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Zeitschrift Flugsport, Heft 17/1914

Auf dieser Seite finden Sie das komplette Heft 17/1914 der Zeitschrift „Flugsport“ in Textform (vgl. Übersicht). In der von Oskar Ursinus herausgegebenen illustrierten, flugtechnischen Zeitschrift für das gesamte Flugwesen wurde über die Luftfahrt sowie den Luftsport zur damaligen Zeit berichtet. Der gesamte Inhalt steht Ihnen nachstehend kostenlos und barrierefrei zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass es bei der Digitalisierung und Texterkennung zu Textfehlern gekommen ist. Diese Fehler sind in den verfügbaren PDF Dokumenten (Abbild der Originalzeitschrift) natürlich nicht vorhanden.

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No 17 technische Zeitschrift und Anzeiger »•»»w™

19. August

1914. Jahrg. III.

pro Jahr M. 14.—

Ausland per Kreuzband

M. 19.20 Einzelpr. M-060

für das gesamte

„Flugwesen"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Telef. Hansa 4557 Oskar Ursinus, Civilingenieur. Tel.-fldr.: Ursinus.

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. — Erscheint regelmäßig 14tägig. — — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, die Post und den Verlag. =

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 2. September.

Krieg.

Alles was fliegt, ist nach der Front geeilt. Flieger haben wir mehr als genug. Bei unseren Militärfliegern klappt alles wie am Schnürchen. Hiervon später einmal mehr. — — —

Die Flugzeugfirmen sind natürlich gut beschäftigt. Manche Firma, die man bereits aufgegeben hatte, stellte sich wieder auf die Füße.

Durch viele Zuschriften ermuntert, wird der „Flugsport" auch wälrread der Kriegszeit pünktlich erscheinen. Ich verlasse mich hierbei auf die tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung der vielen Freunde und Gönner des Herausgebers. Auch die kleinste Mitarbeit wird dankbar angenommen.

Also schauen wir mutig vorwärts !

Redaktion Flugsport. I. V.: Frau Hedwig Ursinus.

Strengstes Stillschweigen über unsere Luft-Flotte

geboten.

Es ist bereits bekannt geworden, daß besonders französische Flieger aus Flugzeugen versucht haben, innerhalb der deutschen Grenzen ihre ersten Kraftproben durch Abwerfen von Sprengstoffen abzulegen, welche jedoch keinen sonderlichen Schaden angerichtet

haben. Durch die Wachsamkeit unserer Truppen sind an verschiedenen Orten solcho Flugzeuge herunter geschossen worden. Das deutsche Volk kann darüber beruhigt sein, daß unsere eigenen Luftfahrzeuge in derselben energischen Art ihre Pflicht tun werden. Es ist aber dringend geboten, in gleicher Weise, wie über alle Truppenbewegungen auch über unsere Luf tf lo 11 e s trengs tes StiIisch weigen zu beobachten. Aus diesem Grunde verlautet auch in der Oeffentlich-keit nichts über die Tätigkeit unserer sämtlichen Luftfahrzeuge.

Aufruf des Kriegsministeriums zur Einstellung Kriegsfreiwilliger für die Fliegertruppen.

Kriegsfreiwillige melden sich zur Ausbildung als Flugzeugführer oder zur Einstellung von Hilfsmonteur'en bei der Königlichen Inspektion der Fliegertruppen, B er Ii n-S c h ö n e b e r g, Alte Kaserne, Fiskalische Straße. Auswärtige schriftlich.

Das Kuiegsministerium erläßt folgenden Aufruf: Die glänzende Entwicklung unseres nationalen Flugwesens darf im Krieg nicht zum Stillstand kommen, sie muß im Gegenteil weiter gefördert werden, damit die jüngste Waffe mit vollem Erfolg für die Verteidigung des Volkes miteingesetzt werden kann. Der Nachschub von Flugzeugen in das Heer und die Marine ist durch besondere Maßnahmen, durch Verwendung von Zivilpersonen im Heer- und Marinedienst eingeleitet. Die Flugschulen setzen ihren Ausbildungsbetrieb fort, aber die Möglichkeit großen Abganges, mit der im Kriege naturgemäß noch mehr als im Frieden zurechnen ist, zwingt zu rechtzeitiger Vorsorge für die Ausbildung weiterer Flugzeugführer für den Krieg. Die Meldungen Kriegsfreiwilliger überschreiten zwar bei allen Waffen, so auch bei den Fliegertruppen den augenblicklichen Bedarf weitaus. Indessen muß hier eine besonders sorgfältige Auswahl getroffen werden. Auch von den Ausgewählten werden im Laufe der Ausbildung noch viele zurücktreten müssen. Es kommt deshalb darauf an, von vornherein die geeigneten Kriegsfreiwilligen einzustellen, d. h. solche, die neben der erforderlichen Intelligenz und tüchtigen Charaktereigenschaften auch schon Vorkenntnis in der Bedienung und Pflege von Flugmotoren besitzen. Solche Persöhnlichkeiten werden sich namentlich unter denjenigen Studierenden der technischen Hochschulen und anderer technischen Lehranstalten finden, die sich diesem Sonderfach zugewendet haben. Auch werden geübte Mechaniker und Monteure gebraucht.

Aufruf des Reichs-Marine-Amtes zur Meldung Kriegsfreiwilliger für den Marinefliegerdienst.

Anmeldungen sind schriftlich oder persönlich von 1 bis 3 Uhr nachmittags zu richten an die Geschäftsstelle des freiwilligen Marinefliegerkorps, Berlin W. 10, Matthaeikirchstraße 9.

Das ßeichsmarineamt erläßt folgenden Aufruf: Weitere Anmeldungen Kriegsfreiwilliger für den Marinefliegerdienst werden entgegengenommen. Bevorzugt werden junge Leute mit tech-

nisoher Vorbildung und von solider Lebensführung, in erster Linie solche, die bereits das Pilotenoxamen bestanden oder die Fliegerausbildung begonnen haben.

Wie Berlin in die Luft gesprengt werden soll.

Aus den Akten des französischen Flieger-Geheimbundes.

(Von unserem Pariser Korrespondenten.)

In diesem Augenblick, wo die entfesselte Kriegsfurie über der gesamten zivilisierten Welt drohend ihre Geißel schwingt, wo die wut- und muterfüllten Scharen der Gegner gegen einander aufmarschieren, um in mörderischem Ringen ihre Kräfte zu messen, in diesem Augenblick namentlich, wo die gesamte Kulturwelt mit atemloser Spannung dem Kingreifen des modernsten Faktors in der heutigen Technik des Krieges, des Flug- und Luftschiffahrtswesens, entgegensieht, von dem sie, mit gutem Grund, dio wichtigsten Resultate erwartet; in diesem Augenblick wird die Bekanntgabe nachstehender Dokumente sicherlich von allgemeinem Interesse sein.

Gotha- Wasser-Doppeldetter.

Es war im April des vorigen Jahres, als sich in Paris, nach dem Vorbilde der aus dem letzten deutsch-französischen Kriege von 1870-71 noch in unrühmlicher Erinnerung lebenden „Franc-Tireurs", ein Flieger-Geheimbund, die

Franc-Aviateurs

konstituierte, der sich mit einem umfangreichen, in den üblichen schwulstigen Phrasen gehaltenen, natürlich geheimen Manifest an die französischen Flieger wandte. Die treibenden Kräfte dieser eigenartigen Gründung waren zwei bekannte Flieger: der eine, der durch seine chauvinistischen Radomontaden gegen Deutschland schon häufig von sich hatte reden machen; der andere, der übrigens nicht einmal

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FLUGSPORT".

Nu. 17

von „rassereiner" französischer Abstammung ist, einer bekannten französischen Konstruktionsfirma angehörig.

Die Dokumente, zu deren Bekanntgabe wir schreiten, zerfallen in zwei Kategorien; die eine betrifft die Pronunziamentos, mit denen die Sache in die Wege geleitet wurde und deren verlogen-hetzerischer Inhalt unleugbar ein völkerpsychiologisches Interesse gewähren; die zweite betrifft die Einzel-Organisation des

kabalistischen Bundes der Luft-Freischärler.

„Alle Welt kennt jetzt die Absichten Deutschlands mit Bezug auf Frankreich. Es bedurfte nicht der rednerischen Manifestationen des Kaisers, nicht der geräuschvollen Erklärungen des Kanzlers, nicht der wahnsinnigen Verhetzungen der germanischen Presse, um uns begreifen zu machen, welchem Ziele unsere Nachbarn seit zwei Jahren zustreben. Wozu diese Rüstungen? Wozu diese enormen Verstärkungen der verfügbaren Heeresmassen? Wozu dieser „„kolossale"" militärische und finanzielle Aufwand? Einfach nur, um Frankreich ein für alle Male zum Vasallenstaat Deutschlands zu machen, um Frankreich zu der erniedrigenden Abrüstung und zu einem schamlosen Bündnis mit seinem Besieger zu zwingen. Um unser Land zu zersetzen, zu zerstückeln, um uns nacheinander unsere blühendsten Provinzen fortzunehmen, damit in Zukunft die Bourgogne „Burgund", die Franche-Comte „Frei-Grafschaft" heißen. Das eingeschüchterte Recht soll vor der rohen Gewalt zurückweichen, unser Land soll die Beute der gierigen Germanenhorden werden. Was man auf der anderen Seite des Rheins träumt, was man dort methodisch und mit teutonischer Zähigkeit vorbereitet, das ist die Vernichtung Frankreichs."

„Wir sehen die furchtbaren Phasen des kommenden Kampfes voraus: während Deutschlands Infanterie, Kavallerie und Artillerie, wahrscheinlich unter Verletzung der belgischen Neutralität, mit blitzartiger Plötzlichkeit in unser Land einfallen und unsere Verteidigungslinien durchbrechen werden, wird die deutsche „„fünfte Waffe"" an unserem Horizont erscheinen: neben dem Zeppelin, dem Groß, dem Parseval werden mehr als hundert, zum Teil gepanzerte Flugzeuge über die Grenze kommen. Ihr erstes Ziel wird Paris sein; in wenigen Stunden werden die 350 km, welche lothringischen Boden von der französischen Hauptstadt trennen, überwunden, in wenigen Stunden werden unsere Feinde an der ersten Etappe ihres Zerstörungsfluges angelangt sein. Sie werden Paris mit Bomben bewerfen, unsere Schätze zerstören, unsere Bauwerke in die Luft sprengen und unsere Bevölkerung, inmitten unbeschreiblicher Schrecken, ausrotten.

„Zu diesem Zwecke hat Deutschland sein Flugwesen in diesem Jahre mit einem fünfmal grösseren Budget ausgestattet, als wir das unsrige. Zu diesem Zwecke hat es Hunderte von Fliegern ausgebildet. Zu diesem Zwecke baut es unaufhörlich neue Flugmaschinen. Die Binde, welche den ganzen Umfang der Gefahr verbarg, ist uns von den Augen gefallen. Wir wissen, was Frankreich jetzt von uns erwartet, das zitternde Frankreich, das endlich zu einem nie gekannten nationalen Empfinden erwacht ist. Aber Frankreich will nicht untergehen, will nicht erwürgt werden. Zu seiner Verteidigung eilen seine mutigen Söhne herbei, bereit, ihre Pflicht zu erfüllen. Doch werfen wir die bange Frage auf, ob wir der großen Gefahr entgegen zu treten imstande sind."

„Die moderne Wissenschaft hat die Bedingungen für den Kampf zwischen den Völkern völlig umgestaltet. Alles hat sich in ungeahntem Maße entwickelt, ist größer geworden. Die Heere sind zahlreicher, die Waffen wirkungsvoller geworden, und in dem Maße, wie die Aufgabe der Wissenschaft gewachsen ist, ist die Rolle des einzelnen Individuums eine geringere geworden. Bei der Ausdehnung der künftigen Schlachtfelder ist für die isolierte Betätigung des Einzelnen kein Raum mehr. Wie in den Seekriegen die Piraten verschwunden sind, so ist in dem modernen Landkriege für die Franc-Tireurs immer weniger Raum.

„Anders verhält es sich aber bei dem Luftkrieg. Dieser gestattet dem einzelnen Mann, seiner Kühnheit, seiner Kaltblütigkeit, seiner Energie eine Rolle, die freilich mit den Jahren immer mehr an Bedeutung verlieren wird, die aber für den Augenblick noch ein6 entscheidende ist. Um ein Flugzeug durch die Luft zu steuern, dazu genügt ein einziger Mann, dieser ist König in seinem Reich. Auf ^000 Meter von der Erde vermag eine Armee von hunderttausend Mann nichts gegen ihn auszurichten, er aber vermag sehr viel gegen jene Armee. Auf die gleiche Höhe von 2000 Metern ist eine Hauptstadt mit ihrer gewaltigen Bevölkerung, mit ihrer Verwaltung, mit der Regierung, ohnmächtig gegenüber einem einzigen Flieger, der in der Luft darüber hinstreicht, während der Flieger jene stolze Stadt zu vernichten vermag: mit einem Worte:

die Stunde der Luft-Freischärler hat geschlagen.

„Wie sollte den Männern, deren Beruf es ist, über Städte, über Kirchtürme, über Festungen dahinzufliegen, nicht das Bewußtsein ihrer Macht, nicht der Gedanke gekommen sein, diese ihre Macht in den Dienst ihres Vaterlandes zu stellen? Was kommen mußte, ist gekommen. In eiuem jener tragischen Augenblicke, wie sie unser Frankreich durchgemacht hat, wie sie einen Sturmwind nationalen Empfindens erzeugt haben, sind jene Männer wahre Patrioten, zusammengekommen und haben ihre Ansichten, ihre Wünsche und ihre Hoffnungen ausgetauscht:

das erste Luftpiraten-Corps

war geboren. Dieses Corps hat einen zwar noch jungen, aber wagemutigen Mann zum Kommandanten, einen praktisch erfahrenen Techniker mit sicherem Augo und fester Hand. Er hat zu Soldaten erprobte Flieger, von denen die meiston sich in zahlreichen sportlichen Bewerben und Veranstaltungen ausgezeichnet haben. Eine solide Organisation mit straffer Disziplin ist von allen Beteiligten gutgeheißen und aeeeptiert worden und ein erstklassiges Material steht uns zur Verfügung, da glücklicherweise die Geldfrage für uns nicht in Betracht kam.

„Was ist unser Ziel? Wir wollen in den ersten Stunden nach einem Attentat seitens Deutschlands — sei os in Form einer Kriegserklärung, sei es in Form eines plötzlichen Ueberfalls — unserem Lande eine unerwartete und ungehoffto Hilfe bringen. Wir wollen durch eine persönliche, schnolle, tollkühne Aktion

einen furchtbaren Schlag ausführen,

einen Schlag, der unsere Foinde in hellen Schrecken, die ganze

übrige Welt in Erstaunen und Bewunderung versetzen und Frankreich das Vertrauen zu sich selbst und die Zuversicht des Sieges geben soll. Auf unsere eigene Gefahr, unter unserer eigenen Verantwortung (denn wir haben zu unserem Beginnen kein Mandat von irgend einer Seite empfangen), wollen wir Berlin so zurichten, wie die Deutschen es mit Paris zu tun beabsichtigen,

„es bombardieren, mit Sprengstoffen überschütten, seino Paläste, seine Kasernen, seine „Verwaltungs- und militärischen Gebäude in „Trümmerhaufen verwandeln und direkt ins „Zentrum der feindlichen Organisation Tod und „Verderben tragen,

denn

es handelt sich um einen Vernichtungskrieg!

Da diesmal die Deutschen es nicht nur auf unsere Uhren und unsere Milliarden, sondern auf unsere nationale Abhängigkeit, auf unsere Existenz als europäisches Volk abgesehen haben, da sie uns für immer von der Landkarte streichen wollen, haben wir das Recht der legitimen Notwehr und alle Mittel sind anwendbar. Eisen gegen Eisen, Feuer gegen Feuer, Tod gegen Tod.

„Berlin wird also für Pari,s zu bluten haben. Dasselbe Berlin, wo die haßerfüllten Pläne gegen uns geschmiedet worden, von wo das Verderben und der Tod ausgegangen sind. Berlin wird für Paris zahlen, Berlin, die hassenswerte und flugwürdige Stadt, werden wir vernichten. Es ist für uns eine bittere, aber unendlich tiefe Genugtuung, daß wir eine Handvoll Männer, die lediglich auf sich selbst, auf ihre Kühnheit und Entschlossenheit vertrauen, unserem verhaßten Gegner diesen furchtbaren Stoß beibringen, ihn mitten ins Herz treffen werden.

„Wir wollen ein Elitekorps bilden und eine Angriffs-Expedition /

vorbereiten, welche das einzige Ziel hat, über Deutschland herzufallen, von der Höhe aus seine Städte, seino Brücken, seine Magazine und Depots, seine Avantgardo anzugreifen und in Berlin, dem Herzen des Feindeslandes, "Schrecken zu verbreiten."

Wir wollen auf den Inhalt dieses „Manifests" nicht des näheren eingehen ; jedes Wort könnte nur den Eindruck, den diese Kundgebung hervorrufen muß, abschwächen. Es fand sich in der Tat eine Anzahl von Fliegern zusammen, welche dieses schwülstige und blutrünstige Programm des Geheimbundes zu dem ihren machte und in dem Hause eines bekannten Flieger-Sportmanns in den Ghamps Elysees wurde denn auch der

Rütli-Schwur zum Vernichtungskampf gegen Deutschland

geschworen. Wochen- und monatelang trafen sich dort alltäglich die „Verschworenen", um die Einzelheiten der Verwirklichung ihres Programms zu beraten und zu beschließen. Mußten doch nicht nur die Pläne der künftigen Aktion entworfen, sondern vor allen Dingen alle Elemente für ein Luft-Geschwader vereinigt, die erforderlichen Maschinen, Munitionen, Wurfbomben vorbereitet und an zweckentsprechenden Orten untergebracht werden. Es mußte ein komplizierter und schwier-riger Feldzugsplan entworfen, es mußten Eventualitäten aller Art vorausgesehen, genaue Luftkarten ausgearbeitet und

gewisse vorbereitende Rekognozierungsflüge in Deutschland

unternommen werden. Ja sogar ein ziemlich umfangreiches Luft-Manöver auf feindlichem Gebiet war geplant.

Natürlich gehörte zu all diesen Dingen Geld, viel Geld. Die Mehrzahl der Freischärler aber besaß davon nicht viel mehr, als zum Lebensunterhalt unbedingt notwendig war. Schließlich gelaug es, einen sehr reichen und einflußvollen Großindustriellen, der hart an der deutschen Grenze umfangreichen Grundbesitz hat, für die „heilige" Sache zu interessieren, indem man ihm vor allen Dingen begreiflich machte, daß gerade sein gesamter wertvoller Besitz im Falle eines Krieges mit Deutschland und im Falle eines plötzlichen Ueberfalls von Seiten des letzteren zu allererst gefährdet wäre. Dieser Großgrundbe= sitzer und Großindustrielle stellte denn auch nach längeren Verhandlungen

dem Luftpiratenkorps beträchtliche Mittel zur Verfügung

und nahm sogar die innerorganisatorische Leitung des Gelieimbunds selbst in die Hand.

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Albatros- Wasser-Doppeldecker.

Zuerst galt es, außer dem ersten Stamm von Fliegern, die den Flieger-Geheimbund schufen, sichere und unabhängige Leute zu finden, die im gegebenen Augenblick ohne weiteres zur Verfügung stehen. Man hielt daran fest, daß fürs erste nur Franzosen dem Bunde angehören dürfen, sah aber für die Zukunft, mit Hilfe der hier in

Frankreich als Flieger tätigen zahlreichen Ausländer, namentlich der südamerikanischen Freunde die Gründung einer

Flieger-Fremdenlegion

vor. Alle sozialen Klassen sind in dem Freischärler-Korps vertreten, auch zwei aus dem Dienste geschiedene Militär-Flieger.

Die Flugzeuge, welche dem Luftpiratenkorps zur Verfügung stehen, sind von dem gewöhnlichen Typ, und zwar solche Apparate, die sich in Kampf-Flugzeuge umwandeln lassen und somit allen Erfordernissen eines Angriff-Kampfes genügen. Bei der Konstruktion dieser Maschinen ist der Grundsatz maßgebend gewesen, daß bei den bevorstehenden Luftkämpfen diejenigen Flugzeuge die Ueberlegenheit haben werden, welche bei höchster Geschwindigkeit und größter Betriebsdauer die größte Flughöhe realisieren weiden. Bei Durchführung dieses Grundsatzes war das Problem zu lösen, wie die Flugzeuge für den Transport beträchtlicher Nutzlasten einzurichten sind; und dieses Problem soll angeblich zur Zufriedenheit gelöst sein.

Selbstverständlich sind auch die Details der Organisation, die in ihrer Gesamtheit wesentlich zum Gelingen des Ganzen beitragen können, nicht außer Acht gelassen worden. So hat man beispielsweise den Fall vorgesehen, daß die Flugzeuge sich infolge eines heftigen Sturms auf das gegebene Signal nicht zu der Konzentrationsstelle begeben können und daß, infolge der durch die Mobilisierung bedingten Inanspruchnahme der Eisenbahnen, auch an den Transport der Flugmaschinen auf dem Schienenwege nicht gedacht werden kann. Für diesen Fall hat man Vorkehrungen getroffen, um den Transport der Flugzeuge von allen üblichen Beförderungsmitteln unabhängig zu machen. Da die großen und leichten Spezial-Pritschen-wagen, wie sie für den Transport der Flugmaschinen dienen, im all geraeinen nur bei den Konstrukteuren von Flugzeuge^ zu finden sind und dort im gegebenen Augenblick nicht immer sofort zur Verfügung stehen werden, hat man die Methode des direkten Schleppens in Aussicht genommen, wobei das Flugzeug sich auf den Rädern seines Landungsgestells vorwärts bewegt. Hierbei ist eine besondere Vorkehrungsmaßregel nicht vergessen worden: da die Pneumatiks im Interesse der Gewichtsersparnis sehr leicht gehalten sind und demgemäß an ihrer stärksten Stelle nur eine Stärke von 3 oder 4 mm haben, eignen sie sich aus diesem Grunde keineswegs dazu, einen Transport von irgendwie ansehnlicher Ausdehnung auf normalen Strecken auszuhalten. Zur Vermeidung von Zeitverlusten wie sie durch das häufige Reparieren der geplatzten Pneumatiks verursacht werden würden, hat man den beteiligten Fliegern Spezialräder gegeben, welche im letzten Augenblick gegen die üblichen Räder ausgewechselt, ihnen gestatten, den Weg auf der Straße ohne Schwierigkeit und ohne Gefahr zurückzulegen. Bei Ankunft an der vorgesehenen Konzentrationsetappe werden die Hilfsräder abgenommen und in wenigen Minuten wieder durch die gewöhnlichen Räder des Landungsgestells ersetzt.

Die Flugzeuge sind mit metallischen Platten armiert, welche die Flieger und den Motor schützen. Selbst auf sehr kurze Entfernung sollen die Mitrailleusen der Lenkluftschiffe oder das vertikale Infanteriefeuer nichts gegen jene Panzerung auszurichten vermögen.

Die normalen Wurfgeschosse, deren sich die Piraten-Flieger bedienen werden, sind dazu bestimmt, nicht in horizontaler Richtung

lanciert, sondern einfach aus dem Flugzeug senkrecht ausgeworfen zu werden. Es erfordert das also nur einen sehr einfachen Mechanismus. Jm Kampfe gegen die mit Mitrailleusen ausgestatteten Lenkluftschiffe und gegen die gepanzerten Flugzeuge sollen, nach den bekannten Grundsätzen von Clement Ader, lotrecht unter dem Flugzeug aufgehängte kugelförmige Granaten benutzt werden, die, um möglichst unbemerkt zu bleiben, mit einem hellgrau angestrichenen Mantel aus gepreßtem Stahl versehen sind'.

Jede dieser Granaten ist an einem Stahldraht aufgehängt, der so fein und so glanzlos matt ist, daß er absolut unsichtbar bleibt. Dieser Draht ist bis zu mehreren hundert Meter lang und rollt sich auf eine im Handbereich des Fliegers angebrachte kleine Trommel, mit Sperrklinke und Kurbel, auf. Der Draht kann, im Augenblick der Notwendigkeit, sofort zwischen zwei scherenartig angeordneten Platten durchgeschnitten werden. Wenn der Augenblick gekommen ist, wo es sich darum handelt, von der Granate Gebrauch zu machen, so läßt der Flieger den Draht auf die ihm zweckmäßig erscheinende Länge abrollen, was er an den Drahtwindungen, die auf der kleinen Rolle verbleiben, erkennt. Infolge des durch die Fortbewegung des Flugzeugs verursachten Luftstroms geht die Granate nicht vertikal herab; sie wird vielmehr, je nach ihrer Größe und ihrem spezifischen Gewicht, nach hinten gedrängt, was, in Verbindung mit dem unvermeidlichen Schwingen, das sich einstellt, dem Aufhängungsdraht einen Neigungswinkel von 10—20 Grad gibt.

Ein Flugzeug, das sich, mit einem derartigen Geschoß am Ende eines langen Drahts aufgehäugt, in der Atmosphäre fortbewegt, wird für den sich unterhalb fortbewegenden Gegner sehr gefährlich, denn der Draht wird in häufigen Fällen das andere Flugzeug treffen und die Granate zum Explodieren bringen. Das Luftpiratenkorps sieht nun die Operation in der Weise vor, daß- mehrere seiner Flugzeuge (um nicht von ihren eigenen Drähten getroffen zu werden) in einer geschlossenen Reihe fliegen und auf diese Weise „in wenigen Augenblicken den Horizont von allen feindlichen Luftmaschinen, Lenkballons und Flugzeugen, säubern können, denn . . . „unsere Apparate und besonders unsere Flieger sind denen Deutschlands überlegen; sie werden sicher und ohne jede Schwierigkeit in jedem Falle höher steigen, als irgend eine feindliche Maschine es vermag. Sind wir einmal Herren der Atmosphäre — und das ist leicht für uns, denn, namentlich in Bezug auf Höhenflüge, haben wir einen ganz beträchtlichen Vorsprang vor unserer»- Nachbarn jenseits des Rheins —, dann können wir in aller Gemütsruhe an das Bombardement gehen" und für diesen Zweck haben die Luft-Piraten einen besonderen Typ von „Torpedos"

eefunden- (Schluß folgt.) R1

Jedes Schießen auf Luftfahrzeuge ist zu unterlassen.

Die ersten Versuche französischer Flieger, durch Abwerfen von Sprengstoffen auf exponierte Baulichkeiten, haben sämtlich mit negativem Erfolg geendigt. Es ist auch nicht anzunehmen, daß feindliche Luftfahrzeuge ernstlichen Schaden zur Behinderung unserer Mobilisierung anzurichten imstande sind. Es ist fast unmöglich, daß sich

für die Folge feindliche Flieger bis ins Innere Deutschlands wagen können, da die technischen Schwierigkeiten, Mitfährung von Sprenggeschossen und einer größeren Menge von Betriebsstoffen, ganz bedeutend in die Wagschale fallen. Eine Beunruhigung der Bevölkerung, wenn Luftfahrzeuge gesichtet werden, ist daher ganz unbegründet.

Grade jetzt werden allerorten zahlreiche Uebungsflüge unternommen, die durch unvorsichtiges Benehmen, namentlich wildes Drauflosschießen, sehr gefährdet werden.

Es ist daher unter allen Umständen jedes Schießen auf Luftfahrzeuge, sofern sich dieselben nicht durch Bombenabwerfen oder in anderer durchaus zweifelsfreier Weise als feindliche erweisen, zu unterlassen.

Schraubenflieger Papin und Rouilly.

Die Erfinder dieses neuen Flugapparates stellten sich die Aufgabe folgend« Probleme zu lösen :

1. Direkter Start und direkte Landung.

2. In der Luft nach freiem Willen anhalten und sich fortbewegen können.

3. Außerordentlich verlangsamter Fall bei Motorpannen.

Das Prinzip des neuen Apparates beruht auf dem des Sykomo-renblattes, das ein natürliches Beispiel einer Schraube darstellt, die sich um eine Achse dreht und den Angriffswinkel verändern kann. Bekanntlich geht dieses samentragende Blatt, bei dem der Samen den Flügel im Gleichgewicht hält, beim Herabfallen in sehr verlangsamten Fall über durch die große Luftsäule, die bei seiner Bewegung mit bewegt wird. Es ist dies ein beachtenswerter Fallschirm. Ersetzt

man die Wirkung der Schwerkraft durch eine innere Motorkraft wobei man den Angriffswinkel des Blattes positiv erhält, so steigt es. Es ist ein Schraubenflieger mit einer einzigen Schraube, dessen Schraube nur aus einem Flügel besteht.

Die Abbild, zeigt den Apparat startbereit auf dem Boden. Die Maschine besteht aus einer enormen Schraube, die größte, die je gemacht wurde. Sie beschreibt einen Umkreis von 54 Metern, und hat nur einen Flügel, der inwendig ausgehöhlt ist. An der andern Seite des Flügels in Verbindung mit der Gondel, befindet sich ein Ventilator, der von einem Motor bewegt wird. Dieser Ventilator ruft einen Luftstrom hervor, der innen durch den Flügel streicht, durch das Rohr am Ende des Flügels austritt und dadurch eine Reaktion auf

die umgebende Luft ausübt, die dem Apparat eine drehende Bewegung gibt, analog derjenigen beim Sykomorenblatt. Motor und Ventilator halten den Schraubenflügel im Gleichgewicht und drehen sich zusammen um die Gondel. Diese Bewegung verbunden mit einem geeigneten Angriffswinkel, bedingt die Steigkraft der Maschine. Der Flügel

Scfiraubenflieger Papin and Rpuilly.

endigt in einer Fläche in Form eines Wimpels, das frei in der Luft schwingt. Der Motor wird durch die ventilierte Luft gekühlt, deren Volumen wirksam durch die verlorene Wärme vermehrt wird. Diese warme Luft speist den Motor, der durch besondere Steuerung mit komprimierter Luft vom Fahrersitz aus steuerbar ist.

Schraubenflieger Papin und Rpuilly.

Ein kreisförmiger Rumpf ist mit einem besonderen Stoßdämpfer versehen, bei dem komprimierte Luft die Hauptrolle spielt. Er dient

auf dem Wasser wie auf dem Land als Hauptunterstützungspunkt. Eine Gondel, die auf Kugellagern und Rollen schwingt, wird durch den Apparat unterstützt, ohne in dessen drehende Bewegung mit gerissen zu werden. Sie ist regulierbar durch die Antenne und deren Rohr, die ihr jeden Augenblick entweder Stillstand oder eine gewollte Bewegungsänderung sichern.

Derselbe Mechanismus liefert den Unterstützungspunkt, um die Hauptachse leicht verstellen zu können und dadurch die Horinzontal-verschiebung in eine gegebene Richtung zu bringen. Die Stabilität der Maschine geht hervor:

1. Aus der gyroskopischen Wirkung des Apparates und dessen Eigenschaft als Falldämpfer.

2. Aus der Fähigkeit den Stoß beim Landen wirksam aus--gleichen zu können durch Anwendung von komprimierter Luft als Abfederung. Zufriedenstellende Versuche haben bisher noch nicht stattgefunden.

Pariser Brief.

Von unserem Pariser Korrespondenten. Mein diesmaliger „Pariser" Brief, den ich schon diesseits der schützenden schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, auf heimatlichem Boden schreibe, wird vorerst die Reihe meiner Pariser Moldungen beschließen müssen. Das Völkerringen, welches unseren ganzen Erdteil in den Grundfesten erbeben macht, hat jene unvermeidliche Sturzwelle erzeugt, durch welche, gleich vielen Zehntausenden unserer Landsleute, auch Ihr Pariser Vertreter von seinem Posten fortgespült worden ist. Daß dabei diejenigen, welche an vorgeschobener Stelle für die Interessen unseres Vaterlandes tätig gewesen waren, am empfindlichsten getroffen worden sind, ist begreiflich. In dem Maße, wie sich auf der internationalen Schaubühne die Dinge zuspitzten und der tragischen Entwicklung näher kamen, nahm das Mißtrauen und die Gehässigkeit der Franzosen, zu, und wohl nirgends ist das deutlicher zu verspüren gewesen, als gerade in den Kreisen des französischen Flugwesens, wo man mit geheimnisvoller Wichtigtuerei jene oftangekündigte „Aktion" vorbereitete, welche angeblich gleich in den ersten Tagen der kriegerischen Kämpfe den entscheidenden Schlag ausführen sollte, von dem übrigens an anderer Stelle des eingehenderen berichtet werden kann.

Während der letzten Tage vor meiner Abreise aus Paris herrschte dort in allen in Betracht kommenden Kreisen eine bleierne Schwüle. Die sonst so mitteilsamen Franzosen zeigten sich plötzlich in hohem Maße zurückhaltend und auch an denjenigen Stellen, die bisher ein gewisses Entgegenkommen gezeigt hatten, war man nicht nur zurückhaltend, sondern geradezu feindselig unfreundlich, jeder Deutsche war ohne weiteres zum „Spion" avanciert. Die ßureaux aller aeronautischen und Fliegerveivinigungen waren schon seit einigen Tagen für alle Ausländer gesperrt und es gehörte eine gute Portion Vertrautheit mit den Verhältnissen und ein gewisses Maß von persönlichem Mut dazu, wollte man es unternehmen, sich über die Vorgänge zu orientieren. In der Rue Denis-Poisson, dem Sitz der „Association Amicale

des Aviateurs", forderte ein Anschlag diejenigen Flieger, welche nicht, zu dieser größten Vereinigung der französischen Zivilflieger gehören, auf, sich unverzüglich „zwecks Entgegennahme einer wichtigen und dringenden Mitteilung" beim Vorstand der Association einzufinden. Der General Bernard, der Leiter des französischen Militärflugwesens, hatte sich nämlich entschlossen, angesichts der bedrohlichen politischen Lage sämtliche diplomierten Zivilflieger, welche bisher noch nicht dem Militärfliegerdienst angegliedert waren, nunmehr zum Reserven-Fliegerdienst, einzuziehen. Es wurde damit einer seit langem schon von den französischen Zivilfliegern erhobenen Forderung endlich entsprochen, und die einschlägige Fachpresse wies noch am letzten Tage vor der Kriegserklärung darauf hin, daß die französische Heeresverwaltung „auch bei dieser Gelegenheit den alten, verhängnisvollen Schlendrian zeige" und eine Maßnahme, deren Dringlichkeit seit Monaten von allen sachkundigen Stellen anerkannt und immer wieder betont worden ist, bis zum „kritischen Augenblick" hinausgeschoben habe. Wie erinnerlich, war die Association Amicale vor nunmehr etwa zwei Jahren zu dem ausdrücklichen Zwecke gegründet worden, die Zivillliegerkräfte zusammenzufassen und dem Militärflugdienste zuzuführen, aber alle von der genannten Vereinigung unternommenen Schritte waren ohne Erfolg geblieben. Jetzt, im Augenblick der Gefahr, hat man sich der Zivilflieger erinnert. General Bernard hat die Association Amicale aufgefordert, eine Liste derjenigen Zivilflieger aufzustellen, welche zum Militärflugdienst noch nicht herangezogen, aber gewillt sind, „in der Luft-Armee Dienst zu tun." tichon am ersten Tage, nachdem diese Entscheidung des Leiters des französischen Militärflugwesens bekannt geworden war, haben sich nicht weniger als

116 Zivilflieger zu den Fahnen gemeldet

und man erwartete die Meldung von noch zahlreichen weiteren Zivilfliegern, welche im Augenblick durch ihre Tätigkeit auf einem der zahlreichen Flugfelder oder sonstwo von Paris abwesend waren. Die auf diese Weise ausgehobenen Flieger sollten, sofern sie ihre praktische Ausbildung nicht unterbrochen hatten, dem Flugzentrum von Dijon zugeteilt werden; die anderen Flieger, welche seit der Erlangung ihres Piloten-Zeugnisses sich anderen Berufen zugewendet oder das Fliegen nicht mehr praktisch betrieben haben, sollten den verschiedenen Flugzentren im Innern des Landes bezw. den Fliegerschulen überwiesen werden, um dort vorerst ihre praktische Ausbildung wieder aufzunehmen. Selbstverständlich wird auf diese Weise die Schar der von der französischen Heeresverwaltung ins Feld gestellten Flieger eine wesentliche Vermehrung erfahren. Ueberhaupt sind in diesen letzten Tagen die sonst etwas vernachlässigten „Zivilisten" von der Regierung in auffälliger Weise umschmeichelt worden. Man hat eben auf das Flugwesen, den „letzten Anker", gewaltige Hoffnungen gesetzt, und in der Stunde der äußersten Gefahr hat man sieh erinnert, daß die Erfüllung dieser Hoffnungen seitens der Zivilflieger einen Heroismus und Opfersinn voraussetzt, den man natürlich zu schüren und wachzuhalten bestrebt ist. Hier sind zwei Ehrungen zu erwähnen, welche am vergangenen Samstag bekannt geworden sind: der bekannte Förderer des Flugwesens, der in Paris lebende Russe Zaharoff, der Begründer des Lehrstuhls für

das moderne Flugwesen an der Pariser Sorbonne, ist zum Kommandeur der Ehrenlegion, und der sattsam bekannte Graf Henri de la Vaulx zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden. Was die Verdienste dieses letzteren Herrn betrifft, so braucht nur an die seinerzeit im „Flugsport" besprochenen Vorgänge erinnert zu werden. Es sind jetzt etwa zwei .fahre her, daß der Herr Graf eine „Studienreise" nach Deutschland unternommen hat, wo er, wie das ja bei uns so üblich ist, als Ausländer, und namentlich als Franzose, von den zuständigen Stellen mit ausgesuchter Aufmerksamkeit empfangen und in alle Einzelheiten unserer Organisation und Technik eingeführt worden ist. Man hat sich eine Ehre daraus gemacht, den Herrn Grafen, der in seiner offiziellen Eigenschaft als Vizepräsident des Aero-Olubs de France auftrat, der aber wohlweislich verschwieg, daß er die Leitung der französischen Zodiac-Werke übernommen hatte, herumzuführen und ihm Dinge zu zeigen, die ein Deutscher so leicht nicht zu sehen bekommt. Und als der Herr Graf von dieser interessanten Reise heimgekehrt war, veranstaltete er öffentliche Konferenzen über den Stand des deutschen Flug- und Luftschiffahrtswesens und zeigte an der Hand von Lichtbildern, die auf Grund der in Deutschland gemachten Aufnahmen, was Deutschland leistet und was Frankreich zu tun und nachzuahmen hat. '■Und weil dem Herrn Grafen unsere Zeppeline offenbar imponiert hatten, kaufte er sich den elsäßischen „Erfinder" Spieß, der angeblich den Zeppelin-Ballon vor Zeppelin erfunden haben will und begann, unter flagranter Verletzung der internationalen Patentrechte, Lenkluftschiffo nach dem Zeppelin-System und nach dem „Patent Spieß" zu bauen. Daß diese Konstruktion bisher nicht gelungen ist, daß der erste französische Lnftkreuzer nach Zeppelin'schem System sich nicht von der Erde zu erheben vermochte, ist nicht das Verdienst des Herrn Grafen de la Vaulx.

Die letzten Tage brachten noch zwei Neuheiten, die in französischen Fliegerkreisen mit großem Interesse besprochen worden sind. Die eine betrifft das

neue fliegende Boot Goupy-Denhaut

das dieser Tage auf der Seine in Triel ausprobiert worden ist und recht gute Resultate ergeben hat. Denhaut und Amerigo haben den neuen Apparat gesteuert, der mit einer Belastung von 500 kg eine Stundengeschwindigkeit von 130 km entwickeln und auf 50 m abkommen konnte. Bemerkenswert ist, daß die Konstrukteure sich bei der Empfehlung ihres neuen Apparats ausdrücklich darauf berufen, daß sich die Steuerfähigkeit dieser Maschine derjenigen der deutschen Apparate nähere! Es hieß, daß die Marineverwaltung die Absicht habe, den Goupy-Denhaut für die französische Marine in Dienst zu nehmen, und zwar sollte das Marine-Flugzentrum von Frejus mit einigen Maschinen dieses Typs ausgestattet werden. Ungleich höhere Beachtung in den inredestehenden Kreisen fand ein neuer

selbsttätiger Auf nähme-Apparat

einer neuen Erfindung des Hauptmann Fabri, die ausserordentlich lebhaft besprochen und im allgemeinen sehr günstig beurteilt wurde. Sie besteht in einer speziellen photographischen Camera, welche im Grunde genommen eher einem kleinen kinematographischen Apparat ähnlich ist. An Bord eines Flugzeugs mitgeführt und dort, gegen den

Boden gerichtet, aufmontiert, gibt der Apparat, nach Maßgabe der Vorwärtsbewegung, eine genaue Aufnahme der in der Luft überquerten Gegenden. Die Geschwindigkeit, mit welcher dieser Aufnahme-Apparat funktioniert, wird nach der Fortbewegungsgeschwindigkeit des Flugzeugs und derjenigen des Windes reguliert, und zwar mit Hilfe einer kleinen Hilfsschraube. Gelegentlich der ersten Versuche, hat der kleine Apparat, welcher ein Gewicht von nur einigen Pfund hat, während eines Fluges von 150 Meilen (also von ungefähr 241 km) in 4000 Fuß Höhe ununterbrochen klare und brauchbare Aufnahmen der überflogenen Gegenden machen können.

An den letzten Tagen der vorigen Woche gingen sämtliche verfügbare Flugzeuge an die Ostgrenze ab. Ein Geschwader von zehn Caudron-Zweideckern, von Militärfliegern gesteuert, war am Samstag, von Le Crotoy kommend, im Fluglager von Keims eingetroffen, um noch an demselben Tage von dort nach Epinal ab-

Der Deutsche Luftfahrer-Verband teilt in einem Rundschreiben kurz folgendes mit: Seit einigen Tagen ist der Krieg in vollem Gange. Unsere Waffen haben sich bereits mit Ruhm bedeckt. Der Generalinspektion der Verkehrstruppen wurden sämtliche Luftfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Alle Flugzeugführer haben dem Ruf zum Heer Folge geleistet. Es ist dafür Sorge getragen, daß auch jetzt noch Flugschüler möglichst rasch auf allen Flugplätzen ihrePrüfung ablegen können. Die Schwierigkeiten, die nötigen Sachverständigen hierfür zu stellen, sind überwunden. Ganz besonders wird darauf aufmerksam gemacht, das planlose Schießen auf Luftfahrzeuge innerhalb der Reichsgrenzen zu lassen.

Das neue Ago-Wasserf lugzeug mit 200pferdigem Oberurselmotor zeigt in seinem Gesamtaufbau bemerkenswerte Einzelheiten Interessant ist die Konstruktion der Schwimmer. Die eigenartige Abstufung und rückwärtige Ausbildung der Schwimmer zeigt die umstehende Abbildung.

Zusatz-Ehrenpreise für die fünfte Ausschreibung der Nationalflugspende. Die letzte Ausschreibung der Nationalflugspende vom 20. Juni, in der den deutschen Fliegern für die Ueberbietung der bestehenden Dauer- und Höhen-Flugweltrekorde Prämien von 10000 und 5000 Mark ausgezahlt wurden, hat eine Reihe hervorragender Leistungen gebracht. Die Erwägung, den Rekordfliegern für ihre Leistungen neben den Barpreisen der Nationalflugspende, die sie naturgemäß mit ihren Firmen zu teilen haben, ein bleibendes Andenken zu geben, hat den Verlag des „Berliner Tageblatt" veranlaßt, für die noch ausstehenden Prämien der Nationalflugspende Zusatz-Ehrenpreise zur Verfügung zu stellen, die zugleich mit den Barpreisen der Nationalflugspende zur Verteilung gelangen werden.

zugehen.

El

Inland.

Die „Allgemeine Luftfahrzeug-Ausstellung Berlin 1914" wird, wie uns soeben der Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller, E. V, Berlin, mitteilt, wegen der politischen Lage bis auf Weiteres verschoben.

Das Sdiwimmergestell des neuen Ago-Doppeldeckers.

Von den Plugplätzen.

Vom Eulevflugplatz.

Der neue Euler-Doppeldecker hat bereits seit-längerer Zeit seine außerordentliche Leistungsfähigkeit bewiesen. Um die unangenehmen Begleiterscheinungen der Kühleranordnung über dem Motor zu vermindern, ist der Kühler unterhalb des Motors, der Form des Rumpfes angepaßt, angeordnet, lieber die Einzelkonstruktion, besonders über den Stahlrahmenbau zur Aufnahme des Motors haben wir bereits früher berichtet.

Von der IPront.

2. August. Feindliche Flugzeuge wurden auf der Fahrt von Düren nach Köln beobachtet. Ein solches französisches Exemplar wurde bei Wesel heruntergeschossen.

3. August. Um Mitternacht schwebte ein f ra n zö sis c h e s Flugzeug über dem Hauptbahnhof der Stadt Frankfurt am Main. Der Flieger wurde bereits von Darmstadt aus gemeldet, sodaß er mit Salven der Wachtposten,in Empfang genommen wurde. Der Apparat wurde später auf der Bahnstrecke Bebra gefunden. Der Flieger war entwichen.

4. August. An der Österreich-russischen Grenze wurde ein Flugzeug, Typ Sikorsky, mit einem russischen Flieger und Begleitoffizier besetzt, von österreichischen Truppen abgeschossen. Beide wurden verletzt und als Gefangene in Gewahrsam gebracht.

10. August. Ueber Diedenhofen versuchte ein f ranzö s i s ch e s Flugzeug mehrmals zu kreisen, wurde jedoch von deutschen Truppen bei Amanweiler heruntergehohlt.

11. August. Eine französische Flugmaschine mit einem Offizier als Führer wurde in Lichtenfeld (Pfalz) von einer Militärabteilung, die sich grade auf dem

Weg nach Lichtenfeld befand, heruntergeschossen. Der Apparat ging in Trümmer und der Flieger wurde schwer verletzt.

13. August. Aus Rörmond meldet eine Depesche: Die Deutschen holten bei dem Dorfe Arsbeck im Regierungsbezirk Aachen einen englischen Flieger herunter. Derselbe wurde verwundet und nach Rheydt gebracht.

H.August. Der b e lgis ch e Fliegerleutnant Tapproge ist nach einem Fluge von Namur aus bei der Landung so scharf auf den Boden gestoßen, daß das Flugzeug zersplitterte und der Flieger mit gebrochenem Rückgrat lebensgefährlich verletzt aufgehoben wurde..

Hauptmann Miller, der bekannte österreichische Militärflieger und Kommandant der Fliegerabteilung Wiener-Neustadt, ist am 29. Juli bei einem Auto-mobilunfall bei Stuhlweißenburg tötlich verunglückt.

Das Ozeanflugzeug „Ameuca", mit welchem Ltn. Porte den Ozeanflug um den „Daily Mail-Preis" ausfuhren wollte, wurde am 29. Juli bei einem Probeflug vollständig zertrümmert.

Der italienische Flieger Landini startete am 28. Juli 1914 in Novara mit einem Passagier und überflog den 4638 m hohen Monte Rosa. Die Landung vollzog sich glatt im Schweizer Kanton Wallis an der Rhone.

Der norwegische Flieger Graf Tryggus Grel flog am 30. Juli von Zudenbai in Schottland nach Stavanger, wo er bei Jäderen glatt niederging.

Flugzeugbestellungen der italienischen Heeresverwaltung. Für die

italienische Armee wurde ein bestimmter Plan für die künftige Organisation des Flugwesens und die Ausrüstung der verschiedenen Truppen, Verbände und Plätze mit Flugzeugen aufgestellt. Es sollen im ganzen 25 Flugzeuggeschwader aufgestellt werden; zu jedem Geschwader gehören an Material: sieben aktive Flugzeuge und drei Reserveflugzeuge, mehrere Kraftwagen, Motorräder, FelJtele-graphen, Karten, Telephone und Ersatzteile, an Personal vier Offiziere als Piloten, vier Offiziere als Beobachter und 25 Mann als Bedienungspersonal. Die 25 Geschwader sollen wie folgt verteilt werden: je ein Geschwader erhalten die vier im Mobilisierungsfall zu formierenden Armeen, die zwölf Armeekorps und die drei Kavalleriedivisionen, zwei Geschwader erhält die Territorialmiliz. Vier Geschwader sind für die Kolonien vorgesehen und sollen in Libyen, Cyrenaika,

Der neue Euler-Doppeldedier.

Ausland.

Erithräa und Somaliland stationiert werden. Von den zwölf den Armeekorps zugeteilten Geschwadern sollen zwei in Rom, zwei in Turin, zwei in Busto Arizio und zwei in San Maurizio stationiert werden. Für die Formierung dieser 25 Geschwader sollen 300 Flugzeuge in Auftrag gegeben werden. Für Erteilung von Aufträgen waren vorzugsweise französische Firmen sowie die englische Firma Bristol in Aussicht genommen; inwieweit Vorstehendes inbezug auf Vergebung der Aufträge unter den jetzigen obwaltenden Umständen noch zutrifft, vetmögen wir im Augenblick nicht festzustellen.

Verschiedenes.

Hellmuth Hirth ist bereits den deutschen Fliegertruppen beigetreten, sodaß Gerüchte, die über seine Person zirkulieren, sich von selbst dementieren.

Ein französisches Flugzeug beschlagnahmt. Am Sonntag den 9. August wurde auf dem Güterbahnhof in S:hneidemühl ein in mehreren Kisten verpacktes französisches Flugzeug beschlagnahmt, das für Rußland bestimmt war. Die beschlagnahmten Kisten wurden nach Posen gebracht.

Ein französischer Flugapparat wurde auf der Bahnstrecke Frankfurt-Bebra gefunden. Der Flieger war entwischen. Es ist anzunehmen, daß es sich um den französischen Flieger handelt, der in der Nacht vom 4. August Uber dem Frankfurter Hauptbahnhof zu kreisen versuchte, aber durch das Feuer der Soldaten verscheucht wurde.

Patentwesen.

Gebrauchsmuster.

77h. 612918. Flugzeug. Otto Braun, Cöln, Triererstr. 28 29 6. 14. B. 70 472 77h. 613081. Flugzeug. J. Guthmann, Mannheim, Emil Heckelstr. 99. 9. 6. 14. G. 36 798,___

Strebe für Flugzeuggerüste.*)

Der Gegenstand der Erfindung betrifft eine Strebe für FlugzeuggerUste und besteht darin, daß die abgerundeten Kanten des Stabes von ovalem Querschnitt durch Stahlblech geschützt sind. Das Stahlblech ist rohrförmig zusammen-

Abb. 1.

gebogen und in entsprechende Nuten des Holzstabes eingeschoben. Der Stab wird alsdann in an sich bekannter Weise mit Stoff überzogen, der auf die Holzflächen festgeleimt wird. Durch die Stahlbekleidung wird ein Verbindungsglied geschaffen, das besonders gegen auf die Schmalseiten kommende Stöße oder sonstige zerstörende Einflüsse unempfindlich ist.

Abb. 1 zeigt den Stab in seiner vollständigen Ausführung. Abb. 2 im Schnitt zeigt, wie die nicht ganz geschlossenen Stahlröhren a in den elliptisch geformten Holzstab b eingeschoben sind. Die Muffen sind derart mit dem Stab verbunden, daß Blechstreifen zuerst an die Rohre angelötet werden und, wenn dieselben in den Holzstab eingeschoben sind, umgebogen werden.

Patent-Anspruch: Strebe für Flugzeuggerüste, dadurch gekennzeichnet, daß die beiden abgerundeten Kanten des elliptisch geformten Holzstabes durch nicht ganz geschlossene Stahlröhren geschützt sind, die mit ihren Rändern in entsprechende Nuten des Holzstabes eingeschoben und durch Umwicklung mit Stoff festgehalten werden.

Abb. 2.

*) D. R. P. Nr. 275381. Ernst Böhringer in Böckingen, Württ.

Offizielle Mitteilungen.

Bund deutscher Flugzeugführer, E. V.

Geschäftssielle: Berlin-Johannisthal, Kaiser-Wilhelm-Straße 47. Telegramm-Adresse: Fliegerbund. Fernsprecher: Amt Oberschöneweide964.

Eintrittsgeld Mk. 20. - :—: Monatlicher Beitrag Mk. 3.50.

1. Vorsitzender: Felix Laitsch. Da fast alle Mitglieder des Burides in den Dienst des Vaterlandes getreten sind, wird die Zustellung des „Flugsports" bis auf Weiteres verschoben.

Das Baral-Eindecker-Modell.

Der Rumpf ist aus zwei profilierten Pappelholzstäben hergestellt, die vorn in einem Ansatz zusammenlaufen, in dem die Propellerwelle gelagert ist. Durch diese Konstruktion wird neben leichtem Gewicht eine außerordentliche Dreh-

Das Baral-Eindecker-Modell.

und Knicksicherheit erzielt. Das Fahrgestell besteht aus zwei starken Bambusstreben, an denen eine Stahldrahtachse mit zwei Panzerrädern befestigt ist. In der Mitte trägt die Achse eine breite Bambuskufe, die das Ueberschlagen bei der Landung verhüten soll Die mövenartig ausgebildeten Tragflächen zeigen charakteristische Form, wie aus der Abbildung zu ersehen ist. Sie sind aus

Das Baral-Eindecker-Modell. Abb. 3

Abb. 1. Propellerlagerung. Abb 2. Rumpfkonstruktion. Abb. 3. Fahrgestell.

Bambus hergestellt und mit Pauspapier überzogen. Um die Stabilität im Flug zu erhöhen, sind die Flügelenden leicht nach oben gebogen Höhen- und Seitensteuer sind in bekannter Weise in den Schwanz gelegt, der von einer kleinen Schleifkufe unterstützt wird. Der Rumpf hat eine Länge von 1 m, während die Tragfläche eine Spannweite von 95 cm bei einer Flächentiefe von 15 cm besitzt. Der Antrieb der 30 cm großen Luftschraube erfolgt durch Quadratgummi. Das Modell, das durch seine saubere Arbeit auffällt, hat wiederholt Flüge bis zu 95 m ausgeführt.

Verband deutscher Modellflugvereine.

Sitz Frankfurt a. M.

Geschäftsstelle: Präsidium:

Frankfurt a. M., Eppsteinerstr. 26. Frankf. Flugmodell-Verein.

Zahlungen erbeten an Disconto-Gesellschaft, Frankfurt a. M.

Kölner Club für Modellflugsport.

Mitglied des Verbandes deutscher Modellflugvereine. Geschäftsstelle: H. Betz jr., Köln, Moltkestraße 89.

Der neugewählte Vorstand setzt sich nunmehr wie folgt zusammen:

1 Vorsitzender: Julius Levy. Cöln, Görresstr. 7, 1. Schriftführer: H. Betz jr., Cöln, Moltkestr. 89, 2. Schriftführer: P. Kempen, Cöln-Klettenberg, Beisitzer: Ferd. Räderscheidt, Cöln, Luxemburgerstr 72, Techn. Leiter: Ferd. Räderscheidt.

Am 1. August fand im Gürzenich-Restaurant eine Versammlung statt, an der auch Härtung-Düsseldorf teilnahm. Dieser hielt eine kurze Ansprache an die Versammelten, in der er betonte, daß der F. V. D. noch weiter in derselben Weise wie früher mit seinem Kölner Kollegen im Einvernehmen bleiben werde.

Es wurde beschlossen, während des Krieges die Vereinsgeschäfte ruhen zu lassen.

Firmennachrichten.

Flugzeugwerft Lübeck-Travemünde, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Lübeck-Travemünde. Gegenstand des Unternehmens: Die Errichtung und Führung einer Flugzeugwerft, der Betrieb einer Fliegerschule, eines Flugplatzes, der Flugzeugfabrikation und aller anderen damit zusammenhängenden Unternehmungen sowie die Pachtung und der Erwerb von Grundstücken, deren Bebauung und Verwertung, endlich der Erwerb und die Beteiligung an gleichartigen Unternehmen und die Uebernahme der Vertretung solcher Unternehmen. Stammkapital: 200000 Mk. Geschäftsführer: Fritsch, Ernst Bernhard, Ingenieur, Gutt, Paul Richard, Ingenieur, beide zu Lübeck-Travemünde. Der Gesellschaftsvertrag ist am 16. Mai 1914 festgestellt. Der Gesellschafter „Deutsche Flugzeugwerke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Lindenthal bei Leipzig" hat in Anrechnung auf seine Stammeinlage drei von ihm hergestellte Flugapparate neusten Modells samt Zubehör zum angenommenen Wert von 75 000 Mk. eingebracht. Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen im „Deutschen Reichanzeiger".

E. Rumpier Luftfahrzeugbau Gesellschaft mit beschränkter Haftung

zu Berlin-Johannisthal Dem Kaufmann Otto Mathaei zu Berlin-Tempelhof ist Prokura derart erteilt, daß er die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer oder einem anderen Prokuristen vertreten darf.

Flugzeugwerke Richard GöUe Kommandit Gesellschaft. Berlin-Treptow. Zwei Kommanditisten sind eingetreten. Die Einlage von fünf Kommanditisten sind erhöht.

Die Deutschen Lloyd-Flugzeug-Werke Paul Lange & Co. wurden in Wandsbek in das Handelsregister eingetragen.

Personalien.

Georg Chatel f

Eine Kunde, die besonders in den Kreisen unserer Flugzeugindustriellen größte Trauer hervorrufen wird, kommt uns aus Mülhausen im Elsaß: Georg Chatel, der Begründer und Direktor der Automobil- und Aviatik-A G. in Mülhausen, ist bei den dort stattgehabten Kämpfen zwischen deutschen und französischen Truppen, die schließlich mit dem Sieg der Unsrigen endeten, mit seiner Gattin durch eine Granate getötet worden. Direktor Chatel bewohnte mit seiner Familie eine außerhalb Mülhausens, nicht weit von seiner Fabrik gelegene Villa, wo er sich bis zuletzt aufhielt. Ein verirrtes Geschoß zertrümmerte das Gebäude fast vollständig, wobei Chatel und seine Gattin den Tod fanden.

Georg Chatel war am 1. Oktober 1874 zu Mülhausen geboren. Schon früh hatte er viel Interesse für Sport jeder Art. 1900 gründete er ein Geschäft für Automobilzubehör, Ende 1909 vereinigte er sich mit dem Flieger Emil Jeannin und gründet eine Flugzeugfabrik unter dem Namen Aviatik G. m. b. H. in Mülhausen. Die Doppeldecker der neuen Firma, die nach dem Farmantyp gebaut waren, führten sich bald gut ein. Chateis Geschick gelang es, aus der anfänglich kleinen Firma eine große Aktiengesellschaft zu machen, deren Flugzeuge durch die Reihe der Rekordflüge Viktor Stoefflers, Ingolds u. a. auch im Ausland weithin bekannt wurden. Jeannin war 1912 aus der Aviatik A. G. ausgeschieden und hatte eine eigne Fabrik in Johannisthal gegründet.

Chatel erfreute sich nicht nur als tüchtiger Geschäftsmann größter Anerkennung, er hatte auch wegen seines ehrlichen Wesens, seiner Zuvorkommenheit und Liebenswürdigkeit viele Freunde.

Literatur.*)

Der Herr der Luft. Flieger und Luftfahrergeschichten herausgegeben und eingeleitet von Leonhard Adelt. Verlag Georg Müller München und Leipzig. /

Der Herausgeber hat in vorliegendem Buch das Beste der Literatur des Flugwesens gesammelt. Namen wie d'Annunzio, Stifter, Vollmöller, Edgar Allan Poe, Strobl, sowie derjenige des Verfassers neben vielen anderen, bürgen uns dafür, daß wir es nicht mit den üblichen Durchschnittsfliegerromanen zu tun haben. Das Gebotene übersteigt weitaus das Mittelmaß und bringt in fesselnder anregendster Art den hohen Gedanken des Fliegens, die alte Sehnsucht der Menschen, zur Verherrlichung. Der Mythos des Fluges schlägt die Brücke zu den heutigen '

Erfolgen auf dem Gebiet des Flugwesens und die Verkörperung desselben, die ersten Flugmenschen, Helden, die für ihre Idee das Leben opferten, spielen eine ergreifende Rolle darin. Daneben finden wir in dem Werk Fluggeschicliten voll köstlichen Humors und vor allem Geschehnisse, Tatsachen und Zukunftsbilder des Flugwesens, die uns, in künstlerisch einwandfreier Weise geschildert, den Ernst und die Erhabenheit des Fliegens, miterleben lassen.

Das Werk vereient große Verbreitung.

*) Sämtliche besprochenen Bücher können durch die Expedition des „Flugsport" bezogen werden.