Illustrierte Aeronautische Mitteilungen

Jahrgang 1905 - Heft Nr. 4

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Eine der ersten Zeitschriften, die sich vor mehr als 100 Jahren auf wissenschaftlichem und akademischem Niveau mit der Entwicklung der Luftfahrt bzw. Luftschiffahrt beschäftigt hat, waren die Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen, die im Jahre 1897 erstmals erschienen sind. Später ist die Zeitschrift zusätzlich unter dem Titel Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt herausgegeben worden. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1897 bis 1908 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die angebotenen PDF Dokumente. Schauen Sie sich bitte auch die kostenfreie Leseprobe an, um die Qualität der verfügbaren PDF Dokumente zu überprüfen.



illustrierte aeronautische Mitteilungen.

IX. Jahrgang.

*i April 1905. x*

4. Heft.

Aöronautik.

Nochmals die deutschen Frauen und die Luftschiffahrt.

Wie ich ahnte und wie ich am Schluß meiner Abhandlung in Nr. 12 1904 dieser Zeitschrift befürchtend aussprach, ist es gekommen: Ich habe einige unserer Gebieterinnen übersehen und leider nicht aufgeführt.

Der Zorn der Götter kann nicht schlimmer sein, ja er ist gewiß leichter zu ertragen, als der unbedingt gerechte Zorn unserer vergessenen Frauen". Indem ich hiermit denjenigen danke, die mir meine Unterlassungssünden vorgehalten haben, will ich reumütig das Versäumto nachholen und der Verzeihung harren.

Zunächst war es im .lahr 1900 Frau Fiedler, die Gattin des ehemaligen sehr verdienten Schatzmeisters des Berliner Vereins, welche mit Fräulein v. Kleist und Herrn Fiedler unter Führung des Oberleutnants v. Kleist, der gegenwärtig auf dem Kriegsschauplatze in Südwestafrika weilt, am 9. Oktober eine Freifahrt unternahm. Die Fahrt dauerte über 2 Stunden und endete bei Wriezen, ti8 Kilometer von Berlin. Diese Fahrt ist für den Berliner La fisch ifferverein noch insofern von besonderem Interesse gewesen, als bei ihr zum ersten Male eine Begleitung durch Hauptmann v. Tschudi im Selbstfahrer stattfand.

Das Ehepaar Fiedler hatte solchen Geschmack an der schönen Fahrt gefunden, daß es am 11. Juni 1901 unter demselben Führer und unter Mitnahme von Frl. v. Gramer zum zweiten Male aufstieg. Diesmal führte der Flug nach 4 V» stündiger Fahrt bis nach Schneidemühl, 235 Kilometer von Berlin. Die Fahrt erreichte eine Höhe von 2750 m und endete mit einer glücklichen Landung nach einer öO Minuten langen Schleppfahrt.

Fernerhin machte im Jahre 1902 am 27. März Ihre Hoheit die Frau Prinzessin Adelheid von Sachsen-Altenburg mit S. H. dem Prinz-Gemahl unter Hauptmann v. Tschudis Führung ihre zweite Ballonfahrt nach Dölzig bei Königsberg i. d. M., 80 Kilometer von Berlin.

Herr Professor Palazzo in Horn war so freundlich, mir auch mitzuteilen, daß die Frau de Filippi eine Engländerin sei, und daß die Berlinerin, welche in der Societä Aeronautica Italiana neben der erstgenannten und

Frau Fiedler und Frl. v. Cramer vor dar Abfahrt.

auiJer Miss liraee Kielder den Damenluftsporl eingeführt habe, Krau Mengurin i wäre.

Hiermit wäre meine Abhandlung ergänzt und richtig gestellt. Im Jahre 1 *.*04- haben sich innerhalb des deutschen Luftschilferverbandes nur 12 Damen an Ballonfahrteil beteiligt, die sich auf die einzelnen Vereine wie folgt verteilen: Im Berliner Verein fuhren 3 Damen

» Augsburger » » <> »

» Niederrheinischen » * 3 > Im allgemeinen muß ich es als sehr bedauerlich bezeichnen, daß ineine Bemühungen, in Erfahrung zu bringen, ob die betreffenden Damen besondere Erlebnisse und Kindrücke bei diesen Fahrten aufzuzeichnen hatten, erfolglos waren. Ich zweifle nicht daran, daß solche bei jeder Einzelnen wohl vorgelegen haben werden, bedauerlich bleibt es nur für uns. daß wir durch Mitfühlen die Freuden an diesen Damenfahrten nicht mit teilen und verdoppeln können. Ich vermag dalier in nachfolgendem nur eine Aufzählung von Namen und Daten zu geben, ein Skelett, das ganz ohne Fleisch und Blut sein würde, wenn nicht in liebenswürdiger Weise von verschiedenen Seiten zum Teil recht gut gelungene Bilder zur Verfügung gestellt worden wären.

Im Berliner Verein für Luftschiffahrt begann Freifrau v. Hewald mit ihrem Galten unter Hauptmann v. Kroghs Führung am 29. Januar.

Ks war diese die 3. Ballonfahrt dieser Dame, welche nach 6 Stunden 2<) Minuten bei Bosen, 220 Kilometer

I»^MBß? H von Berlin, endete. Man darf wohl bald die Frage WL stellen, wird Freifrau v. Hewald ihrem Gatten 19()ö

auch als Ballonführer nachfolgen? Qui vivra renal Eine nicht weniger eigenartige Fahrt war am 2'k September 19(34 die ■Brautfahrt durch die Luft von Herrn Dr. Elias mit Fräulein Radetzki. An Stelle der Frau Schwiegermutter war der Herr Schwiegervater mitgefahren und ein englischer Freund Mr J. N. Field aus Ostindien. An dem großen Müritzsee bei Waren in Mecklenburg endete nach beinahe dreistündiger Dauer die Brautfahrt in glücklichster Weise. Fräulein Ha-delzki halte sich in jeder Beziehung als ■ luftfest • erwiesen, was für das zukünftige Familienglück eines Luftschiffers, wie Dr. Elias, gewiß nicht ohne Bedeutung sein wird. Tatsache ist, daß hier in der Luft Herr Dr. Elias Fri- RypinsM die Führung hatte.

Weither von New-York kam Fräulein Hypinski, um unter Führung von Oberleutnant Schoof mit Hauptmann Engel in Deutschland eine Freifahrt zu machen. Die Fahrt ging nach Noiduordost bei einer ganz frischen Brise. Nach einstmaliger Fahrt wurde bei Angermünde gelandet.

Frl Radetzki.

♦ >»9> 107 43«m«

Kine regere Beteiligung der Damen war HH)4 beim Augsburger Verein für Luftschiffahrt. Zunächst machte Frau Thessa Oehler am 25. Maiunter Herrn Zieglers bewährter Leitung mit Herrn A. Probst eine zweite Ballonfahrt nach Munderling in Oberösterreich. Sie blieb 9l/i Stunden in der Luft, erreichte 2000 m Höhe und legte 17.-5 Kilometer zurück.

Am 15. Juni fuhr wiederum, nunmehr zum dritten Male.FrauBerthaRiedinger mit Fräulein Hoen und mit Ingenieur Winawer aus Pe-ter>burg. Die Führung hatte Ingenieur Seherle der Ballonfabrik von Biedinger. Nach 21 /s Stunden landeten die Fahrer gegen 1 Ihr bei Dörnbach bei Beiershausen, 45 Kilometer von Augsburg, l'nser Bild stellt die Fahrtgemeinschaft mitsamt dem verpackten Ballon auf dem anscheinend weniger bequemen Landgefährt dar.

Am 24. Juni fuhr Herr Ziegler mit Frau Dr. Pflaumer nebst deren Gallen, beide aus Buenos-Aires, und mit Frau Professor Slu-nicko in 61/* Stunden nach Stadelhof bei Wolnzach, 00 Kilometer von Augsburg. Die Fahrt erreichte 2400 in Höhe. Die Fahrt endete mit einer Damenlandung.

Am HO. August brachte Herr Ingenieur Seherle Frau Bo Ische ff mit Gatten und Herrn BeljaelT, alle aus Sl. Petersburg stammend, von Augsburg in 7 >/s Stunden Fr,u Dr*Pflaym,r> Fr,H Prof- Slun,cl"> "'ch '•"hr »,atter LMd««iu-nach Winnenden bei Stuttgart.

Ks ist aullällend, daß im Jahre 1904 verhältnismäßig viele Ausländerinnen sich den deutschen Ballons und deutscher Führung anvertraut haben, sodaß ich beinahe in Verlegenheit wäre, sie unter den Titel dieses Aufsatzes zu bringen. Indessen dürfte die Annahme gerechtfertigt

Frau B. Riedinger und Frl. Hoen nach der Fahrt.

sein, dail die meisten auch dieser Luftfahrerinnen deutscher Abstammung waren.

Im Niederrheinischen Vereine linden wir erfreulicherweise die uns schon bekannten Walküren ihren Flug von neuem durch die Luft nehmend. So fuhren Frau Dr. Sieburg und Fräulein G. Troost unter Hauptmann v. Rappard mit Oberleutnant Schilling am US. März in 7s/4 Stunden von Barmen nach Grevenbroich und am 12. Juli Frau Dr. Ostertag mit den Herren Mengel und Toelle unter der bewährten Führung von Herrn Dr. Bamler in 6's Stunden nach Venvay in Holland.

Auf jeden Fall dürfen wir die Bedeutung aller dieser Walkürenfahrten für die sportliche Entwickelung unserer Luftschiffervereine nicht gering anschlagen, und wir können es daher nur mit vielem Beifall begrüßen, wenn noch recht viele derartige Fahrten in weiterer Folge gemacht werden.

Moedebeck.

Lustige und traurige Episoden aus den ersten Jahren

der Ballon-Aera (1783).

Nach authentischen Berichten gesammelt von Max lieher-Augsburg.

nachdruck verboten.

Es ist das Los erfinderischer Genies, daß bei ihrem Auftreten ihre geistigen Produkte von der neidischen Mitwelt in den Staub heruntergezogen werden. Die einen behaupten, es seien allbekannte Sachen, die vor so und so viel Jahren schon irgend ein Schlaukopf zum besten gegeben habe; andere werfen sich gleich aufs hohe Roß und kritisieren von oben herab die Mängel der neuen Erfindung, haben aber selbst nicht das Zeug, durch eigenen Scharfsinn die angeblichen Nachteile zu beseitigen.

So erging es auch dem berühmten Bruderpaar Etienne und Joseph Montgolfier, den Erfindern der aerostatischen Kugeln. Man erzählte sich damals, sie hätten ein Manuskript, das bald in der kgl. Bibliothek zu Paris, bald zu Turin befindlich gewesen sein sollte, und überhaupt auch ältere Schriftsteller, insonderheit den Jesuiten Lana, ferner Leibniz, Borelli und den Dominikaner Gaben geplündert. Letzterer soll, sei es aus Scherz oder Ernst, den Vorschlag gemacht haben, einen ungeheuren breiten Ball aus starker Leinwand, größer denn die gute Stadt Avignon, zu verfertigen, mit Wachs oder Teer zu bestreichen und mit verdünnter Luft zu füllen. Ergo — war der Dominikaner der eigentliche Erlinder des Luftballs. Zwar konnte man den beiden Brüdern Montgolfier das Verdienst nicht absprechen, * daß sie Personen von beobachtendem Geiste und Liebhaber der Naturkunde waren, sich schon längst mit dem Aufsteigen der Dünste beschäftigten und Wolken suchten, welche, in Säcke gebunden, Lasten aufzuheben vermochten». Aber man gönnte ihnen das Verdienst nicht, die allerdings schon bekannte Idee praktisch verwertet zu haben.

Doch sie arbeiteten unverdrossen weiter und schon am ö. Brach-

monat 1783 produzierten sie sich angesichts der versammelten Stände zu Annonay mit großem Erfolg. Die Pariser Blätter schrieben darüber m t Begeisterung. Demnach hatte die wunderbare Maschine, welche aus Tuch und Papier bestand, die Gestalt eines Hauses von 36 Schuh in der Länge und 26 in der Breite und wrurde durch die Kraft des Feuers und des elektrischen Rauches fast bis zur Unsichtbarkeit in die Höhe getrieben. Wenigstens war sie in der Luft kaum von der Größe einer kleinen Figur zu erblicken gewesen. Als diese Maschine wieder herunterkam, wurden ihrer die benachbarten Bauern ansichtig, welche in die größte Bestürzung gerieten, da sie meinten, der Mond neige sich herab, und das Ende der Welt sei ganz nahe.

Die beiden Erfinder ihrerseits waren auch noch nicht ganz im klaren über den physikalischen Grund ihres elektrischen Rauches, den sie durch Verbrennung eines Gemisches von Stroh und Wolle erzeugt hatten; sie glaubten ein Gas von besonderer Eigenschaft entdeckt zu haben, während tatsächlich der heiße Rauch, der leichter als wirkliche Luft war, das Emporsteigen des gefüllten Körpers bewirkte.

Die Nachricht von dem Ereignisse zu Annonay am 5. Juni veranlaßte die Academie des Sciences, zur Prüfung der Erfindung eine eigene Kommission einzusetzen, und bald waren zur Wiederholung des Experiments 10000 Is. zusammengebracht, was für die beiden Brüder um so angenehmer war, als sie beim ersten Versuch 100 Pistolen verwendet hatten. Die Herstellung des Ballons wurde dem berühmten Physiker Jacques Alexander Cesar Charles (geb. 12. Nov. 1746 zu Beaugency, gest. 7. April 1823) übertragen. Es entstanden nun, wie man sich damals ausdrückte, zwei Sekten und verschiedene Arten von aerostatischen Maschinen, die sich den Rang streitig machten, indem Charles auf «inflammable Luft d.h. auf Wasserstotfgas riet, anstatt der heißen Luft, welche die beiden Montgollier zur Füllung des Balls verwendet wissen wollten. So entstanden die Montgolfieres einerseits und die Charlieres andererseits.

Am 27. August 1783 stieg der angekündigte, mit WasserstofTgas gefüllte Ballon zu Paris vor einer ungeheuren Volksmenge auf, trotzdem niemand ohne Billett, a 3 ls. zur Bestreitung der Unkosten dieses wunderbaren Experiments Zutritt hatte.

Nach damaligen Berichten soll sich der Globus 6000 Fuß hoch emporgeschwungen haben und 4 Stunden von Paris, in der Nähe von Gossene, auf die Wohnung eines ehemaligen Lehrers der Kriegsschule niedergefallen sein, wodurch er eine starke Öffnung bekam. «Zwei Bauern sahen die Maschine ganz langsam auf die Erde niedersinken. Sie hielten dieselbe um so eher für ein Ungeheuer, da sie, als sie schon den Erdboden berührt hatte, noch aufhüpfte, was eine Wirkung des darin noch vorhandenen elastischen Gases war. Sie trauten sich nicht, dem Ungeheuer näher zu kommen, warfen aber gleichwohl mit Steinen darnach, hielten es endlich, da es sich nicht mehr bewegte, für tot, und wagten sich Schritt für Schritt

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näher, um es zu begucken und betasten. Der Dreisteste von ihnen sah endlich zur obersten Tür hinein, wo er sich aber wegen des stinkenden Dampfes nicht lange halten konnte. Zuletzt kamen die beiden Freunde überein, daß das Fngeheuer mausetot sei, und schleppten es mit Hilfe ihrer Maulesel ins Dorf zum Pfarrer, der dann, als des Lesens kundig, aus dem darauf geklebten Zettel ersah, was für eine Maschine das eigentlich sei, und wem man Nachricht geben müsse. > Gegen Knde September veranstalteten die beiden Montgolfier in Paris in Gegenwart der Kommissarien der Akademie der Wissenschaften ein Experiment mit ihrer größeren aero-statischen Kugel, die nur halbvoll von brauchbarer Luft war und mit einer Last von (500 Pfund beschwert war. «Sobald man der Maschine ihren Willen ließ, wollte sie partout mit Gewalt weiter, und 30 starke Männer, die sie an den Stricken festhielten, vermochten sie kaum zu bändigen. Endlich bekam man sie nach unsäglicher Mühe wieder herunter. Man gewahrte, daß sie durch das Kämpfen gegen die Leute und durch ihre innere Gewalt so hart mitgenommen sei, daß man sie wieder auszubessern, für nicht rätlich hielt.» Man beschloß daher, sofort eine neue zu verfertigen und damit in Bälde ein Experiment im Park zu Versailles anzustellen.

Am 24-. September fand dasselbe auch dort in Gegenwart des Königs und der Königin statt. Man hatte zum ersten Male versucht, lebende Wesen auffahren zu lassen, und zu diesem Endzweck an die Luftkugel einen aus Weiden geflochtenen Korb befestigt, worin man einen Hammel, eine Ente und einen Hahn sperrte. Letzterem wurde durch den Fall der Maschine oder durch die Hörner seines Heisegenossen der Kopf eingeschlagen, während die anderen Tiere unbeschädigt blieben und sich alsbald auf dem Landungsplätze, auf einer Wiese nahe beim Walde von Vaucreslon, munter herumtummelten.

Die Luftkugeln bildeten nun den Gegenstand des Tagesgespräches. Der bekannte Erfinder des Blitzableiters, Benjamin Franklin, der damals in Paris weilte, soll, über die neue Erfindung befragt, sich also geäußert haben: Wir haben ein neugeborenes Kindlein vor uns; vielleicht w ird es ein Wunderkind sein. Laßt uns abwarten, was die Erziehung mit ihm fertig bringen wird!» — Bei den vielen von Laien angestellten Versuchen kam es zu allerlei Auftritten. So wurde am HO. September in einer Pariser Vorstadt eine Luftfahrt angekündigt. In wenigen Augenblicken war eine Menge Volkes versammelt. Die Zuschauer mußten anfänglich 10 sous bezahlen, aber der Preis fiel zuletzt auf 3 herab; gleichwohl war die Einnahme noch beträchtlich genug. In dem Augenblick, wo die Kugel die Himmelfahrt antreten sollte, präsentierte man dem Publikum eine aufgetriebene, mit gewöhnlicher Luft gefüllte Blase, die den Erdboden nicht verlassen wollte. Ein jeder, höchst unwillig, so hintergangen worden zu sein, wollte sein Geld wieder herausbekommen. Es enstand ein furchtbarer Lärm mit unvermeidlicher Schlägerei. Seitdem verbot der Generalleutnant der Polizei

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durch eine Ordonnanz ausdrücklich und bei harter Strafe derartige Schauspiele.

Von Paris aus wurde mit Luftkugeln ein schwungvoller Handel nach den Provinzen betrieben. Die Zollwächter dortselbst waren anfangs, wie leicht denkbar, noch im unklaren, unter welcher Rubrik sie diese Globen für den Staatssäckel nutzbringend behandeln sollten, oder sie wollten die Ware gleich gar nicht passieren lassen, wie es die biederen Douaniers von Peronne anfangs Oktober 1783 bei einer mit solchen Ballons gefüllten Kiste versuchten. Vergebens warnte der Eigentümer, dieselbe zu öffnen. Aber der Deckel wurde aufgerissen, und plötzlich flogen die Kugeln unaufhaltsam zum großen Entsetzen der Zoilwächler dem Himmel zu: vergebens riefen diese: «Arrete, arrete de la pari du Roi!»

Der erste Luftschiffer, der Hammel, der am 24. September von Versailles aus auffahren mußte und wieder glücklich auf festen Boden gelangte, stieg nun so in Ehren, daß er in den königlichen Tiergarten unter dem Namen «Monte au Ciel* aufgenommen und dort verpflegt wurde.

Monlgolüer .suchte nun seine Luftmaschine zu vergrößern und solche wenigstens noch einmal so hoch zu machen. Auch wollte er sie von einem Menschen besteigen lassen, «der vermittels gewisser Einrichtungen ihr im Steigen noch weiter zurecht helfen könnte«. Am 17. Oktober, um 5 Uhr nachmittags, ward auch in Gegenwart einer ungeheuren Menge eine Probe mit dieser neuen Luftkugel angestellt. Sie stieg 15 Fuß hoch. Auf einem an derselben angebrachten Geländer befand sich Pilätre de Rozier (bekannt durch seinen tragischen Tod am 15. Juni 1785), welcher bestündig feuchtes Stroh in einen am unteren Teil der Maschine hängenden Ofen warf. IMlätre kam nach einer halben Stunde herunter, und von der Last befreit, stieg der mit Stricken gehaltene Ballon noch 50—<>0 Fuß und wurde dann wieder an seine Stelle zurückgebracht.

Die neue Erlindung mußte nebenbei auch zu allerlei Kurzweil dienen. So ließ der Herzog von Chartres bei einem Souper eine große verdeckte Schüssel auf die Tafel stellen. Sie war sogar versiegelt, was die Neugier der Damen und Herren noch steigerte. Man befragte sich, aber niemand wußte Bescheid. Der Herzog sagte lächelnd, der Koch müsse es wissen, doch dieser war nirgends zu linden. Einige Damen wurden nun so ungeduldig, daß sie den Deckel mit Gewalt abrissen. Da waren es Würste mit brennbarer Luft angefüllt, welche eine gute Weile zum allgemeinen Gelächter im Saal herumflogen und bei Punsch und Sorbet zu allerlei witzigen Einfällen Anlaß gaben.

Am Freitag den 21. November wurde in Paris ein neuer Versuch mit einer Montgolfiere gemacht. Dieselbe hatte 70' in der Höhe und 46' im Durchschnitt und erhob sich mit einer Last von löOO—1700 Pfund. Auf der Galerie derselben befanden sich der Marquis d'Arlandes und Pilätre de Bozier. Der Ballon erhob sich bis zu einer Höhe von .'{000', flog mit den Insassen über die breite Seine zur Ecole militaire und dem Hotel des Invalides weiter.

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So glatt ging übrigens der Aufstieg, wenigstens im Anfange, nicht von statten. Der Ballon wurde das erste Mal um 12 Uhr in die Höhe gelassen, allein er neigte sich bald auf die Seite und fiel aut einige Bäume in der benachbarten Allee. Die 6 Schuh langen Risse, die er bekam, waren in einer Stunde wieder geflickt. Zum zweiten Male erhob sich der Ballon aufs prächtigste. -Bei diesem ganz ungewöhnlichen Schauspiel waren an 160000 Zuschauer zugegen, die alle ihre neugierigen Augen zum Teil mit offenem Munde gen Himmel gerichtet hatten. Alle waren von Bewunderung, aber auch von einem starken Herzklopfen erfüllt, ja einigen Frauen wurde sogar übel. Der Dauphin (nicht zu verwechseln mit dem nachmaligen unglücklichen Ludwig XVII.j ließ eine große Freude erkennen, als er die große Maschine in die Höhe steigen sah, und mit Händeklatschen und Springen stimmte er in den lauten Beifall der Zuschauer ein. In einer Höhe von 300' schwenkten die kühnen Luftschiffer die Hüte und nahmen von den Zuschauern Abschied. Die Fahrt dauerte bei 25 Minuten. Die beiden Insassen hätten einen noch dreimal längeren Weg zurücklegen können, wenn es ihnen beliebt hätte, da sie noch zwei Dritteile ihrer brennbaren Luft bei sich hatten (?), die sie oben in der Höhe durch am Ballon befindliche Öffnungen hätten hineinlassen können. Sie befanden sich während und nach der Reise ganz wohl und konnten die herrliche Szenerie, die sie in einer Höhe von 3000' vor ihren Augen in einem unabsehbaren Umfange liegen hatten, mit Worten nicht herrlich genug beschreiben. Sie waren nicht ermüdet, aber sehr erhitzt, da sie sich die ganze Zeit über nahe dem heißen Ofen befunden hatten, der nur durch dünnen Taffet von ihnen abgesondert war. Der Herzog von Chartres war dem Ballon auf seinem anderthalb Meilen langen Zuge im vollen Galopp gefolgt und kam nur einige Minuten später, als die Luftschiff er wieder gelandet waren, an und bewillkommte sie aufs herzlichste. Es geschah auch eine Menge größerer und kleinerer Wetten für und wider den Erfolg der Luftmaschine, und seit diesen Tagen — so besagt der Bericht — redet man beinahe von nichts anderem als von dieser Erfindung. Es haben sich bereits mehrere Personen gemeldet und Geld angeboten, um die nächste Luftreise mitmachen zu dürfen, so daß diese Art zu reisen nächstens Mode werden dürfte».

Das Ausland blieb nicht zurück, die neue Erfindung in allerlei Versuchen zu erproben. So ließ, einem Auszug aus einem Privatschreiben zufolge, in Brüssel ein Herr Saint-Amant, «der in der Physik vorzügliche Kenntnisse halte und das ansehnlichste Kabinet von physikalischen und mathematischen Gerätschaften besitzt», auf seine Kosten eine Montgolfiere verfertigen, die am 23. Oktober in Gegenwart Sr. Durchlaucht des Herrn Statthalters prächtig in die Luit stieg und erst am folgenden Tage in einer Entfernung von 4 Meilen, unfern der Stadt Löwen, zu Boden fiel. «Seitdem», fügt der Bericht hinzu, «wurden diese Versuche mit bestem Erfolge wiederholt».

Aus Mailand wird de dato 17. November 1783 folgendes berichtet: *Nachdem der rühmlichst bekannte Physiker Mr. Saussure zu Genf einen

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Versuch mit Montgolfier-Luftkugeln gemacht, wobei er sich statt des mit elastischem Gummi überstrichenen TafTets der feinen Häutchen bediente, welche den großen Sack in den Eingeweiden des Ochsen decken, und davon am 28. vorigen Monats den besten Erfolg sah, so erleilte er noch am nämlichen Tage seinem hiesigen Freunde, dem mit vorzüglichen Kenntnissen versehenen Herrn Ritter Marsilio Landriani, davon Nachricht, welcher sich hierauf allsogleich daran machte, eine Luftkugel zu verfertigen. Nachdem er vorher einige Versuche damit angestellt, hatte er am 14. hujus die Ehre, dieselben in Monza in Gegenwart Ihrer königl. Hohheiten und einer zahlreichen Menge von Zuschauern zu wiederholen. Die Luftkugel hatte nur 11 Zoll im Durchmesser; gleichwohl stieg sie zur allgemeinen Bewunderung auf eine sehr ansehnliche Höhe und üel bei Mirabello seitwärts nieder. Bald darauf wurde die gleiche Kugel wieder mit erwärmter Luft gefüllt und in Freiheit gesetzt. Desselbigen Abends ließ man eine ungleich größere Kugel in die Höhe steigen, an der man ein Licht angebracht hatte, welches noch aus der höchsten Entfernung schimmerte, ein Stern erster Größe zu sein schien und Ihren königl. Hohheiten und der übrigen Zuschauerschaft Vergnügen bereitete. Seitdem hat Herr Landriani, von Sr. königl. Hohheit dem Erzherzog unterstützt und begünstigt, diese Versuche in der neuen Erfindung fortgesetzt, auch mehreren Personen in der Zubereitung derselben Unterricht erteilt, wodurch seitdem allerlei Versuche von verschiedenen allhier häufig wiederholt werden.» ')

Zu Lyon ließ man am 18. November eine Montgolfiere in die Höhe steigen, in welcher ein Feuerwerk angebracht war. «■ Der Ball flog in Gegenwart von 30000 Zuschauern unter dem Schalle einer fürtrefTlichen Musik und vielem Freudengeschrei. Er glänzte wie ein schöner Stern in der Nacht, gleich darauf platzte eine Bombe, die eine Menge Sternlein ausstreute. Eben als sich der Ball in den Wolken verlor, sprang eine noch stärkere Bombe als die erstere heraus, welche die ganze Stadt erleuchtete. Hierauf verschwand er, und man konnte nicht erfahren, welchen Weg er genommen und wo er niedergefallen^

Am 3. Dezember machten die Herren Charles und Robert mit ihrem selbst verfertigten Ballon eine sehr glückliche Reise. Derselbe war viel besser ausgerüstet und mit einem Ventil zum Auslassen des Gases versehen, das durch eine Schnur von unten her geöffnet und geschlossen werden konnte. Ein starkes seidenes Netzwerk umgab die obere Ballonhälfte und wurde in einen Ring zusammengefaßt, der den Ballon in der Mitte umspannte und mittels Schnüre eine Gondel mit Sitzen für 2 Personen

') graf marsiglio landriani. geb. zu Mailand in der 2. hälfte des 18. Jahrhunderte, gest. zu Wien wahrscheinlich 1827, gehörte dem alten, hochadeligen lombardischcn fte«chlechte der landriani an, welche» mütterlicher seite mit dem h. Carolu« Borromau« verwandt war. Über Lrziehung, Bildungsgang usw. dieses gelehrten ist nichts zu ermitteln gewesen; *o viel ist Übrigen* bekannt, daß er I!t>fmar»chnll des Uerzogs albert von sachscn-teschen war und als solcher abwechselnd in Wien und in Italien lebte. Seine physikalischen forschungen veranlagten die ruriser Akademie, ihn zu ihrem korrespondierenden Mitglieds zu ernennen. vergl. poggendorff: biographisch-literarisches Handwörterbuch inr Geschichte der exakten wissenschaften (leipzig 1869).

im Gleichgewicht hielt. Der Aufstieg erfolgte aus dem Tuileriengarteu 40 Minuten auf 2 Uhr. -Zuerst ließen die beiden Luftschiffer eine kleine mit grünem Taffet überzogene Luftkugel in die Hirne steigen. Montgolfier, als der erste Erlinder, hatte die Ehre, dieselbe aus seinen Händen steigen zu lassen. Sie verschwand in wenigen Augenblicken aus den Augen und wurde nicht mehr gefunden. Der große Ballon erhob sich prächtig und sank erst um Uhr bei Hedouville, 9 Meilen von Paris, mit Willen der Insassen. Gerade vorher war die Sonne untergegangen. 4 lU Uhr bestieg Charles noch einmal den Ballon und bei der erneuten großen Erhebung von über 3000 Meter erlebte er an diesem Abend scheinbar einen zweiten Sonnenuntergang. Charles fuhr noch anderthalb Meilen in weniger als einer halben Stunde.

Die Menge der Zuschauer war ungeheuer. Der Herzog von Cuinber-land lief Gefahr, erdrückt zu werden. «Ich bin», schrie er, «des Königs von England Bruder: schonet meines Lebens*. Ein Soldat kam ihm hierauf zu Hilfe und zog ihn glücklich aus dem Gedränge heraus. Der Herzog bot ihm seine Börse an. «Sire-, entgegnete der Krieger, «ich bin Franzose, ich schätze mich glücklich, die Ehre gehabt zu haben, dem Bruder des Königs von England das Leben gerettet zu haben. Der Aufstieg erfolgte frei, ohne alle Stricke. Als das Frohlocken aufhörte, fing das Händeklatschen und Schwenken der Hüte an, das so lange fortgesetzt wurde, als der Ballon zu sehen war. Selbst die Schweizer, welche an den Gartentüren die Wache hatten, schwenkten ihre Säbel in die Luft. Die Herzöge von Chartres und Fitzjames jagten zu Pferde dem Ballon nach, um bei der Landung zugegen zu sein, aber wegen der vielen Umwege erreichten sie ihr Ziel nicht, wiewohl sie in 2','a Stunden beinahe <> deutsche Meilen zurücklegten.^

Dieser so glänzend abgelaufene Versuch ließ nun auch den alten, nicht sehr leichtgläubigen Doktor Franklin seinen Freunden gegenüber über die Erfindung milder urteilen. «Das neugeborene Kindlein», so nannte er die Luflniaschine, ^sei kein Tölpel mehr, sondern scheine sich zu einem Genie auszuwachsen. Diese Entdeckung werde in ihrer Art ebenso wichtige Folgen haben, als diejenige des Magnets, des Pulvers, ja sogar der Neuen Welt für die Menschheit gehabt.-

Berichten zufolge wurden im Dezember in Bern, Mailand, Darmstadt und Berlin Versuche mit Luftkugeln veranstaltet. «Viele Fremde von Slraßburg und Lyon halten die Winterreise nicht gescheut und sich in Bern zu diesem ungewöhnlichen Schauspiel eingefunden. Eine große Volksmenge wartete geduldig drei Stunden bei strenger Kälte, aber die ungeheure Luftkugel wollte nicht in die Höhe steigen; endlich platzte sie auf einmal zusammen und machte dem Spiel ein Ende. Die Kugel war zu groß. Die Zuschauer halten jeder einen Gulden berappt, den sie wieder zurückhaben wollten. *

Besser gelangen die Versuche in den anderen Städten. «So ließ am

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19. Dezember der Kanonikus Dr. Giacomo Veneziani auf dem Kastellplalz zu Mailand eine Luftkugel in Gegenwart des gesamten Adels und einer unermeßlichen Volksmenge mit Krfolg steigen.»

In Darmstadt ließen am 23. Dezember um 10 Uhr morgens einige Freunde der Physik und Naturgeschichte einen Luftball in die Höhe steigen, der aus Goldschlägerhäutchen zusammengesetzt, mit Hausenblase verleimt und mit gewöhnlicher aus Eisenfeilspänen und Vitriolöl entwickelter brennbarer Luft gefüllt war. Seine Gestalt, die eines länglichen Vierecks, bewies, daß die Kugelgestalt hiezu nicht schlechterdings erforderlich sei. Fr .stieg sogleich in der Stadt, wo er losgelassen wurde, zweimal so hoch als der Stadtturm, setzte seinen Flug über den vor der Stadt liegenden Exerzierplatz fort gegen den Hhein zu.»

«Am 27. Dezember, vormittags 11 Uhr ließ in Berlin der berühmte Chemiker Achard1) im Lustgarten am königlichen Schlosse vor einer ungeheuren Menge von Zuschauern seinen Luftball steigen. Die Operation ging ungemein rasch von statten. Die Kugel stieg ziemlich hoch. Sie llog über das königliche Schloß nach der Königsstraße hin, stieg abwechselnd in die Höhe und sank wieder, bis sie sich den Nachsehenden aus dem Gesichte verlor. Sie hatte ungefähr 3' im Durchmesser.-

Mit dem Jahre 1781 erschien Blanchard auf dem Plan, der durch seine kühnen Luftfahrten alles in Staunen setzte und bald jede Konkurrenz aus dem Felde schlug.

Montgolfieren-Aufstiege in Columbien.

In Bogota (Columbien), das auf einer Hochebene von 2ü">8 Meter gelegen ist, hatte ich wiederholt Gelegenheit, dem Aufstieg von Monlgolfieren beizuwohnen. Da diese Art Aufsliege in Europa sehr selten sind, dort vielmehr bei den Aufstiegen der BerufsluftschilTer in den Vergnügungsparks die mit Gas gefüllten Kugelballons zur Anwendung kommen, so hatte für mich als Ballonführer diese Art Aufstiege einen großen Beiz. Sie bieten manches Lehrreiche, zumal, wie man es nicht machen soll.

Ein höchst mangelhafter Ballon, in der Form eines Eis, war zwischen zwei Stangen über einem sich nach oben zuspitzenden l1/* Meter hohen Ofen aufgehängt. In diesem Ofen wurde durch Strohfeuer, das noch durch Petroleum verstärkt wurde, die heiße Luft zur Füllung hergestellt. (Bild l.) Der Ballon mochte nach meiner S(_-hälzung etwa 1000-1500 Kubikmeter fassen, er füllte sich im Augenblick und zeigte nun die schadhaften Stellen seiner Hülle.

') Achard Kranz Karl, Chemiker, berühmt als Begründer der rabrikmiiDigcn Gewinnung von Zucker ans Runkelrüben, wurde um 28- April lT.Vi /,» Berlin geboren und starb auf Cuneru M. April Schon

mit SO Jahren begann er Heiuo jH-hriflstclIeris» he Tätigkeit, welche eine grolle Anzahl von Auf--iilzen besonders in den Memoiren der Berliner Akademie geliefert hat. deren physikalische Klasse ihn ITHi zu ihrem Direktor erwählte. Kr behandelte höchst verschiedenartige Gegenstände. Kleklri/.ität, Verdunstiings-kiilte, Adhäsion, Meteorologie, aber muh die X;itur der fixen Luft, des Sauerstoffes usw. Bio Bedeutung dieser Arbeiten steht hinter den praktischen Leistungen Achards /.nrück.

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l'hoti.pr. v. c v. ii

niiihilrui'k verboten.

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Der Ballonstoff war ein einfacher nicht gefirnißter Baumwollstoff. Hin sehr dünnes Netz, das aus einzelnen stärkeren Bindfäden notdürftig zusammengesetzt war, sollte auf einem Trapez den Akrobaten tragen. Die Füllung war in wenigen Minuten bewerkstelligt. Die den Ballon über die beiden Stangen haltenden Taue wurden gelöst, und schnell hob sich der Ballon mit starkem Auftrieb auf etwa 800 Meter.

Da bei den Aufstiegen immer nur sehr ruhiges windstilles Wetter herrschte, so stieg der Ballon kerzengerade in die Höhe. Der interessanteste Teil war entschieden das Verhalten des Ballons in der Luft sowie die Landung. Ballast war keiner mitgenommen. Kaum hatte der Ballon die größte Höhe erreicht, als er auch schon rapid zu sinken begann, natürlich steigerte sich mit der Annäherung an die Krde die Fallgeschwindigkeit.

Der Ballon nahm beim Abstieg eine laiisch innartige Form an, da die Füllansatztaue fehlten, zugleich schwankte die Hülle über dem Luft-schilfer in pendeiförmiger Bewegung hin und her, die gewiß durch das schnelle Fallen hervorgerufen war. Die Bewegung der Luft war immer so ruhig, daß der Ballon beinahe auf seinem Aufstiegplatze landete. Der ganze Abstieg füllung der «ontgouiere. sowie die Landung war

das Werk einiger Minuten. Ich dachte, der kühne junge Mann habe sich beim Anprall alle Knochen im Leibe gebrochen, da dieser mit einem hörbaren Stuß erfolgte.

Von dem Moment des Fallens an bis zur Landung war das Verhalten des Ballons wie das eines Kallschirms: der Ballon war kaum noch zum Drittel mit heißer Luft gefüllt, die immer mehr durch den sich nach der Seite streckenden Füllansatz herausgedrückt wurde. Der Ballon lag jetzt wagrecht über dein Luftschilfer. Ich habe mir den Ballon nach der Landung angesehen. Das Netz hatte sich nach dem Äquator hin verschoben, leicht hätte es nach der anderen Seite herabgleiten können, da keine Vorrichtung

•-•Vrv;

V Ii —

1 17 «8«8*«

C t. (».. photogr. Narh.lrnrk verholen.

Oie ■ontgolfierc im Augenblick dei aufitlejs

getroffen war, das Netz vor dem Versehieben zu schützen. Ktwa KM» Meter vor dem Aufprall an der Erde Hell sich der Luftschiffer an einem herabhängenden Tau herunlergleiten, um nicht unter der nachfolgenden mit Hauch gefüllten Hülle begraben zu werden. * C. v. G.

Aeronautische Meteorologie und Physik der Atmosphäre.

Über den vertikalen Temperaturgradienten in Zyklonen.

Von grundlegender Bedeutung für die Physik der freien Atmosphäre ist die Bestimmung der Temperaturabnahme mit der Höhe und diese Aufgabe ist daher auch die erste und wichtigste, welche die wissenschaftliche Erforschung der höheren Luftschichten mit Hilfe von Ballon und Drachen zu lösen hat. Die internationalen Ballonaufstiege haben bereits ein so reichhaltiges Material zur Lösung dieser Frage zusammengetragen, daß kein geringerer als Hann es kürzlich für nützlich gefunden hat, einige Resultate aus den so erhaltenen Zahlen zu ziehen. In seiner Arbeit') bespricht er zunächst die Temperaturverteilung nach den Jahreszeiten und widmet dann ein Kapitel der Frage nach dem Temperaturgradienten in Hoch- und Tiefdruckgebieten. Er kommt zu dem bemerkenswerten Resultate, daß in Hochdruckgebieten die Temperaturabnahme anfangs sehr langsam, in großer Höhe aber sehr rasch ist, während sie in Niederdruekgebieten sehr gleichmäßig nahe 5,7° per Kilometer beträgt. An dieses letztere Resultat möchte ich hier

') Cher die Temperaturabnahme mit iler llilhe Ins zu 10 km llühe, nach ileii ergobnim.....ler internationalen HallnnaufMiege. Sitzung-lx-r. .1. Wiener Akail, Bil. CXIU, S. 571 —«;i>5. Abt. IIa.

118 <e<4«

anknüpfen und gleich bemerken, daß das von Hann benutzte Material bis zum Mai 1903 reicht. Hann klagt, daß Ballonaufstiege in Niederdruckgebieteri verhältnismäßig selten sind, und speziell für die Zentren der letzteren hat er keine Beobachtungen finden können. Man sollte nun meinen, daß nach dem Erscheinen von Aßmanns bis jetzt einzigartiger Publikation 'Die Temperatur der Luft über Berlin etc. diese Lücke leicht auszufüllen sei. Ich durchmusterte daher die synoptischen Karten, um die Fälle zu finden, in denen ein Zyklonenzentrum Berlin passiert hat. Die Ausbeute war aber auffallend gering. Ks zeigt sich, (hiß Berlin von Zyklonen entschieden gemieden wird, und wenn eine Depression Berlin passiert, so geschieht es natürlich oft zu einer Stunde;, in der keine Beobachtungen vorliegen. Die Interpolation mit Hilfe der von Aßmanu gezogenen Höhenisothermen wird aber nur für Fälle von genügend langsamer Fortbewegung der Zyklonen als hinreichend einwandfrei gelten können. Ich habe nur 5 Fälle für den Sommer 1903 finden können, die ich daher etwas näher besprechen möchte. Es sind folgende: 1. 24. April 1903, 71' a., tiefe Depression bei Hamburg (741 mm): Berlin kann noch als zur zentralen Area gehörig angesehen werden. 2. 2. Juni, 7h a., eine flache Depression ('754 mini erscheint um l1' p. etwas südlich von Berlin auf den Karten; sie hat sich offenbar in den Morgenstunden über Berlin ausgebildet. 3. 10. Juni, eine Hache Depression passiert um th p. Berlin; die Temperaturabnahme läßt sich, wie es scheint, ohne Willkür aus den Höhenisothermen entnehmen, i. 15. Juni, 7n a., schwache Depression etwas SW. von Berlin (Münster 753.5 nun). 5. 20. Juni, 7'1 a., eine weite Hache Depression bedeckt Deutschland und West-Frankreich, das Minimum (752) befindet sich etwas SW. von Berlin.

Aus den angeführten Fällen ergeben sich folgende Werte der Temperaturabnahme, wobei ich zum Vergleich die von Homma ') aus sämtlichen Aßmannschen Beobachtungen erhaltenen Mittelwerte hinzusetze.

lYmperaturabnahme per km über Merlin im Pommer 1903

im zentralen Teil von Depressionen.

Höhemehieht

»4. April

«. Juni

10. Juni

I.v Juni

2w. Juni

nach Homma

km

         

(Sommer i

n-o.o

— 10,(i"

(- cy>»i

— 10.3°

— 11.1«

— 10.9"

0.5—1,0

—«;,()»

- 10,0"

— «;.üu

-1,7«

— G;2"

- 4.5'

1,0-1,5

- r>,4«

- 3,7°

— 4.8»

- 5.3°

- 5,4«

1,5—2,0

— 2,H,J

— k.o»

— 5,0°

— 8,3°

— 5,3°

2.0-2,5

- 1.3°

— 5,0°

— 5.4°

■j.:> n.o

— 3.H'J

- B,i°

-5,1'

3,0—3,6

— 5.0«

— 7.0«

0—1.0

— 8.3°

-9,0*

• - 8.8°

— 1,3"

— 8,0°

-7,7°

1,0-2,0

— u°

 

— 4.9°

— G,8°

- 5,4°

2,0—3,0

- M>°

-

-

-5,7°

 

_5 \>o

'i Heitrage zur Kenntnis ehr Temperaturverteiluiiü in .ler Atmosphäre und ihrer Beziehung zur Witterung. Meteor. Zcit*ihr., Bd. XXXIX Xr. 10. uhu oktober.

11 9

Ein weiterer Fall, 30. November 1903, 9" p. (sehr tiefe Depression 735 mm genau über Berlin), ergibt für die unterste Schiebt —3°, dann gleichfalls —5° bis 2 km Höhe. Man ersieht aus dem angeführten, daß die Temperaturabnahme auch für die Zentren der Zyklonen im ganzen ziemlich gleichmäßig rund 5° per Kilometer beträgt und sich von den allgemeinen Durchschnittswerten für den Sommer fast gar nicht entfernt. Sehr bemerkenswert ist die starke, mehr als adiabatische Abnahme in der alleruntersten Schicht im Sommer, welche, wie Hommas Zahlen zeigen, überhaupt dieser Jahreszeit eigentümlich ist, während sie im Winter in derselben Schicht besonders klein ist. Man sieht auch hier wieder, daß die unterste Luftschicht bis zu etwa 1 km Höhe «gestörte» Verhältnisse aufweist; am 15. Juni findet sich sogar eine Inversion. Erst über 1 km hinaus wird die Temperaturabnahme gleichmäßig.

Leider reichen die Drachenbeobachtungen nicht sehr hoch, so daß man zur Feststellung der Verhältnisse in den höheren Schichten doch wieder auf die Resultate der internationalen Registrierballons angewiesen ist. Unter diesen sind natürlich die Fälle, wo genau im zentralen Baume einer Depression beobachtet werden konnte, noch seltener. Zunächst ist hier der Fall vom 13. Juni 1901 interessant. Berlin befand sich damals im Zentrum einer soeben entstandenen Teildepression, während die Hauptdepression über der Nordsee lagerte. Ich setze die Resultate des in Berlin hochgelassenen Registrierballons zusammen mit den Schlußwerten von Hann hierher.

Tempera turabn ah nie

per km in Zyklonen.

Höhensehicht

Berlin

ilaim, Zyklonen im :

km

13. Juni 1901

Sommer

Winter

0—1

- 5,9"

— 3,8°

_. 2,<>«

1-2

— 5.5°

- 5,8«

- 5,7»

2—3

 

— 5.1°

— 1.8»

3— l

— 1.8«

— 5,5°

— 5,9U

4—5

5.2"

— 6.5°

- Ii.7°

5-6

— 5.1°

— 6,6°

— 6,lu

6—7

- 6,8»

- 7,1»

— '1.7'

7-8

— 8,3°

- 7,1*

- 5,3"

y—9

— 9.0

-7,5»

-5,,«

0—6

— 5,3U

- 5,6»

— 5.1*

6-9

— 8.0U

— 7 1»

- 5.7"

Die Übereinstimmung ist, wie man bemerkt, vortrefflich. Auch die bei Hann, allerdings nur für den Sommer, bemerkbare Zunahme des Temperaturgradienten zwischen ü und 9 km zeigt sich deutlich. Freilich liegt im vorliegenden Falle die Erklärung nahe, daß die Teildepression bei Berlin nur in dem unteren Teile der Atmosphäre bestand. In der Tat zeigt die

»»» 120 €44«

Isobarenkarte fiir 4- km Höhe keine Andeutung einer solchen mehr, sondern nur den regelmäßigen Rand der Hauptdepression. Vielleicht machten sich in größerer Höhe schon Übergangsverhältnisse zum angrenzenden Hochdruckgebiet geltend.

Einen zweiten Fall bietet der 4. Juni 1903. Am Morgen des Aufstiegtages erschien auf den Karten eine wohlausgebildete Depression in der Nähe von Petersburg und hielt sich mit geringen Ortsveränderungen mehrere Tage in derselben Gegend. Die Drachen und Ballons ergaben für diese Depression:

Temperaturabnahme per km Petersburg, 4 Juni 1903.

Hohen* chn-ht Km

1. Juni 7 ha. Ut-giftr.-Ballon

t. Juni 3h p. Bemannt. Ballon

i. Juni 6h p. Bemannt. Ballon

f>. Juni tfV-jh p. Drachen

Mittel

0-1

- 4.7°

Ii "-10

-5,1"

— 7T6Ü

- 5,9»

1-2

— (i,H°

j — M

- 5.4°

— 5,4»

— ti,0°

2—3

— 5,5»

— fi,0°

— 5.8"

3—4

— 5.2°

— 5.2°

4-4'/«

— 5,0°

— 5,0°

2-4\.

-5.7°

 

— 5.6°

Auch diese Zahlen befinden sich in bester Übereinstimmung mit den vorhin angeführten.

Soweit es das immerhin ziemlich dürftige Material erlaubt, wird man also folgende Schlüsse ziehen können:

1. Die Verhältnisse in der untersten «gestörten» Schicht bis zu etwa 1 km Höhe sind wenig regelmäßig, und daher fallen die von verschiedenen Autoren berechneten Temperaturgradienten recht verschieden aus. So findet Hann für die Sommermonate überhaupt höchstens 6—7°, Homma dagegen für Berlin 11°. Die von mir berechneten Fälle von Depressionszentren ergeben für die Berliner Drachenaufstiege ebenfalls 11°, für 2 internationale Fahrten nur 6°, für einen Fall im Winter 3°, während Hann für Depressionen überhaupt im Sommer fast 4°, im Winter 3° findet. Ks spielen hier möglicherweise außer der regelmäßigen Erwärmung oder Abkühlung des Bodens durch Strahlung noch andere Ursachen mit. Bei einer allgemeinen Charakteristik der großen atmosphärischen Störungen wird man also die unterste Schicht unberücksichtigt lassen müssen.

2. Für das Höhenintervall von 1 bis 5 oder 6 km beträgt in Zyklonen die Temperaturabnahme sehr gleichmäßig 51/»0 rund per Kilometer sowohl im zentralen Teile der Minima als auch in ihren Randgebieten. Die Abweichungen von diesem Mittelwerte sind in der Regel kleiner als 1°.

3. Höher als 5—6 km scheint die Temperaturabnahme in Zyklonen, wenigstens im Sommer, etwas größer zu werden und etwa 7° zu betragen. Das geringere zur Zeit vorliegende Material gestattet aber nicht, diese Behauptung sicher zu begründen.

121 444«

i Ein merklicher Unterschied zwischen inneren und äußeren Gebieten einer Zyklone scheint nicht zu bestehen.

In bezug auf die Methode, nach der die oben angeführten Zahlen gewonnen wurden, muH ich noch bemerken, daß ich zunächst nach den direkt beobachteten Zahlen Zustandskurven zeichnete, eventuell für Aufstieg und Abstieg besonders. Durch die so erhaltenen, meist noch etwas unregelmäßigen Linien wurden dann möglichst kontinuierliche Kurven gezogen und den letzteren dann die hier publizierten Zahlen entnommen.

Ich möchte zum Schluß der Hoffnung Ausdruck geben, daß das bisher so spärlich vorliegende Material zur Beurteilung der Temperaturänderung mit der Höhe in Zyklonen baldmöglichst eine reichliche Vermehrung erfahren möge. Das Studium der Zyklonen ist ja eine wohlcharakterisierte und sehr interessante Aufgabe der Meteorologie und hat zugleich eine eminente [traktische Bedeutung. Bei dem raschen Wandern dieser Luftgebilde wird aber der Zulall nur selten eine Sondierung in ihrem inneren Gebiete ergeben, wie das die vorhin angestellte Enquete beweist, und es müßte also eigens nach ihnen gefahndet werden. Mit Hilfe der synoptischen Karten kann man aber mit ziemlicher Sicherheit beurteilen, ob in den nächsten, sagen wir 10—12, Stunden eine Zyklone den Beobachtungsort passieren wird, und daraufhin die nötigen Vorbereitungen für das Aullassen eines Registrierballons treffen. Die Kurve des Stationsbarographen würde dann weiter den Moment bestimmen, in dem der Aufstieg zu erfolgen hat. Besonders geeignet scheinen für den besprocheneu Zweck Hamburg und Petersburg (Pawlowsk). auch Mittel-Schweden, zu sein, da diese Orte verhältnismäßig oft von Zyklonen passiert werden. Läßt man dort die Ballons im Zentrum der Depressionen steigen, so würden sie beim Abstieg von den auf der Rückseite herrschenden nördlichen Winden in Gegenden getrieben werden, wo ihre Wiederauffmdung wahrscheinlich ist. So könnten dann unsere namentlich für Höhen über 5 km noch recht lückenhaften Kenntnisse schon durch wenige Versuche beträchtlich erweitert werden.

Elmar Rosenthal, St.-Petersburg.

Internationale Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt.

fbersieht Aber die BetelHsrumr hii den internationalen Aufstiegen im Juli, Aujrust

und September UKW.

7. Juli.

Trappe*, Bapierballon U 280 m. - Ittevllle. Papicrballon 10 780 in. — Grinau Drachenaufstiege 2270 m. - Guadalajara. Papierballon (5970 m. — Rom. Bemannter Bai km 2200 m. — Zürich. Gummiballon; noch nicht gefunden. — htraübunr. Ciummi-ballon I. litttOm. (iummiballon II. Instrument registrierte nicht. — Barmen. Bemannter Ballon l!)iO m. — llamburtr. Drachenaufsticge 1.V20 m. — München. (Meteor. Zentr.-Anst. < (iummiballon; noch nicht gefunden. — München. Baron v. Ilassus.) (iummiballon; Instrument registrierte nicht. — Herlin. (Aeronaut. Obs.) I>rachcnaufshe»c löiö m. (iummiballon 13 800 m. - Kerlin. iLuftsch-Bat.) Kein Aufstieg - Wien. iMilit. aeron. Anst.i Gummiballon 11000 m. Bemannter Ballon 2100 m. — Wien.'Aeroklub.) Bemannter

•»►» 122 «44*

Ballort 4930 m. — I'awlowsk. Drachenaufsliege 4330 in. Registrierballon 15 800 in. — Vlhia. Drachenaufstiege 830 m. - Blue Hill. (U. S. A.i Draehenaufstiege 9. Juli1 700 in.

Wettcrlaire. Kine Zorn- höheren Luftdrucks (über 7(55) zieht sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis ins Innere von Rußland. Repressionen liegen an der Westküste Skandinaviens (Bodo 7501, über dein Weissen Meer '755). Auch über dem südlichen Mittelmeer und den Kaukasusländern ist der Druck unter 7(>0 mm.

4. Aiifrust.

Trappes. I'apierballon 13 430 m. - Ittevillc. Rapierballtin 7430 m. — Oxsliott. Kein Aufstieg. — Guadalajara. I'apierballon. Instrument registrierte nicht. Remannter Ration 3150 m. — Rom. Bemannter Ballon; wegen Sturm vor Auffahrt aufgerissen. — Zürich. Guiumiballou: noch nicht gefunden. — Struühursr. Gummiballon 18 190 m. — Hamburg. Draehenaufstiege 2000 m. — Milneheii. (M. Z. A. (Iuinmiballon 11H0 m. — München. (Baron v. Bassusi (iuinmiballon; wurde ohne Instrument aufgefunden. — Berlin. lAeron. Obs.» Draehenaufstiege 1(593 in. (iumnühallon 13 (»50 m. — Berlin. (Ruitsch.-Rat.i Kein Aufstieg. — Wien. iMil.-aer. Anst.l Remannter Ballon 3180 m. Registrierballon nicht aufgefunden. — Wien. (Aeroklub.) i3. Aujj.i Remannter Ration 5095 m. — PrzeinysI (Festungsballonabteilunj;.' Remannter Ballon 1900 m. — I'awlowsk. Ürachenaufstiege 22!«) m. Registrierballon ('»400 m. Blnc Hill. Drachenaufstiege 2110 m. — Atlantischer Ozean. Südlich der Kanarischen Inseln (auf der .lacht des Fürsten von Monaco:. Drachenaufstiege 2400 in.

Wetterlage. Von Mitteleuropa erstreckt sich ein Hochdruckgebiet (Maximum 77() über Dänemark) bis über das südliche Skandinavien. F.ine Hache Depression (757) nähert sich von Irland her. Die Luftdruckunterschiede nach Süden und Osten zu sind klein. Nördlich des Kaspischen Meeres lieyt eine Depression (755i.

1. September.

Trappe*. I'apierballon 11 970 m. — Ittevillc. I'apierballon 9590 tri. — Oxsliott. Kein Aufstieg. - Guadalajara. I'apierballon. Inslrument registrierte nicht. — Rom. Drachenballon 800 m. — Zürich, (iuinmiballon 12 939 m. — StraÜhtirsr. Gummiballon: 10 000 m. — Hamburg. Drachenaufstiege 1570 in. - München. (M. Z. A.) Kein Aufstieg. — München. iBamn v. Bassus.i Kein Aufstieg. — Berlin. (A. 0.) Drachenaufstiege 2157 m. Gummiballon 17 750 m. Remannter Ralloti 7044 m. — Berlin. iL. R.1 Kein Aufstieg. — Wien. iMil.-aer. Anst.) Gummiballon 4155 m. Remannter Ration 455(1 in. — Wien. (Aeroklub) 131. Aug.* Bemannter Ballon 5095 m. — I'awlowsk. Draehenaufstiege 1280 m. Registrierballon 19 750 in. — Südlich der Azoren. (Jacht des Fürsten von Monaco.i Drachenaiifslie«e. (28. Aug.; 4300. Am 31. August Drachenaufstiege zwischen den Inseln Fayal und Pico 800 m. — Blue Hill. Drachenaufstiege JllOm.

Wetterlage. IJber Mitteleuropa ist der Druck etwas über 700 mm, über tiein Xordseegebiet und der l'oebene etwas liefer. Von Südwesten naht ein Hochdruckgebiet • 765 t. Die Depression (755>. die über der Gegend des Finnischen Busens lag. entfernt sich ostwärts. Iber dem äußersten Südosten Rußlands liegt ein Hochdruckgebiet (770 .

Aeronautische Photographie. Hilfswissenschaften

und Instrumente.

Lehrreiche aeronautische Photographien.

1'titer diesem Titel beabsichtigen wir in fortlaufender zwangsloser Folge ganz besonders interessante und lehrreiche Bilder, die uns in freundlicher

123 «44«

Weise zur Verfügung gestellt worden sind, einem weiteren Kreise bekannt zu geben. Wir dürfen daran die Bitte knüpfen, daß weitere derartige Zusendungen erfolgen möchten. Besonders bitten wir die Vorsitzenden der Fahrtenausschüsse, uns entsprechendes Material zur Verfügung stellen zu wollen, wie es von Seiten des Berliner Vereins für Luftschiffahrt bereits geschehen ist.

Für die nächste Folge bitten wir um Landungsbilder, Wolkenaufnahmen und seltene Gelegenheitsaufnahmen. Die näher bezeichneten Bilder, mit Namen des Autors versehen, stehen unter gesetzlichem Schutz. tj»

Flugtechnik und Aeronautische Maschinen.

Premier concours d'appareils d'aviation non "montes,

ä Paris.

Les concours ont ete la source vive oii raulomobilisme a puisc les lecons, les encouragements qui Uli ont fait parcourir si brillamment les etupes du progres. Pourquoi les memes epreuves n'auraienl-elles pas im aussi heureux resultat, lorsqu'il s'agit des appareils necessaires ä la navigation aerienne? D'autre part, les experiences elTectuees en Amerique, depuis quelques annees, par M. 0. Chanute et ses emules, les freres Wright, ont attire l'atlention sur les aeroplanes montees et Ton |>eut esperer faire avancer la question de l'aviation et des appareils plus lourds i|ue l'air, en poursuivant methodiquement les recherches dans la meme voie.

Hu. ii-- — -»-- ihtirr Xachdrark verboten.

Aeroplane Burdin

('.es considerations ont decide l'Acro-f!lub, a Paris, sous la chaude initiative de M. E. Archdeacon, ä instituer tlans son sein une commission d'aviation, pour rechercher les meilleurs inoycns <le favoriser lea progres des appareils plus lourds ipie l'air. Cette commission a pense que des concours bien organises atteindraienl ce but: il laut un COimnencement a tont

et le premier de ces concours pour appareils non montes, avec ou sans moteur, s*esi tenu les 11, 12 ei 13 fevrier, dans la Galerie des Machines, au Champ-de-Mars.

(le n'ctait la qu'un dehnt, une tentative prcliminaire, en quelque softe, ä laquelle on ne pouvait esperer donner beaucoup d'ampleur, car peu nom-breux sont encore les eonstrucleurs d'appareils d'aviatton. II convenait d'etre tres-Iarge sur le chapitre des conditions imposees et Ion s'esl content»'* de prescrire que les appareils devaient presenler une surface de 1 metre carre au minimum et porter au moins 2 kilogr. par metre carre. Les appareils plus petits pouvaient bien etre exposes et cxperimentes, mais sans prendre l»art au concours.

Ilean. (tlirit'nir. Vi. Inlnn k vorholen.

Aeroplane Henrlon-Kapferer.

Le mode dappreciation de macliincs Ires distinctes ne pouvait pas davantage fctre lixc avec une bien grande precision: on sait en elfel que la qualite dun appareil planeur depcnd d'un grand nombre d'elemcnts com-plexes dont lexacte determination exige dassez longues recherches: ce sera l'alläire des manifestations analogues qui auront lieu par la suite, de s'orga~ niser sur im Programme plus complctement delini. A l'heure actuelle, rc>s«»n-liel etait de n'ecarter aucune bonne volonte, et c'est ä quoi Ton est parvenu, puisqu'on a reussi ä groupei- 2i< exposants ou concurrents, presenlant presqup tous |)lusieurs appareils.

A la vcrite, les plus nombreux exposaient uniquement des modeles non sust-eptibles d'etre experimentes; mais les appareils reellement deslines ä l'epreuve elaient encore en nombre süffisant pour donner lieu ä im concours interessant. Iis elaient lam-es du haut dun pylone de 38 metres construit au-dessus de la tribune <(iii garnit le fond de la Galerie des Machines. Les Clements d'appreeiation etaient: la duree de la desccnte jusqu'au sol, et le chemin parcouru horizontalcment. ainsi cpie le rapport du poids total ä la surface sustentatrice. On doit enliii, pour asseoir im jugement complet. faire entrer en ligne de eompte, la regularilc de marche et la stabilite.

Üeau. phologr. Xaclulnnk verboten,

Aeroplane avec moteur du sergent Paulhan.

En outre, et bien que MM. Mooren el Jose Weiss aient präsente des appareils qui, pur leurs petiles dimensions et leur poids, ne rentraient |>as dans les eategories du rcglement. le jury, en raison de la bonne marche de leurs planeurs el de Finterct qu'ils preaentaienl, leur a aecorde ä chacun Ohe medaille de bronze.

Les appareils primes sc recommandent tous par des disposilions .judi-cieuses de leurs surfaces de suslentalion et par une conslrnction adroite. Voici quelques donnces sur ces appareils:

Poidfl Surface Durec <!<• la des* «-nie

Aeroplane Peyret 3,0 kilogr. t,05 m* 15*/b et 16'/« secondes

Dargent 1,8 > 1,43 . 22 — 21

» Henrion (Kapferer» 5,0 » 2,5 » 12*/b et 1.V

Le jury etait ainsi compose: President: M. le colonel Ch. Renard; V ke-President s: MM. le commandant P. Renard et Victor Tatin; Sem't<iire-P'tj)j)ortPnr: M. le capitaine Eerber: Chronomefreur: M. Paul Rousseau; Membres: MM. Georges Besancon, Henry Deutsch de la Meurthe, Drzewiecki, Gustave EifTel. Louis Godard, Huet, Henry Kapferer, Rodolphe Soreau, Edouard Surcouf.

II avait ete admis qu'on n'ctablirait pas de classement propreinent dil entre les appareils experimentes, les Clements de comparaison n'etant pas assez preeis et le temps manquant pour des epreuves multipliees et rigou-reuses. (In devait donc se contenter d'attribuer des medailles d'argent et de broiize aux appareils reconnus les plus interessants.

Ont obtenu des medailles d'argent <par ordre alphabeliqnei: MM. Rurdin, Dargent, Henrion, Peyret.

. 12t) 44**

Les petils planeurs Weiss, tres h'gers, mettent 12 et 15 secondes ä alteindre le sol.

Nous avons tont parliculieremenl remarque les trois premieres de ces aeroplanes. Le modele Henrion (Kapferer) est du ä un ingenieur de la maison Deutsch. 11 se compose essenliellement: dune surfacc inferieure en arc. relevee aux extremites, surmonlee et entretoisee par une seconde surface ayant la forme d'un accent circonllexe. Son empennage allonge et son gouvernail lui assurent une grande stabilile de marche. Son mode de con-struction est robuste et se preterait bien ä letablissement d'un grand modele: c'est lä le bul (pie Ton doit toujours avoir devanl les yeux et cette conside-ration. s'il s'agissait d'un veritable classemenl, nous le ferait peul-etre preferer ä ses emules.

L'aeroplane Peyret a ete imaginee et tres-habilement construite par un jeune sergent du bataillon d'aerostiers.

Un autre sergent d'aerostiers, M. Paulhau. exposait un appareil non susceptible de concourir, mais tres-recommandable par ses details de con-slruction. ("elait un modele de navire-aeroplane, ä surfaees multiples couvrant au total 5 metres carres et muni de deux heiices laterales mües par un moteur de 1 cheval 3 4. (let appareil qui pesait 20 kilogr., etait suspendu ä la voüte et, sous l'impulsion de ses helices, tournait sur un cercle de 3 ä 1 metres de rayon.

Kn dehors des modeles de |>oids reduit qui Ihrent experimentes, M. Seux avail presente une aeroplane sans moteur dont la surface est de 31 metres carres et (|ui pese ä vide <K) kilogr.; ä ce poids furent ajoutes 90 kilogr. de lest representant le poids d'un moteur prevu pour lexecution delinilive, soit 150 kilogr. au total. Cef appareil a la forme dune carapace de tortue flanquee lateralement de plans horizonlaux. Apres l'avoir hisse avec <|uelque difliculte jus({u'ä la plateforme, ou Ta lance dans l'espace: mais il est tombe pres<pie verlicalement, dementant des essais anterieurs |»lus favorables, parait-il.

Parmi les appareils exposes, on voyait eneore: la nacelle Deltour ä helices laterales de 5 metres carres, qu'on avait egalement suspendue ä la voüte el qu'on mettait en mouvcment en j>edalant energiquement: la nacelle tournait alors autour de son axe de Suspension; mais ce Systeme na pas, ä vrai dire. une grande valeur pralique. Les aeroplanes ä ressorts de caoulchouc nc peuvent etrc non plus consideres que comme des jouets inge-nieux. Onant aux turbines a air et aux propulseurs divers, etc., ils temoignent pour la plupart de plus d'imaginalion que d'une veritable connaissance des Clements du problcme. Mettons ä pari les helices reversibles de MM. Robert et Pillet qui sunt fort ingi'nicuses et construites par des mecaniciens de grand merite.

Teiles sont, rapidement exposees. les grandes lignes de cette premiere manilestation aeronautitpie. Elle aura ouvert les yeux des inventeurs, il faut 1 esp»'rer, sur les diflicultcs essentielles <|ue presente la realisation d'un appareil daviation et fecondera leuis elforls.

»frfr^ 127 €44«

On peut donc esperer (pie le concours de l'annee prochaiue marquera un progres reel: mais on doit desirer qu'on y puisse faire figurer des appareils montes de grande taillc tels que ceux du capitaine Ferber et de M. Arehdeacon, et qu'un emplacement favorable permettra de les expcri-menler en plein air.

Conclusions flu concours d'aciation.

Rappeions que le reglement definit la qualitf dun appareil d'aviation, par comparaison avee le parachute plan de meine poids et de meine suriace.

La ttißrete sptcifitiue est le rapport du poids utile soutenu au poids de la earcasse, ailes comprises.

Cela pose, voici eomment se sont ranges les concurrents aux di Heren ts points de vue:

Qualite smtentatrice: Dargent 8; Peyret (i,7; Henrion 2,8: Burdin 2.2: Weiss 2,1.

IJgerete* 8j»'cifi<iues: Hurdin 2,1: Peyret 1,8: Weiss 0,8; Dargent 0,1; Henrion 0,3.

La distanee maxima a ete oblenue par un des appareils de M. Peyret, sergenl du genie, qui a atleint 131 melres. G. EapitaUier.

Kleinere Mitteilungen.

4'anovettis Luftnlderstaiidsversuclie. Der durch seine Luftwidcrstandsversuchc mit verschiedenen Körpern bekannte Ingenieur C.anovetli teilt uns mit. daf> er die Forlsetzung derselben in diesem Jahre wieder aufnehmen wird.

Kr hat zu dem Zweck einen Draht von OöO m Länge ausgespannt zwischen Brunate und Como am Comersee. Der Höhenunterschied beider Funkte beträgt 440 m. Das Versuchsfeld ist vor Winden ausgezeichnet geschützt. Die Registrierung der Geschwindigkeiten der Versuchsmodelle geschieht durch elektrische Auslösung automatisch durch die Versuchskörper selbst.

Die Kosten decken außer dem Ingenieur Canovetti die Banca Popolare. vertreten durch Ingenieur Gavazzi. und ein Rreis Gagnola vom Institut«» Lombardo. tj*

Aeronautische Vereine und Begebenheiten.

Berliner Verein für Luftschiffahrt.

Die 244. Versammlung des Berliner Vereins für Luftschiffahrt am 20. Februar wurde mit Verlesung der Namen von :->!) neu angemeldeten Mitgliedern eröffnet. F.s sprach sodann Hauptmann v. Kehler über * Die Verwendung des Lullballons bei Rolarexpeditionen >. Der Vortrag war von zahlreichen, zumteil während der Südpolarexpedition mit der «Gauf>> aufgenommenen Lichtbildern begleitet. Fs gibt, so führte

der Redner aus, bisher nur wenige Fälle, in denen der Luftballon für die Zwecke der Po]Erforschung Verwendung gefunden bat, im Grunde nur zwei, nämlich bei der Andreeschen Nord- und bei der Deutschen Südpolar-F.xpcdition. Das englische Süd-polarschifT « Discovery > soll auch Hallongerät mitgeführl haben: ob und mit welchem Erfolge dies verwandt worden ist, darüber ist leider nichts bekannt geworden.

Theoretisch dagegen hat man sich schon lange vor dem ersten praktischen Vernich mit dem Hallon in Beziehung zur Polarforschung beschäftigt.

Redner zählt eine Reihe von mehr oder weniger praktisch brauchbaren Vorschlägen auf, die seit Erfindung des Luftballons für seine Verwendung hei Polarexpeditionen gemacht worden sind und zwar sowohl in Krankreich als auch in Deutschland. England und andern Ländern und zitiert schließlich einen Hrief von Nansen an den Hauptmann Groß, in welchem Nansen seiner Überzeugung Ausdruck gibt, daß ein Fesselballon seiner F.xpedition gute Dienste hätte leisten können, und bedauert, durch Platzmangel gezwungen worden zu sein, auf dies Hilfsmittel zu verzichten. Photofi Steht \;nh<lru<k verboten,

Fesseiballonaufstieg auf der „Qauss"expedltlon.

Ganz abweichend hiervon, so fährt Hauptmann v. Kehler fort, war das von dem unglücklichen Amiree 185f7 zur Ausführung gebrachte Projekt. Es gründete sich auf die Anwendung eines \\'as-erstoff-Freiballons. groß genug— ."i(MK) chni —, um sich tagelang in der Luft zu halten und eine reichliche Menge Hallast zu tragen, und ausgerüstet mit einem Hilfsmittel, das bis zu einem gewissen Grade den Hallon vom Winde unabhängig machen sollte. Dies Mittel bestand in einem am Schlepptau angebrachten, schräg gestellten Segel, mit dem Andree seitliche Abweichungen von der Windrichtung bis zu ■{■;">o zu erreichen hoffte. (Mehrere Lichtbilder zeigten Andrees Vorbereitungen, seinen Hallon während Füllung und Fahrt, die Segel-Sehlepptau-Kinrichtung und deren Wirkung.) Die letzte von Andree empfangene Nachricht ist bekanntlich eine Rricftauhenposl vom 13. Juli, wo er bei unter Fahrt nach (>. 82° 2' erreicht hatte. In welcher Aufregung sich damals die Welt befand, das wird am besten durch die Worte charakterisiert, die Herson in diesen Tagen sprach: «Mit atemloser Spannung schaut die Welt nach Norden, auf diese Tal von unerhörter Kühnheit! Wo mögen Andree und seine tapferen Genossen jetzt weilen auf dieser einzig dastehenden Luflballonfahrl V Möchte Andree doch Reiht Inhalten gegen die, welche seinem Fnternehmen geringe Aussicht auf Frfolg zusprachen.

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l'hutopr. Sli-Iir

Na< lulrih-k

Poch wie immer das Ende sein möge, die höchste Achtung bleibt ihm, der sein Leben für ideale Werte eingesetzt hat!»

Die zweite Anwendung auf einer der Polarforschung dienenden Expedition fand der Luftballon als Fesselballon. Es wurde an Bord der «Gauß» ein Kesselballon von mäßigen Abmessungen, von 300 ebm Inhalt, groß genug, um eine Person zu tragen, mitgenommen und soviel Wasserstoffgas in zusammen 450 (iashehältern von je 5 (bin In-lialt. daß die Tmalige Füllung des Ballons möglich gewesen wäre. Die erste Anwendung des Ballons geschah, nachdem man lange einen geeigneten Tag abgewartet, am 20. März 1902, als das Schiff schon längere Zeit vom Eise eingeschlossen war. Der Aufstieg erfolgte etwa 100 m vom Schiffe entfernt vom Eise aus. nachdem eine Handwinde hergestellt und nach Möglichkeit durch Einfrierenlassen im Kise befestigt war. Es wurden im ganzen drei Aufstiege gemacht, jeder mit einer andern Person im Ballonkorbe. Einer der Aufgestiegenen war der Leiter der Expedition Professor von Drygalski. Erreicht wurde die Hohe von 500 m. Vom höchsten Punkte schweifte der Blick über den (iauß-berg hinweg auf das feste Land, das sich durch einige eisfreie Punkte und durch eigenartige Anschwellungen als solches markierte. Durch zwei der Aufgestiegenen wurden aasgezeichnet« Photographien von verschiedenen Höhen aufgenommen, während gleichzeitig vom Eise aus der

Ballon photographiert wurde. Auch wurden meteorologische Beobachtungen angestellt. Das Wetter gestattete ein Verweilen in der Hohe von je 2 Stunden. Die interessanten Bilder waren dem Vortragenden durch den Obermaschinisten der «Gauß», Herrn Silin, zur Verfügung gestallt worden. Sie landen, durch den Bildwerfer vorgeführt, bei der Versammlung den größten Beifall.) Mehr als an diesem freundlichen Märztage ist der Fesselballon der «Gauß» Dicht benutzt worden. Es

waren zur Füllung n\"> Gasbehälter entleert worden, den Best von 3K5 brachte «Gauß» vollkommen intakt nach Kiel zurück, ein Zeichen für die Vorzüglichkeit

01a ..Gauss' vom Ballon gesehen.

die der

Gradcnwitzscben Ventile. Die aus «lern ersten Versuch sich ergebende Erfahrung besagt, daß in künftigen Fällen die Einrichtung so zu treffen ist. daß man den Kesselballon leicht und schnell von Bord des SchitTcs selbst aus aufsteigen lassen kann, um ihn als Krkundungs- und Wege-Aufklärungsmittrl zu benutzen. Vielleicht, so schließt der Vortragende, hilft der in aussichtsvoller Kortentwickelung begriffene Uotorballon auch, diese Hilfsaktion des Ballons bei Polarfahrten noch wesentlich zu verbessern.

In der sich anschließenden Diskussion sprach Hauptmann von Tschudi die Meinung aus, es werde künftig möglich sein, die umständliche Mitführung von (Jas zu ersetzen durch die Bereitung des Gases an Bord mittels eines neu erfundenen Herstellungsverfahrens von Wasserstoff mittels Ätznatron und Aluminium, das den Preis des Gases etwa um die Hälfte zu reduzieren verspreche. Eine zukünftige, überaus wichtige Anwendung des vom Bord des Schiffes hochgerissenen Fesselballons sei auch Beine Verwertung für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie. um die Verbindung mit rückwärtigen Stationen an der Ausgangsbasis oder auch mit au Land neuaiigelegten Stationen aufrechtzuerhalten.

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über die seit letzter Versammlung stattgehabten Vereinsfahrten berichtete Hauptmann v. Kehler: Ks fanden im ganzen 5 solcher Fahrten stall. 2 von Bitterfeld, ."1 von Merlin resp. Charhdtenburg aus. Die erste am 18 Januar wurde geleitet durch Herrn Leutnant (icerdlz. Mitfatirende waren: Herr Oberleutnant Höhne und Herr Finke. Die Fahrt ging während der ersten 2—8 Stunden bei klarem Wetter in etwa 80U m Höbe vor sich. Ks wurden Neuruppin. Schwerin, die Lübecker Huehl Überlingen, viel überschwemmtes Land und die Ostsee schon auf f>0 km Kntfernung gesehen. Die (Jeschwindig-keit war etwa 70 km in der Stunde. Nachdem Kiel gesichtet und mit dem Wacbtschifl vergeblich Verständigung versucht worden war. ging der Malion bis auf 160 m herab und landete sehr glatt mit noch H Sack Mallast von mitgenommenen lö in der Näh«* von Kckernförde. ganz nahe der Heimat des Ballonführers. Die zweite Fahrt, unternommen am L Februar, Führer Herr Dr. Flemmiiig. Mitfahrende: Stabsarzt v. BueltzingS-lövveii und Oberarzt Dr. Steyrer, war bei sehr ungünstigem Wetter, heftigem Schnee* gestöber, nacli SO. gerichtet. Schon in den ersten 20 Minuten muf>ten ö Sack Mallast geopfert werden mit «lern Erfolge, daß sich der Malion über die Wolkendecke bis 1H00 m

l'liold^r. Slchr. Nachdruck verhol«-».

Expedition der „Gautt". Ausbilok über das Eis vom Ballon aus.

erhob. Die Landung erfolgte gegen 2 Uhr bei Guhrau i. Schlesien. — Die dritte Falut am 13, Februar leitete Hauptmann Sterling. Mitfahrende waren die Oberleutnants v. Müller. Hopfe und v. Massow. Der Malion hielt sich merkwürdig lange über Merlin: erst bei Opferung von viel Mallast gelangte er über den dünnen Wolken bei 2000 in Höhe in eine stärkere Windströmung. Die Wolkcnbildung war besonders reizvoll. Bald wurde durch Wolkemisse die Klbc. später Dresden gesehen, bald erschien in schönster Vollendung das Brockengespenst mit prächtiger Aureole auf der Wolkenwand. Die Landung geschah nach kurzer Schleppfahrt in der Nähe von Dresden ganz glatt.

Von den beiden Mittel fehler Fahrten fand die erste am 18. Januar statt, Führet Hauptmann v. Kehler, Mitfahrende: Oberleutnant Wolff und Dr. Ladenburg. Die Fahrt «lauerte .') Stunden, war sehr genußreich und gestattete den Mitfahrenden, interessante photographischc Aufnahmen, u. a. vom Kisgang auf der Klbe zu machen.

Die zweite Mitterfelden mit «lern Ballon Assmann unternommene Fahrt ging unter Leitung von Hauptmann v. Krogh am 10. Februar vorm. 11'/« vor sich. Kinziger Begleiter war Herr Boas. Ks wehte, bei meist klarem Wetter, ein starker Wind, der sich im Laufe der Fahrt noch Steigerte. Von Ballast waren II1« Sack an Bord. Um 1 Flu

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1H Mm. wurde die Elbe nordwärts Torgau überflogen. Der bisher wehende Südwind drehte aber bald entschieden nach Westen, sodaß der Ballon in 500—750 m Höhe anfänglich in nordöstlicher, dann in südöstlicher und endlich in ausgesprochen östlicher Richtung entführt wurde. Um 5 Uhr 40 Min. wurde bei Sommerfeld der Bober überflogen und. da es zu dunkeln anfing, mit dem Begleiter Rat gepflogen, ob man landen oder die Nacht hindurch vermutlich weit nach Rußland hinein weiterfahren wolle. Es wurde letzteres beschlossen. Gegen 9 Uhr wurde beim Schein des inzwischen aufgegangenen Mondes Glogau gesichtet. Als gegen 11 Uhr 40 Min. etwa 40 km von Kaiisch die russische Grenze passiert wurde, hörte man unten viel schieben, doch galten die Schüsse keineswegs dem Ballon. Mächtiges Sausen aus der Tiefe ließ erkennen, daß der Ballon ausgedehnte Wälder überllog und der Wind an Stärke zugenommen hatte. Kurz nach 12 Uhr verkündete ein heller Schein im Osten, daß man sich Warschau nähere, und der Ballonführer weckte seinen Begleiter, um ihm das Lichtermeer aus 500 in Höhe zu zeigen. Es war *jA Uhr, als man mitten über die Stadt llog: aber es berührte unheimlich, daß die Stadt zwar hell erleuchtet war, indessen sich nichts von dem so charakteristischen Lärm der Großstadt vernehmen ließ. Warschau lag wie ausgestorben da. Es ergab sich später, daß es eine der Nächte gewesen, in der nach heftigem Straßenkampfe niemand auf die Straße gelassen wurde. Weiter tlog der Ballon über tief beschneites Land mit großer Geschwindigkeit nach Osten, hatte man doch auch zuletzt schon die 200 km von der Grenze bis Warschau in Vj* Stunden zurückgelegt. Noch einmal sah man einen hell erleuchteten größeren Ort, Brcst-Litowski, sonst absolut kein Zeichen einer bewohnten Gegend, kein einziges von unten freundlich grüßendes Licht aus einem Dorf oder Gehöft. Die Erklärung geben die Sümpfe, die hier in ungeheurer Ausdehnung das (^uellgebiet des Dniepr markieren. Als es hell wurde und zugleich gegen Morgen empfindlich kalt, faßte mau die Landung ins Auge und besann sich keinen Augenblick, sie auszuführen, als gegen (i Uhr die Lichter eines Örtchens am Sumpfrande erschienen und Wasserrauschen in der Tiefe davor warnte, diese Oase zur Landung unbenutzt zu lassen. Es wurde an das Schleppseil gegangen und in kurzer Zeil mit einiger Schwierigkeit, aber schließlich doch glücklich, dicht am Dorfrande gelandet. Es war Punkt (5 Ihr, die Fahrt halte 19 Stunden gedauert. Bald war Hilfe zur Bergung des Ballons zur Hand. Mit den Leuten verständigle man sich leidlich, obgleich die russischen Phrasen des Fahrbuchs zur Verständigung leider nichts beitrugen. Ein eleganter Schlitten erschien und mit ihm der Gutsherr des Gules Moroczho. 70 km von der Kreissladt Ruisk im Gouvernement Minsk. Die in liebenswürdigster Weise angebotene Gastfreundschaft wurde dankend angenommen und nach kurzer Hast und erquickendem Schlaf mit dem wohlverstauten Ballon zu Schlitten nach Pinsk gefahren. Hier bei Dunkelwerden angelangt, mußte die sogenannte Befreiuiigsdepesche abgewartet werden. Die Zeit wurde den Luft-sehiffern aber nicht lang, weil sowohl der Polizeichef, als ein als Dolmetscher herbeigeholter Lehrer aus den baltischen Provinzen herzliche Gastfreundschaft erwiesen. Schließlich mußte noch in Pinsk, einem Orte von :$2000 Einwohnern, übernachtet werden. Die Rückkehr nach Berlin erfolgte am nächsten iSoniilag-i Morgen über Warschau, wo die Reisenden um ',V2 Uhr nachm. eintrafen. Während der Eisenbahnfahrt nach Warschau machten die Herren eine angenehme Erfahrung: ein polnischer Gutsbesitzer, dem sie schon im Hotel in Pinsk begegnet, bat sie auf der Fahrt nach Rrest-Litowski, bis wohin er mitfuhr, dringend, von ihm Geld anzunehmen, da er vermute, sie würden knapp bei Kasse sein. Er würde sich reich belohnt finden, wenn so -hochgestiegene» Herren ihn bei Rücksendung des Geldes aus Berlin durch einige Zeilen erfreuten. In Warschau ebnete das deutsche Konsulat alle Schwierigkeiten, sodaß der programmäßigen Heimkehr nichts mehr im Wege stand. Verbraucht an Ballast waren während der Ballonfahrt im ganzen 7'/« Sack. Die vom Ballon innegehaltene Hohe war bis auf einen kurzen Moment, wo er bis zu 1100 m emporschnellte, andauernd 500 m gewesen.

Nach einigen geschäftlichen Eröffnungen des Vorsitzenden des Fahrlenausschusses, Hauptmanns v. Kehler. teilte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Hauptmann v. Tschudi

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noch mit. daß die Firma Carl Zeiß-Jena stiftendes Mitglied des Vereins zu weiden wünsche. Diesem Wunsche wurde bereitwilligst entsprochen. A. F.

Münchener Verein für Luftschiffahrt.

Der Münchener Verein für Luftschiffahrt veranstaltete am Montag den 27. Februar, abends X Fhr, im Feslsaal des Kunstgewerbehauses zusammen mit dem polytechnischen Verein und dem Rayriscben Bezirksverein des Vereins deutscher Ingenieure eine gemeinsame Sitzung, der auch S. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig und S. Kgl. Hoheit Prinz Alfons die F.hre Ihres Resuches erwiesen.

Herr K. v. Bassus hielt an diesem Abend einen zusammenfassenden Vortrag ■über die gegenwärtigen Mittel zur wissenschaftlichen F.rforschung der freien Atmosphäre', den er durch Vorführung von Apparaten, Modellen und Lichtbildern aufs beste unterstützte. Der Vortragende erläuterte in den einleitenden Worten kurz die wissenschaftliche und praktische Redeutung eines tieferen Einblickes in die Physik der Atmosphäre und wies auf die erfreuliche Entwicklung hin. in der die planmäßige F.rforschung der freien Atmosphäre namentlich seit Regriindung und Tätigkeit der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt begriffen ist. Während früher unsere Kenntnis der Atmosphäre vorwiegend aus Beobachtungen auf und von der Erdoberfläche aus entstammte, und die vereinzelten Raltonfahrten nur eine geringe wissenschaftliche Ausbeute liefern konnten, ist man jetzt zur Erkenntnis gekommen, daß «1er Forscher für das Studium der Atmosphäre seine llaupltä I i gke i t in die freie Atmosphäre selbst verlegen muß.

Der Vortragende kennzeichnete hierauf das Arbeitsgebiet in seinen Einrissen. Wichtig sind die in verschiedenen Höhen durchgeführten l'nler-suchungen von Temperatur, Feuchtigkeit. Wolkenbildung. Richtung und Geschwindigkeit des Windes, St rahl u ngsi n tensi tat. Ferner ist erwünscht das Studium der elektrischen, magnetischen und optischen Erscheinungen, sowie die Ausführung weilerer chemischer Luflanalysen. und die Bestimmung des Staub- und Bakteriengehaltes.

Darnach ging der Redner zur Resprechung der Mittel über, die dazu dienen, den Lnftschifler und seine Instrumente oder auch letzlere allein (selbstregistrierende) in die Atmosphäre empnrzutragcn, indem er an der Hand von Modellen und Projektionsbildern die prinzipielle Konstruktion und Wirkungsweise der gewöhnlichen bemannten kugelförmigen Freiballons, der unbemannten Registrierballons, der Drachenfesselballons iSystem v. Parseval-v. Sisrsfeld) und der viel verwendeten Hargrave-Drachen erläuterte. Es folgte die Beschreibung der Instrumente zur Bestimmung der Höhe, nämlich der Ouecksilberbarometer. der Aneroide und des Theodoliten Daran schloß sich die Vorführung der verschiedenen Apparate, die zur Messung von Temperatur und Strahlungsintensität dienen, also von Aspirationsthermometer. Metallthermomet er und Schwarz kugelt. he r in o inet er. Ferner demonstrierte der Vortragende das Aspirationspsychrometer und Haarhygrometer, mit deren Hille wir den Feuchtigkeitsgehall der Luft ermitteln, und wandte sich hierauf den Apparaten zur l'ntersuchung der elektrischen und magnetischen Verhältnisse zu. Es wurden vorgeführt der Potentialmeßapparat (Eberl'), mit dem die SpaununiisdilTereuzen in Punkten verschiedener Höhe bestimmt werden, der Klektronen-aspirationsapparat (Eberl' und das magnetische Doppelnadel Variometer lEherti. Endlich folgte die Reschreibung des Aitkenschen Staubzählers und des Apparates von Harz zur Bestimmung des Bakteriengehaltes.

Der Vortragende schilderte dann noch kurz die Ausgestaltung des neuen kgl. preußischen aeronautischen Observatoriums, das gegenwärtig 30 km südwestlich Frankfurt a. 0 bei Lindenberg gebaut wird und mit allen modernen Hilfsmitteln verseilen weiden soll.

Nach einigen Mitteilungen Ober den Umfang und die Bedeutung der von der «Internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt» geleiteten und geförderten Arbeiten schloß der Hedner seinen inhaltreichen Überblick mit dem Wunsche, daß die Zukunft diese Wissenschaft weiter entwickeln und durch ihre praktische Anwendung auch zu einer sicheren Wetterprognose führen möge, die ja von weittragender wirtschaftlicher Bedeutung sein würde. Lebhafter Beifall belohnte die sachgemäßen Darlegungen.

Um der Versammlung aurh eine Vorstellung von den Eindrücken bei einer Ballonfahrt zu geben, führte Herr v. Bassus im Anschluß an seinen Vortrag noch eine Reihe l'mjektionsbilder von Photographien vor, die er hei Ballonfahrten aufgenommen halte.

Dr. Otto Habe.

Eft

Mitteilungen aus Schweden.

Im Schneesturm über die Ostsee. Am Sonntag, den 18. Dezember vorigen Jahres unternahmen Ingenieur II. Frcenkel und Leutnant Arne Garlson eine Freifahrt von «Idrottsparken» in Stockholm. Der Ballon stieg fortgesetzt: in kurzem zeigte das Barometer, daß man eine Höhe von 1150 m erreicht halle. Die Luft war klar und man konnte die unten liegenden Landschaften ganz genau erkennen. Die Fahrt ging über die Schären auf das Meer hinaus, dessen mächtiges Brausen immer deutlicher vernommen wurde. Da nur 1K0 kg Ballast mitgefühlt wurde, waren die Ballonfahrer im Zweifel, ob man eine Fahrt über das Meer wagen könnte oder ob man sogleich landen sollte. Da der Ballon aber mit großer Schnelligkeit llog, wurde beschlossen, die Ostsee zu passieren, wozu man. wie man meinte, eine Zeil von vier Stunden gebrauchen würde. In wenigen Minuten schon war man am Ffer des Meeres. Die Uhr zeigte jetzt 4'/* nachmittags und der Mond wurde im Dunkel des Winterabends schwach sichtbar. In einer Höhe von 1500 m begann es zu schneien, infolgedessen sank der Ballon schnell auf 650 ni. zumal da man keinen Ballast opfern wollte. Der Nebel war jetzt so dicht, daß man die Welleiikämme des Meeres nicht sehen konnte, um nach diesen den Kurs zu beslimmen. Gegen Ii Ihr ling man glücklicherweise wieder an zu steigen, ohne Ballast geopfert zu haben, und man erreichte bald eine Höhe von 1050 in. die größte während der Fahrt. Das Thermometer zeigte — 1°. Jetzt begann es Wiedel heftig zu schneien und ein großes Scheitelkäppchen von Schnee deckte bald den Ballon. Fnter dem Druck desselben senkte er sich während zwei Stunden immerfort obwohl unaufhörlich Ballast geworfen wurde, und bald hatte der Ballon sich auf eine Höhe von hui 0OO m gesenkt. Von hier sahen die Ballonfahrer das brausende Meer und aus der Richtung der Wellen konnten sie schließen, daß der Kurs andauernd südöstlich war. Gegen 8 Ehr stiegen sie aus unbekannter Frsache auf einmal zu einer Hohe von 1500 m, wo sie von dem sie belastenden Schneetreiben wieder überfallen wurden, «las sie diesmal in kurzer Zeit bis auf 800 in herabdrückte. Sie mußten jetzt, um sich schwebend zu halten, nicht weniger als 50 kg Ballast opfern.

Um H Flu 10 Minuten sahen sie die Laternen eines Lastdampfers, der sie wahrscheinlich beobachtete. Auf dem Schilfe schien man vorauszusetzen, daß sie Hilfe brauchten und machte sich fertig, ihnen Beistand ZU leisten, aber der Dampfer

In w

Ingenieur H Frankel.

13 i ««««

versehwand ha hl im Nebel. Im diese Zeit begann es heftig zu regnen, das Scheilel-käppchen von Schnee schmolz und ganze Wasserkaskaden stürzten auf die Luftfahrer herab. Vom Schnee befreit, stieg der Ballon, aber fürchtend, wieder in die höheren Schneewolken hinaufzukommen, öffnete man das Ventil. Der ganze Ballast war jetzt fast verbraucht und man spähte und lausehte vergeblich, um Land zu entdecken oder das Getöse der Brandungen zu hören. Nur das eintönige Brausen eines empörten Meeres wurde vernommen.

Endlich um H Uhr öO Minuten wurde der eifrig ersehnte Laut von Brandungen gehört, die man 2ö Minuten später passierte, und gleichzeitig wurde das feste Land sichtbar. Der Ballon senkte sich rasch und die Situation wurde äußerst kritisch, als man nach wenigen Minuten wieder hinaus über die Brandungen kam. Aber glücklicherweise war das zuerst erblickte Land eine nahe der Küste liegende kleine Insel, auf welcher das Leuchtfeuer Filsands erbaut ist, und bald befand man sich über einem größeren Lande; die Luflschiffer beschlossen daher, gleich zu landen, Die Instrumente wurden mit größter Schnelligkeit eingepackt, denn man wurde mit großer Geschwindigkeit aufwärts getrieben und fürchtete, wieder auf das Meer hinauszukommen. Die Reißbahn wurde geöffnet und die Gondel stieß mit großer Heftigkeit auf den Boden. Sie wurde vollständig herumgeschleudert und die Insassen wurden unter derselben über einen Sumpf geschleppt, bis der Ballon endlich wenige Meter vom Meere stehen blieb, sodaß die Luftschiffer keinen Augenblick zu früh heruntergestiegen waren. Die Ihr zeigte jetzt UJtfi abends. Man befand sich, wie sich nachher zeigte, auf der Insel Oesel. etwa :> V» Meilen Westnordwest von der kleinen Stadt Arensburg. Nachdem man sich ein wenig orientiert hatte, mußte man den Versuch, einen Wohnplatz zu erreichen, aufgeben. Die Gegend war vollständig öde und kein lebendes Wesen war zu entdecken. Die Luftschiffer verließen sich daher auf sich selbst und richteten ihr Nachtquartier in der Gondel ein. Kin brausender Sturm strich während der Nacht über die Kbene. Krsl am Montag abends fanden sich Leute, die ihnen beim Transport des Ballons helfen konnten, und am Dienstag morgens begaben sie sich mit dem Ballon nach Arensburg, wo sie spät des Abends eintrafen.

Der Ballon war vollständig wohlbehalten und die Instrumente beinahe unbeschädigt. Die kühnen Luftschiffer waren, trotz mehrerer Quetschwunden, die sie sich bei der Landung zugezogen hatten, in guter Verfassung.

Wie aus «liesein Bericht hervorgeht, halte man mit Mühe und Not die russische Küste erreicht. Hauptsächlich schien das daran zu liegen, daß der Baiton mit zu wenig Gas und Ballast aufgestiegen war. Ks ist bekannt, daß während der Winlerfahrten sich der Schnee auf dem Ballon sammelt und hiergegen nur eine große Masse Ballast schützen kann.

Die Heise von Stockholm bis zur Landungsstelle dauerte (} Stunden, der Ballon flog also mit einer Mitlelgeschwindigkeit von 1,- Meilen in der Stunde. Die Luftlinie beträgt nämlich MiiO km.

Die Schwedische Aeronautische (JeSeilschaft ist am 1!>. Januar d. Js. zu einer Beratung zusammengetreten. In dieser Sitzung wurde die Krneuerungswahl des Vorstands für das Jahr l!Wif> vorgenommen. Kr setzt sich aus folgenden Herren zusammen: I. Vorstand Hauptmann W. Swedenborg. II. Vorstand: Ingenieur Hans Krienke I, 1. Zeugmeister: Graf II. Hamilton. II. Zeugmeister: Leutnant A. Carlsoii.

1. Schriftführer: Hauptmann K. A. Amundson, II. Schriftführer: Leutnant F. J. Fogman. I.Schatzmeister: Ingenieur G. Ilolmberger, II. Schatzmeister: Leutnant R Lindblad. Bibliothekar: Dr. N. F. k ho Im, Revisoren: Hauptmann A. Wibom und Ingenieur Da h le n.

Als neue Mitglieder wurden Leutnant Tillberg. Leutnant Hagman und Ingenieur Per Tamm aufgenommen. In der Sitzung wurde weiter beschlossen, daß, wenn sich kompetente Führer melden, der Ballon 'Andre* an dein internationalen Aufstieg am

2. Februar sowie auch an dem Aufstieg bei den «Nordiska Speien* (Nordischen Spielen»

in Stockholm teilnehmen sollte. Nachher folgte ein interessanter und mit vielen Lichtbildern erläuterter Vortrag von Ingenieur H. Frankel über seine letzte Ballonfahrt nach OeseL r. J_(|,

Bericht aus Spanien.

Mitte Februar hatte Don Fernandez Duro in Madrid bereits 10 Freifahrten mit seinem Ballon «Alcotan» gemacht, und es war ihm gelungen, bereits mehrere Persönlichkeiten für die Luftschiffahrt derart zu gewinnen, daß die Bildung eines Luftschiffahrtvereins nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte.

In Barcelona machte am 20. Februar der Akrobat Sune eine Freifahrt vom place des Taureaux aus. Beim Fall in die Strafte Las cortes berührte der Ballon gleichzeitig eine Telegraphendrahtleitung und die elektrische Leitung der Tramway. Der Akrobat sprang in der Befürchtung, dafi eine elektrische Entladung folgen möchte, aus dem Korbe und brach sich auf dem Staßenpllaster ein Bein. F. de I*. B.

Personalia.

Vom Luftschiffer-Bataillon in Beinikendorf-West ist die • Faukcr-Abteilung -als besondere Truppe abgeschieden und dem Telegraphen-Bataillon Nr. F in Berlin angegliedert worden. Das Oflizierkorps der Funker-Abteilung ist aus folgenden Oflizieren gebildet worden: Hauptmann v. T-chudi, Führer der Abteilung, Oberleutnant v. Milezewski. Leutnant Ribbentrop, Leutnant v. Brandeiistcin, Leutnant Stelling-. Leutnant Zinken und Leutnant Joelimann.

Bibliographie und Literaturboricht.

Bibliographie.

Jahrbuch 1905 des Deutsehen LnftsehilTer-Verbandcs, Graudenz 100ö. gr. 8". Mio S.

Mit überraschender Promplheit ist auch diesmal das Jahrbuch im Druck erschienen. Es enthält zunächst Verhandsnachrichlen und im weitern die Jahresberichte. Mitglieder-Verzeichnisse, Vereinsvorschriften, Bücherverzeichnisse etc. der sieben Vereine des Verbandes. Der Münchener Verein hat als Beilage zwei wissenschaftliche Aufsätze von Herrn Prof. Harz und Herrn K. v. Bassus beigegeben. — Einige kleinere Unrichtigkeiten, die uns beim Bericht des Oberrhein. Vereins auffallen, dürften mit Berücksichtigung der srhnellen Drucklegung durch die extreme Lage des Berichts- und Druckortes zu erklären sein. _ O.

Krifsrsmiiüisre WasserstolTerzeojruiiir beim Ostsiblrisehcu FcldlulWhifTer-Batailloii, von

Major H. W. L. Moedebeck. S*. 4 S.. S.-A. d. Ghemiker-Zeitg. Göthen 1905. Es handelt sich um die Darstellung von Wasserstoff aus Aluminium und Natronlauge. Die Umstände der Herstellung, die Konstruktion der Gaserzeuger und die Transporteinrichtungen werden auf Grund eigenen Augenscheins genau beschrieben. Die Einführung dieses Verfahrens bringt den Vorteil, daß die LuftschilTerableilung im Fehle unabhängiger und damit beweglicher wird. Es muß aber für die Kühlapparate reichlich Wasser zur Verfügung stehen. 0-

Sur les aseension* «le eerfs-volants exeeutees sur la Mediterrane« et sur l'Oeeau Athui-tique a bord du yaeht de S. A. S. le Prince de Monaco en 1904, par M. 11.

Hcrgesell. ('.. H. <U' FAcad. des sciences. Paris. 1905. 4°. 3 S. Diese Mitteilung enthält den ersten auf genauer Bearbeitung des Materials fußenden Bericht namentlich über die Drachenaufstiege im Gebiet des Passatwindes. Es hat sich ergeben, daß der Passat nur einige hundert Meter hoch reicht: diese Passatschicht besitzt nach oben zunehmende Feuchtigkeit und abnehmende Temperatur. Sie ist nach oben scharf begrenzt durch eine bis 1500 m mächtige Schicht großer Trockenheit und höherer Temperierung, die ihrerseits mit der Höhe in eine Zone mit starker Temperaturabnahme übergeht, die mindestens bis 4500 rn reicht. An Stelle des theoretisch zu erwartenden S W-Antipassats wurden ganz schwache Winde verschiedener Bichtungen gefunden. Diese letzte Tatsache muß übrigens, wie beiläufig bemerkt werden möge, wohl in unmittelbaren Zusammenhang mit der unerwartet geringen Mächtigkeit des Passats selbst gebracht werden. Denn <}n Passat und Antipassat derselben Zirkulation angehören, muß eine so seichte Passalslrömung notwendig einen schwachen Antipassat-strom zur Voraussetzung haben, und zwar einen um so langsamem, in je größere Höhen er sich erstreckt.

Auf die wichtigen Resultate dieser Aufsliege soll bei der Besprechung der zu erwartenden ausführlichen Publikation noch näher eingegangen werden. Q.

Le Congres d'Aerustatlon scleiitifiqiie de 1904, etc.. par M. Paul Bord«'-. Paris 1905. h° Kl S.

Der Präsident der Soriete franeaise de Navigation aerienne gibt in dieser glatt abgefaßten Broschüre einen Bericht über die Konferenz der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt. Die Schnelligkeit der Veröffentlichung ist lobenswert. Vielleicht ist es dieser Eile zuzuschreiben, zum Teil auch wohl ungenügenden Grundlagen, wenn eine große Zahl der Namen falsch, zum Teil unkenntlich wiedergegeben ist. und wenn sich in der Broschüre leider eine zu große Anzahl von Unrichtigkeiten und Entstellungen findet, als daß sie als zuverlässige Ouelle benutzt werden dürfte. Daß dir- Broschüre mit dem großen Titel: « Acadömie Imperiale des Sciences de St-Peters-bourg > prangt, der doch wohl dem offiziellen von der Akademie zu veröffentlichenden Protokoll allein zukommen sollte, muß befremden. - Als Einleitung ist ein Überblick über die Geschichte der früheren Konferenzen aus der Feder von W. de Fonvielle beigegeben. O.

Druckberichtigung.

Im Februarheft Seite 98. Bericht aus Spanien, muß es heißen anstatt «800 km > »die Flugweite beträgt 450 km».

DU Redaktion hält sich nicht für verantwortlich für den wissenschaftlichen Inhalt der mit Namen versehenen Artikel.

Alle Hechte vorbehalten; teilweise Auszuge nur mit Quellenangabe gestattet.

Die Redaktion.


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