Illustrierte Aeronautische Mitteilungen

Jahrgang 1904 - Heft Nr. 7

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Eine der ersten Zeitschriften, die sich vor mehr als 100 Jahren auf wissenschaftlichem und akademischem Niveau mit der Entwicklung der Luftfahrt bzw. Luftschiffahrt beschäftigt hat, waren die Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen, die im Jahre 1897 erstmals erschienen sind. Später ist die Zeitschrift zusätzlich unter dem Titel Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt herausgegeben worden. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1897 bis 1908 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die angebotenen PDF Dokumente. Schauen Sie sich bitte auch die kostenfreie Leseprobe an, um die Qualität der verfügbaren PDF Dokumente zu überprüfen.



illustrierte aeronautische jÄitteilungen.

VIII. Jahrgang. Juli 1904. 7. Heft.

Aeronautische Meteorologie und Physik der Atmosphäre.

Der jährliche Wärmeaustausch in der Atmosphäre und an der Erdoberfläche und die Stärke der Luft-und Dampfströmung in der Atmosphäre.

Von Professor Dr. J. Schubert.

Bei allen Vorgängen der Körperwelt bleiben zwei Größen unverändert: die Menge der Materie und die der Energie. Wir versieben unter Energie eines Körpers oder Systems die Fähigkeit des Körpers oder Systems, Arbeit zu leisten, seinen Arbeitsvorrat, gleichviel ob die Energie als mechanische, elektrische, chemische oder als Wärme auftritt. Energie kann weder entstehen, noch vergehen, aber sie wechselt dauernd Sitz und Form, und es ist ein Hauptproblem der Meteorologie, die Umwandlungen der Energie an der Erdoberfläche und in der Atmosphäre nach Art und Maß zu verfolgen. Schon im Jahre 1892 hat W. v. Hezold1) auf die Wichtigkeit dieser Aufgabe hingewiesen und die theoretischen Grundlagen für ihre Behandlung erörtert. In mehreren Vorträgen auf der Naturforscherversammlung zü Hamburg2) und in der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft habe ich versucht, eine Übersicht über den periodischen Verlauf der in Form von Wärme in Boden, Luft und Wasser aufgespeicherten Energiemengen zu geben, und jüngst eine zusammenfassende Darstellung dieses Gegenstandes veröffentlicht.3) Der Aufforderung der Redaktion der Aeronautischen Mitteilungen, die Hauptergebnisse meiner Untersuchungen, besonders der auf die Atmosphäre bezüglichen, in diesen Blättern darzulegen, komme ich sehr gern nach. Einige auf Wolkenbeobachtungen gegründete Betrachtungen über die Stärke der Luftströmung in verschiedenen Höhen sind hinzugefügt.

Die Quelle der Energie ist die Sonne und ihre Träger sind die Sonnenstrahlen. Treffen diese die Erdoberfläche, so bewirken sie eine Erwärmung, die sich nach unten in das Innere und nach oben an die Luft mitteilt. Umgekehrt gibt die Erdoberfläche durch Ausstrahlung Wärme ab und bestreitet den Verlust aus Erde, Wasser und Luft. Wie in den tieferen Wassersehiehten werden auch in der Luft, besonders an Wolkenoberfläohen direkt durch Ein- und Ausstrahlung Änderungen des Wärmezustandes herDer Wärnn'imsUiiM-h an der F.rdnberflmlie und in der Atmosphäre. Silzungsher. iL Akari. d. Wisetnuh. zu Berlin m*2. S. 113!».

»i Verhandlungen, «ihm. Zw «Her Teil. I. Leipxi* un*. S. 5fl3. - Physik. Ztfchr. X j*t. S. 117. — V|>l. Niilurw. Kmidtrhun XVI u. Meleorot«*. Zt-rhr. I'.n*. S. HKS.

*i I>.t Würmeaustau-eh im fetten Krdboden, in Gewässern und in der Atmosphäre. Berlin. J. Springer. 190«.

Illn»tr. Aernnant. Mi1t.il. YIII .lülirg.

vorgerufen. Ein Teil der zugeführten Wärme wird zur Verdunstung von Wasser verbraucht und übt umgekehrt bei der Kondensation eine erwärmende oder die Abkühlung verzögernde Wirkung aus. Wir stellen nun die Frage, wie groß sind die jährlich umgesetzten Wärmemengen und wie gestaltet sich der periodische Verlauf.

Unter «Wärmegehalt des Bodens» verstehen wir die Wärmemenge, welche dem Boden zuzuführen ist, um ihn von gegebener Anfangstemperatur (to) auf die jeweilige Temperatur (t) zu bringen. Behufs genauerer Feststellung betrachten wir eine senkrechte Säule, deren Horizontalquerschnitt gleich der Flächeneinheit ist, und die von der Oberfläche bis zu einer Tiefe H reicht, in der die Temperaturänderungen unmerklich sind. Dann ist der Wärmegehall des Bodens pro Flächeneinheit gleich der Wärmemenge, die erfordert wird, um diese Säule von dem Anfangszustand (t0) auf den Endzustand (*) zu bringen. Es sei nun G die Volumenkapazität d. h. die Wärmemenge, die nötig ist, um der Raumeinheit des Bodens eine Temperaturerhöhung von einem Grad zu verleihen. Dann erfordert ein Stück der Erdsäule von der Höhe dh zur Temperaturerhöhung von fo auf t Grad C (t—tQ) dh Wärmeeinheiten. Bildet man diese Größe für alle Teile der senkrechten Säule, so ist die Summe

/CH — Qdh

o

der mathematische Ausdruck für den Wärmegehalt des Bodens oder die «Bodenwärme». Wählt man als Ausgangspunkt (t0) beim jährlichen Gange das Jahresmittel, so ist der eben gefundene Ausdruck für den Wärmegehall von der Tiefe II unabhängig, falls diese nur so groß genommen wird, daß dort die jährlichen Temperaturschwaukungen verschwinden. Im folgenden ist bei der Temperatur wie beim Wärmegehalt stets die Abweichung vom Jahresdurchschnitt zugrunde gelegt. Als Beispiel wählen wir den Wärmegehalt des grasbedeekten, oben humosen Sandbodens zu Eberswalde (187(5—90). Die vom Wassergehalt abhängige Wärmekapazität C ist hier zu etwa 0,1 bestimmt.') Im Sommer ist die tägliche Wärmezufuhr größer als die nächtliche Abgabe: der Wärmegehalt wächst. Seinen höchsten Wert erreicht er in Eberswalde etwa am 7. September. Im Winter überwiegt die Wärmeabgabe, daher sinkt der Wärmegehalt und erreicht zum Frühjahr, in dem gewählten Beispiel am 21. März, den tiefsten Stand. Der Unterschied zwischen dem Minimum und Maximum des Wärmegehaltes ergibt den jährlichen «Wärmeaustausch' oder Umsatz. Er ist gleich der Summe der im Sommer einströmenden oder der im Winter ausströmenden Wärmemengen. Bei der Bildung der Summe für den Sommer sind die nächtlich austretenden Wärmemengen von den tagüber einströmenden in Abzug zu bringen: umgekehrt im Winter. Bei der obigen Berechnung des Wärmeaustausches sind nur Temperaturänderungen berücksichtigt. Die

■i j SlIiuIutI. D<t jährliche C.;»iijr «kr Luit- tun] BmlintimpiTaUir miil <i<-r Wärmeaustausch im Kr<lt">il«'fi. Htirlin \'MW.

215 «44«

bei Änderung des Aggregatzustandes des im Boden befindlichen Wassers umgesetzten Wärmemengen bleiben hierbei außer Ansatz. Die einfachen Gesetze der Wärmeleitung, welche auf der Annahme beruhen, daß der Wärmestrom, d. h. die in der Zeiteinheit durch die horizontale Flächeneinheit strömende Wärmemenge dem Temperaturgefälle proportional ist, können nur als Annäherungen an die wirklichen Vorgänge in der Natur gelten. Die ungleiche Beschaffenheit des Bodens, der Wechsel des Wassergehaltes, die Verdunstung und Kondensation, das Gefrieren imd Auftauen des Wassers, die Schneedecke bedingen mannigfache Abweichungen von der einfachen Theorie. Diese treten besonders in der Nähe der Oberfläche auf und beeinflussen daher den täglichen Gang, der sich in Schichten von geringer Tiefe abspielt, mehr als den jährlichen.

Ziehen wir die Gewässer in den Kreis unserer Betrachtungen, so treten die Bewegung der Wassermassen und das Eindringen der Strahlen in größere Tiefen als maßgebende Ursachen gegenüber der eigentlichen Wärmeleitung in den Vordergrund. Die Oberfläche des festen Bodens erleidet unter dem Einfluß der Ein- und Ausstrahlung große Temperaturschwankungen, die aber stark abgeschwächt in die Tiefe geleitet werden. Für das Wasser ist das tiefe Eindringen der Temperaturänderungen charakteristisch, während diese an der Oberfläche verhältnismäßig gering sind. Zum Beweise benutzen wir die 14jährigen Mittel der Künigsberger Bodentemperaturen nach der Berechnung von A. Schmidt und die Resultate einer dänischen Station, Schultz' Grund im Kattegatt für 1880 bis 87 nach dem Segelhandbuch der Seewarte für die Ostsee.

Die jährliche Temperaturschwankung an der Oberfläche beträgt im Lande etwa 20°, im Meer nur 15°; abgesehen von der obersten Schicht sind aber die Temperaturschwankungen im Wasser außerordentlich viel größer als im festen Boden. In 20m Tiefe ist die jährliche Änderung im Boden unmerklich, während sie im Meer noch 9° beträgt.

Die Berechnung des Wärmegehaltes für das Wasser erfolgt in gleicher Weise wie für den festen Boden. Für Seewasser1) von 3 bis 2°/o Salzgehalt ist die Wärmekapazität C = 0,96 bis 0,97. Als Beispiel wählen wir den auf größere Tiefe ergänzten Mittelwert von fünf dänischen Feuerschiffstationen: Laesö Bende, Schultz' Grund, Anholts Knob im Kattegat, Horns Hilf in der Nordsee und Skagens Riff im Skagerak.*) Die Wärmemenge, welche das Meer im Sommer in seinen Tiefen aufspeichert und im Winter abgibt, berechnet sich zu 44 000 eal'cm8 und beträgt das 24fache des jährlichen Wärmeaustausches im festen Lande. Die größere Wärmekapazität pro Volumen, die beim Wasser nur etwa doppelt so groß ist als für Sandboden, ist weniger ausschlaggebend als das tiefe Eindringen der Teinperatur-

') Thouk't et ChevalHer. Sur la rhaleur «piVtlique <le l'ean de nier. Comple? Kendu*. t**'A H'S. S. "9*. Landolt n. IWithtt-iu. Tal>. lX'.U. S. 33.V

7\ Segelhandbueli dir Seewarte für die O.iUee. 1. Abt. IWI. S. M. Metenrol. Anrhnjr. Uiigiwt af Jet dun-Wo niet. Inst. -5 Uel. Kopenhagen.

»»fr» 216 «44«

änderungen. Auch die Verdunstung an der Wasseroberfläche und der dadurch bedingte Wärnieverbrauch verhindert nicht, daß außerdem noch eine so große Wärmemenge in das Wasser eindringt.

Die Temperaturverteilung in der Atmosphäre stelle ich auf Grund der Ergebnisse der Berliner Luftfahrten dar, wie sie in dem von Aßmann und Berson herausgegebenen Berichtswerke1) niedergelegt sind. Den direkten Beobachtungsergebnissen versuchte ich durch eine graphische Ausgleichung eine allgemeinere Bedeutung zu geben. Einerseits sind sie am Boden an die vieljährigen Normalmittel für Berlin*» angeschlossen, und nach oben hin wurden sie durch Anlehnung an die von Teisserene de Bort für Paris gefundenen bis 10 km Höhe geltenden Temperaturen :li ergänzt. Die Schwierigkeilen, die der begrifflichen und tatsächlichen Bestimmung der Lufttemperatur an der oberen Grenze der Atmosphäre entgegenstehen, sind dadurch umgangen, daß die periodischen Abweichungen der einzelnen Jahreszeiten vom Mittel dort gleich Null angenommen wurden. Diese Annahme schließt sich den vorliegenden Beobachtungen ohne Zwang an. Die weiteren Rechnungen und graphischen Darstellungen für die Atmosphäre sind durchweg auf diese Abweichungen der Vierteljahrsmitlei vom Jahresdurchschnitt gegründet. Die Temperaturen selbst, die in den obersten Schichten naturgemäß aufreiht unsicheren Annahmen beruhen, sind nur zur Berechnung der Barometerstände verwandt und ihre üngenauigkeit ist für die Bestimmung des Wärmegehaltes der gesamten Atmosphäre ohne Belang. Die Ermittelung der Jahresund Vierteljahrsmittel des Luftdruckes in den verschiedenen Höhen erfolgte durch staHelförinigc Anwendung der barometrischen Höhenformel, wobei die Feuchtigkeit als Funktion der Temperatur in die Rechnung eingeführt

worden war. Werden nun die Abweichungen der Viert eljahrstempcraturcn vom Jahresmittel bei den zugehörigen Luftdruckwerten eingetragen, so ergibt sieh die in Fig. 1 dargestellte Temperaturverteilung in der Atmosphäre nach Druckstufen. Diese Anordnung, bei der die Atmosphäre in Abschnitte gleicher Luftmengen eingeteilt wird, hat für die Berechnung der in der Luft aufgespeicherten Energie- und auch der Wassermengen besondere Vorzuge. Die Kurven Fi* i. - TemperaturvomiluiB <«r Atmoiphäre. t.jno ü DiM\s i < h tl irhe C ha TU k-

M-t.

• i tf.....n-i h.ifili. In Luftfahrt, ii. Rrunn«lnvcig lKt'.i- i'.Mm. :{. HJ.

A. I.'t..... Ui" l.nft«'ni|.i riiinr. S. :>\ -■.».'».

W. v. )lf/uM. TlM'»r«li>i-he S< hluia.<-tru'*hltini»<-». s. :n11 u. :<n3.

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teristik der einzelnen Jahreszeiten in hezug auf die Temperatur: Die größere Kälte des Winters und die hohe Sommertemperatur finden wir in zunehmendem Maße in den unteren Schichten der Atmosphäre und besonders nahe am Boden ausgeprägt. Frühling und Herbst schließen sich unten wie oben an das Jahresmittel an und haben ihre größte Abweichung in den mittleren Schichten, wo der Frühling am kältesten, der Herbst am wärmsten ist. In der oberen Hälfte stimmen Frühling und Winter nahezu überein, während dort die Herbsttemperaturen etwas unter denen des Sommers bleiben. Aus der Temperaturverteilung folgt, daß das Gleichgewicht im Winter in der ganzen Atmosphäre stabiler, im Frühling oben stabiler, unten weniger stabil, im Sommer in der ganzen Atmosphäre weniger stabil und im Herbst oben weniger stabil, unten stabiler ist als im Jahresdurchschnitt.

Als «Wärmegehalt der Atmosphäre» bezeichnen wir mit W. v. Bezold die Wärmemenge, welche erforderlich ist, um die Luft bei konstantem Druck von einer Anfangstemperatur (fu) auf die jeweilige Temperatur <<) zu bringen, und beziehen diese Größe auf eine über der Flächeneinheit stehende Luftsäule. Beträgt der Luftdruckunterschied zweier Hori-zontallläehen 1 mm, so enthält das zwischen ihnen liegende Stück der Luftsäule von 1 cm8 Querschnitt 1,36 g Luft. Da die spezifische Wärme der Luft bei konstantem Druck r,, 0,238 ist, ergibt sich als Anzahl der Wärmeeinheiten, die zur Erhöhung der Temperatur um einen Grad für jenes Stück der Luftsäule erforderlich ist, 0,238-1,36 = 0,324. Zur Änderung der Temperatur vom Ausgangspunkt ta auf t Grad sind demnach 0,324 \t — tn) cal pro Quadratzentimeter nötig. Mit anderen Worten: um den Wärmegehalt einer Luftschicht für die Druckslufe von 1 mm zu finden, multipliziert man die Temperatur mit dem Faktor 0,321, den man als «Wärmekapazität der 1 mm-Druckstufe» bezeichnen könnte. Bei einem Druckunterschied von db mm sind also zur Temperaturerhöhung von t,t auf t Grad 0,324 (/ — f0) db Wärmeeinheiten erforderlich. Diese Größe ist für jede Schicht zwischen 0 und 760 mm zu bilden. Die Summe

0,324/U - t0)db

ii

ergibt den Wärmegehalt der ganzen Atmosphäre in cal pro Quadratzentimeter. In Fig. 1 wird diese Summe für jede Jahreszeit durch die Fläche dargestellt, die von der Temperaturkurve, der senkrechten Mittellinie und der horizontalen Grundlinie begrenzt wird. Ein zwischen zwei Kurven eingeschlossener Flächenteil entspricht demnach der Änderung des Wärmegehaltes von einer Jahreszeit zur andern. Zur Auswertung der Flächen hat man nur die Anzahl der Einheiten, die je einem Druckmillimeter und einem Temperaturgrad entsprechen, mit 0,324 zu multiplizieren. Aus der Flächenei-mittlung oder einer entsprechenden Rechnung erhält man die nachstehenden Werte.

Wärmegehalt der Atmosphäre. (Berlin.)

Abweichung vom Jahresmittel cal/cin*.

Winter Frühling Sommer Herbst Winter

— 914 — <;28 1103 4(59 — <»!{.

Ämlerun» 316 J7H1 — 63* — 1416

Frühling und Herbst, deren Mitteltemperaturen an der Erdoberfläche annähernd gleich sind, zeigen hier abweichendes Verhalten. Der Frühling steht dem Winter, der Herbst dem Sommer am nächsten. Mit Hilfe der Mittel für die Jahreszeiten läßt sieh der Wärmegehalt der Atmosphäre durch die Formel

1290 sin (V+226,8°)+125 sin (2v + 60°) darstellen, worin w die Zeit in Gradmaß von Anfang Januar bedeutet und der Koeffizient des zweiten Gliedes möglichst klein gewählt ist. Der Unterschied zwischen dem höchsten und tiefsten Stande des Wärmegehaltes oder der jährliche Wärmeaustausch ergibt sich zu 262o cal/em8, d. h. es bedarf einer Wärmemenge von 2620 Grammkalorien, um eine Luftsäule von 1 Quadratzentimeter Querschnitt bei konstantem Druck von ihrem tiefsten Temperaturstande im Jahr auf den höchsten zu bringen. Umgekehrt erhält man aus dem Wärmegehalt durch Division mit 0,324 • 760 = 246 die Mitteltemperatur.

Mitteltemperatur der Atmosphäre. (Herlin.)

Abweichung vom Jahresdurchschnitt ('.*.

Winter

Frühling

Sommer

Herbst

— H.H

| -2.11

4.ii

1,9

Die jährliche periodische Schwankung beträgt 10,6°. Seitliche Strömungen spielen in der leicht bewegliehen Luft naturgemäß noch mehr als im Meere eine bedeutende Rolle. Das hindert aber nicht, den Wärmegehalt und Wärmeaustausch der Atmosphäre gemäß den obigen Festsetzungen als physikalisch wohl definierte Größen anzusehen. Die Anwendung derartiger Begriffe auf die wirklichen Vorgänge in der Luft ist allerdings mit größeren Schwierigkeiten verknüpft als beim homogenen Erdboden und nur unter vorläufiger Beschränkung auf eine ungefähre Annäherung möglich. Doch ist die konsequente Durchführung einer auf das Energieprinzip gestützten Betrachtung atmosphärischer Erscheinungen zunächst unter Innehaltung einfacher, sche-matischcr Annahmen, dann mit allmählich weitergehender Annäherung an die wirklichen Verhältnisse eine Aufgabe von größter Wichtigkeit.

Die Wärme, welche den Gewässern, dem feuchten Erdboden sowie dem in der Luft schwebenden flüssigen Wasser zugeführt wird, dient nur zum Teil zur Temperaturerhöhung. Ein anderer Teil wird zur Verdampfung von Wasser verbraucht. Umgekehrt wird beim Übergang von Wasserdampf in die flüssige Form wieder Wärme frei. Um die Bedeutung der Verdun-

s t u ngs- und Kondensationswärme für den jährliehen Energiehaushalt der Atmosphäre zu ermitteln, ist zunächst der Wasserdampfgehalt der Luft in den verschiedenen Jahreszeiten festzustellen. Wir legen wieder die Ergebnisse der Berliner Luftfahrten1) zugrunde und schließen sie mittels graphischer Ausgleichung unten an die Normalwerte für Berlin») an. Nach oben hin ergänzen wir die Kurven unter der Annahme, daß bei der Druckstufe von 200 mm der Wasserdampfgehalt zu allen Jahreszeiten verschwindend klein sei.

Die Kurven in Fig. 2 geben für die vier Jahreszeiten die Abweichung

der spezifischen Feuchtigkeit vom Jahresmittel nach Druckstufen geordnet an. Die spezifische Feuchtigkeit ist die Menge Wasserdampf in Gramm, die in einem Kilogramm Luft (Gesamtgewicht) enthalten ist. Beträgt der Druckunterschied zweier Horizontalebenen 1 mm. so faßt das zwischen ihnen liegende Stück einer senkrechten Säule von 1 cm2 Querschnitt 1,36 g Luit. Die hierin enthaltene Menge Wasserdampf ist, wenn y die spezifische Feuchtigkeit bezeichnet, == 1,36 g. Die zwischen zwei Horizontalebenen mit dem Druckunterschied db mm befindliehe Wassermenge würde demnach = 1,36 - ^ db sein. In Fig. 2 ist daher die von zwei Horizontalebenen,

der senkrechten Mittellinie und einer Jahreszeitenkurve begrenzte Fläche der Wasserrnenge proportional, welche der zwischen beiden Ebenen befindliche Teil der Atmosphäre mehr (rechts) oder weniger (links) enthält als im Jahresdurchschnitt. Die Flächen, welche von einer Kurve, der senkrechten Mittellinie und der horizontalen Grundlinie begrenzt werden, sind ein Maß für die Wassermengen, welche die ganze Atmosphäre im Sommer und Herbst mehr, im Winter und Frühling weniger enthält als im Jahresdurchschnitt. Eine zwischen zwei Kurven liegende Fläche entspricht der Zu- oder Abnahme der gesamten atmosphärischen Feuchtigkeit von einer Jahreszeit zur andern. Durch Auswertung der Flächen oder eine ent-

Fig. %. Verteilung det Weeeerdampfee und der entsprechenden Temperatur.

') Wi»aen*ihaMiche Luftfahrten. 3. Bd. 1900.

K. Siiring. Die Verteilung <i<-h Wa^erdampfe*. S. 16«. '} V. Kremser. Tabellen zu den klimatischen Verhültnisnen des rllhst rom jehie tes.Fte r 1 i n 1*98. S. TT.

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sprechende Rechnung ergeben sich folgende Abweichungen vom Jahresdurchschnitt.

Wasscrdampfgehalt der Atmosphäre, l Berlin.)

Abweichung vom Jahresmittel g.'cm*.

Winter I Frühling i Sommer Herbst | Winter

— 0,64 — 025 0,80 0,09 — .0,04

Änderung 0,39 1.05 — 0.71 — 0,73

Der Herbst weicht am wenigsten vom Jahresdurchschnitt ab, der Sommer am meisten. Die größte Zunahme .zeigt sich vom Frühling zum Sommer, die Abnahme vom Sommer zum Winter verteilt sich gleichmäßig auf die beiden Zwischenzeiten. Der Wassergehalt im Sommer übertrifft den im Winter um 1,44 g/cm2. Legt man nach W. v. Bezold einen mittleren Wassergehalt von 1,1)5 g/cm* zugrunde, so ergeben sich als Jahreszeitenmittel für

Winter Frühling Sommer Herbst

1.01 1.40 2.45 1,74 g/cm».

Das gesamte dampfförmige Wasser der Atmosphäre würde also im flüssigen Zustande den Boden im Winter 1,0, im Sommer 2,5 cm hoch bedecken. Diese Größen und ihr Unterschied sind auffallend gering im Vergleich zur jährlichen Niederschlagsmenge, die für das nördliche und mittlere Deutschland 60 cm beträgt. Es erhellt daraus, wie oft das herabfallende Wasser wieder durch seitliche Zuführung und örtliche Verdunstung ersetzt werden muß.

Welche Rolle spielt nun der Wasserdampf und die jährliche Änderung seiner Menge im Energiehaushalt der Atmosphäre? Um uns eine ungefähre Vorstellung von der Größe dieses Einflusses zu verschallen, gehen wir von der Annahme aus, daß rund 600 cal Wärme zur Verdunstung von einem Gramm Wasser erforderlich sind. Wir haben dann die vorstehenden Zahlen mit 6<X> zu multiplizieren, um die Wassermengen in F.nergiewerle umzusetzen. Wenn also der Wasserdampfgehalt vom Winter zum Sommer um 1,44 g pro Quadratzcnlimeler zunimmt, so entspricht das einer Energiemenge von rund 860 cal pro Quadralzentimeter. Dieser Betrag tritt zu der Energievermehrung, welche mit der Temperaturerhöhung verbunden ist, hinzu. Es fragt sich nun, welche entsprechenden Temperaturänderungen eintreten würden, wenn die solchergestalt im Wasserdampf aufgespeicherten Energiemengen zur Erwärmung oder Abkühlung der Luft bei konstanten» Druck verwandt werden. Bezeichnet // die spezitische Feuchtigkeit d. h. sind // g Wasser iti 1 kg Luft enthalten und wird durch Zuführung der zur Verdunstung erforderlichen 000 y cal die Temperatur der Luft bei konstantem Druck um V Grade erhöht, so gilt die Gleichung

1000 • 0,238 /' — 600 y.

Ii;. 3 — EnergleverteMung,

wie man sieht, namentlich in den unleren Schichten erheblich extremer als bei der eigentlichen Temperatur. Winter und Sommer weichen nach unten zu wesentlich stärker vom Jahresmittel und voneinander ab. Unmittelbar am Boden fällt allerdings die Verstärkung der jährlichen Schwankung bei der eigentlichen Temperatur mehr in die Augen als bei der ergänzten, was ja aus dem Verhalten des Wasserdampfes erklärlich erscheint.

Wie vorher aus der Temperatur der Wännegehalt der Atmosphäre berechnet wurde, läßt sich nun aus der ergänzten Temperatur der ergänzte Wännegehalt oder die Gesamtenergie der Atmosphäre einschließlich der Dampfwärme des Wassers linden. Andere Arten der Energie wie etwa die der Bewegung sind hier freilich nicht mit berücksichtigt. Wir betrachten wieder eine senkrechte Luftsäule von 1 qcm Hori-zontalquerschnitl. Der Luftdruck sei unten 1 mm größer als oben, dann enthält die Säule 1.3(3 g Luft. Zur Erwärmung bei konstantem Druck sind 1,36 • 0,238 (t —10) cal erforderlich. Ist y die spezifische Feuchtigkeit, so beträgt der Gehalt an Wasserdampf 1,36 • 0,001 y g. Zur Erhöhung der spezifischen Feuchtigkeit von y0 auf y durch Wasserverdunstung wird eine

Illuatr. Ai-ronaut. Milkil. VIII. Jahrf

Hiernach ist die dem spezifischen Feuchtigkeitsgehalt von y g «entsprechende Temperatur^

Hatte die Luft ursprünglich die Temperatur /, so erreicht sie durch Erwärmung um V Grade die Temperatur t~rt'. Diese «ergänzte Temperatur» t-\-t' = tJr 2,5y gibt also an, bis zu welchem Grade sich die Luft erwärmt hätte, wenn auch die Dampfwärme zur Temperaturerhöhung bei konstantem Druck verwandt wäre. Mit anderen Worten, t + V ist die dem gesamten Energiegehalt einer Luftmenge «äquivalente Temperatur». Letztere Bezeichnung rührt von Herrn v. Bezold her, auf dessen Anregung ich diese Frage in die Untersuchung einbezogen habe. Die äquivalente oder ergänzte Temperatur ist in Fig. 3 dargestellt. Ihr Gang ist,

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Wärmemenge von 1,36 • 0,6 (y—y0) cal gebraucht. Die zur Temperaturerhöhung und Wasserverdampfung verbrauchte Gesamtwärme beträgt demnach in Grammkalorien:

1,36 • 0,238 (t—tj + 1,36 • 0,6 (y—tJa}

0,6

= 1,36 • 0,238 [V-<0 (y~ih)]

= 0,324 [M0 + 2,5 (y-y0)), oder

= 0,324 \t+V — (t0-rt'J\, wenn 2,5y = und

2,by0 = t'0 gesetzt wird. Dies besagt: Um den Energiegehalt einer Luftsäule für die Druckstufe von 1 mm zu finden, multipliziert man die ergänzte Temperatur mit 0,324 (cal cm*). Die Verdampfungswärme, welche hierbei

0 3'^4 • 2 5

zugrunde gelegt wird, ist genau genommen nicht 600, sondern ' , *' = 596.

In dieser Weise ist der Energiegehalt für die einzelnen Druckstufen und durch Summierung für die ganze Atmosphäre berechnet. Die Verteilung auf die verschiedenen Schichten der Atmosphäre erhellt aus Figur 3 in der wieder die Flächen den Energiemengen proportional sind. Die Summen für die Jahreszeiten nnd ihre Andernngen sind folgende :

Energiegehalt der Atmosphäre

unter Einrechnung der Dampfwärme. (Berlin.)

Abweichung vom Jahresmittet cal/cm*. Winter Frühling j Sommer | Herbst 1 Winter

— 1327 - 77H 1 :,s I 52 i —1327

Änderung 549 2359 — 1057 — 1851

Vergleicht man diese Zahlen mit denen für den einfachen Wärmegehalt, so zeigt sich, daß die vier Jahreszeiten im wesentlichen ihren Charakter beibehalten haben. Nur sind die Unterschiede verstärkt. Die obigen Jahreszeitenmittel lassen sich durch die Formel darstellen 1770 sin (w -f- 230,9°) -f- 200 sin (2w-rö0°).

Als gesamter jährlicher periodischer Energieunisatz der Atmosphäre einschließlich der Dampfwärme ergibt sich der Wert 3600 cal/cm*. Das Verhältnis des einfachen Wärmeumsatzes hierzu ist also

2620:3600= 100: 137. Vergleicht man dagegen die wirkliche Lufttemperatur mit der ergänzten an der Erdoberfläche oder den Wärmegehalt der untersten Luftschicht ohne und mit Dampfwärme für Berlin, so ergibt sich für die jährliche Schwankung das Verhältnis

19,2:33,6= 100: 175. Die Verstärkung des Energieumsatzes durch die Dampfwärme erscheint demnach an der Erdoberfläche doppelt so hoch (75"'o) wie für den Durchschnitt der ganzen Atmosphäre (37%).

•t** 223 4M««

Fig. ♦. — Jährlicher Sang du Warme.ehalt». Im feetcn Erdboden und im Meer.

Stellen wir die bisherigen Resultate zusammen, so ergeben sich für den jährlichen Wärmeaustausch folgende Werte in Grammkalorien pro Quadratzentimeter:

Sandboden (Eberswalde).........1 850

Atmosphäre ohne Dampfwärme (Berlin) ... 2 620 mit » » . . . 3 600

Ost- und Nordsee (Dänische Stationen) . . . 44 000 Wir untersuchen nun den jährlichen Gang des Wärmegehalts auf Grund der einzelnen Monatswerte. Diese sind für den Erdboden aus den Beobachtungen zu Eberswalde, für das Meer aus denen der fünf

dänischen Ost- und Nordseestationen berechnet. Für die Atmosphäre sind aus den Vierteljahrsmitteln die oben angegebenen Sinusreihen und aus diesen die einzelnen Monatswerte hergeleitet. Diese Werte können natürlich nicht den gleichen Bang beanspruchen wie die aus regelmäßigen Beobachtungen gefundenen mehrjährigen Mittel. Die Kurven in Fig. 4 und 5 geben ein anschauliches Bild vom jährlichen Gange des Wärmegehalts im Boden, Wasser und Luft. Das außerordentlicheÜberwiegen des Wärmeumsatzes im Meer und das verschiedene Verhalten der festen und flüssigen Erdoberfläche fällt in die Augen. Der feste Boden speichert im Frühling und Sommer wenig Wärme in der Tiefe auf, erhitzt sich stark an der Oberfläche und gibt viel Wärme an die Luft ab. Das Meer speichert viel Wärme in seinen Tiefen auf, erhöht seine Oberfiächentemperatur nur wenig und gibt auch entsprechend weniger Wärme an die Luft ab: es wird also im Vergleich zum Festlande im Frühjahr und Sommer auf das Ansteigen der Lufttemperatur eine zurückhaltende Wirkung ausüben. Umgekehrt vermag im Herbst und Winter der feste Boden wenig Wärme aus der Tiefe zu entnehmen, seine Oberfläche und die überlagernde Luft kühlt sich stark ab. Das Wasser dagegen gibt viel Wärme her und verzögert so die Abkühlung seiner Ober-

Fig. 5. — Jährlicher fiang des Wirmegehalte» im fetten Erdboden und in der Atmosphäre.

Hache wie der Luft. Die gröIUe Wärmeaufnahme findet im Mai oder Juni, die bedeutendste Abgabe im Oktober oder November statt. Im Laufe des Oktober gibt das Meer 15 mal soviel Wärme ab als die Atmosphäre unter Einrechuung der Damplwärme und 32 mal soviel als der feste Erdboden. So stellt sich die See als ein Wärtnebehälter und Kegulator von außerordentlicher Mächtigkeit dar. Der darauf beruhende große Einfluß auf die Witterungsvorgänge in benachbarten Ländern läßt sich in mehrfacher Beziehung nachweisen. Die Wärmeübertragung von der Meeresoberfläche an die benachbarte Luftschicht ist abhängig von dem Temperafur-gefäll an der Grenze von Meer und Luft. Nach den Beobachtungen der dänischen Stationen ist die Meeresoberfläche von April bis Juli kälter, sonst wärmer als die überlagernde Luft. Wie die Wärmeabgabe des Meeres ist auch der Temperaturüberschuß der Meeresoberfläche im Oktober und nächstdem in den folgenden beiden Monaten am größten. Im Jahresdurchschnitt ist die oberste Wasserschicht einen halben Grad wärmer als die unterste Luftschicht. Ein Grund hierfür liegt darin, daß erwärmtes Wasser aufsteigend und abgekühlte Luft absteigend das Bestreben haben, sich der Meeresoberflüche zu nähern. Auch der Gang der Lufttemperatur im Seeklima zeigt eine deutliche Abhängigkeit vom Wärmehaushalte des Meeres. So ist z. Ii. die jährliche Temperaturschwankung auf der Nordseeinsel Helgoland nur ein Viertel so groß wie auf der rein kontinentalen Station lakutsk in Ostsibirien. Nur im Juni und Juli ist Helgoland kälter, sonst wärmer. Der TemperalurÜberschuß der Insel beträgt im Januar lö°, nimmt dann ab, um vom Juli an wieder zu steigen. Die größte Zunahme findet auch hier im Oktober und nächstdem im November statt. In diesen Monaten trägt das Meer durch Wärmehergabe am reichlichsten dazu bei, das Sinken der Lufttemperatur zu verlangsamen. Die Wirkung des Meeres findet nicht nur durch direkten Temperaturausgleich statt, sondern auch durch Verdampfung und Freiwerden der Kondensationswärme bei der Niederschlagsbildung. Auf dem Festlande, insbesondere in Norddeutsehland, ist die Niederschlagsmenge im Sommer am größten. Wenn nun die reichliche Hergabe von Wärme und Wasserdampf von seilen des Meeres im Herbst fördernd auf die Niederschlagsbildung einwirkt, so wird sich an der Küste eine Verschiebung der größten Hegenhöhe vom Sommer nach dem Herbst hin bemerkbar machen müssen. Die Niederschlagsmengen für die deutsche Nordseeküste zeigen in der Tat einen entsprechenden jährlichen Gang: ihr Maximum fällt auf den September. Beachtet man, daß zur Verdampfung einer Wasserschicht von l cm Höhe eine Wärmemenge von 600 cal pro Quadratzentimeter erforderlich ist, so zeigt sich, daß die im Herbst vom Meer gelieferten Wärmesummen nicht unbeträchtlich größer sind, als es der Niederschlagsmenge für dieselben Zeiträume und gleiche Flächen entspricht. Die vom Meere durch Vermittelung des Wasserdampfes abgegebene Wärme kommt vornehmlich den Schichten der Atmosphäre zugut, in denen die

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stärkste Wolkenbildung stattfindet: Durch vermehrte Wolkenbildung wird aber wiederum die Ausstrahlung und Abkühlung der Erdoberfläche im Herbst und Winter verringert.

Zur Untersuchung der Phasen des jährlichen Ganges eignen sich die Eintrittszeiten der Jahresmittel, die des Vergleichs wegen in der nachstehenden Tabelle noch für einige weitere Größen im Mittel aus Frühjahr und Herbst mitgeteilt sind. Als Ausgangspunkt sind dabei die Eintrittszeiten der Oberflächentemperatur zu Eberswalde gewählt. Die Temperatur der unteren Luftschicht (für Berlin nach V. Kremser) hat mit dem Wärmegehalt, die ergänzte Temperatur mit dem unter Zurechnung der Dampfwärme vervollständigten Energtegehalt der unteren Luftschicht gleiche Eintrittszeiten, da diese Größen sich von jenen nur durch einen konstanten Faktor unterscheiden.

Eintrittszeiten der Jahresmittel in Monaten. Temperatur der Erdoberfläche (1 cm tief) .... 0

Lufttemperatur über dem Festlande....... 0,10

Ergänzte Temperatur über dem Festbinde .... 0,24

Lufttemperatur über dem Meer......... 0,43

Temperatur der Meeresoberfläche (70 cm tief) . . 0,77 Wärmegehalt der Atmosphäre mit Dampf wärme . . 0,78

ohne » . . 0,03

des Meeres........... 1,16

» Bodens.......... 1,52

Der verzögernde Einfluß des Meeres zeigt sich beim Gange der Lufttemperatur der unteren Schicht und noch stärker bei der Oberflächentemperatur. Der Wärmegehalt des Erdbodens bleibt hinter der Temperatur der Erdoberfläche im jährliehen Gange um ein Achtel der ganzen Periode zurück. Dieser Satz ist von mir schon früher theoretisch abgeleitet und gilt unter Voraussetzung der einfachen Gesetze der Wärmeleitung auch für die tägliche Periode.1) Der Wärmegehalt der ganzen Atmosphäre (ohne Dampfwärme) zeigt gegenüber der Temperatur oder dem Wärmegehalt der untersten Luftschicht über dem Festlande eine Verspätung von 0,83 Monaten, die sich bei Berücksichtigung der Dampfwärme auf 0,5 t Monate ermäßigt. Am schnellsten, nämlich mit einer Verzögerung von 0.31) Monaten folgt die Meereswärme der allerdings etwas unter der Oberfläche gemessenen Temperatur der Grenzschicht. Der Wärmegehalt ohne und der mit Berücksichtigung der Dampfwärme zeigen in der untersten Luftschicht zu einander entgegengesetztes Verhalten wie in der ganzen Atmosphäre. Der Wasserdampf übt am Boden eine verzögernde, im ganzen Luftinecr dagegen eine beschleunigende Wirkung aus. Am Boden gehen die Temperaturänderungen infolge von Ein- und Ausstrahlung voran, die hiervon beeinflußten An') Zur Theorie der Wurnieleitung int l\r<ili»len. l'hy«ik. Zeil*, iirift. I. Jf. S. *;■>. — Meteor»!. Zeitschrift. ISWl. S. 377.

226 «44«

derungen des Wasserdampfgehaltes folgen. In der Höhe macht sich die Zu> und Abführung des Wassers überwiegend bemerkbar, indem die Dampfmenge sich schneller, als es dem Temperaturgange entspricht, ändert. Demgemäß zeigen auch die Temperatur und die ergänzte Temperatur oder der Wärmegehalt der einzelnen Schichten ohne und mit Dampfwärmö von einander abweichende Verzögerungen mit wachsender Höhe oder abnehmendem Druck.

                                 

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Fig. ft. — Verzögerung dea Jährliehen Warmegange» In der Atmosphäre.

Diese Verzögerungen sind aus den Kurven in Fig. 6 ersichtlich. Als Ausgangspunkt ist die Eintrittszeit des Jahresmittels der Lufttemperatur am Boden gewählt. Die durch Hinzutritt der Dampfwärme bewirkte Phasenverschiebung ist durch eine besondere Kurve dargestellt. In den tieferen Schichten bis 700 mm Druck oder 580 m Höhe geht die Temperatur voran, dann übernimmt der Wasserdampf die Führung. Am stärksten ist sein Einfluß bei fast (><*) mm Druck oder 2000 m Höhe. Diese Höhe fällt nach den Wolkenbeobachtungen zu Potsdam 1) in die Region der Kumulusbildung, wie aus folgenden Zahlen hervorgeht:

Mittlere Wolkenhöhen in Kilometer:

Sommer Winter

Alto-Cumulus.......3,63 3,30

Cumulus (Gipfel)......2,10 1,74

Curauiiis.........1,88 1,69

Aus den Potsdamer Wolkenbeobachtungen ') läßt sich auch die Zunahme der Wolken- oder Luftgeschwindigkeit mit der Höhe herleiten, wenn man

'i A. Sprung und lt. Silriii^, Kr;■. tmisse der Wr>lk>.'iiberdia_htu!Jjren in l-Mfd.im. 1H9<J und l«»7. VfTulT. d. k I'r. Met. In-:». IWlin, tWM. Oi< Bearbeitung der Potsdamer Wo)kenii>es„ungen von K. Süring. Tab. Ue und III.-.

•»»» 227 «44«

Höhen und Geschwindigkeiten, wie das in Fig. 7 geschehen ist, in ein

Km 10

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oSommer * Winter -Ballonfahrten

rechtwinkliges Koordinatensystem einträgt. Bei den Sommerwolken, insbesondere bei denen des aufsteigenden Luftstromes, sind die Höhen verhältnismäßig groß oder die Geschwindigkeiten gering. Die in Fig. 7 durch eine gebrochene Linie gekennzeichneten, bei den Berliner Luftfahrten1) gewonnenen relativen Geschwindigkeitswerte passen sehr gut in die Wolkenbeobachtungen hinein. Der Versuch, die Ergebnisse der Wolkenmessungen linear auszugleichen, führt zu der Formel

v ="5,5 + 2,5 H, in der v die Geschwindigkeit in Meter per Sekunde und H die Höhe in Kilometer bezeichnet. Trägt man die Geschwindigkeiten,

Fig. 7. - Wolken»», and .SMohwIndl.k.K. diese Formel för dje unteren ]() km

ergibt, nach Druckstufen auf, so entsteht die in Fig. 8 dargestellte Kurve,

mm n „n 0/1 nn ,n ___, welche nach oben hin ergänzt

ist. Die zu den Barometerständen gehörigen Höhen sind den Mittelwerten für die Berliner Luftfahrten2) entnommen. Horizontale Schichten enthalten bei gleichen Druckunterschieden ihrer Grenzebnen gleiche Luftmassen (m), so daß hiernach die Berechnung der gesamten in der Atmosphäre vorhandenen Bewegungsenergie ('Ism»*) leicht ausführbar ist. Es ergibt sich in Wärmemaß ausgedrückt eine Energiemenge von etwas über 80 Grammkalorien pro Quadratzentimeter. Zur Temperaturerhöhung verwandt, würde diese Energiemenge eine durchschnittliche Erwärmung der Atmosphäre von etwas über 0,3° bewirken.

Von besonderer Bedeutung für die Übertragung der Eigenschaften der Luft von einem Orte zum andern ist die in der Zeiteinheit durch die senkrechte Querschnittseinheit hindurch strömende Luftmenge. Sie möge als * Stärke der Luftströmung» bezeichnet und in Kilogramm pro Quadratmeter und Sekunde gemessen werden. Ist v die Geschwindigkeit und if die Dichte der Luft, so gibt das Produkt q v die Stärke des Luftstromes an. Legt man bei der Berechnung der Dichte wieder die mittleren Zustände zugrunde, welche sich aus den Berliner Luftfahrten ergeben haben

Fig. 8. — fletchwlndlgkett nach Oruckltvfen.

') Wissenschaftliche Luftfahrten. 3. Bd.. A. Barsen, Die Geschwindigkeit und Riihtunsr de» Windes. S, 2f>: Wissenschaftliche Luftfahrten, H Bd., W. v. ISezold, Theoretische Sehlufilictrachlungeti. S 30*.

228 ««4«

(3. Bd., S. 301), und trögt die Stromstärken nach Höhenstufen auf, so entsteht die in Fig. 9 gezeichnete Kurve, welche in 7 km Höhe ein deut-

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8

10

12 k%m*sec

               

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Km 10

8

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2

0

Fi|f. 9. — Stlrka der Luftströmung.

liches Maximum zeigt. Während unter den gemachten Annahmen am Boden 6,8 kg Luft in der Sekunde durch jeden Quadratmeter einer zur Windrichtung senkrechten Vertikalebene strömen, ist dieser Wert bis 7 km Höhe auf das Doppelte gestiegen und nimmt von dort nach oben hin wieder ab. In 10 km Höhe ist die Stromstärke etwa auf denselben Betrag herabgegangen, den sie in etwas über 4 km aufweist (12,8). Denken wir uns über einer Grundlinie von 1 m ein vertikales Rechteck errichtet, das vom Erdboden bis zur Grenze der Atmosphäre reicht, so lälit sich die gesamte Luftmenge (L) angeben, welche durch diesen < Einheitsquerschnitt > bei senkrecht auftreffender Windrichtung in der Zeiteinheit hindurchströmt. In Anlehnung an Fig. 8 findet man

und nach Fig. 9

L = 13.6 fvdb

L = f q r rf/i,

wenn b den Luftdruck und // die Höhe bezeichnet.

Die erste für die Rechnung bequemere Formel ergibt für L den Wert 231 000 kg pro Sekunde, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 22 m pro Sekunde entspricht.

In ähnlicher Weise wie bei der Luft läßt sich auch für den Wasserdampf die Stärke der Strömung berechnen, d. h. die Wassermenge, welche in der Zeiteinheit durch die Flächeneinheit einer zur Windrichtung senkrecht stehenden Vertikalebene hindurchgeht. Bezeich-

net y die spezifische Feuchtigkeit in Gramm pro Kilogramm Luft und setzen wir

fooo

= n

so gibt das Produkt prj«' die Stärke der Dampfströmung in Kilogramm pro Quadratmeter und Sekunde. Bei der Auftragung nach Höhenstufen ergibt

sich die in Fig. 10 gezeichnete Kurve. Die direkt 0 20 "rOSJÜri'sec durch die Rechnung gefundenen Werte sind durch

eine punktierte Linie verbunden. In der Überschrift ist die Stärke der Strömung in g/m* sec. angegeben, sie beträgt am Boden 4-Ogfm* sec, erreicht bei 500 m Höhe ihren höchsten Wert (42,5) und nimmt dann nach oben hin wieder ab. Etwas über 1 km hoch hat die Stromstärke den gleichen Wert wie unten, in 4,5 km Höhe ist sie nur noch halb so groß. Auch die Gesamtmenge des Wassers (Z)), welche durch einen Einheitsquerschnitt der Atmosphäre von 1 m Grundlinie bei senkrecht auftreffender Windrichtung in der Zeiteinheit hindurchgeht, läßt sich in der oben angegebenen Art finden.

.Je nachdem wir die Anordnung nach Druckoder nach Höhenstufen wählen, gilt der eine oder andere der beiden Werte

WO x

\Z<of n cdb=f o nvdh. 0 I

Aus beiden Formeln ergibt sich unter den zugrunde gelegten mittleren Verhältnissen, daß in einer Sekunde 175 kg Wasser in Dampfform durch den Einheitsquersehnitt von 1 m Grundlinie hindurchgeht. Für den Tag würde das eine Wassermenge von 15 Millionen Liter ausmachen. Unter der Annahme, daß die gesamte, durch eine Verlikalebene hindurchtretende Dampfmenge auf einem dahinterliegenden Streifen von 100 km Breite als Niederschlag zu Boden fällt, würde sich hiernach eine größtmögliche Regenmenge von 150 mm in 24 Stunden ergeben. Die bisherigen Festsetzungen galten unter der Voraussetzung, daß der Wind senkrecht zu den durchströmten Ebenen gerichtet ist. Bei schief auftreffendem Winde ist an Stelle der Geschwindigkeit c ihre Projektion auf die Normale der durchströmten Vertikalllächc

v„ = v cos (v,n) zu setzen. Für die Dampftnenge, welche den Einheits-quersehnilt der Atmosphäre durchströmt, erhält man hiernach den Wert

Fig. 10. — Stlrke dar D»mpfström«np.

D

Fig. 11.

lllustr Aöronaut Mitti-il VIII .Jahr?

2n

»»frg> 230 «44«

Denken wir uns auf der Krde eine geschlossene, sich nicht schneidende Kurve (Fig. II) und auf dieser eine senkrechte Zylinderllüehe errichtet, die bis zur Grenze der Atmosphäre reicht, dann ist die durch den Zylindermantel in den Innenraum während der Zeiteinheit strömende Dampfmen^e gleich dem über die Kurve genommenen Integral

flK d<\

wo dO ein Element der Grundkurve bezeichnet und die Normale in) nach dem Innern des Raumes gerichtet ist. Die wieder austretenden Wasser-metigen sind hierbei schon in Abzug gebracht, da cos (v,n) negativ wird, wenn der Winkel (c,n) einen rechten übersteigt. Vom Zeitpunkt r(, bis zur Zeit t strömt die Menge

ff D.dOdr

To

ein. Die im Zylinderraum vorhandene Dampfmenge sei

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Y-- 13,6fttdb = f>, ,,,11, u i)

zur Zeit i und }r0 zur Zeit r„. Ferner sei Ii die Niederschlagssumme und V die Verdunstung für den Zeitraum r—r0, bezogen auf die Flächeneinheit, dann gilt die Gleichung

// D„ dO dr=f\ - r0 + R- V) dl\

wo das Integral auf der rechten Seite über die Grundfläche F des Zylinderraumes zu nehmen ist. Dies ist die Grundgleichung des Wasserkreislaufes in der Atmosphäre. Sie besagt: Die durch den Mantel eines zylindrischen, vom Erdboden senkrecht durch die Atmosphäre reichenden Haumes eintretenden Dampfmengen sind mit der Verdunstung zusammen so groll wie die Vermehrung des Dampfgehaltes innerhalb des Raumes und der Niederschlag. Die Anwendung dieses Satzes auf tatsächliche Vorgänge in der Atmosphäre sowie die Feststellung der durch die Luftströmungen übertragenen Energiemengen bleibe späteren Untersuchungen vorbehalten. — Der überaus reiche Schatz an Kenntnissen, der in den Ergebnissen der wissenschaftlichen Luftfahrten und im besonderen auch in dem Berliner Berichtswerk niedergelegt ist, hat durch die Wolkenmessungen eine nicht unwesentliche Krgänzung erfahren. Es erscheint dringend wünschenswert, daß die Luftfahrten, namentlich die internationalen über eine grolle Fläche ausgedehnten, in tunlichst weitem Umfange von Wolkenmessungen begleitet werden!

Pber die Verlegnusr des aeronautischen Observatoriums von Berlin tiaeh Herz-berp enthält der diesjährige Knltus-Ktal interessante Ausführunsen. In Krläuterung der betreffenden Klals]>nsilion im Betratre von i">S loO Mk. heif*l es : Infolge zahlreicher ernster l'ulälle, welche aus der Berührung der Draclien'l'ähle und Ballonkabe] mit den Obei-leituniien der elektrischen Straßenbahnen sowie durch Kollisionen mit bemannten Ballons des Luftscliifferbataillons und mit den Flugkörpern der militärischen Funkentelegraphie

entstehen, die an der jetzigen Stolle nicht vermieden werden können, hat sich die Notwendigkeit der Verlegung des Observatoriums nacli einem ausreichend weil entfernten und verkehrsarmen Gelände ergeben. Als geeignet ist ein zwischen Lindenberg und Herzberg im Kreise Beeskow-Slorkow. ßO km südöstlich von Berlin, 120 m über N. N. gelegenes Grundstück ermittelt worden, dessen Ankauf erforderlich ist, da ein brauchbares, fiskalisches Gelände nicht hat gefunden werden können. Aus der Lage ergibt sich die Notwendigkeit von Dienstwohnungen für die Beamten und Angestellten; die seit 1'/»Jahren erreichte, für die Erforschung der Atmosphäre besonders wichtige Kontinuität täglicher Aufsliege, deren Ergebnisse veröffentlicht werden, macht die Ausführung der Bauten in einem Jahre erforderlich, zumal die Militärverwaltung zum 1. April 1SH)5 die iTbernahme der jetzigen Bauten für Funkentelegraphie in Aussicht genommen hat. Die Kosten verteilen sich folgendermaßen: Ankauf eines Grundstückes von 2M '/• ha Größe •15100 Mk\, Ahlindung für eine Braunkohlenmutung 5001) Mk., Wohnhaus für den Vorsteher mit Vortragssaal und Zimmer für vorübergehenden Aufenthalt auswärtiger Gelehrter ($7,500 Mk., Bureau und Wohnung^gebäudc K75O0 .Mk., Beamtenwohnhaus 53090 Mk., Maschinen- und Werkstättengehäude 28,000 Mk., eiserne Ballonhalle 19.500 Mk., drehbares Ballonwindenhaus 11500 Mk., Gasbehälter (5300 Mk., Beinwasser-Beservoir 3500 Mk. Kläranlagen für die Abwässer 3(500 Mk., Außenanlagen 37000 Mk., Innere Einrichtungen 1)0000 Mk.

Nachtrag zum Artikel: „Die Widerstandserscheinungen in flüssigen Medien"

in lieft «;.

a. b.

Fig. 7 I« Seite (lieft 0). Samen der javanischen Zanonla maorooarpa als Muster einet absolut stabilen Schwebapparat«.

a. Liiiigtechnitt in der l-'lngrichtun?: l>. Querschnitt.

232 4M««

Internationale Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt.

Ctorsieht über die Beteiligung an <l<n internationalen Aufstiegen im Jan., Febr. u. März 1904.

5. .Januar.

Trappe«. Papierballon, noeb nicht gefunden. — ItteriUe. Papierballon, noch nicht gefunden. — Guadalajara. Kein Aufstieg. — Rom. (Meteorologisches Institut.) Bemannte Fahrt 1K00 m. — Zürich. (Meteorologische Zentralanstalt.) Gummiballon, nicht wiedergefunden. — Straßburg. (Meteorologisches Institut.) Gummiballon 12830 in. — Barmen. Keine Nachricht. — Hamburg. (Seewartc.) Drachenaufstiege 870 in. — München. (Met. Zent.-Stat.) Registrierballon. Resultate noch ausständig. — Berlin. (Aeronautisches Observatorium.) Drachenaufstiege 3130 m. Bemannte Fahrt 1920 m. Registrierballon; Kurve nicht auswertbar. — Berlin. (Luftschiffer-Bataillon.i Bemannte Fahrt 820 m. — Wien. (Milil.-aeron. Ansl.) Registrierballon 70410 m. Bemannte Fahrt 315fim. — Pawlowsk. (Observatoire.) Registrierballon 12000 m. — Torbino. Kein Aufstieg möglich, wegen zu schwachen Windes. -- Kasan. Keine Nachricht. — Blue Hill (II. S. A.) (Met. Obs.) 8. Januar Drachenaufstiege 1380 m.

Wetterlage. F.ine später nach W. vordringende Antizyklone lagert über dem Osten des Kontinents iZentralrufsland 775.) Hoher Druck liegt auch über der Iberischen Halbinsel (Lissabon 7<?3) als Ausläufer des Maximums über den Azoren (Ponta Delgada 772). Über dem Westen Frankreichs liegt eine, im Laufe des Tages sich ausfüllende Depression (Bretagne 750), von der eine Furche niedrigen Drucks südöstlich über das Mittelmeergebiel sich erstreckt.

4. Februar.

Truppe». (Observ. de Metern-, dyn.) I'apierballon 15000 m. - Itteville. (Observ. de Metfor, dyn.) Papierballon 13f>f>0 ni. - Oxshott. (VY. H. Dines.i Drachenaufstiege 1100 m. — Guadalajara. (Militiir-LufiscIütTer-Park.) Bemannte Fahrt +Ö77 m. — Rom. (Militär-Lnftschiffer-Abteilung.) 2 bemannte Ballons 2<>00 m. und 2500 m. — Zürich. (Meteorologische Zentralanstalt.) Gummiballon 14130 m. — Slraßburpr. (Meteorologisches Institut.) Gumniiballon, noch nicht gefunden. - Münster i. W. Bemannte Fahrt 1900 m.

— Hamburg. (Seewarte.) Drachenaufstiege 2410 in. — München. Met. Zent.-Stat.; Registrierballon; Resultate noch ausstehend. — Berlin. (Aeron. Obs.) Drachenaufstiege 21H0 m. Bemannte Fahrt 5580 m. — Berlin. .Luftsehift'er-Bataillori.) Bemannte Fahrt 770m. — Wien. 'Milit.-aeron. Anstalt.: Registrierballon 7!>10 m. Bemannte Fahrt 24)10 m.

- Pawlotvsk. lOhservatoire.1 Drachenaufstiege 1 11H) in. Begistrierballon <J320 m. 2 beinannte Ballons 500 in. — Torbino. Kein Aufstieg. - Kasan. Keine Nachricht. — Blne Hill. (Meteorologisches Observatorium.! Drachenaufstieg 407ö m.

Wetterlage. Fast über dem ganzen Kontinent ist der Luftdruck unter der normalen. Über den britischen Inseln liegt das Minimum des tiefen Drucks (Shields 743). eine sekundäre Depression liegt über dem westlichen Mittehneer südlich der Balearen (751 1 ine Zunge hohen Luftdrucks erstreckt sich von dem Maximum der Azoren nach Spanien vor (Ponta Delgada 7(58, Lissahon 7(>2i. Im Südosten des Kontinents liegt eine Antizyklone Maximum nördlich der Kaspisee; Orenburg 781).

3. Marz.

Trappes Observ. de Meteor, dyn.) Papierballon 341)0 m. — Itteville. (Observ. de Meteor, dyn I'apierballon 13OSO in. — Guadalajara. iMilitar-Luftschiffer-Park.i Papierballou 13 220 m. — Pavia. (Prof. Hergesell und Prof Palazzo und Baron v. Bassus.j Gummiballon 13000 m. -Zürich. : Meteorologie! he Zentralanstalt,) Gummiballon llö(X(m. -- StruSburc. iMeteorologisches Institut.i Gummiballon 15500 m. — Barmen. Keine Nachricht. Humbiinr. (Seewartc. i Drachenaul'stieg 1130 in. — München. (Met. Zent.-Stat.) Registrierballon. Resultate noch ausstellend. — München, iBaron v. Bassus. Gummiballon 13000 in - Berlin. (Aeronautisches Observatorium.) Drachenaufstieg 3HS() ni. — Berlin. (Lurtschifter-Bataillon.) Bemannte Fahrt J250 m. — Wien. (Milit.-

>♦**> 233 «<m«

aeron. Anst.) Registrierballon 11200 m. Bemannte Fahrt 2380 in. — Pawlowsk. (Obser-vatoire.) Drachenaufstieg .'1040 in. Registrierballon 189G0 m. 3 bemannte Fahrten 410 m. — Torbino. (Friv.-Observatorium Dmtsohinsky.) Drachenaufstiege 1600 m. — Kasan. Keine Nachricht. — Bliie Hill Meteorologisches Observatorium.) 4. März: Drachenaufstieg 8232 in.

Wetterlage. Ober dem westlichen Mittelmeer liegt eine Depression (Balearen 753). Der übrige Kontinent ist von einem Hochdruckgebiet bedeckt, dessen Kern über Nordrußland liegt (Archangelsk 789).

Aeronautische Photographie, Hilfswissenschaften

und Instrumente.

Speltennis Ägyptenbilder.

Mit vorliegendem Hefte bringen wir zwei einzig in ihrer Art dastehende herrliche Ballonaufnahmen, welche unser langjähriger Mitarbeiter Herr Ed. Spelterini die Güte hatte, uns für unseren Leserkreis zur Verfügung zu stellen. Gewiß wird jeder, welcher jene in bezug auf das Motiv so sehr interessanten, hinsichtlieh der photograpischen Technik unübertroffenen Bilder betrachtet, im stillen dem Autor gegenüber danken dafür, daß er die Produkte seines mit schönsten Erfolgen gekrönten Unternehmungsgeistes zugleich in den Dienst einer mächtigen Propaganda für die nicht zu beschreibende Herrlichkeit des aeronautischen Sportes stellt. Wie wenigen außer dem Meisler des Bildes selbst war es bisher vergönnt, dieses Wunderland der alten Pyramiden von oben herab wirklich zu schauen! Die Photographien können uns alle Farbenpracht, alles seelische Empfinden bei diesem Anblick unter afrikanischem Himmel nur ganz entfernt ahnen lassen. Wie liegt hier so wunderbar neben den fruchtbaren Feldern des Nildelta das heiße Leichentuch der Sandwüste ohne Ende in absehbarer Ferne! Über die alten pyramidalen Königsgrüber hat es sich bereits ausgebreitet, aber man erkennt von oben deutlich, wie es weiter treibt.

Und andererseits Kairo! Welche bunte wirre Masse von Häusern, Palästen und Minarets! Man merkt es, daß die Individualität des Einzelnen bei diesem Stadtplane zur freiesten Entwicklung gelangt ist. Da gab es und gibt es wahrscheinlich auch heute noch keinen Stadtbaumeister und keine Baupolizei.

Wie ein farbenprächtiger orientalischer Teppich mit wenigen markanten Figuren breitet sich dieser Wirrwarr vor uns aus. Man kann es begreifen, daß jene Straßen unten malerisch wirken und daß ein Zurechtfinden in ihnen nicht so einfach ist als in unseren europäischen Städten.

Dem gütigen Spender dieser schönen Bilder wollen wir aber nicht unterlassen, unseren besten Dank hiermit zum Ausdruck zu bringen, q

Luftschiffbauten und Luftschiffversucho.

Das Luftschiff von Almerico da Schio.

Ähnlich wie bei uns ehemals Graf v. Zeppelin, hat in Vicenza in Italien Almerico da Sehio eine Gesellschaft zum Bau des von ihm entworfenen Luftschiffes begründet, indem er durch Zeichnung von Aktien zu je 100 Lires und durch anderweitige Beiträge einen Baufonds von 54 070 Lires zusammen gebracht hatte. Die Gesellschaft nennt sich «Societa per la Prima Aeronavc». Sie besteht aus 258 Aktionären, welche insgesamt 482 Aktien gezeichnet hatten. Zu den anderweitigen Beiträgen haben außerdem Ihre Königlichen Hoheiten der König Humbert und die Königin Margharete zusammen 3000 Lires, das Kriegs-, Marine- und Unterrichtsministerium zusammen 1600 Lires, die cainera di commercio et d'arti di Vicenza 500 Lires beigesteuert. Der Rest der Beiträge setzt sich aus Schenkungen einzelner Privaten zusammen.

Ks liegt auf der Hand, daß ein aeronautisches Projekt, welches sich einer so allseitigen Unterstützung von allerhöchster Stelle und seitens verschiedener Ministerien erfreuen darl, als ein ernst zu nehmender Versuch angesehen werden muß, der auch bei uns Beachtung verdient.

Das Luftschilf von Almerico da Schio entspricht seinem Charakter nach der Type von Santos Dumont der französischen Schule. Die Ballonhülle wurde durch die Brigata Specialisti in Rom angefertigt. Der lisch-formige Ballon besteht ans gefirnister Seitie. Seine Abmessungen sind folgende:

Länge........ 38 m

Größter Umfang .... 24 -

Oberlläehe...... 71t> qm

Inhalt........ 1208 ehm.

Verbraucht wurden zur Herstellung der Hülle 1077 m Seidenstoff bei 0,85 Breitenlage (der besonders für diesen Zweck gewebt worden wan von der Finna Kgidio und Pio Gavazzi in Mailand.

Das Luftschiff ist mit einem Netzhemde (gualdrappa) umgeben von 357 qui Klüche aus Cambric.

In Schio wurde die Gondel in Spindelform (navicella a spola) aus Aluminiumröhren und Stahldrähten gebaut. Sie ist 17,<iO m lang, hat quadratischen Querschnitt von 1,20 m Höhe im mittleren Teil und enthält einen Buchet-Motor von t2 Pferdekräften und eine Tatin-Schraube von 4,50 m Durchmesser.

Alles das ist fertig gestellt. Das Luftschiff erhält einen elastischen Kiel (carena elastiea), ein Vertikal- und ein Horizontalsteuer. Die Gondel wird mit Stoff überzogen. Um nun aber die so weit vorgeschrittene Arbeit fortsetzen zu können, ist zunächst die Aufnahme weiterer Mittel ein dringendes Bedürfnis. 54 070 Lires — 43 220 Mark ist doch in der Tat etwas sehr dürftig bemessen als Baufonds für ein Luftschilf, welches zum erstenmale

konstruiert, gebaut und versucht werden soll. Almerico da Schio hat zurzeit noch 2115 Lires zur Verfügung. Mit diesem wenigen Oelde sind die Zusammenstellung des Ganzen, die Ballonfüllung und die Proben nicht zu bestreiten Der Erbauer wendet sich daher mit einer Druckschrift <Verso la Prima Aeronave>, welche den Stand der Gesellschaft und das bisher Geschaffene darlegt, an seine Landsleute mit einem Appell um weitere Unterstützung.

Wir wollen hoffen und wünschen, daß ihm eine solche in reichlichem Maße zuteil werden und daß sein Versuch einen erfolgreichen Abschluß linden möge.

Moedebeck.

Das Goudron-Beckmann-Luftschiff.

Dieses Luftschiff stellt eine Verbindung der Fahndungen des seit Jahren in London lebenden weltbekannten LuftschilTers Auguste Gnudron und des schon längere Zeil in liondon angesiedelten Deutschen. Herrn Beckmann, dar. Entgegen dem gebräuchlichen Verfahren wurde außer einem Kreise näherer Freunde nichts von dieser Erfindung vor Vollendung des Fahrzeugs mitgeteilt und das Geheimnis war so gut «ewahrt worden, daß selbst ständige Besucher des Alexander-Palaee in Nord-London, wo der Bau stattfand, nichts hiervon gewahr wurden. Das Fahrzeug ist darauf berechnet, nur einen Mann, nämlich Mr. Goudron, aufzunehmen, da die Krlinder überzeugt sind, es solle für alle Versuchszwecke das kleinstmöglichc Luftschiff gebaut werden, wegen größerer Handlichkeit, auch weil Bau und Versuch mehrerer kleinerer Ballons mit denselben Mitteln durchzuführen sind, welche der Bau eines großen erfordert. Das ganze Bauwerk zeigt sich als eine ausgezeichnete und vertrauenerweckende Inpenieurlcistung. Die Zeichnung läßt nur die Gondel in Umrissen erkennen und soll nicht eine genaue Darstellung der

wirklichen Maschine geben. Manche kleine Einzelheiten sind der Deutlichkeit wegen weggelassen, aber die Hauptsache ist richtig gesehen und zeigt klar die Grundgedanken des Ganzen. Der Ballon ist aus leichler gefirnißter Seide in der vertraut gewordenen Zigarren- oder Fischform hergestellt und soll mit WasserstolTgas gefüllt werden. Er ist mit zwei Ventilen, einem oberen unter Einwirkung des Luftschiffers stehenden und einem unteren selbsttätig wirkenden Sicherheitsventil, versehen. Ein Ballonet ist nicht vorgesehen, um an Gewicht zu sparen, und auch der Vereinfachung wegen, da angenommen ist. während der kurzen zu den Versuchen erforderlichen Zeit werde der Gasdruck genügend nachhalten. Netz oder Hemd ist nicht angebracht, die Gondel vielmehr unmittelbar an einein starken mit dem Ballonmaterial verarbeiteten Gürtelsaum angehängt.

Hauptmaße sind: Länge ca. 20 m. Durchmesser ca. "j.IH m. Banminhalt ca. H68 cbm. Der Gondelrahmen ist mit starken braungebeizten Tauen an zahlreichen Funkten des Ballons, deren Mehrzahl aus der Zeichnung zu entnehmen ist, verbunden. Die Stahlrohre, aus denen der ganze Gondelrahmen gebaut ist. sind gegenseitig ver-

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spreizt und soweit nötig durrli Klaviersaitendraht verspannt. Di«- Drähte sind auf der Zeichnung, weil störend, weggelassen. Don wesentlichsten F.rfinderanspruch bildet die Anbringung des Steuers am Kähmen, wie sie die Zeichnung zeigt, und welche ein»: kräftig«- Einwirkung gestattet. Per ganze (iondelrahmen ist in vier Stücke zerlegbar, welche durch Flanschen und Klinken verbunden sind, wodurch sich der Transport sehr erleichtert.

llauptmafte sind: Länge des Rahmens ca. 10 m. Länge des Ganzen ca. 18,7 m, tiewicht des Rahmens (ohne Brennmaterial, Rallast. Bemannung etc.) ca. 137 Kilo. Gewicht des Ganzen (Ballon, Tauwerk, Gondelrahmen, Brennstoff. Ballast, Bemannung etc.) ca. Hl Kilo. Wie aus der Zeichnung ersichtlich, sind 3 Propeller angebracht, einer rückwärts und zwei zu beiden Seiten der Rahmenerhöhung, welche den Standpunkt des LuftschilTers bildet. Diese Propeller sind nach Maxims Muster aus Stahlrohren gefertigt, mit Seide überzogen und mit Slahldrähten versteift. Der rückwärtige Propeller hat ca. 3 m Durchmesser und wird durch einen 11 »—5 pferdigen Viertakt-Ilamillon-Molor mit 2 Zylindern und Luftkühlung getrieben, der dem Propeller 220 Umdrehungen per Minute geben kann. Die Seltenpropeller sind gleichen Musters mit abgerundeten F.nden. Sie haben je ca. 1 ','« ui Durchmesser und jeder derselben wird durch einen 2 '/* pferdigen Zweitakt-Motor mit einem Zylinder und Luftkühlung, französischer Fabrikation, getrieben. Ihre Anbringung zeigt die Zeichnung. Jeder Motor kann freilaufend bis zu 1900 Umdrehungen per Minute machen, wenn die Schreibe treibend etwa 1000, während diese JSO—200 Drehungen macht. Um besseres Ergebnis von dem möglichst hohen Gang des Motors zu erreichen, wird die I bertragung ein wenig geändert. Rei den rückwärtigen Propellern geschieht die Übertragung durch Kette, bei den seitlichen durch Treibriemen, während jeder derselben in und außer Tätigkeit gesetzt werden kann durch vom Luftschiffer aus zu leitende Kuppelungen. Der rückwärtige Motor wiegt ca. lö Kilo und soll i'jt—b Pferdekräfte geben, doch möchte ich nach Einsichtnahme sagen, dnf> unter gewöhnlichen Umständen nicht mehr als 8—3'/* zu erwarten sind. Die andren zwei Motoren wiegen je ca. 8.2 Kilo und sollen je ca. 2'/» Pferdekräfte geben, doch möchte ich auch hier nach Einsichtnahme nicht über 1 */* — 1 */■ erwarten. Die ganze erreichbare Kraftmenge ist zu 10 Pferdekräften angenommen, doch bin ich sicher, daß diese Zahl sich auf höchstens t> verkleinert, was eine wesentliche Abminderung der Ergebnisse annehmen biet. Das Steuer ist in eigenem Rahmen mit Bolzen und Ringen wie bei Booten und Schiffen eingehängt und wird durch das vorn am Fnhrerstand sichtbare Bad bewegt. Es besteht aus festverbundeneii Stahlrohren und Drahtverspannungen mit Seide überzogen. Ein Schlepptau, bemessen nach dem Gewicht des ganzen Schills, ist vorgesehen. Mr. Goudron will seinen ersten Aufstieg ungefähr am 22 Juni von Itrighlon, nahe Liverpool, aus machen und den Mersey zu Uberiiiegen und wieder zurückzukommen versuchen.

H. E. von Holtorp (übersetzt: Xeureutheri.

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Kleinere Mitteilungen.

Neues aus England.

Es ist vorgeschlagen, unter Leitung des « Aeronautical Institute > während des Spätherbstes oder zu Anfang des diesjährigen Winters eine Reihe von Versuchen zu aeronautischen Zwecken bestimmter Schrauben vorzunehmen. Die Versuche werden in London, wahrscheinlich im Grystall-Palast unter Dach in der Weise abgehallen, daß Einwirkung von Veränderungen in Stärke und Richtung von Luftströmungen ferngehalten sind. Die Prüfung der Schrauben wird voraussichtlich in der Art stattfinden, daß sie mit 'einem Motor verbunden werden, der sich an einem Wagen befindet, sodaß die

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Schraube diese Vorrichtung, von welcher Kraft und Gewicht bekannt sind, längs Drähten oder Schienen vorwärts treibt. Dieser Lauf soll so weit als möglich gehen und man hofTt auf diese Weise wertvolle Kenntnisse über die Schraubenwirkung sicherzustellen, welche auf anderem als diesem unmittelbaren Wege nicht zu erlangen sind.

Es ist beabsichtigt, zuerst nur drehende Schrauben zu prüfen, und die ganze hierzu nötige Vorrichtung, außer den Schrauben selbst, wird durch das «Aeronautical Institute» besorgt. Die Propeller, von denen die meisten von eigentümlichem Bau sein werden, sind durch die Mitglieder des Instituts und andere zu liefern und silberne und Bronce-Medaillen sollen an die Erfinder der erfolgreichsten Schrauben-Muster gegeben werden.

Dr. Barton war Ende April damit beschäftigt, die Ballonhülle seines Luftschiffs mit Luft zu füllen. Es geschieht dies, um eine durchgehende Untersuchung aller Nähte pp. vorzunehmen vor der Füllung mit Wasserstoffgas und der Verbindung mit dem Gondel-Rahmen.

Bei der Versammlung des « Aeronautical Institute» am 20. April 1901 wurde eine Schrift (mit Zeichnung) durch Herrn H. E. von Holtorp vorgetragen über einen neuen leichten Motor mit Innen-Zündung (< a new light internal combuation motor >). welcher besonders für Luflschifferzvvecke bestimmt ist. Der Vortrag wurde sehr warm aufgenommen und die Erfindung mehrfach durch verschiedene Bedner erörtert. Unter diesen waren anwesend Dr. Barton. Präsident des Instituts und Oberst Baden-Powell, Präsident der «Aeronautical Society of Great Britain». H. F. von Holtorp,

(übersetzt: Ncureuther.)

Ballonfahrt Parls-fVsterreleh. Zwei Wiener, Graf Andor Szechenyc und Oberleut. (Juoika hatten den von Mallet gebauten Ballon < Exzelsior » (1350 cbm.'i zu einer Fahrt von Paris (Platz des Aero-C.lubs in St. Cloud) gegen Osten gewählt. Für Oberleut. «Juoika der schon Fahrten von Wien nach Warschau, nach Tilsit, nach Umgebung Belgrads gemacht, handelte es sich nicht um ein Unternehmen neuer Art, doch ist beachtenswert, daß die Fahrt diesmal auf meteorologischer Grundlage beruht. Für die gewählte Zeit war aus Lage und Bewegung des europäischen barometrischen Haupt-Maximums und Minimums und nach den von Amerika erhaltenen Anhaltspunkten über cyklonale Erscheinungen mit Wahrscheinlichkeit West- oder West-Nord-West-Wind für Zentral-Europa anzunehmen. Am 1. April waren diese Luftströmungen bis zu 10O0 m festgestellt, für größere Höhen vielfach Nordwinde. Der Ballon war mit gemischter Füllung, Leuchtgas und Wasserstoff, versehen und erhob sich gegen 1 Uhr nachmittags, Uber Frankreich voll zog sich die Fahrt zunächst in Höhen zwischen 1000 und 2000 m, dann aber mehrere Stunden als Schleppfahrt in nahezu 100 m Höhe. Dieses halte das l'mreif>en von ein paar Schloten, dann aber das Festklemmen über einem Wald zur Folge. Nur durch Opfern des Taues war Freiheit zu erlangen, was den Ballon auf 1(500 m Höhe brachte. Nach allmählicher Senkung kamen 3 Uhr morgens die Vogesen in Sicht und bei eintretendem Südwinde wurde bei Straßburg gelandet. Die Weiterfahrt wurde erst am 5. April nach Besprechung mit Herrn Prof. Hergesell und entschieden eingefallenem Westwind abends 0 Uhr angetreten. Nach längerer Unsichtigkeit konnte gegen '/« 1 Uhr Regensburg erkannt werden und bald streicht der Ballon nahe über dem Böhmerwald hin. wo trotz Ballastausgahe 3 Uhr früh wieder eine bleibende Verhängung. diesmal während strömenden Begens. eintritt. In dieser Lage wurde der Morgen abgewartet, dann der Ballon zwischen den Bäumen gesenkt und gerissen. Der Landlingspunkt lag in der Nähe von Eisenstein. Die neunstündige Fahrt war zeitweise mit 10—50 km per Stunde ausgeführt worden.

_ K. N.

Aufstellung des K. u. K. Milltür-afronautisehen Kurses. In Österreich wird der diesjährige Militär-aeronautische Kurs in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September abgehalten. In denselben werden als Frequentanten einberufen: 11 Oberleutnants, ö Leutnants

Illu-lr. A.Tfiiuiut. Milt.il VIII .lalirp ' *

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und 2 Linicnsehiffsfähnriche. — Als Lehrer werden der Kommandant und die an der Anstalt dauernd kommandierten Offiziere bestimmt.

Das 2. Korpskommaudn wird ermächtigt, die Feldballonabteilungen in den Monaten Juni und Juli zu je zwei Truppenübungen im Lager zu Bruck an der Leilha nach eigenem Ermessen heranzuziehen. Die Ehlingen können bis zu 14 Tagen ausgedehnt Werden, um gründliche Schulung im Beobachtungsdienst zu ermöglichen.

Für den Kurs werden kommandiert: -15 Mann Festungsarlilleric, 10 Mann Pioniere und 5 Mann vom Eisenbahn- und Tclegraphenregimente: Urspannung und Fahrmannschaft stellt die Feldartillerie. i- Reichswehr». 20. 1. l!M)L>

Stidwestafrikii. Wenn unsere Leser diese Zeitschrift in Bänden halten, wird in dem Aufstandsgebiet in Deutsch-Südwestafrika längst ein Detachement des Preußischen Luftsclufferbalaillons in Tätigkeit sein. Es sind den dortigen Truppeuabteilungen 'A fahrbare Stationen der Funkentelegraphie zugeteilt, die mil Drachen, Drachenballons, (Jas und allem erforderlichen Material ausgerüstet sind. Intor der Leitung des Oberleutnants Haering, früher Schleswig-Holstein. Inf.-Bgt. Nr. JGH. sind herausgegangen die Oberleutnants v. Kleist vom Luftschiflerbalaillon, Stuhlmann, früher 2. Schles. Feldart.-Hgt. Nr. 12. Leutnant Horn, vormals Eisenbahn-Bgt. III, -1 Unteroffiziere und 27 Mann. Nachdem die Herren am Tage vor dem Abrücken an dem auf dem Gelände des Lufsehifl'er-bataillons errichteten Denkmale des bei einer Landung bei Antwerpen verunglückten Hauptmanns Bartsch v. Sigsfeld. dem die militärische Funkentelegraphie ihre jetzigen Krfolge zum größten Teile mit zu verdanken hat. pietätvoll einen Kranz niedergelegt hatten, erfolgte am 2i*. April mittags die Abreise von Berlin. Unter den Klängen des von einer Militärkapelle gespielten Liedes: «Muß i denn, muß i denn....» nahmen die zurückbleibenden Luft schifferof Ii ziere herzlichen Abschied von ihren ausziehenden Kameraden. Am HO. April ging der Dampfer «Herzog» mit seiner seltenen Ladung nach Swakopmund in See. Wir aber rufen unseren Sportskameraden ein herzliches «Glück ab» zu.

Der Wiener APro-Club hat auf Antrag des Sekretärs der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus beschlossen, stets am Mittwoch vor dem internationalen Aufstieg, oder wenn ungünstige Witterung vorliegt, am Freilag nach demselben die wissenschaftliehen Auffahrten auszuführen, während die regelmäßige Donnerstagfahrt der Militär-Aeronaulischen Anstalt verbleibt. K. N.

Lnngley's Versuche sollten nach dem Spruch der von der Regierung eingesetzten Kommission von Sachverständigen für wissenschaftliehe Apparate zwar mit 150000 Fr. unterstützt werden, doch hat der «Board of Urdnance and Fortilieations» zu Washington es abgelehnt, neue Mittel dem bekannten Flugtechniker zur Verfügung zu slellen, indem sie srine bisherigen Versuche nicht als beweisend anerkennen und die Verwendung der Geldmittel zu Versuchen auf einem neuen Weg befürworten. K. N.

Kapitän Tilge"* Svenske II hat seinen ersten Aufstieg 1. Februar 15)01, 10'/» Ehr vormittags, in Stockholm gemacht und zwar auf dem Eise zu Idroltsparthen. Wegen Krankheit Inges führte Graf Hamilton, begleitet von zwei Offizieren. Nach zweistündiger Fahrt wurde nahe der Küste gelandet. iVergl. Totenschau. Helt 5. II. H.) K N.

Weltausstellung in St. Louis.

Das unter dem Stellvertreter des Reichskommissars für die Weltausstellung in St. Louis, (Iberregiernngsrat Dr. Wagner, in Berlin verbliebene A iiss toi 1 u n g shu re au wurde Ende April nach St. Louis verlegt.

Es wird ergebenst ersucht, fortan sämtliche Briefschaften unter der Adresse des Beichskommissars nach

St. Louis, Mo., Lindell Boulevard 4$KK>,

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zu richten. Zuschriften wegen Übersendung von Beklebezetteln und anderen Begleitpapieren für Ausstellungsgüter sind an Herrn Rechnungsrat Grün ing im Reichsamt des Innern in Berlin W., Wilhelmstraße 74. zu richten.

Allen anderen Ländern voraus ist Deutschland sowie das kleine Siam, deren Exhibits so gut wie fertig sind. Großbritannien, Ceylon, Argentinien. Peru und Japan sind zurzeit mit der Errichtung der Fassaden beschäftigt. Mexiko, Brasilien, Ägypten und Honduras haben ebenfalls bereits ihre Vorarbeiten begonnen. (Ende März.)

Der Feuerschutz auf der Weltausstellung in St. Louis hat seit Ende März zugenommen, da die Ausstellung ihr Wasser aus dem Arrowheadsee in der Nähe der Philippinenreservation bezieht. Dieser See enthält 9 Millionen Gallonen. Das aus dem künstlichen See geleitete Wasser führt durch die Kraftslation. wo vierzehn große Worlhingtonpumpen vorgesehen worden sind, welche dem Wasser einen Druck von 150 Pfund für den (tuadratzoll geben, so daß 1000 Gallonen in der Minute durch vier Schläuche für jede Leitung geliefert werden können. Der Strahl ist stark genug, um die Wandbekleidung abzureißen und das Holz werk der Ausstellungspavillons niederzubrechen.

Die deutsche Luftschiffahrt auf der Weltausstellung1 in St. Louis. Der vom

Reichskomrnissar herausgegebene amtliche Katalog des Deutschen Reiches über die Weltausstellung in St. Louis 1904, der im Verlag von Georg Stilke in Rerlin erschienen ist. stellt sich als ein Werk von 648 Seiten in eigenartigem germanischen Stil dar. Man möchte den Stil knorrig und kraftvoll bezeichnen im Charakter der deutschen Eichen. Mit dieser Eigenart des Buches ist eine gediegene Vornehmheit verbunden. Es kann sich, kurz gesagt, sehen lassen. Auf Seite -185 wird in Gruppe 77 die Ausstellung des Deutschen Luftschifferverbandes in *• Nummern aufgeführt. Es sind dies die folgenden, aufgestellt im Gebäude für Verkehrswesen (Palace of Transportation):

3152. Augsburger Verein fü r Luftschiffahrt. Wandkarte mit eingetragenen Ballonlandungspunkten.

3153. K. von Bassus, München. Apparat für Ballonphotographie. Photogrammetrische Ballonaufnahmen.

3154. Berliner Verein für Luftschiffahrt, Berlin. 1 gebrauchter Luftballon. 1 ausgerüsteter Ballonkorb. 1 Wandkarte mit Ballonlandungspunkten. 1 Atlas mit Fahrtberichten. 2 Verbandsjahrbücher. Die Vereinsführerinstruktion.

3155. Professor S. Finsterwalder. München. Schnittmodelle für Kugelballons. Beschreibung einer neuen Methode für Ballonphologrammetrie (mit Karte;.

315t«. H. W. L. Moedebeck, Major, Graudenz. Wissenschaftliche literarische Propaganda zur Förderung der Luftschiffahrt. 7 Bände •Illustrierte Aeronautische Mitteilungen». Gegründet 1897. Verlag K. J. Trübner, Straßburg i. E. Taschenbuch für Flugtechniker und LufischifTer, 2. Auflage 1904. Verlag Kühl. Berlin.

3157. Münchner Verein für Luftschiffahrt. München. Wandkarte mit eingetragenen Ballonlandungspunkten.

Ferner befinden sich im Gebäude für das Unterrichtsvvesen (Palace of Edueation» unter X. Wissenschaftliche Instumente '.Mechanik und Optik): 495. Aeronautisches Observatorium des Kgl. Meteorologischen Instituts zu Beilin, Berlin-Reinickendorf-West.

End endlich sind im Gebäude für freie Künste Palace of liberal Arlsi aufgestellt: Gruppe 19.

1762. Conlincntal-Caoutchouc und Guttapercha Co.. Hannover. Guinmiballons. 1779. Kgl. Aeronautisches Observatorium bei Berlin. Erforschung der höheren

Luftschichten. 5 Drachen. Modell eines Drachenballons nach Parseval-Sigsfeld.

Gumnnballons. Kabel und Stahldrähte. Registrierapparate für Drachen und Gurnnn-

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ballons. Hilfsapparate. Modell einer Kabelwinde. Publikationen. 12 Kurventafeln. Lufttemperatur über Berlin im Jahre 190;t.

Unsere Ausstellung ist darnarh eine vortrefflich abgerundete und umfassende. fjf

Hit dem Bau des großen Eisen turms für die drahtlose Telegraphie ist auf der

Weltausstellung in St. Louis in der zweiten Hälfte des Februar begonnen worden. Dieser ganz aus Eisenkonstruktion bestehende Turm, der 250 Fuß hoch ist. dient als Observatorium, dann aber auch als Station für die drahtlose Tclegraphie. Am anderen Ende der Ausstellung befindet sich die zweite Station für drahtlose Telegraphie. Hier sind in einer Entfernung von 200 Fuß zwei eiserne Masten, jeder von 200 Fuß Hohe, errichtet, und zwischen den Masten soll der Apparat für die drahtlose Telegraphie hängen. Es werden Gespräche nicht nur zwischen den beiden Stationen der Ausstellung geführt werden, sondern man hat auch Vorkehrungen getroffen, um vermittelst der drahtlosen Telegraphie mit den weiter entfernten Städten Chicago. Gleveland und Kansas-City zu verkehren.

Eine neue Art des Signalisieren* zur See will der Italiener Tullio Giaro mit einer Anzahl patentierter Apparate auf der Weltausstellung in St. Louis vorführen. Er benutzt zum Signalisieren die bisherigen akustischen Mittel der Marine, also Dampfpfeifen, Nebelhörner und Glocken, aber er verbindet diese Signale mit der drahtlosen Telegraphie. Besonders bei Nebel sind die akustischen Signale nur auf kurze Entfernung deutlich wahrnehmbar. Tullio Giaro hat daher Gebe- und Aufnahmeapparate nach Art der drahtlosen Telegraphie hergestellt, durch welche der Schall der akustischen Signale auf sehr weite Entfernung von den Aufnahmeapparaten anderer Schiffe übernommen und die elektrischen Wellen hier wieder in akustische Signale verwandelt weiden. So könnten nicht nur bei Xebel die Schiffe auf eine viel weitere Entfernung als jetzt sich gegenseitig über ihren Standpunkt unterrichten und so die höchst gefährlichen Zusammenstöße vermieden werden, sondern die Schiffe könnten auch auf hoher See auf sehr weite Entfernung miteinander in Verbindung treten, und einem in Not befindlichen Schiffe wäre es dann vielleicht möglich, auf eine Entfernung von vielen Meilen Nachrichten zu geben und Hilfe herbeizurufen.

Die große Atitoniobllfalirt zur Weltausstellung in St. Louis, die von der amerikanischen AuLomobilvereinigung von Newyork aus unternommen werden soll, ist nunmehr gesichert. Es weiden gegen hundert Mitglieder von Newyork aus in den letzten Tagen des Juni abfahren und ihren Weg über Pittsburg. Cleveland, Toledo und Chicago nehmen. Unterwegs werden sich ihnen andere, bereits angemeldete Automobilisten mit ihren Maschinen anschließen, so daß man annimmt, daß in der zweiten Woche des Juli f)0O Automobilisten am Ende dieser großartigen Fahrt in der Ausstellung eintreffen werden. Hier wird für die Teilnehmer der Fahrt ein großartiger Empfang mit darauffolgendem Fest vorbereitet.

De ta Vaulx hat sich wiederholt gegen die mißverständlichen Auffassungen seiner Ballonfahrten über dem Meer ausgesprochen, so bezüglich seiner Fahrt von Ton Ion mit dem Mediterraneen I gegen den Golf von Lyon, wo ihn der Kreuzer Du Chyala aufnahm. Als er nach 11 Stunden Fahrt landete, sei dies geschehen, weil der Zweck des Versuchs erreicht war, denn er halte erst 3"'« Tragkraft verloren und hätte noch 10 Tage über den Wassern schweben können, hatte keinen Ballast verbraucht dank dem Wasserballast-Ausgleieher, die erreichte Ablenkung vom Windstrich betrug 45", um 15* mehr als angenommen worden war, und die Landung auf einem SchiiT war bestimmt zu zeigen, daß solches Manöver ausführbar ist. Bei De la Vaulx tritt immer das Bestreben in den Vordergrund, mit dem runden Ballon soviel als möglich fertig zu bringen. K. N.

24 t

Aeronautische Vereine und Begebenheiten.

Niederrheinischer Verein für Luftschiffahrt.

Die 14. Vereinsversammlung fand am 9. Mai statt. Der Schatzmeister. Herr Hugo Eckert, eröffnete sie mit der Mitteilung, daß 42 neue Mitglieder zur Aufnahme vorzuschlagen sind, und daß 14 Anteilscheine zur Amortisation des Ballons ausgelost werden. Herr Oberlehrer Dr. ßamler teilt mit, daß das Luflschifferbataillon zu gleicher Zeit sein 2t)jähriges Bestehen als Luftschiffertruppe feiert. Die Mitglieder des Vereins wissen, daß die Entstehung ihres Vereins und die hervorragende Entwicklung desselben diesem Bataillon zu verdanken ist. Alle Fahrten, die der Verein bisher ausgeführt hat, 32 an Zahl, sind von Offizieren geführt worden, die das Luftschifferbataillon geschult hat. Mit Freude stellt er fest, daß vor einem Jahre eine festliche Versammlung zur Nachfeier der Probefahrt des Ballons «Barmen* getagt hat, die am 2. Mai 1903 stattfand. Am ö. Mai 1901 hat dieser Ballon seine 30. Fahrt gemacht. Die Zahl der in Luftlinie zurückgelegten Kilometer beträgt rund 5200, es hat also jede Fahrt eine mittlere Länge von 173 km gehabt. Die längste Fahrt war die 22., sie führte in 1> Stunden 4 Herren von Cöln nach Brandenburg (440 km). Die größte Höhe wurde bei der 24. Fahrt von Essen aus erreicht, mit 4350 m über X. N., es fuhren dabei 3 Herren mit. Zusammen sind III Personen gefahren, darunter 5 Damen. Der Vorstand macht den Vorschlag, im Laufe des Monats Juni ein Sornmerfest zu feiern, da sich das LuftschifTerbataillon während dieses Monats in Wahn zur Übung aufhält, und er hofft, bei dieser Gelegenheit recht viele Offiziere des Bataillons beim Verein begrüßen zu können.

ilber 3 von Essen ausgeführte Fahrten berichtete sodann Herr Dr. Gummert (Essen). Die 27. Fahrt, die am 2. April bei Probstzella endete, ist eine der schönsten Fahrten, die der Ballon geliefert hat, sie führte über die landschaftlich schönsten Teile Mitteldeutschlands. Bei der 2H. Fahrt (10. April) herrschte eine mittlere Windgeschwindigkeit von HO km per Stunde, sodaß sich Abfahrt und Landung etwas schwierig gestalteten. Letztere fand bei Heiligenstadt (Kassel! in einer Lehmgrube statt, war daher etwas feucht. Die 29. Fahrt (Di. April) war sanft und sonnig und endete nach 6 Stunden mit sehr glatter Landung bei Winterswyk in Holland. Bei derselben wurden sehr schöne Bilder von Krefeld aufgenommen, die der Versammlung in Lichtbildern vorgeführt wurden. Ebenso sanft war die 30. Fahrt 123. April), die erste, die von Krefeld aus staltfand. Sie endete gleichfalls mit sehr glatter Landung nach 5'* Stunden in Pilhurg in Holland. Die 31. Fahrt fand am 30. April wieder von Essen aus statt, sie dauerte Wegen der starken Bewölkung nur 14 Stunden und führte bis Wörl. V.her die 32. Fahrt, die 30. des Ballons < Barmen >, die am 5. Mai von Barmen aus erfolgte, berichtete Herr Dr. Ostertag, der als wissenschaflhcher Beobachter mitgefahren war. Dieselbe erfolgte zuerst über den Wolken, dann aber in Sicht des landschaftlich wunderhübschen Sauerlandcs und endete nach 5'/» Stunden in Frankenberg i Hessen) mit sehr glatter Landung.

Nunmehr erhielt Herr Dr. Bamler das Wort zu seinem Vortrage über •Wolkenbildungen».1)

Nnchdem noch Herr Dr. Gummert, Essen, als Stellvertreter des Fahrtenausschuß-Vorsitzenden in den Vorstand gewählt, und für die Abhaltung des Soinmerh'stes der IS. oder 25. Juni in Aussicht genommen war, schloß die Versammlung.

Ostdeutscher Verein für Luftschiffahrt.

Nach einer am Himmelfahrlstage stattgefundenen Vorberatnng ist am 11. Juni d. J. im Weinrestaurant Seick in Graudenzeine Versammlung durch Einladungskarten berufen worden,

•i Wegen Katunmaavel mull dieser li^cii«! un/ieliente V ort ras für event. Verwertung zurückf •: »teilt werden. D It.

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um über die Frag«*. <>b «in Verein mit aeronautischen Bestrebungen in den deutschen Ostmarken lebcnsriihig sei. endgültig zu entscheiden. Nach einem einleitenden Vortrage «tos H«*rrri Major Moedebeck über die Ziele eines derartigen Vereins wurden die eingeleiteten Maßnahmen lür die Vereinsgründung dargelegt und «las Ergebnis vorgetragen. Es konnte dabei festgestellt werden, daß sich bereits in so kurzer Zeit ohne ein besonderes aeronautisches Wirken 2."> Mitglieder zum Beitritt angemeldet hatten und daß weitere Beitrittserklärungen noch in Aussicht stehen. Die Versammlung der Anwesenden beschoß daher die Begründung des «Ostdeutschen Vereins für Luftschiffahrt» und ernannte einen Vorstand, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Vorsitzender: Major Moedebeck, Stellvertreter: Erster Bürgermeister Kü hnast, I.Schriftführer: Hauptmann Matthes, II. Schriftführer: BaugewcrksiimisU-r Kampmanu. I. Kassierer: Bankiiirektor Strohmann. II. Kassierer: Weinhändler Seick, Büeherwart und Archivar Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Anger, Fahrtenausschuß: Hauptmann v. Krogh und Hauptmann Wehrlc.

Mitgliedanmeldungen sind zu richten an den I. Schriftführer Herrn Hauptmann Mattthes. Graudenz. Bhedenerstr. 22, «»der an Herrn Weinhändler Seick, Graudenz, Schubmacherstr. Iii. <(^^ $

Personalia.

Durch A. K. O. vom 22. 5. 0{ wurde Herr Major t. Lewiiiski. bisher im General-Stab der Kommandantur Posen, als Bataillons-KoimnandeOT in das Infanterie-Regiment Graf Rülow v. Bennewitz (». Weslfäl. i Nr. öö versetzt.

Herr Leutnant v. Kroiilielm, Adjutant im Pos. Feldartillerie-Regiment Nr. 20, hat sich mit Fräulein Elfriede Petzel, Tochter der verw. Frau Rittergutbesitzerin Petzel auf Oborzysk Kreis Kosten, verlobt.

Ei/Iii'ivi.ir Leopold Snlvutor ist gelegentlich seines letzten Aufenthalts in Paris auf seinen Wunsch Mitglied «h-s Aero-Club de France geworden. K. N.

Totenschau.

Marcy t. Am In*. Mai starb Professor Etienne Jules Marey, Mitglied des Instituts. Professor am College de France. Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Akademie für Medizin sowie Mitglied dei ständigen Internationalen Kommission für Luftschiffahrt und d«>s Aero-Club in Paris Wir betrauern m seinem Hinscheiden den Verlust

eines unserer aeronautischen Heroen. Ihm verdanken wir die volle Erkenntnis, welche heute über die geheimnisvollen Erscheinungen der Fortbewegung aller Wesen auf dem Lande, im Wasser und in der Luft vorliegt. Unter Zuhilfenahme der Augenblicksphotographie ist es ihm gelungen, unser«- Anschauungen über alle diese Vorgänge von irrigen Vorstellungen zu befreien. Die Ergebnisse seiner Arbeiten veröffentlichte er in den Werken «Du Mouv einen t dans les fonc-tions de la vie», Paris 18H8; «La U ach ine animalc, Locomotion teilest reeta6rienne>, Paris 1888, Harey-Plaquette von Dr. Paul Richer.1) 2 Auflage 1886, und «Le vol des 01-

seaux. Paris 1890. Außer diesen Büchern veröffentlichte er noch eine ganze Reihe

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'i Her Verleger diese» Kun-Iwt rki■-. l.riveur H. (iotlarj. (Pari». :i? C/uai de l'Horloge, hatte die Ciilte, uns beide Klischees ?ur Verfügung zu «teilen, wofür wir ihm hier bestens diinkc.ii.

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anderer physiologischer Schriften, die ein lediglich medizinisches Interesse besitzen. Wer heute über den Vogcltlug befriedigende Auskunft erlangen möchte, kann nur einzig und allein Marey's < Vogelllug » zu Hate ziehen. Die Bedeutung des Verstorbenen für die Flugtechnik, im besonderen für die Aviatik, wird eine bleibende sein für alle Zeilen. Mit dem Berliner Verein für Luftschiffahrt unterhielt er durch Prof. Möllenhoff von

I8H3 ab Beziehungen, denen es zu verdanken ist. daß unser naturwissenschaftliches Museum in Berlin die sauber hergestellten Wachsmodelle der Flugbewegungen eines Vogels beim Auf-und Niederschlag der Flügel zum (ie-schenk erhielt.

Marey wurde am 5. März ISMO zu Beaune geboren. Als Arzt war er im Jahre 1855 der Erlinder der graphischen Methode für die experimentalen Wissenschaften, besonders in der Physiologie und Medizin. Auch hierüber hat er ein größeres Werk veröffentlicht. Er war ferner der Begründer des « freien ■irey-Pi«qy.tt. von Dr. Pul Richer Moratoriums für Physiologie zu dem

ein jeder, der Interesse für Physiologie besaß, Zutritt hatte.

Das Begräbnis Tand «lern Willen des Verstorbenen gemäß sang- und klanglos auf dem Kirchhofe von Pere-Lachaise am 19. Mai statt: Die Leiche wurde verbrannt. Marey hat durch seine wertvollen Arbeiten bei Lebzeiten dafür gesorgt, daß er bei uns fortleben wird und wir ihn niemals vergessen werden. Moedebeck.

Der schwedische Ingenieur-Kapitän F.ric Enze, bekannt als Erlinder des absonderlich geformten Ballons »Svenske» il und II) ist in Stockholm gestorben. Er war Mitglied der Commission permanente internationale d'Aeronautii|iie und der Soeiete francaise de Navigation aerienne. K. N.

Bibliographie und Literafcurbericht

Meteorologie.

It. Aßmann und A. Berson: Ergebnisse der Arbeiten am Aeronautischen Observatorium 1. Oktober 1901 bis 31. Dezember 15)02. Berlin 1904, XII., 201 S., 1 Taf. Mi. 2 Beilagen, il S., 7 Taf. und 20 S., 3 Taf. i" 21 38 cm [Veröffentlichung des König!. Prcuß. Meteor. Instituts]. In letzter Zeit ist die Meteorologie mit aeronautischem Beobachtungsmaterial reichlich versorgt worden. Nachdem die internationale Kommission das bei ihr angehäufte Material nahezu vollständig bekannt gegeben hat, folgt das Berliner Aeronautische Observatorium mit der Veröffentlichung von 355 Aufstiegen und Freifahrten. Es ist dies der zweite Band, welcher von dem Observatorium herausgegeben wird: gegenüber dem ersten, welcher mit Kurven, Weiter karten und beschreibendem Text reich ausgestattet war, erscheint der neue vorwiegend als Tabellenwerk, das nur bei den internationalen Aufstiegen und bemannten Fahrten durch ausführlicheren Text unterbrochen ist. Die interessanten Einzelheiten der Ergebnisse liegen somit nicht so offen zutage wie im ersten Bande; für den Fachmann werden aber diese sorgfältig bearbeiteten und geordneten Daten nicht minder wertvoll, für die Benutzung vielleicht sogar angenehmer sein. Die Vorbemerkungen zu den Tabellen enthalten Einzelheiten über den Dienst am

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Observatorium, über Verbesserung der Instrumente und Drachen und über die Verlegung der Anstalt nach Lindenberg. 00 km südöstlich von Berlin.

Die Publikation ist durch zwei bedeutungsvolle Beilagen bereichert. In der ersten untersucht Dr. Elias die Entstehung und Aullösung des Nebels auf Grund von eigens zu diesem Zwecke ausgeführten Aufstiegen von Drachen und Drachenballons und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Wirkung der Abkühlung und Ausstrahlung des Bodens für die Nebelbildung fast völlig zurücktritt gegen den Einfluß vertikaler Unterschiede in der Windgeschwindigkeit. Bezüglich weilerer Einzelheiten verweisen wir auf einen Auszug in der Zeitschrift «Das Wetter. 21 (15.04). S. 1.

Die zweite Beilage enthält einen von Berson und Elias verfaßten Bericht über Drachenaufstiege auf der Ostsee, den norwegischen Gewässern und dem nördlichen Eismeere fvergl. den Artikel in diesem Jahrgange der «lllustr. Acren. Mitteil.» S. 130 und 15.-} R. Atimann: Die Temperatur der Luft über Berlin in der Zeit vom 1. Oktober 1902 bis 31. Dezember 1903, dargestellt nach den täglichen Aufstiegen am Aeronautischen Observatorium des Königl. Preuß. Meteor. Instituts. Berlin 1901- (Otto Salle). 3 Bl. Text und eine Tafel, Quer 8°, 2ÖX1Ö1/, cm. Diese Veröffentlichung kann als Ergänzung der vorigen betrachtet werden und wird den Empfängern der vorigen Publikation als solche beigegeben. Das kleine Heft enthält in Form eines Leporello-Albums eine 3 m lange Tafel mit graphischen Darstellungen der Höhenlinien gleicher Lufttemperatur von 2 zu 2°, wie sie durch die täglichen Aufstiege der Drachen und Drachenballons erhallen sind. Die Art der Darstellung ist fast dieselbe, wie sie vom Januar 1903 ab regelmäßig in der Zeitschrift * Das Wetter» veröffentlicht wird.

A. L. Rotcb: Observations and Invcstigations made at the Blue Hill Meleorological Ob-servatory, Mars. II. S. A. in the years 1901 and l'»02 |annals of Harvard College -13, Part III) Cambridge 1903, pg. 115-239. ö Taf.. 4». 25.29't cm.

Von dem Observatorium des Herrn Botch ist verhältnismäßig lange nichts Zusammenhängendes über Drachenaufstiege veröffentlicht, und es wird dies jetzt nachgeholt in zwei Abhandlungen. Die eine (Verfasser Helm. Claylom enthält die Hesullate des Drachen-Meteorographen und simultaner Ablesungen an der Erde 1K97—J902, die zweite (von S. P. Fergusson) behandelt die Drachen und Instrumente, die am Blue-Hill-Observatorium 1897 — 1902 benutzt worden sind.

Über den großen Wert dieser Veröffentlichung brauchen keine Worte verloren zu werden. Das Blue-Hill-Observatorium ist auf diesem Gebiete so bahnbrechend vorangegangen, und es wird dort so eifrig weiter gearbeitet, daß es genügt, auf diese Arbeiten hinzuweisen. Clav Ions Untersuchung ist größtenteils in Tabellen zusammengefaßt. Fergusson bringt eine große Menge technischer Einzelheiten über den Drachenbau und die Regislnerinsirurrif nie. Von Deutschland sind mancherlei Verbesserungen übernommen, während umgekehrt der Hargrave-Clayton-Drachen in Deutschland zu den beliebtesten Drachenformen gehört.

Der Band enthalt auch eine Abhandlung von Boich selbst über die Wirkung der meteorologischen Zustande auf die Hörbarkeit, in welcher nachgewiesen wird, daß die Einflüsse von Temperatur- und Feuchtigkeitsveiteilung nur sekundärer Natur sind und daß die Windrichtung nahezu das einzige ausschlaggebende Moment hierbei ist.

Zum Schluß verdient noch erwähnt zu werden, daß Herr Botch neuerdings wieder ca. 25 000 Mk. für Ausbau und Verbesserung seines Observatoriums aufgewendet hat.

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