein- und der erste ausgeschaltet wird, wodurch sich natürlich die Laufdauer verdoppelt. Nach längeren Versuchen ist nun die in beiden Abbildungen angegebene Lösung entstanden.

Der Motor (siehe beistehende Perspektivenzeichnung) hat nur ein Gewicht von ca. 50 gr, mit 20 m Gummi, Alumi-, niumrohr und Propeller 180—200 gr. Ein Preßluftmotor von gleicher Stärke und Flugdauer würde mit Bombe, Reduzierventil und Propeller bedeutend schwerer, auch sind Einfacheit und Betriebssicherheit vom Gummimotor größer. Da mit einem leichten Motor ein kleines und daher billiges Modell erforderlich wird, so ist er in jeder Beziehung im Vorteil.

Um die Reibung auf ein Minimum zu reduzieren, laufen sämtliche Weilen in Kugellagern, auch werden nur Zahnrädchen mit Präzisionsteilung verwendet. Die Arbeitsweise vollzieht sich folgendermaßen: Nachdem man beide Gummi gleichzeitig am Propeller 200 bis 300 mal aufgedreht hat, fixiert man den obern Gummistrang mit dem

Gabelhebel a an der mit Schlitzen und Nuten versehenen Scheibe b. Die Feder c ist derart gespannt, daß, wenn der Gummi abgelaufen ist, die Vorspannung desselben Uberwunden und durch den Mitnehmer d das untere Zahnrad außer Eingriff gesetzt wird. Das mit einem Zahn versehene Segment dreht sich dadurch bis in Stellung 2. Durch die zweite Feder g stößt das mit dem Schräub-chen auf einen Moment genau einstellbare Plättchen f, das Segment in Stellung 3. Es löst zugleich den Gabelhebel a aus, wodurch das obere Zahnrad in den Eingriff schnellt und den Propeller mit neuer Energie speist.

Sicherlich dürfte dieser kleine Flugmotor im Modellflugsport großen Anklang finden und dazu beitragen, das Verständnis für die Flugtechnik zu heben.

Verband deutscher Modellflugvereine.

Sitz Frankfurt a. M.

Geschäftsstelle: Präsidium:

Frankfurt a. M., Eppsteinerstr. 26. Frankf. Flugmodell-Verein

Zahlungen erbeten an Disconto-Gesellschaft, Frankfurt a. M.

Mit Ablauf des Jahres 1915 trat nun auch der „Hamburger Verein für Modellflugwesen" dem V. d. M. bei. Genau-wie unsere anderen Verbandsvereine, so wurde auch die Vereinstätigkeit dieses Vereins durch den Krieg sehr beeinträchtigt. Sämtliche Korrespondenzen usw. sind an die derzeitige Geschäftsstelle des Vereins, Hamburg, Ffslkenried 64, zu richten.

Wir wünschen, daß es sich die zuhause gebliebenen Mitglieder unserer Verbandsvereine zur Aufgabe gemacht haben, so gut als möglich die Tätigkeit der Vereine aufrecht zu erhalten. Eventuell für dieses Jahr vorgesehene Modellflugveranstaltungen sind baldmöglichst derVerbandsgeschäftsstelle bekannt zu geben.

I. Leipziger Modellflug-Verein.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle: K. Richter, Leipzig, Johannisgasse 13m-Am Sonntag, den 2. Januar 1916 fand abends 6 Uhr die zweite Hauptversammlung im Lehrer-Vereinshause statt Nachdem der erste Vorsitzende, Ingenieur Hans Herbold die gutbesuchte Versammlung mit begrüßenden Worten eröffnet hatte, gab er in einem kurzen Referat einen Ueberblick über die Vereinstätigkeit im verflossenen Jahre, wobei erfreulicherweise festgestellt werden konnte, daß der Verein trotz der unendlichen Schwierigkeiten, die sich dem noch jungen Vereine im zweiten Geschäftsjahre, einem vollständigen Kriegsjahre, entgegenstellten, noch ebenso lebensfähig, wenn nicht gekräftigter noch dasteht als vor einem Jahre. Ein Umstand, der dafür spricht, ist, daß der Verein im vergangenen Jahre nicht weniger als 2U Neiianmeldungen zu verzeichnen hatte. Es ist nicht zu verkennen daß der Verein diesen Erfolg zu einem nicht geringen Teile dem Wohlwollen der Leipziger Tageszeitungen zu verdanken hat. Der Verein war in der Lage im vergangenen Jahre seinen Mitgliedern zu fast jeder Versammlung einen Vortrag.bieten zu können, zum Teil von Mitgliedern des Vereins gehalten, teils von Seiten gewonnener Gäste. Besondere Verdienste haben sich darum die Mitglieder Ing. Hans Herbold, sowie Karl Schiebold erworben, während von den Gästen hier u. a. nur folgende genannt sein mögen: Flugmeister Johannes Schröter, Flieger Kurt Strobelt, Maschinengewehrschütze auf Kampfflugzeug Rieh. Schmidt, der Privatgelehrte Willy Helm u. a. m. Nachdem auch der Schatzmeister Willy Kröber einen Bericht über die Kassenverhältnisse erstattet hatte, die in Anbetracht der recht bedeutenden Ausgaben zu einem befriedigenden Abschlüsse gebracht wurden, schritt man zur Neuwahl des Gesamtvorstandes, der sich nunmehr wie folgt zusammensetzt1: Einstimmig wiedergewählt wurde der erste Vorsitzende, Ing. Hans Herbold, desgleichen als erster Schriftführer, Kurt Richter, auf den weiter die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden fiel. Das Amt des Schatzmeisters bleibt weiterhin in den bewährten Händen des Willy Kröber. Als Beisitzer neugewählt wurden Steinbach, Lange und Huster. Ihr Amt als Flugprüfer behalten auch ferner Richter, Kröber und Steinbach. Der neugewählte erste Vorsitzende übernahm hierauf die weitere Leitung der Versammlung und brachte als erstes

Sen. 53

„FLUGSPORT".

No. 2

einen ausgearbeiteten Antrag betreffs Satzungsänderungen und Ergänzungen, die unter Hinzufügung eines weiteren Zusatzes gutgeheißen und einstimmig angenommen wurden, ein.

Nach Erledigung der geschäftlichen Teiles plauderte der ehemalige erste Vorsitzende Flugmeister Johannes Schröter, der als Gast ebenfalls erschienen war, in geselligem Beisammensein Uber seine bisherigen Erlebnisse als Flieger, sowie seine Ausbildung bis zum Flugmeister. Die in technischer Hinsicht interessanten Ausführungen, ausgeschmückt mit oft recht heiteren Stückchen aus dem Fliegerleben, fanden bei den zahlreichen aufmerksamen Zuhörern lebhaften Beifall.

Dresdner Modellflug-Verein.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle: Pragerstraße 32. Auch jetzt ist die Tätigkeit nicht völliar eingeschlafen, es werden vielmehr ;rnmer noch zahlreiche lehrreiche Modelle gebaut und Versuche gemacht. Neben

Eindeckerente von Paul Ewert.

Modellen von Vereins-Mitgliedern zeichneten sich die Modelle von Paul Ewert, Dresden aus. Beistehendes Bild zeigt eine Rückansicht einer Eindeckerente dieses Konstrukteurs.

Münchner Modellflug-Verein.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine, Geschäftsstelle: Prannerstraße 24.

Am Sonntag den 12. Dezember veranstaltete der Münchner Modellflug-Verein ein Preis- und Schaufliegen auf dem Oberwiesenfeld, das zahlreich von Mitgliedern und Zuschauern besucht war. Der „Werner Salzer Preis" wurde ausgetragen und der Schlußentscheid lag zwischen den Modellen der Herren Franz Schier (Zwei Vorderschrauben-Eindecker) und Rud. Orth (ein Moräne und eine Ente [Preßluft]) Sieger wurde Franz Schier mit 48 m bei Bodenstart, während die Modelle von Orth durch Fahrgestellbruch und Absturz an der weiteren Teilnahme verhindert wurden.

Bei der am 20. Dezember stattgefundenen Mitglieder-Versammlung wurde die Errichtung einer Jugendgruppe beschlossen und Uber eine Flugmodell-Ausstellung gesprochen, die aber wahrscheinlich erst nach dem Kriege stattfinden wird.

No. 2

Die Gleitflugabteilung hat die Absicht, ihren Standort von Breitbrunn näher an die Stadt zu verlegen und hat diesbezügliche Verhandlungen mit Sclmppen-besitzern angebahnt.

Mannheimer Flugmodell-Verein.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle: M. Lohrer, Mannheim, Rheinhäuserstr. 47.

Umständehalber waren wir genötigt, das auf den 5. Dezember v. J. geplante Geschwindigkeits-Wettfliegen um den Sonns-Preis zu verschieben. Dasselbe fand nunmehr am Neujahrstage statt.

An dem Wettbewerb, der wie vorgeschrieben von 9 bis 12 Uhr stattfand, beteiligten sich folgende Mitglieder:

Krauss mit Eindecker mit 1 Druck- und 1 Zugschraube

Bühring, Karl „ desgl.

Sonns „ „

Schaller „ „ mit 1 Zugschraube

Hageloch „ „ „ „

Geisinger „ „ „ „

Bekanntlich wurde derjenige Sieger, dessen Modell am schnellsten eine Strecke von 60 m durchflog. Die Flugzeit wurde mittels zwei Stoppuhren gemessen, sodaß. hierdurch größte Genauigkeit erzielt wurde.

Wir geben nachstehend die besten Ergebnisse bekannt: Krauss 3Vä, 34/5, 43/10 Sekunden

Bühring, Karl 5, 51/.., 51/.. Hageloch . 5'/s, 5'/s, 5'/5 Geisinger 5'/5, 51„ Sonns 5'/m Sekunden, schied infolge Bruch aus

Schaller „ „ „ „

Sonns und Bühring starteten außer Konkurrenz. — Infolgedessen erhielten Krauss den von Sonns gestifteten Ehrenpreis und liageloch den 2. Preis, einen Geldpreis.

Personalien.

Staatliche Förderung der Aviatik in Oesterreich. Der österreische Minister für Kultus und Unterricht Exz. Dr. Max Hussarch von Heinlein hat dem Wiener Meteorologen und Flugforscher Dr. Raimund NimFühr in Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete der Aviatik eine einmalige Subvention von zweitausend Kronen bewilligt.

Firmennachrichten.

Franz Reschke Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Prokura des Joseph Lohner ist erloschen. Kaufmann Franz Reschke ist nicht mehr Geschäftsführer. Techniker Joseph Lohner in Berlin - Steglitz und Krankenhaus-Oberinspektor Otto Schulz in Charlottenburg-Westend sind zu Geschäftsführern bestellt.

Neue russische Aktiengesellschaft der Flugzeugindustrie, Erste Russische A.-G. für Luftschiffahrt und Kriegsrüstung S. S. Schtschetinin zur Uebernahme der Schtschetininschen Flugzeugfabrik für Holz- und Metallbearbeitung, Ausrüstung von Flugzeughallen usw. Kapital 1 Million Rubel.

Literatur.

Mustergruppen für Fachausstellungen. Herausgegeben von der „Ständigen Ausstellungskommission für die Deutsche Industrie". Die Mustergruppen sollen dazu dienen, die deutsche Ausstellungstätigkeit bei ihrer Wiederaufnahme nach glücklich vollendetem Kriege gleich Jn die seit langen angestrebten Bahnen zu leiten.

Feldflieger an der Front von Dolf von Korb. Leicht kart. 2 Mk. Pappband 3 Mk. ; Feldflieger an der Front! Noch niemals waren Menschen ausgezogen, um aus der Luft, um in der Luft einander zu bekämpfen. Was Jahrtausende nicht gebracht, nun war es da, wurde Wirklichkeit — Was unsere Flieger erleben, was sie leisten — im Westen und Osten und auf dem Wasser — das verfolgen wir in- den Schilderungen des bekannten Fachmannes.

Ber Flieger und sein Flugzeug von E. Sohn, Generalsekretär des Bundes deutscher Flugzeugführer, Verlag von C. J. E. Volckmann Nachf. G m. b. H , Berlin-Charlottenburg 2, Preis Mk. 2 80 S ""^TDäs Buch enthält sehr viel wissenswertes für den angehenden Flieger. Die einzelfferi Phasen, sowie alles, was der Flieger vom Flugzeug wissen muß, ist in sehr anschaulichen Bildern entwickelt. Auch über die Verwendungsmöglichkeit im Kriege-Kolonial- und Postdienst des Flugzeuges in der Zukunft, sind einige Worte" Berichtet. Den angehenden Fliegern sei das kleine Buch wann empfohlen

Ber Wall von Eisen von Georg Wegener. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, Preis Mk. 1.—

\ Der Verfasser des soeben bei Brockhaus erschienenen Buches, Professor Dr Georg Wegener, ist als Geograph und Forschungsreisender, als Berater und Begleiter des Kronprinzen auf seiner Indienfahrt, dem deutschen Publikum bekannt Seit Beginn des Weltkrieges weilt er im Hauptquartier des Westens, und seine Erlebnisse uncj Eindrücke an der Front vom Meer bis zu den Vogesen faßt er in einem Buche zusammen, das als ein ernstes und künstlerisch vollendetes Denkmal deutschen He dentums bei allen Lesern im Feld und daheim einer ähnlichen Aufnahme gewiß sein darf, wie sie Sven Hedi .s „Volk in Waffen" in allen Schichten der Bevölkerung gefunden hat.