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Zeitschrift Flugsport, Heft 13/1915

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 13/1915 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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Jllustrirte

No. 13 30. Juni 1915. jahrg. Uli

technische Zeitschrift und Anzeiger """T"'8

B pro lahr M. 14.— Ausland per Kreuzband M. 19.20 Elnzelpr. M 0.60.

für das gesamte

„Flugwesen

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Talaf. Hansa 4557 Oskar UrsinUS, Civilingrenieur. Tel.-fldr.: Ursinus.

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8.

— Erscheint regelmäßig 14tägig. — _______ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. =

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 14. Juli.

Mehr Flugzeuge.

Bei einem Besuch Orville Wrights in New-York gab dieser seiner Begeisterung Ausdruck über die ungeahnten Absatz- und Entwicklungsmöglichkeiten der Flugzeuge im nächsten Jahre. Er stellte fest, daß der Weltkrieg das Flugwesen in ein paar Monaten weiter gefördert habe, als die Jahre vorher es imstande waren.

Diese letztere Voraussetzung erweist sich in immer größerem Umfang als wahr, je weiter der Krieg fortschreitet. Wer hätte sich noch zu Anfang des Krieges Gesenwaderflüge weit über Land mit Bombenwürfen, wo hundert geschleuderte Bomben wenig bedeuten, vorstellen können? Solche Flüge stehen heute an der Tagesordnung. Und daß zu solchen Leistungen außerordentlich viel Material und gutes Material gehört, ist selbstverständlich. Der Verbrauch an Flugzeugen hat sich in einer Weise vervielfacht, daß heute in den kriegführenden, sowie in den neutralen Ländern der Wunsch und mehr noch die Forderung auf eine für frühere Begriffe riesenhafte Flotte an Flugzeugen immer lauter wird.

Zu solcher Luftflotte gehören eine Menge verschiedener Arten von Flugzeugen. Da sind zuerst

die Kampfflugzeuge größeren und größten Stiles,

die für die weiteren Expeditionen in Betracht kommen. Es müssen immerhin schon eine Menge davon vorhanden sein, damit zu jeder Zeit genügender Ersatz an Material vorhanden ist. Dann kommen

die ßcglcitmaschinen,

ebenfalls Doppeldecker schwereren Kalibers, die die großen Angriffe verschleiern und Scheinangriffe über den feindlichen Stellungen auszuführen haben, etappenweise die Kampfflugzeuge begleiten und ihnen den Rückzug gegen feindliche Angriffe decken helfen. Danobon spielen eine ebenso große Rolle, die leichten, schnellen Eindecker, die bei der Aufklärung, bei der Regulierung des Artilleriefeuers zu hunderten längs der ganzen Front gebraucht werden. Für kleinere Angriffe in näherer Lage zur Front ebenfalls Doppeldecker, die größeres Gewicht mitschleppen können, solche die gut steigen können, um über den feindlichen Stellungen photographische Aufnahmen zu machen, usw. Die Verwendung ist eine zu vielseitige um in kurzen Worten ganz erschöpft zu werden.

Dazu treten noch die

Maschinen, die im eignen Land gebraucht werden. An allen größeren Plätzen müssen zum Schutz

kombinierte Flugzeugabteilungen bereit stehen, deren Kern wieder Kampfflugzeuge größeren Kalibers bilden, zur Abwehr feindlicher Angriffe. Außerdem kommt im eignen Land vor allem

der Schulbetrieb

in Betracht. Um immer neue Flugzeugführer heranzubilden, müssen auf sämtlichen Flugplätzen, militärischen wie auch Zivilflugplätzen eine genügend große Anzahl von Flugzeugen vorhanden sein, um in wenigen Wochen eine Fliegertruppe heranzubilden, die nach genügender Uebung mit allen Fährnissen, die den Führer in seinem Element, der Luft, und auch im Kampf mit einem wenn auch überlegenen Gegner treffen können, in der Front ihren Mann stellen werden.

Vorstehende Andeutungen sollen ein kleines zum Verständnis beitragen, welche Aufgaben der Flugzeugindustrie zur Bewältigung vorstehen. In gleicher Weise wie der quantitative Bedarf an Flugzeugen sieh sozusagen verhundertfacht hat, hält

die qualitative Verbesserung der Flugmaschine

gleichen Schritt. Denn um Höchstleistungen zu erzielen, muß man erstklassiges Material haben, Material, an dem ständig verbessert, ständig gearbeitet wird und werden kann, denn die Erprobung geschieht ja täglich und zeigt täglich, wo Verbesserungen nötig erscheinen. Die Maschinen von vor vier Monaten sind schon wieder veraltet, gemessen an den Tagesansprüchen. Wahrlich es kann nicht oft und laut genug wiederholt werden, wie erst das Kriegsjahr das Flugwesen zu einer unentbehrlichen Macht ausgestaltet hat. Es erscheint einem heute, als seien die Jahre zuvor nur eine Vorbereitung, und als sei erst der Krieg dazu berufen gewesen, das Flugzeug zum unentbehrlichen Gebrauchsartikel zu stempeln.

In allen kriegführenden Ländern hat man diese Wahrheiten voll und ganz erkannt. Am überzeugtesten davon sind wohl neben uns England und Frankreich.

Der Schrei nach Flugzeugen

und nicht zum mindesten nach Kampfflugzeugen findet überall ein reiches

Echo. Im englischen Unterhanse wurde dieser Tage die Frage der Vergrößerung der Luftflotte eifrig debattiert.

Der Unionist Jonson Hioks erklärte, eine größere Anzahl Flieger und Flugzeuge seien notwendig zur Verteidigung gegen Luftangriffe. Die Regierung solle dem Volke genau sagen, was sie bei Zeppelinangriffen zu erwarten hätte. Die Luftschiffe könnten nur durch ganze Schwärme Flugzeuge abgewehrt werden. Der Redner forderte eine Erklärung des Ministers für Kriegsbedarf, daß er die Bedeutung der Bereitstellung einer viel größeren Zahl von Flugzeugen erkenne. Statt der Angriffe auf Cuxhaven im Verlaufe des Krieges hätte jede Woche ein Luftangriff auf deutsches Gebiet stattfinden müssen. Bei einer ausreichenderen Zahl von Flugzeugen wäre es möglich, jede Woche eine andere deutsche Stadt anzugreifen. Wenn

Avialik-Doppeldeder über den Wolken.

England wöchentlich einen Angriff mit 50 oder 100 Flugzeugen ausführen könnte, würde man den Deutschen klar machen, was der Krieg bedeute. Der Redner empfahl den Bau größerer Flugzeuge, entsprechend dem russischen Sikorskytyp, die vier bis fünf Bomben von starker Explosionskraft tragen und in drei Monaten hergestellt werden könnten. Der Flugdienst litte auch unter dem Mangel an starken Sprengbomben. Der Parlamentssekretär Tennant erwiderte, es sei leicht zu sagen, daß England mehr Flieger und Flugzeuge brauche. Eine solche Kritik könne auf jeden Zweig des militärischen Dienstes angewandt, werden. Der Luftdienst stehe in sehr gutem Verhältnis zur übrigen Armee. Seit dem Beginn des Krieges hat sich die Zahl der Fliegeroffiziere um das Zehnfache vermehrt. Ein Mangel an

Bomben mit einer hoben Sprengkraft bestehe jedenfalls seit Februar nicht mehr. Eine größere Flugzeugtype befinde sich im Bau. England habe jetzt elf Fliegerschulen.

Am eingenommensten von seiner sechsten Waffe scheint Frankreich zu sein nach dem neuerlichen Angriff auf Karlsruhe. Her „Temps" veröffentlicht in einem Leitartikel einen sehr selbstgefälligen offenen Brief gegen die „deutsche Wut". Der freventliche Angriff auf eine offene Stadt außerhalb des Operationsgebietes, der selbst bei den Neutralen einen mehr als peinlichen Eindruck hinterlassen hat, bietet

Sven Hedin bei einer teldftieger- Abteilang im Osten.

der französischen Presse endlich einmal die Gelegenheit über die „boches" zu triumphieren und mit großer Genugtung stellen sie fest: ,,Der Beweis ist jetzt geliefert., daß wir Herren des Mittels, des Ortes und der Stunde sind. Deutschland wird uns wiedersehen."

Doch wohl schwerlich werden die französischen Fliegergeschwader bei ihrer Rückkunft ein ebenso leichtes Arbeiten vorfinden wie bei ihrem letzten Ueberfall. Die deutschen Flugzeuge sind auch noch da, und daß bei uns nicht geruht und im Sinne der vorstehenden Ausführungen gearbeitet wird, daran wird wohl niemand zweifeln.

Ein Tragflächenprofil mit großer Tragkraft.

Der bekannte französische Konstrukteur Kauffmann veröffentlichte vor kurzem in Frankreich Charakteristiken eines neuen Tragflächenprofils mit großer Tragkraft. Dieses Profil wurde in dem Laboratorium von Auteuil in Gegenwart von Eiffel untersucht. Es

Nr. 13 „FLUGSPORT"._______Seite .»1

ist eine Vervollkommnung eines früher verwendeten Profiles, um eine große Tragkraft zu erzielen. Die Wölbung der oberen Seite der Fläche wurde von '/,., auf Vi., erhöht und dio Maximaldicko von '/=., auf 7u, der Tragdeckentiefe. Das Profil ist immer noch ziemlich

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%

Abb. 1

günstig, da das günstigste Verhältnis vom Bücktrieb zum Auftrieb

weniger als 0,075 ist. Dieses Verhältnis besteht noch für ein

Ky von 0,07, was eine sehr grolle Tragkraft darstellt, und andererseits bis zu einem Ky von 0,0"22, was eine sehr geringe Tragkraft bedeutet. Das Ky-Maximum erreicht beinaho O.Ott (siehe Abbildung ü).

Das Profil ist daher besonders geeignet für liindeckor mit, hoher spezifischer Flächenbelastung, die gleichzeitig grolle Geschwindigkeiten erreichen sollen.

Seite .«> „FLUGSPORT". No. 1.1

Aenderuugeu der Weile, vom ltückl.rieb und Auftrieb zum Einfallswinkel : Kx

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12° 0,009« O.07'2C> 0, i 35

Abb. 2

Das Kriegsflugwesen bei unseren Gegnern.

Von unserem Kopenhagener Korrespondenten.

Aus den letzten englischen Verlustlisten sind folgende Namen der Fliegertruppen zu verzeichnen: Ltn. Posohampton. Königliches Flieger Korps, gefallen; Ltn. Moohouse, K. F. K., seinen Wunden erlegen ; Ltn. Hawker, K. F. K. und Königliche Ingenieur Truppen, verwundet; Ltn. Parker, K. F. K., verwundet; Ltn. Spratt, K. F. K., verwundet; Hauptmann Brosbie, Hochländer, K.F.K., vermißt; Ltn. Gladstone (ein Enkel des großen britischen Staatsmannes), dem K.F.K, zugeteilt, vermißt; Ltns. Anstey und Master, K, F. K., verwundet; Ltn. Rodney, Riffel Brigade und K.F.K., gefallen; Hauptmann Fox, Kgl. Ingenieur des K. F.K, an seinen Wunden gestorben; Ltn. Jackson, K.F.K., verwundet.; Ltn. Spence, Kgl. Feldartillerie und K.F.K., gefallen: Ltn. Robinson, dem K. F. K. zugeteilt, verwundet; Ltn. Braitwaite, Kgl. Feldartillerie und Iv. F.K., gefallen; Ltn. Johnstone, dem K. F. K. zugeteilt, gefallen.

Die „Morning Post" klagt ihre eigene Nation in einem Leitartikel an, den Kolonialkrieg in Afrika nicht genügend vorbereitet zu haben. Was sich auch ohne offizielle Bestätigung sicher herausstellen läßt, ist, die Tatsache, daß die Deutschen in Afrika vorbereitet waren, während es uns an Truppen, Waffen und einem Feldzugsplan fehlte. Selbst in Kamerun besaßen die Deutschen zwei Flugzeuge, dagegen befand sich bei Anfang des Krieges in den britischen afrikanischen Kolonien kein einziges englisches Militärflugzeug. Ferner besaßen die Deutsehen überall reichliche Mengen von Maschinengewehren und anderen Waffen. Daher war das Endresultat bisher nur ein mäßiger Erfolg in Afrika, trotz unserer Herrschaft zur See, unseren ungeheuren Vorteilen nnd trotz der Tapferkeit und dem Patriotismus unserer Kolonialtruppen.

Diesem Urteil fügt ein flugtechnisches Blatt noch folgendes hinzu : Vor dem Kriege haben wir mehrmals die Aufmerksamkeit auf das deutsche Flugwesen in Süd-West-Afrika gelenkt, wo der deutsche Flieger Bruno Büchner mit mehreren Apparaten gelungene Flüge ausführte. Als der Krieg ausbrach, waren die einzigen englischen Flugzeuge in den Kolonien eines im Museum des Herrn John Weston in der Orange River Kolonie und zwei Curtiß Flugboote in Durban, die Herr Butler flog. Das eine wurde zertrümmert, das andere augenscheinlich bei einer Erkundung über der „Königsberg" gefangen genommen. Später wurden natürlich eine große Anzahl Flugzeuge nach Aegypten und Südafrika geschickt, dagegen augenscheinlich keine nach West-, Central- oder Ostafrika. In Westafrika scheint kein großer Bedarf vorzuliegen, da wir mit französischer Hilfe wohl Herrn der Situation sind.

In Central- und Ostafrika scheinen sich die Verhältnisse ganz anders zu gestalten. Deutsch-Ost-Afrika ist wohl versorgt, vorzüglich organisiert, und die Eingeborenen sind mit deutscher Gründlichkeit ausgezeichnet ausgebildet, anstatt von den Ueberredungsversuchen der Missionare demoralisiert zu sein. Unter solchen Verhältnissen wären Flugzeuge von größter Bedeutung, da sich keine deutschen Flugzeuge in der Gegend befinden. Sollen Flugzeuge ausgeschickt werden, so sei darauf hingewiesen, daß dieselben von einfacher Bauart sein sollen, was Reparatur und Bedienung anbelangt, dazu wird mehr Wert auf große Tragfähigkeit als auf Geschwindigkeit gelegt, da die Flugzeuge auf schlechtem Boden starten und landen und sich lange Zeit in der Luft halten müssen. Die Luftkriegsverhältnisse im afrikanischen Kolonialkrieg werden noch durch nachstehenden Brief eines Kolonialsoldaten nach der Heimat beleuchtet: Unser alter Freund, die Taube, stattete uns am letzten Sonntag einen erneuten Besuch ab. Der Flieger warf vier Bomben von beträchtlicher Größe. Die Bomben vielen alle in einer Linie, ungefähr 100 Meter von meinem Zelt, auf den Boden. Ein Kamerad von dem Pretoria Regiment der einen Bolzen für einen Schützengraben machte, hatte keine Zeit, diesen zu erreichen, deshalb warf er sich beim Fallen der ersten Bombe nieder. Als er wieder aufstehen wollte, fiel eine zweite Bombe. Ein großes Sprengstück traf ihn unter dem Schulterblatt und bohrte sich in seine Lunge. Der arme Kerl stöhnte und klagte, es brenne ihn, woran ich auch nicht zweifelte, da solche Stücke, die wir aufsammeln wolltun, zu heiß zum Anfassen waren. Im Laufe des Tages starb er.

In England sind sie emsig daran, die Zahl der Flugzeuge und deren Führer zu vergrößern; so sind z.B. nach Angaben der Zeitschrift „Flight'' in dem Königlichen Englischen Aero-Klub in der Zeit vom ersten März bis ersten Juni 179 Zeugnisse ausgestellt worden. Die Marine bildet selbst einen großen Teil ihrer Flieger aus, vornehmlich auf Short-Wasserdoppeldecker, ebenso das Heeresflugwesen, das hauptsäoh-lichden Maurice Farman-Doppeldecker für die Schulausbildung verwendet, und unter andern den Brooklands Flugplatz übernommen hat, und selbst in Frankreich in Crotoy auf dem Flugplatz der (Jaudron Werke eine Schule betreibt. Der Hendon Flugplatz ist noch für das Publikum geöffnet, fünf Schulen sind dort emsig an der Arbeit. Die Graham-White-Schule bildet nur Unteroffiziere für die Heeresverwaltung aus, und zwar bilden vier Lehrer stets zwölf Schüler zu gleicher Zeit auf vier alten Henry Farman-Doppeldeckern aus. Die anderen Schulen verwenden nur den Caudron-Doppeldecker, es sind dies die Hall, die Ruffy-Baumann Schule, London und Provinz Cie. und Beatty, ein Amerikaner, der noch Wright-Doppeldecker mit Deperdussin Rad-stetlerung verwendet.

Der neue Nieuport Eineinhalb-Decker.

Nachdem die Verwendung des Nieuport Eindeckers für Militärzwecke untersagt worden ist, hat diese Firma einen kleinen Kavallerie-Rumpfdopp^ldecker herausgebracht, der allgemein beliebt ist und den Morane-Eindecker ersetzen soll. Wie aus den beigefügten Illustrationen hervorgeht, ist der Doppeldecker für zwei Personen bestimmt, von denen der vornsitzende Passagier stehend das Maschinengewehr bedient, um ein von der Schraube unbehindertes Schußfeld zu bekommen.

S c a n d i n a v.

Die Zukunft der Flugzeugindustrie.

(Nach einem amerikanischem Aufsatz.)

Ein amerikanischer Fachmann, der von Finanzleuten und Flugzeugkonstrukteuren um seine Ansichten über die Zukunft der Flugzeugindustrie befragt wurde, läßt sich in einer amerikanischen Zeitschrift über dieses Thema folgendermaßen aus:

Nachdem bisher die Regierungen fast allein die Abnehmer von Flugzeugen waren, werden sie auch nach dem Kriege ausschließlich die Käufer bleiben. Im europäischen Krieg hat das Flugzeug bis jetzt nur in einer von den beiden unten zu besprechenden Richtungen die Erwartungen erfüllt, aber dennoch den Beweis erbracht, daß es unentbehrlich ist.

Zur Zeit werden nämlich die Flugzeuge hauptsächlich als Aufklärungsflugzeuge benutzt, und hab3n als solche nicht nur die ganze Kavallerie überflüssig gemacht, sondern auch die ganze Methode des Krieges wesentlich geändert. Mit dem heutigen umfangreichen Gebrauch von Automobilen und Eisenbahnen zum Truppentransport, die eine Verschiebung von 50 000 Mann in einer Nacht von einem Platz zu einem andern, vielleicht 70 km entfernten, ermöglichen, ist die F1 i eg er auf k lär ung das einzige Mittel, das den Schutz vor einer Ueberraschung durch einen stark überlegenen Feind ermöglicht. Eine nicht hinreichende Unterstützung durch Beobachtung aus dem Flugzeug macht sich überaus stark geltend.

In zweiter Hinsicht setzte man auf das Flugzeug als Angriffswaffe große Erwartungen, die aber nicht erfüllt worden sind. Glänzende Vorstöße zur Luft sind hauptsächlich von englischen Fliegern gemacht worden — über die deutschen scheint man in Amerika nichts zu erfahren! — Aber in keinem Fall ist etwas von Bedeutung und entscheidender Wirkung erreicht worden. Ein paar Zeppelinluftschiffe wurden zerstört (?), eine Unterseeboots-Basis wurde teilweise vernichtet und ein Munitionszug in die Luft gesprengt (?). Das be deutet nicht viel nach sieben Monaten Krieg.

Der Grund hierzu liegt in der geringen Leistungsfähigkeit der heutigen Maschinen und ist — von besonders kühnen Fliegertaten abgesehen — ihrem noch nicht befriedigenden Aktionsradius zuzuschreiben. Eine Durchschnittsmaschine genügt eben bei ihren 180 bis 200 km Aktionsradius nur zu Aufklärungszwecken, soweit es sich um gewöhnliche taktische Aufklärungsflüge handelt.

Dagegen ist das heute übliche Bombenwerfen nur dann von Wirksamkeit, wenn die Zahl der abgeworfenen Bomben entsprechend groß ist, um den sachlichen Erfolg nicht durch einige Fehlgänger zu beeinträchtigen. Das ist aber das, was unsere heutigen Maschinen zu leisten noch nicht imstande sind. Soll das Flugzeug zum Bombenwerfen benutzt werden, dann muß es fähig sein, bedeutsame Plätze weit im Rücken der feindlichen Schlachtlinie, etwa 150—ISO km hinter dieser, zu erreichen und den erforderlichen Betriebstoff mitzunehmen vermögen, um den Weg zu den eigenen Truppen wieder zurücklegen zu können. Das kommt also einem Flug von 300 und mehr Kilometern gleich, auf dem noch höchstenfalls 50 kg an Bomben mitgenommen werden können. Aber heutzutage bedeuten 50 kg Bomben, selbst mit sehr wirksamem Explosionsstoff gefüllt, recht wenig und

üben keine ansehnliche Wirkung aus. Und dennoch haben die beiderseitigen Armeen seit Kriegsbeginn nach Schätzungen an Hand zuverlässiger Berichte ungefähr 1( XX (0 — 12< K)0 Flugzeuge zu diesem Zwecke benutzt, von denen aber wohl nun :,/t außer Gebrauch sind.

Was also heute nach den bisherigen Erfahrungen nottut, ist das Angriffs-Flugzeug, eine grüße Maschine, die mindestens 2 Mann tragen, ßetriebstoff für einen Flug von etwa 900 km aufnehmen, damit eine Stundengeschwindigkeit von 125 km entwikeln und außerdem noch lji Tonne Nutzlast ( 10 Centner) mitführen kann. Bei einer Mindestgeschwindigkeit von etwa 75 km/std., muß sie diese wenigstens zeitweilig auf 160 km/std. zu steigern vermögen, während sie die mäßigere Geschwindigkeit von 130 km in der Stunde für längere Zeit durchhalten können muß.

Ein solches Flugzeug muß entweder automatisch stabil sein, oder dringend eine Einwirkung zur leichten Erhaltung der Stabilität besitzen, um nicht den Führer durch dauernde und Aufmerksamkeit erfordernde Steuerarbeit zu übermüden.

Bei dieser Flugzeugbauart wird also in erster Hinsicht Zuver-läßigkeit im Fluge verlangt, wogegen auf geringes Gewicht nicht besonderer Wert gelegt wird, da ein solch großes Flugzeug einer rauheren Behandlung ausgesetzt ist. Aber unbedingt muß gefordert werden, daß dem Flugzeug, einmal gestartet, weder starke Bodenerhebungen noch Nebel, Schnee und Kälte etwas anhaben können. Mit Rücksicht darauf sind vor allem die Motoren zu vervollkommnen, die sich aus denen des Rennautomobils entwickelt haben und nun entsprechend auszugestalten sind. Ein solches Flugzeug hat keine geringeren Aufgaben zu erfüllen, wie ein Fischerboot, das den Michiganoder der Oberen-See überqueren sollte.

Es ist natürlich nun schwer zu sagen, was die endgültigen Zukunftsforderungen an Flugzeugen sein werden, aber vielleicht lassen sich aus dem Folgenden einige Schlüsse ziehen.

Das heutige Programm der französischen Artillerie fordert die Leistungsfähigkeit, jeden Tag 200000 Schrapnells oder Granaten ab-zuleuern. Nach anderen Berichten sollen die Deutschen in die russische Festung Ossowiec täglich 5000 Granaten geschlendert haben, ohne sie bezwingen zn können. Diese beiden Zahlenangaben zeigen, daß, um Luftbombardements wirksam zu machen, sehr große Mengen von Munition eingesetzt werden müssen. IOoOO Granaten täglich gegen den mit Bomben zu belegenden Ort ist nicht zu hoch gegriffen. Nun bedeuten aber 10000 Granaten zu je 30 Pfund 300(XXJ Pfund Gewicht, das zu befördern 300 Flugzeuge der großen Bauart erforderlich sind. Bedenkt man nun noch, daß ein Flug von 800—900 km für ein Flugzeug bei jedem Wetter sehr schwierig und anstrengend ist, und daß es nach einem solchen Flug zur Fliegerstation zurück muß, um nachgesehen und nachgespannt zu werden, so kann man schon annehmen, daß ein solches Fingzeug nicht mehr als zwei solcher Flüge in einem Monat auszuführen imstande sein wird. Das bedeutet soviel, als daß eine Armee ungefähr zwölf mal so viel Flugzeuge besitzen mit Ii, also im Ganzen 3WKI Stuck. Bei den äußerst

N^_L3_ _______ „ FLU G S P 0 R T ". Seitej!97

hohen Anforderungen der heutigen Kriegsführung muß mau außerdem noch mit einer Reserve von mindestens 40 °/0 rechnen, was die Zahl der erforderlichen Maschinen auf rund 5000 erhöht (!), abgesehen von den nebenbei zu anderen Zwecken erforderlichen kleineren Aufklärungsflugzeugen und Lenkluftschiffen.

Huntington Militär-Doppeldecker.

Ein großes Flugzeug von der besprochenen Bauart würde ungefähr 25000 Dollars (---. 100000 Mk.) kosten. 6000 solcher Flugzeuge stellen einen Wert von 125000000 Dollars ( 500000000 Mk.) dar, und wären für eine Armee von der Größe der französischen erforderlieh. Für alle Heeresverwaltungen von Europa zusammen wäre ein Kostenaufwand von etwa 4 Billionen Mark aufzubringen.

Braucht man da noch Worte zu verlieren über die günstigen Aussichten dieser neuen Industrie ? - — —

Bemerkung: Die Ausführungen des Amerikaners sind dadurch von besonderem Interesse, als sie zeigen, was für Ansprüche man heute an amerikanische Flugzeuge stellen darf. Von den Erfolgen der deutschen Flieger durch Bomben werfen weiß er natürlich nichts, da er auf die Berichte unserer Gegner angewiesen ist. Man kann es ihm als Amerikaner nicht verdenken, wenn es sich nach den sonst recht sachlichen Ausführungen zum Schluß in ziemlich hohe Zahlen verirrt — um aus ihnen herauszurechnen, ein wie gutes Geschäft die amerikanischen Flugzeugbauanstalten durch Lieferungen nach den kriegführenden Staaten machen werden. Bekanntlich haben unsere Feinde bereits für 5000 Flugzeuge Aufträge in Amerika erteilt. II. F..

Seite 3!« „FLUGSPORT". No. 13

Der Fliegerüberfall auf Karlsruhe.

In dem amtlichen Bericht vom 15. Juni abends brüstet sich die französische Heeresleitung mit dem bekannten Fliegerangriff auf Karlsruhe, den sie als Vergeltungsmaßregel für die Beschießung offener französischer und englischer Städte hinstellt. Dieser Begründung des französischen Angriffes ist die Tatsache entgegenzuhalten, daß von deutscher Seite nur befestigte. Punkte und solche im Operationsgebiet liegende Orte beschossen worden sind, die mit dem Kriege unmittelbar im Zusammenhang stehen. Ueberau, wo es sich dabei um offene Städte handelte, waren unsere Angriffe nur die Vergeltung für gleichartige Maßnahmen unserer Gegner. Wir haben darauf auch in unseren Berichten in jedem Fall ausdrücklich hingewiesen.

Der französische amtliche Bericht lautete folgendermaßen:

„Zur Vergeltung der Beschießung offener französischer und englischer Städte durch die Deutschen wurde diesen Morgen Befehl gegeben, die Hauptstadt des Großherzogtums Baden zu bombardieren. Um 3 Uhr morgens gingen L'3 Flugzeuge nach Karlsruhe ab. Obwohl sie durch einen Nordostwind gehemmt wurden, trafen sie um 5.50 Uhr und 6.'20 Uhr über der Stadt ein. Sie schleuderten 130 neunziger und 100 fünfziger Geschosse auf die Zielpunkte, die ihnen angegeben worden waren, besonders auf das Schloß, auf die Waffenfabrik und auf den Bahnhof. Während unsere Flugzeuge die Stadt überflogen, entstand eine große Zahl von Feuersbrünsten. Eine große Panik wurde im Bahnhof konstatiert, wo die Züge eiligst wegfuhren, wobei sie sich in östlicher Richtung in Bewegung setzten. Unsere Apparate wurden heftig mit Kanonen beschossen, besonders auf der Hinfahrt in Zabern, Rastatt und Karlsruhe und auf der Rückfahrt in Blamont, Pfalzburg und Zabern. Mit Ausnahme von zwei Apparaten sind alle zurückgekehrt."

Daß die Begründung des französischen Vorgehens der Wahrheit widerspricht, wird niemand in Erstaunen setzen, der die Berichte unserer Gegner kritisch zu lesen pflegt. Neu ist dagegen die brutale Offenheit, mit der "die feindliche Heeresleitung eingesteht, daß sie ihren Fliegern als Angriffsziel eine fern vom Kriegsschauplatz gelegene friedliche Stadt bezeichnet hat, in der gerade den Franzosen vor dem Kriege so vielfach gastfreundliches Entgegenkommen erwiesen worden ist.

Militärische Gründe können dieses Verhalten nicht rechtfertigen, denn der einzige Verlust, den der Angriff unserer Kriegsmacht zugefügt hat, besteht in der Verwundung dreier im Lazarett befindlicher Soldaten.

Schon daraus geht hervor, daß es den Franzosen garnioht auf die Gewinnung eines militärischen Vorteils ankam. Mit noch weit größerer Deutlichkeit ergibt sich diese Tatsache aber aus dem Umstände, daß den feindlichen Fliegern nach dem amtlichen Eingeständnis der Franzosen besonders das Residenzschloß als Ziel bezeichnet worden ist. Man wußte im Lager unserer, durch Spionage so gut unterrichteten Gegner zweifellos genau, daß das Schloß außer der ehrwürdigen Großherzogin Luise seit mehreren Wochen die Königin von Schweden beherbergt. Die Anwesenheit, dieses, einein neutralen Herrscherhanse angehörenden hohen liastes. hielt die französischen Flieger jedoch nicht davon y.uvüek, gerade das Schloß besonders heftig anzugreifen,

das sie in der Tat erheblich beschädigten. Wie groß die Gefahr für die Königin war, zeigt u. a. die Tatsache, daß mehrere Sprengstücke in das Zimmer der schwedischen Baronin Hochschild flogen. Auch die Kinder des Prinzen Max von Baden, über deren Schlafgemach eine Bombe das Dach zertrümmerte und die Decke einschlug, entgingen nur mit knapper Not dem Tode. Unter der Bürgerschaft forderte der Ueberfall, wie bekannt, an Toten und Verwundeten insgesamt 84 Opfer.

Deutscher Doppeldecket erlitt einen Volltreffer in den Benzintank und flog mit dem Reservetank hinter die. dentsdien Linien zurück.

Wir können den Angriff nach diesem Ergebnis und nach der den feindlichen Fliegern erteilten dienstlichen Anweisung über ihre Angriffsziele nicht als militärische Unternehmung, sondern nur als ein Verbrechen bezeichnen, dessen Hoheit von der wirklichen Höhe der vielbewunderten französischen Kultur ein beredtes Zeugnis ablegt.

Diese unverantwortliche Tat Frankreichs wird natürlich bei den Neutralen ebenso scharf kritisiert, selbstverständlich empfindet Sohwe-

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No. 1.1

den diese Rücksichtslosigkeit am schärfsten. Das offiziöso „Stockholms I »agblad" macht folgende Bemerkung:

„Wir wollen nicht annehmen, daß der französische Fliegerbesuch unserer Königin gelten sollte, und daß Frankreich auf diese Weise die Ehrung erwiderte, die Schweden auf dem Stockholmer Schloß gerade vor Kriegsausbruch dem Präsidenten I'oincare erwies."

lieber die Einzelheiten dos freventlichen Ueberfalls ist. schon in den Tageszeitungen genügend berichtet, worden. Interessant ist zunächst noch die Frage die dieser Tage in aller Munde war : Wie ist es möglich, daß ein so großes feindliches Fliegergeschwader unbehelligt bis nach Karlsruhe kommen konnte? Die Militärstelle ist erst kurz vor dem Eintreffen der mit äußerster Geschwindigkeit fahrenden Flieger von ihrem Herannahen in der Richtung Karlsruhe von auswärts telephonisch verständigt worden, da die Flieger zunächst ihre wahre Richtung durch eine Schwenkung verdeckt hatten. Das Abwehrkommando trat sofort in Bereitschaft, setzte unmittelbar seine Sirenen in Tätigkeit und begann noch vor dem ersten Bombenwurf mit den Abwehrschüssen. Die Zahl der Opfer hätte wesentlich verringert werden können, wenn nicht von vielen die Gefahr trotz Abwehrschüssen, Bombenknallen und Sirenengeheuls völlig verkannt worden wäre. Als die Flieger eine weite Schleife zogen, füllten sich die Straßen trotz des fortdauernden Sirenengeheuls dicht mit Menschen, sodaß nach der plötzlichen Rückkehr der Flieger, die Bomben eine reiche Todesernte hielten. Endlich sei noch auf die völlig neuartige Kampfesweise hingewiesen, um die es sich bei diesen Geschwaderangriffen auf offene Städte handelt. Die wirksamen Abwehrmaßnahmen müssen erst erprobt und ausgebaut werden.

Bei einem zweiten solchen Besuch wird den französisehen Fliegern sicher ein anderer Empfang bereitet werden. Das Attentat wird wohl nicht zuletzt ein Ansporn für unsere Heeresleitung sein, unseren Vorrat an Flugzeugen und besonders an großen Kampfflugzeugen, die einem solchem Angriff gewachsen sind, in weitgehendstem Maße auszubauen. •

Russenflieger.

Feldpostbrief von F. R. Behrens.

Es sind ihrer mehr als man gewöhnlich glaubt. Tagtäglich singen die russischen Fliegerhummeln ihr Brummlied an den verschiedensten Stellen unserer Ostfront. In Galizien gucken sie ebenso neugierig in die Schützengräben wie sie über Polen und Kurland Batteriestellungen erspähen wollen. Ja, sie mögen den französischen .Brüdern nicht nachgeben, belegen friedliche Städte mit Bomben, werfen Feuer auf wichtige Etappen und Magazine weit im Feindesland gelegen. Ostpreußen kennt auch die immer wenig angenehme Stimmung des Oberrheins an gewissen Tagen .... Nadelstiche, aber Stiche. Das Grenzstädtchen Willenberg sah und sieht mehr russische Eier vom Himmel fallen als es nüchtern vortragen kann; Soldau, Ortelsburg, Jnsterburg kennen den gleichen Geschmack.

Die russischen Flugzeuge. Was ich sah, schien gutes Material. Das heißt. Rußland, das Land der importierten Kultur, besitzt, naturgemäß

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wenig Kigenerzeugnis. Der Stolz des Zaren ist Sikorsky. Die Riesen-masohinen, die der Krieg mir vor Augen brachte, waren bedeutend eleganter, flüssiger in der Form als die ersten Kästen des „Grand". Etwas Schwerfälligkeit und eine bedingte Steife bei den Kfceucr-manövern hafteten dem fliegenden Elefanten auch ff»15 an, dafür schleppt er mehrere Militärs mit und einen großen Haufen Bomben. Neun bis zwölf Geschosse fluten bei jedem Wurf blitzschnell hintereinander ab. Die Schnelligkeit war überraschend. Sehneil war auch der ganze Flug des Sikorsky. Das Rätsel blieb mir der Motor. Die alten deutschen Arguskessel tönten auf keinen Fall mehr. Sehr wahrscheinlich surrten luftgekühlte Motoren. Aber auf „Gnöme" will ich nicht schwören.

Sikorsky blieb alles, was ich an allein und echt russischen Maschinen wahrnahm. Farman- und Voi si n-Doppeldecker bewährten sich als französische Liebesgaben brav und nett. Von verschiedenen amerikanischen Zweideckern, die von den Deutschen heruntergeholt sein sollen, konnte ich leider nichts Näheres erfahren. Die ausgeprägten Tragflächen des Wright waren jedenfalls nicht in der Luft zu erkunden.

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Tn Kurland wissen die deutschen Offiziere ein kaum trügliohes Kennzeichen für Flugzeuge, ob Freund oder Feind. Doppeldecker,

Ungaiisdier Auerochse wandert in die Feldküche einer Feldflieger-Abteilung im Osten. ja, — da muß man auf Bomben und Leuchtkugeln warten. Schiebt sich aber ein Eindecker über den Horizont, so ist eins gegen hundert zu wetten, es ist ein Russo. Deutscher oder Russe heißt in der Luft: Albatros oder Depe rd ussi n. Die russischen Deperdussins sind wohl die beste Luftwaffe unseres Feindes. Wie weit sie in kleinen Einzelheiten von dem französischen TTrtyp abweichen, läßt sich schwer fest-

stellen. Sie besitzen alle Vorzüge dieser kleineu Renner. Wegen ihrer geringen Fläche nicht leicht zu treffen, entwickeln sie für Militärflugzeuge erstaunliche Geschwindigkeiten, vollführen gewagte Rutsche und geschickte "Wendungen. Kürzlich beschossen Ballonabwehrgeschütze einen Deperdussin, K7 Geschosse flogen in einer Viertelstunde um den Russen. Flammen faßten den linken Flügel, sofort lag das Flugzeug auf der Seite und brannte mit 150 km Stundengeschwindigkeit durch. Brennend war es noch zwanzig Kilometer in der Luft zu sehen.

Im Westen laufen Artillerieoffiziere umher, die zwei und mehr Franzosen herabknallten, ohne jede Auszeichnung. Auf dem östlichen Kriegsschauplatze erhielt der Führer eines Ballonabwehr-Zuges das Eiserne Kreuz vom General, weil er einen russischen Aeroplan beschädigte, ohne ihn aber zum Landen gezwungen zu haben. Gewiß, der Wert richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Aber daß die Fliegerei auch im Osten, auch beim Feinde, solchen Wert darstellt, redet eine gewaltige ruhmreiche Sprache für die Technik, den Fortschritt, die Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Aus einer Militärfliegerschule.

Die Soldatenzeit ist für jeden eine angenehme Erinnerung, eine Erinnerung, die unauslöschlich im Gedächtnis haften bleibt. Und gerade jetzt zur Kriegszeit wird es keinen geben, der nicht mit besonderem Stolz des Königs Rock trüge, das Ehrenkleid, in dem aus so manchen Menschen erst ein Mensch gemacht wird, sin Mensch mit Knochen nnd Geist, mit ebenso gradem Sinn wie grader Haltung. Eine besondere Stellung unter den Truppengattungen nehmen die Fliegerabteilungen ein Unsere ernste Zeit hat es mit sich gebracht, daß die Fliegerei in großem Umfange ausgedehnt worden ist. Und wahrlich: die Fliegerei ist ein fundamentaler Stein in dem wuchtigen und gewaltigen» Gebäude dös deutschen Militarismus. Was es heißt, Flieger sein, der Fliegertruppe angehören zu dürfen, das kann nur der empfinden, der selbst in dem Rock steckt, auf dessen Achselklappen Flügel und Propeller Zeugnis von dem militärischen Charakter des Trägers geben. Was war der Flieger früher? Eine Art Wundermensch, eine Art Abenteurer, der über alle Fährnisse der Luft erhaben schien, einer, der um Haupteslänge aus der Menge der gewöhnlichen Menschen hervorragte. Heute hat man allmählich erkannt, daß die Beherrscher der Luft aus demselben Fleisch und Blut sind wie die anderen Menschen, daß die Fliegerei ein Beruf ist wie jedes andere Handwerk, nur um Vieles idealer, weil für Viele unerreichbar. Der Krieg hat viel zur Verallgemeinerung des Flugwesens beigetragen und hat es auch mit sich gebracht, daß dem Drange so manches jungen Menschen, die Flugkunst zu erlernen, Erfüllung geschafft werden konnte. Unsere Heere im Osten, Westen und Süden brauchen Flieger, Flieger, die dem Tode mit Oleichmut in's Antlitz schauen, die trainiert sein müssen auf Sturm und Wetter, die abgestumpft sein müssen gegen jedes bange Gefühl. Die Ausbildungsmethode auf unseren zahlreichen deutschen Fliegerschulen ist danach angetan, dies zu erreichen, bewegt sich in solchen Linien, daß auch aus Muttersöhnchen Kerle im militärischen Sinne herangezogen werden.

,,Flugsport", Organ d. Flugzeug-Fabrikanten, Bund d. Flugzeugführer u. d. Verbandes d. Modellflugvereine. 1915.

Rumpf Presslufteindeckermodell Schlick.

Nachbildung verboten.

Werfen wir einmal einen Blick auf das Programm der Fliegerschule zu . . . der auch der Sehreiber dieser Zeilen angehört. Wir sind rund vierzig Schüler, vierzig junge Leute mit offenen Augen und dein lebhaften Verlangen im Herzen, die Steuerung unserer Maschine einst ebenso in der Gewalt haben zu können wie unser großer Meister....., der mit seinen Kunstflügen im Dämmer des hereinbrechenden Abend immer von neuem in uns die Ehrsucht nach ebensolchen Leistungen und Anerkennungen aufstachelt. Ja, ein solches Vorbild, dem nachzuahmen wohl jeder den lebhaften, wenn auch in den meisten Fällen nicht ausführbaren Wunsch hat, ist von ungeheurem Wert für junge, leicht entzündbare Menschen. Was in dem

Das Fliegerkasino der Militärfliegersdiule.

Herzen so manchen Schülers nur schüchtern glimmt, das wird durch solche Erlebnisse, durch solches Schauen zur lodernden Flamme angefacht, einer Flamme, die alle Zweifel an dem eigenen Können energisch erstickt, die mit imponierender Größe das stolze deutsche Wort erstehen läßt: Es muß gehen.

Der Flugdienst findet für die Schüler und die Schwächeren im Alleinfliegen in den ersten Morgen und Abendstunden statt, also zu Zeiten, wo die Apparate den Angriffen von Böen wenig oder garnicht ausgesetzt sind. Die fortgeschrittenen Alleinflieger aber werden daran gewöhnt, auch bei stechendem Sonnenschein und bei wehendem Wind zu fliegen. Sie werden dadurch in der richtigen Weise für das Feld vorbereitet, denn nur Schön-Wetter-Piloten kann man draußen nicht gebrauchen. Der Flieger soll jeder Situation, und mag sie sich noch so kniffig und schwierig anlassen, gewachsen sein. Der Flugbetrieb auf unserem Platz müßte auf Besucher, wenn solche zugelassen würden, von überwältigender Wirkung sein, denn kein Schaufliegen kann mehr Maschinen in die Luft bringen, kann regsamer sein, als dies bei uns der Fall ist. Die Leistungsfähigkeit der Schule ist aber auch enorm. Man braucht keine vergleichenden Statistiken zu haben, man könnte sogar der unbeteiligste Laie sein, um dies beurteilen zu können. Wahrlich, die Leitung unserer Schule kann stolz auf solche Erfolge

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und kann sich des Dankes aller Schüler, die eine so schnelle und gründliche Ausbildung genießen konnten, gewiß sein.

Auch der Flieger ist in erster Linie Soldat, nein, besonders der Flieger ist in erster Linie Soldat. Darum nimmt auch der soldatische Dienst in dem Programm der Schule einen ziemlich breiten Raum ein. Wenn der Wettergott gar zu heftig seine Trabanten dahersausen läßt, dann gilt es für die Schüler „Sport" zu machen, aber tüchtig, mit Karabinern und umgeschnallt. An kullernden Schweißtropfen und keuchendem Atem mangelt es dabei nicht. So erhalten wir wenigstens einen Begriff davon, was unsere Brüder, die Infanteristen, tagtäglich an Kraftaufwand zu leisten haben. Auf die Anstrengungen des Exerzierens pflegt für uns zumeist eine angenehme Erholung zu folgen, nämlich Schlafdienst. Schlafdienst? O bitte, es braucht niemand verwundert zu fragen. Bei uns ist Schlafen Dienst, damit wir jederzeit frisch und ausgeruht in die Maschine steigen können.

Besonders wichtig ist für die Schüler der Unterricht über die Konstruktion der Motore, über Wetter usw. In diesen Unterrichtsstunden, die von erfahrenen Fliegern und Ingenieuren erteilt werden, wird den Schülern ein unormesslicher Schatz von Wissen zugeführt. Nicht zuletzt ist es die wunderbare Geselligkeit, die den Schülern das Leben auf der Fliegerschule so erinnerungswert macht. Unser mit soldatischer Einfachheit ausgestattetes Heim durchjubelt allabendlich frohe Musik und frischer Sang Nach getaner Arbeit tut Lustigkeit vonnöten. Au talentvollen Köpfen, die es als Autodidakten auf irgend einem Gebiete der Vortragskunst zu ansprechenden Leistungen gebracht haben, mangelt es nicht. Da gibt es mehrere, die das Klavier in recht geschickter Weise bearbeiten, ein anderer weiß mit angenehm geschultem Organ zur Laute zu singen, ein weiterer schauspielert vorzüglich, einer rezitiert mit wetternder Stimme usw. Eine bessere Pflege wie durch dies9 Geselligkeitsabende kann die militärische Kameradschaft nicht erfahren. Pünktlich zur festgesetzten Zeit findet der Frohsinn sein Ende. Der Bettzipfel winkt und der Schlaf legt sich über die Augen. Die Nacht schleicht auf leisen Sohlen um das Haus. Kein lebendes Wesen mehr weit und breit. Nur die Posten, denen die Bewachung der Hallen obliegt, schreiten spähenden Blickes ihre Reviere ab. h". A.

Fliegerverluste unserer Feinde.

Eine Aufstellung aus deutschen amtlichen Berichten, sowie aus Zeitungsberichten unserer Gegner, die ihre eignen Verluste wohl kaum übertreiben dürften ergibt, daß die deutschen und österreichischen Truppen bisher 1.S5 Luftfahrzeuge abgeschossen haben. Diese Zahl wird allerdings eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein, denn in der folgenden Aufstellung sind nur solche Flugzeuge angegeben, die innerhalb der deutschen Linien landen mußten oder abstürzten. Wie viele feindliche Flugzeuge bereits kampfunfähig die eigenen Linien noch erreichten, entzieht sich vorläufig noch der Kenntnis. Man kann aber annehmen, daß die, Zahl dieser Flugzeuge der oben angegebenen kaum nachstellen wird. Die Zusammenstellung ist insofern interessant, als sie Schlüsse auf den OtTensivgeist unserer Gegner gestattet. Während die Franzosen kühne, weit ausgedehnte Streifen über den

Schwarzwald, Baden, Elsaß -Lothringen und das Rheinland ausgeführt haben, beschränken sich die Engländer fast nur auf kleine Streifen vor ihrer schmalen Front inBelgien. Nur wenige englische Offiziere drangen auf deutsches Gebiet vor, wo sie ihr Schicksal dann ereilte. Dagegen haben die englischen Wasserflugzeuge häufige und ausgedehnte Streifen über der Nordsee bis an die belgische und deutsche Küste unternommen, während die im Frieden besser organisierten französischen Marineflugzeuge gegen die deutsche Küste gar keinen Vorstoß unternahmen, sondern sich auf die Beschießung einiger belgischer, jetzt in deutschem Besitz befindlicher Häfen beschränkt haben. Weiter kann man den französischen Fliegern im allgemeinen eine bessere Ausbildung und Orientierungsvermögen nachrühmen, da sie nur selten sich über neutrales Gebiet verirrten. Von den englischen Fliegern aber landete ein ziemlich bedeutender Prozentsatz auf holländischem Gebiet.

Von französischen Fliegern wurden auf reichsdeutschem Boden 21 Flugzeuge abgeschossen, bezw. zum Niedergehen gezwungen. Vor unsrer Front in Frankreich wurden 22 Maschinen, in Belgien 6 zum Niedergehen gezwungen. Zwei französische Flugzeuge landeten in der Schweiz, 2 in Holland, die dort interniert wurden. Zwei französische Flieger, die auf Seiten der Montenegriner kämpften, fielen österreichischer Artillerie zum Opfer. Aus der Zahl von 57 kampfunfähigen Flugzeugen sind 11 in Luftkämpfen durch deutsche Maschinen unschäd-

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„FLUGSPORT".

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lieh gemacht worden. Unter den abgeschossenen Franzosen befanden sich bekannte Persönlichkeiten, wie der Senator Reymond, Mitglied der bekannten Untersuchungskommission, der vor zwei Jahren die Schäden im französischen Flugwesen beseitigen sollte, der Deputierte Girod, sowie die bekannten Flieger Marc, Pourpre, Gaubert, Eadel und Garros. Von englischen Fliegern wurden (> über deutschem Gebiet unschädlich gemacht, 6 andre fielen in Frankreich und nicht weniger als 22 wurden von unseren Truppen in Belgien heruntergeholt. Vor den Dardanellon blieben 5 englischo Flieger mit ihren Maschinen, die sich in allzu große Nähe der türkischen Batterien gewagt hatten, und 8 Engländer wurden in Holland interniert, nachdem sie dort irrtümlicherweise gelandet waren. Zwei englische Flugzeuge konnten von holländischen Dampfern in der Nordsee aufgefischt und ihre Insassen an Land gebracht werden. Bemerkenswert ist, daß auf belgischem Boden vor der deutschen Front 9 Engländer im Luftkampf den Deutschen unterlagen. Zusammen sind also bisher 47 englische Flugzeuge vernichtet.

Die russische Armee, die nicht über ein so ausgedehntos Fliegerheer verfügt wie Frankreich und England, hat bisher eine Einbuße von 26 Maschinen zu verzeichnen. Gerado hier ist es jedoch schwer festzustellen, wie groß die effektiven Verluste der Russen gewesen sind, da an der ungeheuren Front von der Ostsee bis zum Kaukasus wahrscheinlich zahlreiche Flieger, die lahmgeschossen worden waren, in den ausgedehnten Wäldern und Sümpfen ein Ende gefunden haben, ohne daß dies der Oeffentlichkeit bekannt geworden wäre. Vor Przemysl haben die Russen nicht weniger als 6 Flugzeuge eingebüßt, von denen drei dem Riesentyp Sikorsky angehörten. Belgien hat, soweit bekannt ist, 4 Flugzeuge verloren, von denen eins auf holländischem Boden landete. Von italienischen Verlusten ist bisher nur der Untergang der Gitta, di Ferrara bekannt geworden, der allerdings für dio italienische Luftflotte um so schwerer zählt.

Wie unsere Feinde durch Fliegerzettel unsere Soldaten über die wirkliche Lage aufklären.

Offenbar von der Ansicht ausgehend, daß die deutschen Soldaten ebenso wie die französischen und russischen über die wahre Kriegslage von ihrer Regierung und Heeresleitung getäuscht werden, haben die Franzosen es für nötig gehalten, durch Flugzettel, die in Massen durch französische Flieger über den deutschen Stellungen ausgestreut worden sind, die Nachricht von Italiens Anschluß an den Dreiverband zu verbreiten. In welcher plumpen Weise das geschieht, mögen die beiden folgenden Zettel zeigen, die an verschiedenen Stellen der Front gefunden worden sind und deren deutscher Text lautet:

Sie werden hintergangen!

Schon Anfang des Krieges hat man Sie hintergangen. Man hat Ihnen gesagt, Deutschland werde hintergangen. Dies war grundfalsch. Oesterreich zuliebe, der österreichischen Politik zuliebe, welche die Niederwerfung des Nationalprinzips erstrebt, hat Deutschland den Krieg entfesselt. Wenn

Sie einmal die unverfälschten Urkunden lesen könnten, dann erfahren Sie die volle Wahrheit. Man betrügt Sie, wenn man Sie versichert, Deutschlands Verbündete stehen immer noch an seiner Seite. Daß seit heute morgen, 24. Mai, Italien, Ihr Verbündeter, Krieg gegen Sie führt, ist jetzt eine vollendete Tatsache Sie haben alle unter Kulturvölkern üblichen Regeln der Kriegführung mit Füßen getreten. Gegen ihren Kaiser schwillt die allgemeine Verachtung an. Entrüstet zieht das mit Ihnen verbündete Hauen gegen Sie ins Fehl. Amerika, dessen Frauen und Kinder von Ihren Unterseebooten ertränkt worden sind, will jetzt Ihre Landsleute aushungern, die Weiter-Ver-proviantierung Ihrer Heimat verhindern. Alle Kulturvölker wenden sich von Deutschland ab. Der ganzen Welt Fluch lastet auf ihm.

Ein anderer frecher Fliogcrzettel lautet.

An die deutschen Soldaten! Am 23. Mai 1915 hat Italien, Eurer früherer Bundesgenosse, den Zentral-mächten den Krieg erklärt! Immer enger wild der Kreis um die Zentralmächte, und bald werden auch andere freie Nationen, dem Beispiele Italiens folgend, sich den Verbündeten, B;lgien, England, Frankreich, Japan, Montenegro, Portugal, Serbien, anschließen um zu zeigen, daß Recht vor Macht geht nnd um für Recht und Wahrheit zu kämpfen Wann werdet Ihr die Augen öffnen? Wann werdet Ihr einsehen, wie unsinnig der von Deutschland gestiftete und von Deutschland erklärte Weltkrieg ist? Wieviel Millionen deutsche Menschenleben und wieviel Millionen Mark hal Euch dieser Krieg schon gekostet? Ihr habt Euren Handel, Eure Industrie, Eure Finanzen auf lange Jahre hinaus gänzlich ruiniert! Ihr habt Eure Familien ins Elend getrieben! Ihr habt Euren Weg mit Ruinen gebrandmarkt! Das unausbleibliche Verhängnis eilt mit großen Schritten heran und Deutschland steht vor jähem Abgrund! Deutsche Soldaten! Wacht auf! Macht die Augen auf! Verfolgt nicht weiter diesen Verhängnis, vollen Krieg, wenn Ihr Euer Vaterland lieb habt und es nicht gänzlich vernichtet sehen wollt! Es ist dies der einzig übrig bleibende Ausweg!

Desgleichen glauben die Russen uns über die wahre Kriegslage aufklären zu müssen. Ein russischer Fliegerzettel, der in einen deutschen Unterstand flog, lautete:

An die Soldaten der deutschen Armee!

Am 22. Mai hat Italien Oesterreich-Ungarn den Krieg erklärt, und 1200 000 frische Truppen sind von Süden in österreichischesnGebiet, der geschlagenen österreichisch-ungarischen Armee in den Rücken gefallen!

Die serbischen Armeen rücken vor!

300000 rumänische Soldaten haben die Pässe der Karpathen besetzt, bereit, in die Ebene von Transilvanien einzurücken !

In Bulgarien wird die Frage gelöst, den Türken den Krieg zu erklären !

Auf Konstantinopel marschieren die Dessant —?-Armeen!

Ein Vorrücken in Galizien ist eingestellt. Weitere Attacken führen nur zu weiteren Verlusten !

Ihr könnt keine Hoffnung auf Sieg mehr haben. Von jetzt an wird der Krieg nur zur Vertilgung des letzten Widerstands führen. Bald wird Oesterreich-Ungarn nicht mehr existieren und unsre Armeen werden Feuer und Schwert in die Gebiete Deutschlands tragen.

Die russische Armee."

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Der Fliegerüberfall auf Karlsruhe nach einem französischen Fliegerbericht.

Die Korrespondenz Piper schreibt: Die „Daily Mail" bringt den Bericht eines französischen Fliegeroffiziers, der an dem Ueberfall auf Karlsruhe teilgenommen hat. Obschon Zeit und und Ort strikt geheim gehalten wurden, hatte sich doch die Tatsache, daß ein gigantisches französisches Fliegerunternehmen in einem vorgangslosen Maßstabe auf eine deutsche Sladt gerichtet werden sollte, doch allmählich auf der ganzen Linie der Fliegerschuppen hinter der Front im französischen Elsaß verbreitet, und Montag, am Tage vor dem Flug, war ein geschäftiger Tag für Piloten und Mechaniker. Die vorbereitenden Arbeiten wurden unter den scharfen Augen der Geschwaderführer bis spät in die Nacht hinein ausgeführt. Es galt nicht nur, die vier Doppeldeckergeschwader, die das Unternehmen ausführen sollten, fertig zu machen, sondern auch die Flugzeuge, die bestimmt waren, über die deutschen Linien zu eskortieren und die deutschen Geschütze auf sich zu lenken.

Das Morgengrauen zog gerade über die Hügel im Osten herauf und die großen Beleuchtungsflammen der Schuppen brannten noch hell, als der kommandierende Offizier, die Uhr in der Hand, Befehl zum Abflug gab. Von jedem Geschwader flog der Führer zuerst ab, die übrigen folgten in regelmäßigen Zwischenräumen. Jeder Flieger ist bei seinen Fahrten natürlich ganz sich selbst überlassen. Er erhält die möglichst innezuhaltende Route und das Ziel, im übrigen ist ihm der weiteste Spielraum gelassen. Als einer der großen bombenwerfenden Zweidecker nach dem andern über die deutsche Front in einer Höhe von etwa 12000 Fuß flogen, passierten sie die Attrappenflieger. Aufgabe dieser ist es, hin und her über die deutschen Linien zu fliegen, möglichst über die Stellungen der deutschen Abwehrkanonen, um diese an der Verfolgung der eigentlichen Angreifer zu hindern und ihre Aufmerksamkeit abzulenken.

Der Flug nach Karlsruhe wurde in derselben immensen Höhe, aber keineswegs schnell ausgeführt, zunächst fast gerade auf die aufgehende Sonne zu, und es wurde erst in der Nähe der Stadt nach Süden geschwenkt. Es war fast 6 Uhr, als das erste Flugzeug Karsruhe erreichte. Erst die erste Bombe rief den Alarm hervor. Wie die Flugzeuge in langsamer, aber sicherer Folge nacheinander die Stadt erreichten, schwebten sie aus dem grauen Morgenhimmel nieder, bis sie aus dem noch über dem Grunde hängenden Nebel die zugewiesenen Ziele unterscheiden konnten, das Schloß auf dem Hügel (wo die Königin von Schweden zu Gast war, Red) mit seinem Waldvorhang, den Palast des Markgrafen im Tale, die Bahnstation. Dann war die Hölle in Karlsruhe losgelassen. Fast eine Stunde lang regnete es Bomben, keine auf Hospitäler und Privathäuser gezielte Brandbomben, sondern große vier- und sechszöllige Dynamitgeschosse, gegen die Regierungsgebäude und Mililäretablissements. Truppen wurden alarmiert. Umsonst. Kein Geschütz konnte schnell genug in Position gebracht werden, um auf die sich schnell hin- und herbewegenden Flugzeuge sicher zu zielen. Jedes Flugzeug, das seine totbringende Ladung von Explosivgeschossen abgeworfen hatte, kehrte mit größter Schnelligkeit des Motors in unsere Linien zurück, einige nördlich, einige südlich Karlsruhe. Wir flogen schneller zurück als hin. Die Abwehrkanonen pfefferten auf uns auf vielen Stellen, aber die die Wacht haltenden Flugzeuge paßten auf und halfen den Piloten über die gefährliche Zone. Nur zwei wurden von aufsausenden habichtähnlichen Flugzeugen abgeschnitten.

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Inland.

>anr Mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse wurden ausgezeichnet:

WfuA Unteroffizier Werner L e h m a n n , Unteroffizier Fritz Ko sm ah I Gw| und Flugzeugführer Albrecht Keuch.

KrSfl Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde verliehen: Flieger-|\^J offizier Gerhard N e u m a n n , Ltn Hans Heinrich von Fo e r s t e r , Ltn. Edwin Gülcher, Ltn. Waller Strucksberg, Ltn. Theurich, Offizierstellvertreter Walter Krause, Offizierstellvertr. Gruner, Feldwebel Ernst Kubitzki und Unteroffizier Stenigke.

VerlusU-lste der Fliegertruppen. Feldllie^er-Abteilnng: Hauptmann d. R. Schmidt, tödlich verunglückt; Oberltn. Richard Foerstnow, vermißt; Oberltn. Willy Görhardt, bisher vermißt, gefallen; Ltn. Fritz Rössler, vermißt; Ltn. Joachim Rudolph, leicht verwundet; Ltn. Joachim Freiherr von Maitzahn, gefallen; Ltn. z. S. Erich von Gündell, infolge Absturz gestorben; Ltn. Holle in Gefangenschaft; Ltn. Edmund Voigt, gefallen; Ltn. Carl Schwartzkopf, gefallen; Ltn. d R. Wilhelm Michel, bisher vermißt, gefallen; Ltn. d. R. Ludwig Frisch, leicht verwundet; Vizefeldwebel Rudolf Weint'ärtner, leicht verwundet; Vizefeldwebel Hugo Grabitz, gefallen; Unteroffizier Ernst Beckmann, durch Unfall leicht verletzt; Unteroffizier d. R. Friedrich Beggel, gefallen; Unteroffizier d. R Johann Lutz, schwer verwundet.

Mißgeschick deutscher Militärflieger. Eine Taube überflog in großer Höhe Chateau-Thierry. Die Flieger mußten infolge einer Molorpanne landen, verbrannten aber den Apparat bei der Landung in Noroy-sur-Ourcq vor der Gefangennahme. Die anhängenden Bomben wurden zur Explosion gebracht. Die deutschen Offiziere ließen sieh von der Gendarmerie in Meuilly gefangen nehmen und sind nach dem Gefängnis in Villers-Cotterets gebracht worden.

Ein russisches U-Boot durch einen deutschen Flieger versenkt. Am 22. Mai wurde in der Ostsee ein russisches Unterseeboot, anscheinend vom Akulatyp, durch ein deutsches Flugzeug 25 Seemeilen östlich Gotland mit Bomben beworfen. Der Erfolg konnte damals nicht festgestellt werden. Nunmehr wird von russischer Seite zugegeben, daß das Unterseeboot verloren gegangen ist.

Von der Front.

24. Mai. Ein englischer Kreuzer erschien vor der kleinen Stadt Myleh an der Küste von Medina am Roten Meer und ließ ein Flugzeug Uber dieser Stadt aufsteigen. Der Flieger wurde durch das Feuer unserer Soldaten und Freiwilligen abgeschossen und stürzte ins Meer.

12. Juni. Ein türkischer Flieger überflog mit Erfolg die Inseln Imbros und Lemnos und warf Bomben auf ein feindliches Lager auf Lemnos. Die Engländer ließen einen feindlichen Flieger über die Batterien von Sedd-ul-Bahr aufsteigen, der sieben Bomben abwarf ohne irgend einen Erfolg zu erzielen.

19. Juni. Luneville wurde wieder von deutschen Flugzeugen heinigesucht, obwohl sie äußerst heftigem Geschützfeuer ausgesetzt waren, ließen sich

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im Laufe einer Stunde fünf Flugzeuge sehen. Alle hielten sich in ziemlicher Nähe. Gegen 20 Bomben wurden abgeworfen, die großen Sachschaden anrichteten. Personen wurden nicht verletzt. — Zwei österreichisch-ungarische Flugzeuge überflogen die apulisclie Küste und belegten die Städte Mola, Polignano mit Bomben.

15. Juni. Morgens um U Uhr erschien über Karlsruhe ein französisches Flugzeuggeschwader, das aus 23 Flugzeugen bestand. Eine große Anzahl von Bomben wurden auf die verschiedenen Stadtteile, besonders auf das Schloß und auf den Bahnhof geschleudert. Unter der Bürgerschaft forderte der Ueberfall eine große Anzahl von Toten und Verwundeten.

16. Juni. Warschauer Blätter berichten über neue deutsche Fliegerangriffe auf Radom. Durch die herabgeworfenen Bomben wurden acht Personen, darunter drei Kinder, verletzt. Die Ortschaft Sirardow wurde gleichfalls von deutschen Fliegern mit Bomben belegt, von denen eine auf ein vollbesuchtes Kinotlieater fiel. Es erfolgte eine heftige Explosion, durch die sechs Personen getötet, zwei tödlich und 25 leicht verletzt wurden. Es kam zu einer grollen Panik, die weitere Unfäle zur Folge hatte. — Ein deutsches Flugzeug warf vier Bomben auf Beifort, die nur geringen Schaden anrichteten. — Gemäß dem französischen Generalstabsbericht wurde ein deutsches Flugzeug gezwungen bei Norroy-sur-Curcq, nordwestlich Ferte-Milon in den französischen Linien zu landen. Die Flieger wurden gefangen genommen. Die Gesamtzahl für die an diesem Tage gegen deutsche Flugzeuge aufgebotenen französischen Flieger beträgt über 30. Die Verfolgung war überall ergebnislos.

17. Juni. Zwei französische Flugzeuge machten einen Angriff auf Brüssel, welcher der Luftschiff halle galt Die Flieger wurden von allen Seiten beschossen. Es wurde kein Schaden angerichtet — Ein deutsches Flugzeug Uberflog Bains les Bains bei Epinal und warf Bomben ab, durch die ein Soldat und ein Beamter getötet und 12 Arbeiter verwundet wurden. — In Gerardmer verursachte ein vorzüglich operierendes d eu tsc h esFlugzeug^eschwader schweren Schaden an militärischen Anstalten. In Gerardmer, sowie in Reiniren\ont, wo Bomben abgeworfen wurden, erzielten unsere Piloten wertvolle Erkundungen. — Ein deutsches Flugzeuggeschwader erschien über Nancy. Die Flugzeuge flogen paarweise und hielten sich in beträchtlicher Höhe. Ein ununterbrochenes Artillerie -feuer versuchte ihnen vergeblich den Weg zu versperren Nur die zwei letzten Flieger machten kehrt, während die beiden ersten Paare trotz des Kugelregens ihren Flug fortsetzten. Sie durchquerten die nördlichen Viertel des Stadtzentrums gegen den Bahnhof zu und warfen über zehn Bomben ab. Die Flieger, die kehrt gemacht hatten, bombardierten die neuen Kasernen von Essey, die angeblich leer sein sollen. In Nancy fiel eine Bombe vor dem Gebäude der Zeitung „Le Republicain" nieder. Ein Geschäft wurde vollständig zertrümmert und mehrere Personen getötet. Auch in anderen Straßen wurde großer Sachschaden angerichtet Im ganzen sind bis jetzt fünf Tote und fünf Schwerverletzte gemeldet. Die Jagd auf die deutschen Flieger dauerte über eine halbe Stunde. Sie entkamen aber unversehrt. — Zwei französische Flugzeuge überflogen die deutschen Stellungen im Lauchtal und drangen bis über Gebweiler in der Rheinebene vor. Nach ihrer Rückkehr wurden sie von den deutschen Abwehrkanonen beschossen und zum Niedergehen gezwungen Sie mußten noch innerhalb der deutschen Stellungen landen. Die Insassen des einen Flugzeuges waren unversehrt und konnten noch an der Verbrennung des Apparates verhindert werden, während die Insassen des anderen schwer verletzt und bewußtlos unter ihrem Apparat hervorgeholt wurden.

20. Juni. Wie der Temps meldet, versuchte gestern ein deutsches Flugzeug Amiens zu überfliegen. Es wurde aber gezwungen, umzukehren. Auf dem Rückweg warf der Flieger mehrere Bomben ab, eine fiel auf Corbie, zwei andere fielen zwischen Corbie und Villers-Bretonneux nieder. Die Bomben verursachten Sachschaden. Auch Cassel wurde von einem deutschen Flugzeug besucht, das sich in großer Höhe hielt, von dem aber keine Bomben abgeworfen wurden.

21. Juni. Das türkische Hauptquarlier teilt mit: An der Dardanellenfront beschossen unsere Batterien auf dem asiatischen Ufer Schuppen und Flugzeuge des Feindes und verursachten einen Brand, der mehrere Flugzeuge vernichtete und Schrecken unter den Truppen und Tieren des Feindes verbreitete. Feindliche Flieger überflogen unsere Batterien und warfen acht Bomben, jedoch ohne Erfolg. — Aus einem feindlichen Fliegergeschwader, das, ohne militärischen

Schaden anzurichten, Bomben auf Iseghem in Flandern warf, wurde ein Flugzeug herausgeschossen, mehrere andere zu schleuniger Umkehr gezwungen. Ein weiteres Flugzeug wurde in der Champagne über Vouziers heruntergeholt.

22. Juni. FJn italienischer Flieger warf auf Goerz erfolglos Bomben ab. — Eine Taube überflog Remiretnont und warf fünf Bomben ab, ohne Schaden anzurichten. — Unsere Flieger bewarfen den Flughafen Courcelles westlich von Reims mit Bomben. Feindliche Bombenabwürfe auf Brügge und Ostende richteten keinen militärischen Schaden an

Mannsdiaftsraum und Kantine bei einer Feld-Flieger-Abt. im Osten.

23. Juni. Südlich von Neuville brachte eines unserer Kampfflugzeuge einen feindlichen Flieger zum Absturz.

27. Juni. Seit Beginn des großen Ringens bei Arras kämpfen dort unsere Flieger mit ihren Gegnern um die Vorherrschaft in der Luft. Beiden Teilen hat der Kampf Verluste gekostet; die unsrigen waren nicht vergeblich; seit einigen Tagen haben wir sichtlich Oberhand gewonnen.

28. Juni. Besonders gute Erfolge hatten wir an den südlichsten Teilen unserer Kampffront gegen feindliche Flieger. Im Luftkampf wurden zwei feindliche Flugzeuge nördlich des Schluchtpasses und bei Gerardmer heruntergeschossen, zwei weitere durch Artilleriefeuer bei Largitzen und bei Rheinfelden auf Schweizer Gebiet zur Landung gezwungen.

Ausland.

Absturz des englischen Fliegers Warneford. Der englische Fliegerleutnant Warneford, der kürzlich in Belgien einen Zeppelin zerstört haben soll, hat sich auf dem Flugfelde von Buc bei einem Erprobungsflug zu Tode gestürzt, lieber den Unfall werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Apparat befand sich gegen 41/» Uhr nachmittags in einer Höhe von 251» m, als Warneford eine plötzliche Schwenkung auf dem rechten Flügel ausführen wollte. Der Apparat neigte sich ganz auf die Seite und stürzte zu Boden. Warneford und sein Begleiter, der amerikanische Schriftsteller Blackneidliaim, ein kanadischer Flieger, wurden aus dem Apparat herausgesch'eudert. Beide waren sofort tot. Die beiden Leichen wurden ins Hospital von Versailes gebracht. Das Ereignis lu.it in bürgerlichen und militärischen Kreisen grolle Bestürzung hervorgerufen.

Es muß dazu bemerkt werden, daß Warneford zur Belohnung für die angebliche Zerstörung eines Zeppelins von dem König von England, vom Präsidenten der Republik und vom Kaiser von Rußland mit Ordensauszeichnungcn bedacht worden ist und daß man ihm erst vorgestern in Paris ein Bankelt gab. wobei er sich selbst anmaßte, alle Zeppeline zu zerstören.

Ein Ministerium für Luftschiffahrt in England. Wie die „Information" meldet, soll in England die Absicht bestehen, ein Ministerium für Luftschiffahrt zu errichten, dessen Leitung Winstim Churchill übernehmen soll.

Prämien für deutsche Flugzeuge in Paris. Der Pariser Sladlrat setzte in seiner Sitzung vom 15. Juni einen Preis von 5000 Frs. samt einer Denkmünze für jeden aus, dem es gelingt ein feindliches Flugzeug, das Paris oder Umgehung überfliegt, herunterzuholen.

Die Flieger Vedrines und Brindejonc in italienischen Diensien? Die italienische Presse brachte vor einiger Zeit die Nachricht die beiden französischen Flieger Vedrines und Brindejonc seien in italienische Dienste eingetreten. Neuerdings jedoch dementieren die französischen Zeitungen diese Nachricht. Die beiden Flieger seien auf ihrem Posten an der französischen Front verblieben.

Zwei belgische Flieger abgestürzt. Der „Petit Parisien" erfahrt ans Etampes: Als der belgische Flieger Taccoen in Begleitung des Korporals Kosync bei Etampes flog, überschlug sich der Apparat und stürzte ab. Taccoen wurde getötet, Kosyne schwer verletzt.

Ein neuer Fliegerunfall in der Schweiz. Die Schweizer Militäraviatik ist von einem neuen schweren Mißgeschick betroffen worden. Auf dem Flugplatz hei Dübendorf stieg am 24. Juni früh Leutnant Lugrin mit dem Oberleutnant von Kaenel auf einem Eindecker zu eintni kleinen Ueberlandflug auf. Auf dem Rückweg ging Lugrin in steilem Gleitflug nieder. Als sich der Apparat etwa 50 Meter über dem Boden befand, in unmittelbarer Nähe des Flugfeldes, klappten die Flügel nach oben und der Eindecker fiel zur Erde. Beide Flieger wurden schwer verletzt. Lugrin starb nach kurzer Zeit.

2000 Flugzeuge um die Kruppschen Werke in die Luft zu sprengen. Im „Daily Expreß" macht der englische Schriftsteller Welsz. einen neuen Vorschlag zur schnellen Besiegung Deutschlands. Welsz verlangt, man solle sich über alle völkerrechtlichen Bestimmungen hinwegsetzen und einen neuen Zerstörungsdienst gegen Deutschland einrichten. Zu diesem Zwecke müssen 2000 Fh g-zeuge gleichzeitig die Kruppschen Werke in Essen bombardieren, denn dieses Verfahren koste weniger Geld und Menschen als etwa eine Schlacht bei Nenve Chapelle oder der Verlust eines Kriegsschiffes.

Verhaftung eines angeblichen deutschen Militärfliegers. Reuter meldet aus Cincinnati, daß dort ein Herr Heinz Hardenberg festgenommen wurde, in dem man einen deutschen Militärflieger vermutet. Die Verhaftung soll auf Erklärungen Hardenbergs zurückzuführen sein, daß die „Lusitania" bewaffnet gewesen sei.

Eine englische Flieger-Arbeiterabteilung. In Glasgow wurde eine ans 10 000 Mann bestehende Flieger-Arbeiterabteilung gebildet, die sich sofort überall hinbegeben wird, wo ihre Arbeit gebraucht wird.

Das erste bulgarische Flugzeug. Wie man ans Sofia mitteilt, wurde dort jüngst das erste in Bulgarien verfertigle Flugzeug ausgestellt Mehrere bulgarische Stabsoffiziere, darunter der Major des Militär-geographischen Institutes Karajordaitow (ein Zögling des «sterr.-Ungar. Militär-geographischen Institutes), haben einige Verbesserungen erfunden, die bei dein neuen Flugzeug angewendet worden s'nd.

Verschiedenes.

Die Feldfliegerspraclie. So jung die Feldfliegerei ist, so hat sie sich doch schon ihre Berufssprache gebildet. Die „Zeitschrift für den deutschen Unterricht" gibt von ihr folgende Proben: Der Beobachtungsoffizier heißt Franz. Urheber dieser Bezeichnung soll der Flugzeugführer Leutnant BHithgen, der Sohn des Dichters (gefallen im September 1914 in Frankreich) gewesen sein. Bei einem Manöver hat ihn der kommandierende General gefragt wie sein Beobachter heißt. Bliithgen soll geantwortet haben: „Exzellenz, das weiß ich nicht; ich nenne ihn Franz." Wenn der Franz im Frieden seine Ausbildung von mehreren Monaten hinter sich hatte, nannte man ihn Oberfranz. Wurde er einem Flugzeugführer ständig zugeteilt, so war er fortan Dauerfranz. Zwischen dem Flugzeugführer und seinem Dauerfranz besteht eine Ehe. Das Bild ist richtig gewählt, weil sich beide in der Tat so gut verstehen und vertragen müssen wie Eheleute Von dem Worte Franz ist später das Zeitwort franzen gebildet worden; es bezeichnet die wichtigste Tätigkeit des Beobachters, nämlich das Orientieren. Leitet der Be obachter das Flugzeug in gerader Luftlinie, so franzt er Strich, führt er es irre,

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De>' englische Flieger Warneford.

so verfranzt er sich. — Der Flugzeugführer erhielt später den Namen Heinrich, der sich in den letzten Monaten verbreitet hat. Ein Flugzeugführer von ungewöhnlich großer Flugfertigkeit ist eine Kanone (Fliegerkanone). Mit demselben Worte erkennt man die Tüchtigkeit eines Beobachters an: auch dieser kann eine Kanone (Beobachterkanone) sein. Es gibt große und ganz große Kanonen. Mit Entschiedenheit lehnt es der Flugzeugführer ab, ein bloßer Luftchauffetir zu sein. Das Flugzeug ist die Kiste. Man spricht von der alten Eulerkiste und nieint damit den von Euler in Frankfurt gebauten Typ mit hintenliegendem Motor. Bei diesem Flugzeug war der Reohachtersitz einer Kiste bis zu einem gewissen Grade ähnlich. Auch beim alten Farmanlyp war es so; weshalb man von Farman-

kisten sprach. Bei den übrigen Flugzeugen spricht man von Kiste schlechthin. Man sagt also nicht: „Albatroskiste" oder „Rumplerkiste". Wer auf Station wenig eifrig war, von dem kann man hören: „Der ist in sechs Wochen bloß dreimal in die Kiste gegangen." Einem Beobachter, der sich unbekümmert um die Flugfertigkeit jedem Flugzeugführer anvertraut, zollt man Anerkennung mit den Worten: „Der setzt sich zu jedem in die Kiste" Ein schlechtes Flugzeug, z.B. eines das nicht steigt oder sich unheilbar verzogen hat, nennt man geringschätzig eine Eierluste oder eine Klamotte. Grüne Frösche oder grüne Hunde sind die mit grünlichem Stoff bespannten Kampfflugzeuge (Tyb Caudron). Die schnellsteigenden und schnellfliegenden, mit Maschinengewehr bewaffneten Kampfflugzeuge der Franzosen heißen auch Bauernschreck.

Wenn das Flugzeug zertrümmert wird, so meldet der Franz, mein Flugzeug und ich sind in den Dreck geschmiert, die Kiste ist restlos verbraucht, der Flugzeugführer, der ja dabei gewesen sein muß, lebt dann gewöhnlich auch noch. Wenn die Landung tatellos erfolgt ist, dann war es eine Eierlandung. Manchmal sackt der Apparat durch. Auch Schwanzlandungen sind sehr beliebt.

Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 030737. Bewegliche Lagerung von Schußwaffen für Luftfahrzeuge. Albatroswerke G. m. b. H., Berlin-Johannisthal. 19 1. 15. A. 24079.

77h. 630 754. Maschinengewehrbefestigung, insbesondere an Fluzeugen. Gustav Otto, München, Riesenfeld, Neulerchenfeldstr. 76. 8. 5. 15. O. 9028.

77h. 630 757. Schwimmer für Wasserflugzeuge. Gothaer Waggonfabrik. A.-G. Gotha. 8. 5. 15. G 38 097.

77h. 630 760. Zwangsfreiflieger. Franz Kubisch, Berlin, Guineastr. 40.

10. 5. 15. K. 66218.

77h. 630 832. Einrichtung an Wasserfahrzeugen, insbesondere Gleitbooten. Gesellschaft für nautische Instrumente G. m. b. H., Kiel. 4. 8. 13. G 34 048.

77h. 630868. Flugzeugrumpf mit vornliegendem Motor und hinten angeordneter Druckschraube. Jacob Keckhut, Straßburg i. Eis. 6 5 15. K. 66 205

77h. 630 877. Vorrichtung zum Befestigen von Panzerplatten an Rümpfen von Flugzeugen. Deutsche Flugzeug-Werke G. m. b. H., Lindenthal b. Leipzig.

11. 5. 15. D. 28 661.

77h. 630 887. Spurlager für das Maschinengewehr der Flugzeuge. Automobil & Aviatik, A.-G., Freiburg i. Br. 12. 5. 15. A 24 484

77h. 630 888. Verbindungsstück für die Holme an Flugzeugen. Automobil K Aviatik. A.-G„ Freiburg i. Br. 12. 5. 15. A. 24 482

77h. 630 904. Steuerung für Flugzeuge. Franz Steffen, Kiel-Kronshagen. f>. 12. 14. St. 19 961.

77h. 630 905. Holmanordnung in den Flügeln von Flugzeugen. Franz Steffen, Kiel-Kronshagen. 5.12. 14. St. 19 963.

77h. 631 0)2. Holm für Flugzeugtragflächen Viktor Hofstadt, Lindlar b. Cöln, Kirchhofstr. 103. 15. 5. 15. H. 69 518

77h. 631 082. Zugseil-Anschluü für Steuerungsflächen. Albatroswerke G. in. b. H., Berlin-Johannisthal. 27. 1. 15. A. 24 101.

77h. 631 193. Selbsttätig wirkende Höhensteuerung für Wasserflugzeuge. Gesellschaft für nautische Instrumente G. m. b. H., Kiel 29. 5. 13. G. 33 423.

77h. 631 237. Panzerplattenbefestigung an Flugzeugstahlrümpfen. Deutsche Flugzeugwerke G. m. b. H , Lindenthal b. Leipzig. 19. 5. 15. D. 28 680.

77h. 631 245. Kugelgelenk zur Verbindung zweier Körper mit einander schneidenden Achsen, namentlich für Flugzeuge. E Rumpier Luftfahrzeugball G. in. b. H., Berlin-Johannistsal. 20. 5. 15. R. 41 274

77h 631 246. Kugelgelenk zur Verbindung zweier Körper mit gleichliegenden Achsen, namentlich für Flugzeuge. E. Rumpier Luftfahrzeugbau G m. b. H., Berlin-Johannisthal. 20. 5. 15. R. 41 275.

77h. 631 266 Verlötete Drahtbündel (Seile, Litzen usw.) für Luftfahrzeuge, Stahl- und Drahtwerk Röslau, G.m. b H., Rüslau i. Bayern. 17. 5. 15. St. 20 254.

77h. 631 305. Pauzerturin für Flugzeuge. Franz Schneider, Berlin- lohannis-Ihal. 15. 9. 14. Seh 54 048.

77h. 631 .Vis. Antriebsvorrichtung für Stromerzeuger auf Flugzeugen, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. h. II., Berlin. 30.1. 15. G. 37 7 14.

77h. 631 352. Bombenabwurfvorrichtiing für Flugzeuge. Ago Flugzeug-Werlte G. m. b. 14, Berlin-Johannisthal 21. 5 15 A 24 510

77h. 631 343. Propeller. Franz keschke G. m. b. H, Berlin 21. 5. 15. R. 41 280.

77h. «31 350. Deckenkompaß-Aufhäugung für Flugzeuge. Werkstätten für Präzisions-Mechanik u Optik Carl Bamberg, Berlin-Friedenau. 22. 5. 15. W. 45791.

7?Ii. 631 .15S Ansehlußstück für f)ralitseilverspiu\nui\"eti von Flugzeugen. Viktor Hofstadt. Lindlar b. Colli. 25. 5. 15. Ii. 69 571.

77h. 63143). Sprachrohranordnung für Flugzeuge Fa. C B. König. Altona 27. 15. 15. K. 61 i 284.

77h. 6.31 140. Sprachrohr für Flug'euge. Fa C. B. Koni", Altona 27. 5. 15. K. 66 285.

Patentanmeldungen.

77h. C. 24 372. Wasserflugzeug mit seitlich vom Hauptschwiimiur angeordneten Hilfsschwiimnern Glenn Hainmond Curtiß, Hammondsport, New York ; Vertr,: Dr. A. Levy u. Dr. F. Heinemann, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 11. 1J. 8. 13.

77h. Sch 47 402. Benzinbehälter für Flugzeuge mit im Innern desselben in einen Ansatzstutzen eingebauter Benzinpumpe. Franz Schneider, Berlin-Johannisthal. 28. 0. 14.

77h. A. 26 731. Bombenabwurfvorrichtung. Ago Flugwerke G. in. b. H.. Berlin-Johannisthal 19. 1. 15

77h. M. 57 657. Bombe mit Fallschirm für Luftfahrzeuge. Ludwig Mayer, Bochum, Hernerstr. 153. 16. 2. 15.

Vorrichtung mit einem am Spannmast drehbar gelagerten Hebel zum gemeinsamen Entspannen und Anziehen der Spanndrähte bei

Flugzeugen.*)

Es ist!bekannt, bei Flugzeugen die Tragflügel in der Regel durch an beiden Seiten des Tragdecks angreifende Drähte zu verspannen, deren obere an einem durch Schrauben zu hebenden Spannstücke des Spanninastes befestigt sind Durch das Verschrnuben wird jedoch ein groller Zeitverlust bedingt, und meistens erfolgt noch, wenn die Schrauben nicht genau an die ursprüngliche Stellung zurückgebracht werden, eine unregelmäßige Spannung der Drähte Uni diesen Liebelstand zu vermeiden und die Spannung der Drahts sicher festzulegen, hat man zum gemeinsamen Entspannen und Anziehen der Spanudrähtc auch schon einen am Spannmast drehbar gelagerten Hebel verwendet, der durch Drehen einer Handschraube in eine derartige Lage gebracht werden kann, daß die Resultierende

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Abb. 1

aus den auf die Drähte einwirkenden Kräften durch den Unteistützungspunkt des Hebels geht. Bei dieser Einrichtung wird das Auibauen des Flugzeuges längere Zeit beansp'uchen, was im Kriege besonders nachteilig ist. Außerdem können die Drähte ung'eichmäßig beansprucht werden, und es ist, wenn durch übereiltes Arbeiten der Hebel nicht vollständig in seine lotrechte Lage gebracht wird, infolge der starken Beanspruchung der Schraube stets die Gefahr des Entspannens der Flügel vorhanden.

Um die gleichmäßige Spannung aller Drähte im Spannturm und darauf eine sichere Festlegung, ohne die Drähte ungleichmäßig zu beanspruchen, auszuführen, werden die Drähte nach dem Gegenstand der Erfindung an einem Schlitten des

*) D. R. P. Nr. 284892 Automobil- u, Aviatik A.-C i. in Mülhausen i. Eis.

oberen Teiles des Spaniituruies aufgehängt, dessen Verschiebung durch einen zweiarmigen Hebel mittels Lenker ertolgl. Nlic.1i erfolgler Anspannung der Drahte ist der Unterstiitzlingspunkt des aufgeklappten Hebels etwas über den Totpunkt hiuausgeriickt, sodaß ein unbeabsichtigtes Entspannen der Drähte niemals vorkommen kann

Ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes ist auf der Zeichnung dargestellt. Abb. I zeigt das verspannte Tragdeck. Abb 2 eine Seitenansicht und Abb. 3 einen Schnitt durch die Spannvorrichtung an.

Die Drähte 2 (Abb. 1) werden an den um die Znp en •"> beweglichen Lappen « des Schlittens 7 (siehe Abb 2 und 3) bc estigt, der auf dem Rohre 9 Oes Spannturmes 10 verschiebbar ist. Atn Zapfen 8 des Schlittens drehbare Lenker 11 sind durch einen Bolzen 12 mit dem Kopfende eines zweiarmigen Handhebels 13, KS verbunden, der kippbar auf dem überteil lö des :>pamiturmrohres l'j ge-lageit ist In der tiefsten Lage des Schlittens 7, in der die Drähte entspannt sind, liegt der Handhebel KS, wie de punktierte Lage zeigt fast wagerecht.

Abb. 2 Abb. 3

Zum Spannen der Drähte wird der Handhebel in die lotrechte Lage gebracht. Dabei kommt der Zapfen 12 etwas über die lotrechte Lage hinaus nach rechts (Abb. 2), so daß ein unbeabsichtigtes Zurückgehen des Handhebels KS in die wagerechte Lage nicht erfolgen kann.

Durch diese gleichzeitige, mit einem Ruck erfolgende Spannung und Entspannung aller die Flügel verste fenden Drähte wird die Zeit des Aufbauens und Abschlagens der Flugrna chinen wesentlich verkürzt, was im Kriegsfalle von großem Wert ist. Da ferner die Totpunktlage des Hebels unbedingt überschritten wird und die Drähte beim Spannen immer gleichmäßig beansprucht werden, I ietet diese Spannvorrichtung auch eine vollständige Sicherheit gegen das Zusammenklappen der Flügel.

P a t e n t - A n s p r uch. Vorrichtung mit einem am Spaunmast drehbar gelagerten Hebel zum gemeinsamen Entspannen und Anziehen der Spanndrähte bei Flugzeugen, dadurch

gekenu/eidnict, daß der zweiarmig ausgebildete Hebel (13) durch Leuker (ll| mit einem die Spaundnihte tragenden Schlit'en (7) verbunden ist, der beim Aufklappen des Hebels auf dem Mast emporsteigt und die Spanndrahte dabei anzieht.

Ein- oder mehrteilige Schelle zur Verbindung des Flugzeiigholmcs mit den Querrippen.*)

Die Erfindung bezieht sich auf ein- oder mehrteilige Schellen, die zur Verbindung von üerippleilen, insbesondere von Flugzeugholmen, mit unter einem Winkel anstoßenden Querrippen dienen, und besteht darin, daß die Schließlappen der Schelle die an den Holm anstoßenden Querrippen an ihrem Ende umfassen und festklemmen. Auf diese Weise können eine oder mehrere Querrippen mit dem Holm verbunden werden.

Es ist bereits bekannt, die Querrippen oder Streben in der Weise durch auf dein Holm sitzende Schellen zu befestigen, dal.» man das Kippenende in Teile der Schelle einklemmt; diese Teile bilden jedoch nur Ansätze des in sich geschlossen, auf dem Holm sitzenden Teiles.

Es ist ferner bereits vorgeschlagen worden, Schellen zur Spaundrahtbe-lestigung mehrteilig herzustellen, so daß der Hauptteil nach einer Seite offen ist und leicht über den Holm gebracht werden kann.

Der Befestigungsteil gemäß der Erfindung weicht von dieser bekannten Einrichtung insofern ab, als er eine offene Schelle in geeigneter Ausfühl ungsform für Strebenbefestigung darstellt.

*) D. R. P. Nr. 284 349 Jakob Lohner & Co. in Wien.

Seite 418

„FLUGSPORT".

No. 13

In der Zeichnung sind zwei Ausführungsbeispiele der Schelle nach der Erfindung dargestellt, und zwar zeigen die Abb. 1 und 2 eine zur Verbindung eines Holmes mit zwei Querrippen dienende Schelle in Seitenansicht und Draufsicht, während die Abb. 3 und 4 in gleicher Darstellung eine zur Verbindung eines Holmes mit nur einer Querrippe dienende Schelle zeigen.

Gemäß dem in den Abb. I und 2 dargestellten Ausfülirungsbeispiel werden der Holm 1 und die beiden auf diesem rechtwinkelig aufgesetzten Querrippen 2 und 3 durch eine zweiteilige Schelle zusammengehalten. Jeder der Schellenteilc besteht aus einem Winkelstuck 4 bezw. 5, von denen das eine, 4, an der Außenseite und das andere an der Innenseite der Winkelverbindung der Querrippen angebracht ist. Die Schenkel der Winkelstücke, die die SchlicUlappen der Schelle bilden, enden in je zwei abgekröpfte seitliche Fortsätze 4' bezw. .">', so daß jedes Winkelstück vier Fortsätze besitzt, mittels welcher die beiden Teile der Schelle miteinander verbunden werden. Die beiden Schellenteile sind zweckmäßig noch durch die Querrippen 2, 3 durchsetzende Niet- oder Schraubenbolzen 6, 7 verbunden, welche letztere mit einer Oese 7' zum Festlegen von Spanndrähten 8 versehen sein können. Bei Verbindung der Schellenteile mittels der durch die Löcher der Fortsätze hindurchgesteckten Schraubenbolzen 9 bezw. beim Anziehen der Muttern wird jede Querrippe durch einen Schließlappen des äußeren und einen Schließlappen des inneren Schenkelteiles und der Holm durch die eigentliche Schelle festgehalten, sodaß auf diese Weise eine sichere Verbindung aller drei Teile durch eine einzige einfache Schelle erreicht wird. Um den Holm gegen eine etwaige Längsverschiebung zu sichern, ist derselbe zu beiden Seiten der Querrippen mit Anschlägen 19 versehen, zwischen welchen die Querrippen eingreifen und so eine Lageveränderung des Holmes verhindern. Die seitlichen Fortsätze der Schließlappen können in bekannter Weise zum Festlegen der Spanndrähte verwendet werden, was z. B. in der Weise erfolgen kann, daß die Spannschlösser 11 direkt an die Fortsätze bezw. an deren Verbindungsbolzen 9 angelenkt werden, wobei die Fortsätze durch eine zwischengeschaltete Distanzhülse 12 auseinander gehalten werden können, so daß die Drehmöglichkeit der Spannbolzen gewahrt bleibt. Die Fortsätze sind zweckmäßig gegen die Schließlappeu der Schelle seitlich abgekröpft, so daß sie in der Richtung der Spanndrähte zu liegen kommen. Beim Spannen der Drähte werden die SchlieSlappen 4, 5 infolge der seitlichen Abkröpfung der Fortsätze 4', 5' und der Holm 1 infolge des auf die Schelle ausgeübten Zuges an die Querrippen 2, 3 festgepreßt, wodurch die gegenseitige Lage aller dieser Teile noch mehr gesichert wird.

Soll der Holm 1 mit nur einer Querrippe 2 verbunden werden, so kommt eine Schelle in Anwendung, die, wie aus den Abb. 3 und 4 ersichtlich ist, aus einem einzigen Bügel 13 besteht, dessen beide Schenkel wieder in zwei seitliche Fortsätze 13' gegabelt sind, so daß der Bügel vier Fortsätze besitzt. Dieser Bügel umfaßt den Holm an der Aussenseite, während die an beiden Seiten der Querrippe anliegenden Schließlappen durch einen die Querrippen durchsetzenden Nietbolzen 6 verbunden sind. Die Verbindungsfortsätze können wieder, wie im vorgeschriebenen Ausführungsbeispiele, zum Festlegen der Spanndrähte verwendet werden, so daß der Holm, der gleichfalls in der vorbeschriebenen Art gegen Längsverschiebung gesichert ist, durch den Zug der Spanndrähte an die Querrippe gepreßt wird.

Patent-Anspruch. Ein- oder mehrteilige Schelle zur Verbindung eines durchgehenden Flugzeugholmes mit einer oder mehreren unter einem Winkel anstoßenden Querrippen, dadurch gekennzeichnet, daß die Schließlappen der nach der Seite der Querrippe offenen Schelle die an dem Holm anstoßende Querrippe bezw. Querrippen an hrem Ende umfaßen und festklemmen.

Offizielle Mitteilungen.

Bund deutscher Flugzeugführer, E. V.

Geschäftsstelle: Berlin-Johannisthal, Kaiser-Wiihelm-Stralie 47. Telegramm-Adresse: Fliegerbund. Fernsprecher : Amt Oberschöne weide 964.

Eintrittsgeld Mk. 20. - :—: Monatlicher Beitrag Mk, 3.50.

I. Vorsitzender: Felix Laitsch.

„FLUGSPORT".

Seite 419

Modelle.

Rumpf-Preßlufteindeckermodell Schlick

(Hierzu Tafel III)

Beim Bau dieses Modells wurde der Hauptwert darauf gelegt, ein gutfliegendes Anschauungsmodell zu erhalten. Aus diesem Grunde wurde als Antriebskraft ein Bing - Pießluftmotor verwandt, welcher mitsamt der Flasche vollständig im Rumpf eingeschlossen ist. Letzterer ist aus Zeichenpapier hergestellt und sehr kräftig und widerstandsfähig. Er besteht aus zwei Teilen, welche an der dicksten Stelle ineinandergeschoben werden. Das aus 2 mm starkem Stahldraht bestehende und gut federnde Fahrgestell sowie der Rumpf werden durch

Rumpf-Preßlufteindeckermodell „Schlick". Oben dasselbe mit abmontierter Rumpfverkleidung. die am Anfang der Tragflächenholme befestigten 1 V, mm starken Stahldrahtstifte, welche in die eingelöteten Röhrchen der Preßluftflasche gesteckt werden,"mit derselben fest verbunden. Die Tragflächen sind aus Bambus hergestellt und mit luftdichtem Stoff Uberzogen. Als Verspannung ist mm Stahldraht verwandt worden. Das IVodell besitzt sämtliche Steuerzüge und ist in allen Teilen gut durchgearbeitet. Das Gewicht des kompletten flugfertigen Apparates beträgt 775 g, er läßt sich vollständig zerlegen und in wenigen Minuten montieren. Bei den ersten Versuchen zeigte das Modell ruhige und stabile Flüge und erreichte Fluglängen von durchschnittlich Uber 100 m, was für ein Anschauungsmodell als recht gute Leistung bezeichnet werden kann.

Verband deutscher Modellflugvereine.

Sitz Frankfurt a. M.

Geschäftsstelle: Präsidium:

Frankfurt a. M., Eppsteinerstr. 26. Frankf. Flugmodell-Verein.

Zahlungen erbeten an Disconto-Gesellschaft, Frankfurt a. M.

Seile .1«» _ _ „FLUGSPORT'-. _ _ No. 13

Kölner Club für Modellflugsport.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle : Heinz Schiffer, Köln, Aacliencrstr 2S.

Der Verein hält seine Uebungsfliegeii wieder regelmäßig ab. Bei den letzten Uchuugsllicgeu zeichnete sich der Cuusemanirsche 2,20 breite Doppeldecker mit (iuniininntrieb ganz besonders aus Es wurden bei Hnmlslart Hinge bis zu i liier Hohe von 7 meiern erreicht Näheres wird spater veröffentlicht werden

I. Leipziger Modellilug-Verein.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle: K. Riehl er, Leipzig, Johannisgasse 13'"-

Am Sonntag, den '20. Juni veranstaltete der I. L. M. V. auf dem Leipziger Sportplatz (Innenraum) ein Wettfliegen, an dem sich auch der Modellfug-Verein Zeitz mit 8 Modellen beteiligte. Unler den insgesamt etwa 25 startenden Modellen sah man neben den einfachsten Gummimodellen äußerst fein durchdachte, und komplizierte Konstruktionen von Preßluftmodellen, und zu den kleinsten Miniaturmodellen von K r ö b e r-Leipzig bildete das Preßluftmotorenmodell mit selbstgefertigtem Benzinmotor von Hellmuth W ag e n s e i I Leipzig mit seinen annähernd 3 tu Spannweite das gelungenste Gegenstück. Trotzdem infolge des Krieges die besten Kräfte fehlten, wie sich bei den Wettbewerben zeigte, wurden doch recht befriedigende Leistungen erzielt und zeigten besonders R ö s s I e r-Leipzig, mit seinem, schwanzlosen Eindecker, sowie die Leipziger Nemrow, Kröber & Huster, und die Zeitzer Z e t z s c h e, Zimmermann & Otto sehr schone Flüge, während das Beuzinmodell mit seinem lustig knatternden Motor naturgemäß das grüßte Interesse für sich in Anspruch nahm.

Wider Erwar.en gut schnitten diesmal die Preßluftmodelle ab, und waren es hier die Zeitzer Zetzsche & Zimmermann, die beide bei durchaus einwandfreiem Bodenstart äußerst gelungene Flüge mit jedesmaliger glatter Landung ausführten.

Die gesamte Veranstaltung kann somit als für die jetzige, für die Modell-flug-Vcreine äußerst schwere Zeit als durchaus gelungen bezeichnet werden, und wird der Verein eine baldige Wiederholung derartiger Veranstaltungen anstreben, uinsomehr, als der Leipziger Verein Sportplatz das für diese Zwecke sehr gut geeignete Gelände dem Vereine in entgegenkommender Weise vollkommen kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

Die Preisverteilung fand anschließend noch am gleichen Abend im Restaurant Lehrer-Vereinshaus statt. Die Prämiierung erfolgte diesmal auf Grund der sogenannten holländischen Handicapformel, wobei neben dem Modcllgewicht die Flugdauer und Entfernung zur Berechnung gezogen werden, unter Anwendung der aufs sorgfältigste berechneten Handicapziffern, und zeigte es sich, daß sich diese Formel in der Praxis recht gut bewälirte, obgleich sie theoretisch nicht nachgewiesen ist, und wohl auch schwerlich nachzuweisen sein dürfte Preisträger waren die Zeitzer Herren Zetzsche (10764 Punkte), Zimmermann (Ü142,5) und Otto (2149,4), sowie die Leipziger Herreu R Ossi er (4742,41, Muster (3570), Nemrow (1344) und Kröber (1173).

Die nächs'e Versammlung findet nächsten Sonnabend, abends 0 Uhr im Lehrer-Vereinshause statt.

Personalien.

Der Orden der Eisernen Krone mit Kriegsdekoratiuui wurde dem Flieger, Lhiienscliift'sleiitriant Kinsing, der de Citri di Ferrum zerstört hat, in Anerkennung des tapferen erfolgreichen Verhaltens vor dein Feind vom Kaiser verliehen.

Das Kitterlireui. II. Klasse des Militär St. Heinrichs'Ordens erhielt Ltn. Roesler von ehr Feldtliegoi-Abteilung 24.

Das Ritlerkreii/. I. Klasse des Alhrechts-Ordens mit Schwertern erhielt Hauptmann Spränge r l-'iiluer der Feldfliegor-AbNIiiiig.

Oas Kitterkreuz II. Klasse des Albrechf-Ordens mit Schwertern erhielt überltn Sommer von der Feldflieger-Abteilung 22 und Ltit. Rödel von einer Festungsflieger-Abteilung

Das Ehretikreuz mit Schwer tcru erhielt Sergeant d Res Roth lieh von der Feldflieger-Ahteiluug 29.

Mo'dellwctifliegen Leipzig.

Befördert wurden: Major Franke, Leiter der Militär-Fliegerschule in Freiburg im Brsg. zum Oberstltn., die Oberltns. Carganico vom Flieger-Bataillon 4, Oberltn. Förste von der Inspektion der Fliegertruppen und Oberltn. d. Ldw. Sauer, von der Fliegcr-F>satz-Abteilung 2 zu Hauptleuten. Vizefeldwebel Lohmann, von der FMieger-Ersatz-Abteilung 3 zum Ltn d. R. Ferne die Offizieraspiranten Sc h u 11 e, von der Feldflieger-Abteilung33, Fischer von der Feldflieger-Abteihmg 42, von Biel er von der Feldflieger-Abtcilung 2-"> zu Ltns. d. R. und die Offizieraspiranten B uz enge ig er und Brandt von der Feldflieger-Abteilung 43 zu Ltns. d. Ldw.

Literatur.

Oer Luftkrieg 1011-1915. Unter Verwendung von Fcldposlhiiulcn und Berichten von Augenzeugen dargestellt von einem Flugtecliniker. Mit Genehmigung des Kgl. Preuss. Kriegsministeriiinis und des Kais. Reichmarineamls. Verlag Hesse & Becker in Leipzig. 27s Sehen Mit vielen Tuxtbildcm und vier Tafeln in Kupfertiefdruck. Kartoniert M. y.Sd, gebunden M. 3

Wie sjhon der Titel mitteilt, gibt das Buch mit reicher llluslrii-inng au Hund von FVIdpostpriefen ein anschauliches Bild über die neueste Art de« Kriege«, den Luftkrieg. Bei dein großen Interesse, das man gerade dem Flugwesen entgegenbringt, wird das Buch gern gelesen werden.