Illustrierte Aeronautische Mitteilungen

Jahrgang 1904 - Heft Nr. 6

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Eine der ersten Zeitschriften, die sich vor mehr als 100 Jahren auf wissenschaftlichem und akademischem Niveau mit der Entwicklung der Luftfahrt bzw. Luftschiffahrt beschäftigt hat, waren die Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen, die im Jahre 1897 erstmals erschienen sind. Später ist die Zeitschrift zusätzlich unter dem Titel Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt herausgegeben worden. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1897 bis 1908 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die angebotenen PDF Dokumente. Schauen Sie sich bitte auch die kostenfreie Leseprobe an, um die Qualität der verfügbaren PDF Dokumente zu überprüfen.



illustrierte aeronautische Pfeilungen.

VW. Jahrgang. 1904- ** __6.^Heft

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Aeronautische Meteorologie und Physik der Atmosphäre.

Die Widerstandserscheinungen in flussigen Medien.

Vortrag in der Hauptversammlung des Berliner Vereins für Luftschiffahrt,

den 11. Januar 190t von Prof. Dr. Fr. Ahlborn, in Hambur».

Die experimentellen Untersuchungen, von denen die folgenden Mitteilungen handeln, beziehen sich zunächst auf die Bewegungen des Wassers um irgend welche Hindernisse, die »ich seinem Laufe in den Weg stellen. Ks ist daher die Frage berechtigt, welches Interesse derartige Erscheinungen gerade für die Luftschiffahrt haben. Der Grund dafür ist, daß diese Bewegungen, soweit ich sehe, im wesentlichen von derselben Art sind, wie die der Luft, und daß wir daher die bei der Beobachtung des bewegten Wassers gewonnenen Einblicke auf die Vorgänge in der Luft übertragen können. Gegen die Übertragbarkeit wird nicht selten der Einwurf gemacht, daß die hohe Elastizität und Zusammendrückbarkeit der Lull notwendig einen anderen Strömungsverlauf bedinge, als er beim Wasser hervortrete, das sogut wie gar nicht komprimierbar ist. Wenn man sich aber darüber klar ist, daß z. B. ein heftiger Orkanstöß von 50 m Sek.-Gesehwin-digkeit, der senkrecht gegen eine Wand trifft, nur eine Luftkompression von l—2N> des ruhenden Volums hervorbringt, so wird man geneigt sein, diesem Einwände kein allzugroßes Gewicht beizumessen. Bei der großen Bedeutung, welche die Fragen der Luftströmung auf den verschiedensten wissenschaftlichen und technischen Gebieten und besonders auch für die dynamische Luftschiffahrt haben, würden wir dennoch der unmittelbaren Untersuchung dieser Erscheinungen in der Luft unbedingt den Vorzug einräumen, wenn es dafür gangbare und einwandsfreie Methoden gäbe. Aber die bis jetzt bekannten Forschungswege können diesen Anspruch leider noch nicht geltend machen, da sie immer nur einen beschränkten Teil der Vorgänge erkennen lassen und über die wichtigsten Punkte keinen klaren Aufschluß geben.

Die Hauplschvvicrigkeit liegt in der Sichtbarmachung der Luftströmungen. In dieser Richtung verdanken wir den ersten erfolgreichen methodischen Versuch Herrn Dr. Ludwig Mach. Sein Verfahren ist in der Zeitschrift für Luftschiffahrt (XV. 18<W, S. 129—1391 veröffentlicht und besteht hauptsächlich in einer sehr sinnreichen Anwendung der Toeplerschen Sehlieren-inethode. Ein Gemisch von warmer und kaller, und daher optisch diffe-renter Luft strömt in einem Kanal um ein Hindernis und wird unter scharfer seillicher Beleuchtung momentan pholographiert. Die Bilder sind sehr klar,

Illn-tr AOrmiout. Mitleil VIII .Inhrg 2-1-

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geben aber doch nur eine unvollständige Vorstellung vom Strömungsverlauf, weil die thermisch-optischen Differenzen im Luftstrome sich an den Stellen sofort ausgleichen, wo die Teilchen durch Wirbelung innig gemischt werden. Man bleibt daher über die wichtigen Vorgänge an der Rückseite der Hindernisse im Ungewissen, kann aber doch durch den Vergleich mit den analogen hydrodynamischen Strombildern soviel mit Sicherheit erkennen, daß ein prinzipieller Unterschied zwischen den aerodynamischen und hydrodynamischen Vorgängen nicht vorhanden ist. Manche Einzelheiten der Maeh'schen Bilder werden erst durch die spater zu besprechenden Photogramme der Wasserströmungen verständlich.

Eine andere Methode, die Luftströmungen im begrenzten Räume sichtbar zu machen, wurde 1899 von Prof. Wellner in Brünn und 1900 von Prof. Marey in Paris veröffentlicht. Hier läßt man feine Rauchfäden, die bekanntlich sehr formbeständig sind, in einem Schränkchen emporziehen und beobachtet durch ein Glasfenster, wie sie durch eingeschaltete Hindernisse abgelenkt und gestört werden. Leider sind die Störungen in der nächsten Nähe der eingeschalteten Körper so groß, daß die feinen Rauchfäden oft schon bei der Annäherung an das Hindernis ihre Konturen verlieren und der wesentlichste Teil der Erscheinungen in einem gleichförmigen Nebel verborgen bleibt. Die Methode leidet außerdem an dem Mangel, daß die Geschwindigkeit der Strömung nicht viel variiert werden kann. Weitere Folgerungen sind aus diesen Bildern seither nicht gezogen worden, nur hat Prof. Wellner und in ähnlicher Weise auch Prof. Marey der Meinung Ausdruck gegeben, daß man in den Photogrammen vor dem Hindernis einen «Stauhügel > und dahinter einen «Saugkeil», beide mit ruhender Luft erfüllt, deutlich erkennen könne. Daß dies nicht zutreffend ist, liegt auf der Hand, da der gleichförmige Nebel nur durch Bewegung aus den scharfbegrenzten Luft- und Rauchfäden entstanden sein kann.

Unter diesen Verhältnissen wird man die volle Aufklärung der Strömungsverhältnisse flüssiger Medien durch das hydrodynamische Experiment auch auf aerodynamischem Gebiete willkommen heißen und die Uebertragung der dort gewonnenen Resultate unter dem Vorbehalt späterer Bestätigung durch Versuche mit Luft zulassen, umsomehr, als ja auch in der Theorie die Homologie der fraglichen Erscheinung in beiden flüssigen Medien allgemein angenommen wird.

Vorweg möchte ich hervorheben, daß unabhängig von einander und gleichzeitig mit mir Prof. Marey und Prof. Hele-Shaw der Frage der Wasserströmungen experimentell näher getreten sind. Namentlich hat Hele-Shaw in den Transact. of Instit. of Nav. Aich, drei sehr interessante Arbeiten veröffentlicht, mit einer großen Zahl trefflicher photographischen Reproduktionen von Strömungserscheiniingen an Platten und schiflsförmigen Hindernissen. Leider waren die Bedingungen der Versuchsauordnung so einschränkender Art, daß die Strömungen des stark adhärierenden und viskosen Mediunis zwangsläufig wurden und daher wohl gewissen theoretischen

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Ergebnissen, nicht aber den freien, natürlichen Verhältnissen des Wassers entsprachen.

Die von mir verwendeten Apparate sind in meiner Arbeit «Mechanismus des hydrodynamischen Widerstandes* (Abh. d. Naturw. Ver. Hamburg, 1902) eingehend beschrieben und abgebildet worden, wie auch zuletzt im Jahrbuch der Deutschen schiffbautechnischen Gesellschaft vom 20. Nov. 1903. Uber einen mit Wasser gefüllten kastenförmigen Behälter fährt auf Schienen ein elektrisch getriebener Wagen, der an seiner Unterseite die in das Wasser eintauchenden Versuchskörper mit sich führt. Genau darüber befindet sich auf der Plattform des Wagens die photographische Kamera mit Blitzlichteinrichtung und Chronograph. Das Wasser wird mit Bärlappmehl bestreut, das die Strömungen sichtbar macht. Sobald nun der mit bestimmter Geschwindigkeit fahrende Wagen an einer gewissen Stelle angekommen ist, schließt er einen elektrischen Kontakt, und entzündet dadurch automatisch das Magnesium-Blitzlicht. In der sehr kurzen Zeit der Belichtung legen die bewegten Bärlappsporen kleine Wegstrecken zurück, die auf der photographischen Platte als sehr feine Linien erscheinen und den ganzen Verlauf der durch das Hindernis im Wasser hervorgerufenen Strömungen mit minutiöser Genauigkeit darstellen.

Zur Feststellung der Vorgänge im Innern der Flüssigkeit erhielt der Behälter seitlich und im Boden je ein Glasfenster. Von unten drang das Blitzlicht durch einen Spalt im Wasser empor und beleuchtete in einer vertikalen Ebene die hier schwebenden feinen Sägespäne von Eichenholz, welche die Rolle des Bärlappmehles übernahmen und die Strömungsbilder in der seitwärts vorbeiziehenden photographischen Kamera entstehen ließen.

Dadurch, daß die Kamera und der eingetauchte Versuchskörper in starrer Verbindung mit einander stehen und während der Bewegung des Wagens nicht gegeneinander verschoben werden können, wird es erreicht, daß der Körper auf der photographischen Platte in Ruhe erscheint, während das Wasser sich als in einer allgemeinen Strömung begriffen darstellt. Es hat dies den Vorteil, daß dadurch alle störenden Nebenerscheinungen vermieden werden, die bei einem wirklichen Strömen des Wassers durch Reibung an den Gefäßwänden erzeugt werden. Die Wirkungen sind natürlich — von jenen Störungen abgesehen — genau dieselben, ob nun ein bewegter Strom ein ruhendes Hindernis umfließt, oder das letztere durch ruhendes Wasser fortbewegt wird.

Am einfachsten erscheinen die Vorgänge an einer ebenen, starren Platte (Fig. Ii, die mit mäßiger Geschwindigkeit in der Herstellung durch das Wasser bewegt wird. Im Wasserspiegel sehen wir, wie die von den Bärlappsamen hervorgerufenen Stromlinien vor der Versuchsplatte pinselartig auseinander weichen, sich teilen und nach beiden Seiten an den Tafelrändern abfließen. An den Verkürzungen der Linien erkennt man, daß hier die Geschwindigkeit abnimmt und der Strom sich staut, aber von einem Slauhügel» im Sinne der v. LoessKschen Annahme, von einem pyramiden-

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förmigen Körper ruhender Flüssigkeit, der wie ein Keil der Piatie aufgesetzt wäre und den Strum zerteile, ist nichts zu entdecken. Die ganze Wasser-tnasse vorn ist in Bewegung mit regelmäßig verteilten wechselnden Geschwindigkeiten. Da, wo die Stromteilungslinie auf die Tafelmitte trillt, ist die Bewegung am geringsten, nur hier sind einige BärlappAückchen in scheinbar völliger Buhe. Gegen die Bänder hin werden die Stromlinien zusehends länger, sie konvergieren und schießen dicht zusammengedrängt seitwärts und nach hinten.

Fi|i. 1.

Daß diese Verhältnisse in der Luft nicht so wesentlich anders sein können, wie es die v. Loessl'sche Lufthügeltheorie erfordert, ist bei der großen Beweglichkeil dieses Mediums vorauszusehen, und wir haben den direkten Beweis dafür in den Plmtogrammen von Dr. L. Mach. Die bekannten Kerzenversuche, durch welche v. Loessl sich bemüht hat, die Existenz seines Lufthügels darzutun, beweisen nur die Abnahme der Geschwindigkeit des Stromes vor der Platte, aber keineswegs die völlige Stagnation eines mathematisch begrenzten Luftkörpers. Da nun der - Lufthügel das Fundament der ganzen, mit so vielem Fleiß aufgebauten Widerstandstheorie des genannten Wiener Gelehrten ist. so fallen damit alle weiteren sachlichen und formalen Ableitungen des Autors in sieh zusammen. Wenn wir daher gezwungen Bind, die viel benutzten v. LoessPsehon WiderStandsformeln als Wissenschaftlich nicht mehr haltbar definitiv abzulehnen, so bleiben doch die zahlreichen duckten Messungen des Gesamtwiderstandes übrig, deren Veröffentlichung in exten-» gewiß viel wertvolles Material liefern würde.

An der Bückseile der Platte erblicken wir ein doppeltes System

konzentrischer Kreta*tröinungen, die seitwärts gleichförmig mit den von vorn kommenden Seitenströmen zusammenhängen und -Hießen, zwischen sich aber einen gemeinsamen, gegen die Hinterseite der Tafel gerichteten Mittelstron) erzeugen, den wir den 'Nachlauf - nennen wollen. Die Bewegung dieses Stromes ist zwar sehwankend, aber doch schneller als die der Tafel, sodaß er auf die Milte derselben stößt und sieh hier teilt, um seitwärts abzuschwenken und vom Bande der Blatte die Kontinuität mit dem Scitenstrome wieder herzuslellen. Die Rotationsachsen beider Kreissysteme sind im Niveau nicht selten trichterförmig vertieft, und es hat sich durch direkte Beobachtung und namentlich durch die Photographie der Strömungen im Innern der Flüssigkeit mit voller Klarheit herausgestellt, daß die Kreisströme nur die freien Enden eines vom Niveau durchschnittenen halben Wirbelringes sind, der die Tafel bei ihrer Bewegung hegleitet. Wird die Versuchsplatte völlig untergetaucht, so wird dadurch der Wirbelring geschlossen und stimmt nun in seiner fortschreitenden und drehenden Bewegung mit den bekannten Rauchringen überein, die so leicht freischwebend mit Tabaksrauch zu erzeugen sind.

Hinter den beiden Wirbelästen erscheint ein kleines Feld ruhenden Wassers, das vorn durch den entstehenden Nachlauf, hinten durch die sich wieder vereinigenden Scitenstrome begrenzt und umllossen wird und das wir kurz die Insel» nennen wollen. Da der Wirbelring mit der Insel der translatorischen Bewegung der Versuchsplatte folgt und von ihr nachgeschleppt wird, so können sie passend als Schleppe bezeichnet werden.

Die Abbildungen vom Verlauf der Strömungen im Innern des Mediums lassen erkennen, daß der Einfluß des Niveaus außer den sehr charakteristischen Bildungen einer Bug- und Heckwelle keine wesentlichen oder auffälligen Abweichungen in den Stromrichlungen hervorruft.

Für die folgenden Betrachtungen empfiehlt es sich, durch den unbeeinflußten Teil des Stromes vor dem Hindernis in der Hauptrichtung ein System von parallelen Linien in gleichen Abständen zu ziehen und dasselbe weiterbin genau den photographischen Stromlinien folgen zu lassen. Man erhält dann das schematisehe Strombild (Fig. 2) und kann nun die von zwei benachbarten Stromlinien eingeschlossene Wassermasse als einen Einzelstrom betrachten, der sich wie in einer Röhre, aber ohne Reibung bewegt.

In solchen Strömen ist nach D. Bernoulli die Bewegung eine sehr gesetzmäßige, denn es fließt durch jeden der verschieden großen Querschnitte in jedem Zeitabschnitt die gleiche Wassermenge, d. h. au den breiten Stellen der Elementarströme oder Slrornfäden fließt das Wasser langsamer, an den engen entsprechend schneller. Da ferner den gleichen bewegten Wassermengen auch die gleichen Energiemengen innewohnen, teils als Bewegungsenergie, teils als Spannung oder Druck, so Tolgt, daß an den breiteren Stellen der Elementarströme bei abnehmender Geschwindigkeit eine Transformation von Bewegungsenergie in Druck stattfindet, während an den engeren Stellen der Druck in Bewegung umgesetzt wird.

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Fig. *.

Hiernach sind wir in der Lage, die Zu-und Abnahme der Geschwindigkeit und die damit im Zusammenhang stehende Ab- und Zunahme des dynamischen Flüssigkeitsdruckes durch das ganze Strömungsdiagramm zu verfolgen. Wir linden, daß der Druck in der Mitte der Vorderseite der Versuchspiatie sein Maximum hat und daß er von da erst langsam, am Rande schnell abnimmt. Diese Tatsache ist von ganz besonderer Bedeutung, da sie für das Medium Luft bereits seit längerer Zeit durch eingehende Versuche nachgewiesen ist, die vermittelst des DilTerenzial-manometers unabhängig von einander durch Marey, Recknagel und C.urtis ausgeführt wurden. Wir sehen darin einen wertvollen Beweis für die Ähnlichkeit der Vorgänge in Wasser und Luft und können daher auch die Erscheinungen an der Bückseite der Tafel, die in der Luft noch nicht so eingehend analysiert sind,1) vorn Wasser auf Luft übertragen.

Unser Strömungsphotogramm zeigt uns, wie der Nachlauf von der Insel» her gegen die Tafelmilte slüßt, sich hier anstauet, teilt und seitwärts abfließt, um hinter den Tafelrändern wieder vom Seitenstrome angesogen und fortgerissen zu werden. Daraus folgt, daß hinler der Tafelmitte ein (drittes) Druckmaximum liegt, daß der Druck von da aus seitlich abnimmt und hinter den Rändern seinen geringsten Betrag erreicht. Über die genauere Verteilung des Druckes werden die später mitzuteilenden Stauversuche Aufschlid» geben.

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Stellen wir die Frage nach dem Zustandekommen des ganzen Strömungsmechanismus, so finden wir, daß der erforderliche Kraftaufwand von der bewegten Tafel geleistet wird. Die an der Vorderseite gegen den Haupt-slrom gerichteten Kräfte (Fig. 2) erzeugen und unterhalten daselbst das Hauptdruckmaximum, während unter dem Einfluß der Schwere an der Rückseite das Druckminimum in der Rotationsachse des Wirbelringes entsteht.

Die so an der Vorderseite von der Tafel auf das Medium übertragene Spannungsenergie wird durch die vom Minimum des Wirbels ausgehende Saugung in Bewegungsenergie transformiert. Die hierdurch stark beschleunigten Wassermassen des Seitenstromes setzen durch Friktion den Wirbelring in Bewegung und erzeugen und unterhalten so den Nachlauf, der stets einen Teil der vom Seitenstrome entnommenen Energie gegen die Rückseite der Tafel trägt und unter abermaliger Transformation in Druckkraft an diese zurückerstattet. Die Differenz zwischen der vorn ausgegebenen und der an der Rückseite zurückerhaltenen Energie ist dauernd aus dem Kraftvorrate der bewegten Tafel zu bestreiten: sie ist der Widerstand, den die Tafel bei ihrer Bewegung zu überwinden, oder vom strömenden Medium in der Ruhe auszuhalten hat, und kann auch als die Summe der Kräfte definiert werden, die zur Unterhaltung der «Widerstandsströmungen» verbraucht werden.

Das Gebiet des Mediums, in welchem sich die Widerstandserscheinungen abspielen, das Widerstandsfeld ist zu Beginn der Bewegung auf die nächste Nähe der Tafel beschränkt, sobald aber der Wirbelring voll entwickelt ist, treten mit zunehmender Geschwindigkeit im Nachlauf weitreichende labile Schwankungen auf, die den einen oder den anderen Wirbelast seitlich beengen und durchbrechen und so unregelmäßige Teile des Wirbels aus dem Zusammenhang der verlängerten « Schleppe» nach hinten verdrängen. Dabei finden wir nicht selten dicht hinter der Platte nahezu slagnantes Wasser (Windschatten, Überwind), das alsbald wieder von Nachlauf durchbrochen und zur Seite geschoben wird. Die Ursache dieser Unregelmäßigkeiten liegt wahrscheinlich in minimalen Schwankungen der vorderen Stromteilungslinie und es erklären sich dadurch teilweis jene eigentümlichen feinen Pulsationen des Luftwiderstandes, die Langley als * internal work of the wind» bezeichnet. Jedenfalls sehen wir hieraus, daß auch im ruhenden Medium bei allein bewegter Platte der Widerstand eine innerhalb gewisser Grenzen schwankende Größe ist.

Die Arbeit, die zu Anfang der Bewegung aufgewendet wird, um den Wirbel zu erzeugen, wird am Ende der Bewegung als Rückstoß der Schleppe gegen die Hinterseite zum Teil wiedergewonnen. Alle diese Erscheinungen waren an den vorgeführten kinematographischen Projektionen der Widerstandsströmungen im einzelnen zu verfolgen.

Steht eine Platte schräg zum Strome (Fig. 3i, so ist die Stromteilung an der Vorderseite unsymmetrisch; die Teilungslinie krümmt sich parallelähnlich und trifft daher nicht mehr auf die Mitte der Platte,

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sondern auf einen Punkt, «1er utnsoinehr dem voraufgehenden Kande der Tafel genähert ist, je kleiner der Neigungswinkel ist. Die Gesetzmäßigkeit dieser Verschiebung habe ich a. a. 0. aus einer großen Zahl photographischer Aufnahmen ermittelt und durch eine Kurve dargestellt. An der Rückseite erhält dadurch auch der Wirbel ring eine unsymmetrische Gest all Der Rogen hinter dem voraufgehenden Tafelrande nimmt schnell an Größe zu, während der am Pnterrande kleiner wird, und der Nachlauf trißt die Rückseite in ungefähr derselben Entfernung vom Unterrande, wie der Abstand der Stromteilungslinie vom Oberrande auf der Vorderseite.

Fi*. 3.

Die idealen Stömungsliuien der Fig. i sind wie die von Fig. 2 gewonnen. Das absolute Druekmaximum an der Vorderseite liegt im Teilungs-punkle des Hauptstromes, von da ab Druckabnahme nach beiden Seiten. Wenn so die obere Tafelhälfte bei der Rewegung den größten Energieverlust erleidet, kommt auch noch fast der ganze Energieersatz durch den Nachlauf der unteren Hälfte zugute, so daß der von dieser zu leistende Anteil des Widerslandes ein weit geringerer ist als der der Oberhälfte. Denkt man datier den gesamten Widersland in eine Resultante vereinigt, so muß der AngiiiT>punkt derselben um so weiter gegen den Oberrand verschoben sein, je kleiner der Neigungswinkel ist. Diese Tatsachen sind seit mehr als RH» Jahren unter dem Namen der Verschiebung des Druckmittelpunktes bekannt und durch die Arbeiten von Avnn/.ini, JoSssel, Lord Rayleigh. Kummer und Langlev erhärtet worden, ohne daß es bisher •.'düngen sei, die Gesetzmäßigkeit für alle Fälle einwandsfrei festzustellen, da dieselbe an-

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scheinend nicht nur von der Geschwindigkeit und der Größe der Tafeln, sondern auch von der Form derselben, dem Verhältnis der Länge zur Breite ahbängt. Meine eigenen, in Luft und Wasser ausgeführten Untersuchungen über diese Frage sind leider seither aus Mangel an Zeit fragmentarisch geblieben. Das Gesetz der Verschiebung des Druckmittelpunktes muß als das Endziel der Forschung über den Widersland an schrägen Platten Gegenstand weiterer Untersuchungen bleiben.

Vi«, i.

Sehr wertvolle Aufschlüsse über die Verteilung des Widerstandsdruckes habe ich durch die Ntauversurhe erhalten. Führt man einen eingetauchten Körper, etwa eine querstehende Platte, durch das Wasser, so wird dadurch die horizontale Oberfläche desselben gestört, an die Stelle des statischen tritt ein dynamisches Niveau, dessen Höhenunterschiede in der Nähe der Platte am größten sind und durch die hier herrschenden dynamischen Druckkräfte unterhalten werden. Wird das Wasser vor der Platte zu einer Höhe h über das Nullniveau erhoben, oder an der Rückseite herabgedrückt, so ist die Höhe des Wasserstandes an jedem Punkt das Maß des daselbst herrschenden Iber- oder Minderdruckes. Da nun als Widersland nur die Druckintensitäten in Frage kommen, die unmittelbar an der Oberfläche der Platte vorhanden sind, so genügt für diesen Zweck die Festlegung der Stau- und Depressionslinie, mit welcher sich das dynamische Niveau an der Vorder- und Hinterseite der Versuchsplatte abbildet. Hierzu wurde das Wasser gefärbt und die mit Papier überklebte Platte durch eine mechanische Vorrichtung während

Illustr Agronom Milieu. VIII. Jahre.

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der Bewegung eingetaucht und wieder gehoben. Auf diese Weise erhält man eine scharfe Abbildung der Stau- und Depressionslinien. Zeichnet mau die horizontale Linie des statischen Nullniveaus hinzu und überträgt zweckmäßig die Depressionslinie d nach der Vorderseite der Platte, so stellen die Ordinalen beider Kurven den in jedem Punkte des ursprünglichen Nullniveaus herrschenden Über- resp. Minderdruck dar, und das Flächenstück zwischen beiden Kurven, die Stau fläche, ist das Integral aller im Querschnitt des Nullniveaus vorhandenen Widerstandskräfte.

Abbildung 5 zeigt die symmetrische Staulläche einer senkrecht vom Strome getroffenen Platte; Fig. 6 das unsymmetrische einer schrägstehenden. In beiden Fällen stimmt die Lage des absoluten Druckmaximums genau mit dem vorderen Stromleitungspunkte überein; die Druckabnahme seitwärts ist so, wie sie aus dem Stromphotogramm erschlossen wurde; die Auffüllung des Minderdrucks an der Rückseite durch den Nachlauf erscheint in charakteristischen Hebungen des Niveaus an den von den Strömungsbildern

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her bekannten Stellen. Die Druekminima liegen beiderseits hinter dem Rande der normalen Tafel, resp. hinter dem voraufgehenden Rande der schrägen; und vorn Minimum seitwärts steigt der Druck kontinuierlich ohne Sprung gegen die Randlinien der Tafel empor, wie ja auch zwischen Schleppe und Seitenstrom an dieser Stelle keine Diskontinuität vorhanden ist. In Fig. 6 bezeichnet der Pfeil + r die Lage der Resultante; des positiven Widerstandsdruckes, — r die Resultante des Minderdruckes oder 'Soggs» an der Rückseite, R die Gesamtresultante des Widerstandes im Nullniveau.

Wenn so die aus den Strömungsphotogrammen zu ziehenden Lehren durch die Staukurven in sehr erwünschter Weise bestätigt und nach der quantitativen Seite vervollständigt werden, so ist es nunmehr möglich, die aus beiden Methoden erzielten Ergebnisse zu einem umfassenden Überblick über den Widerstand an einfach gestalteten Platten zu vereinigen. So erhallen wir zum Beispiel für eine kreisförmige oder quadratische Scheibe ein regelmäßiges plastisches Modell des Widerstandes, das für den Überdruck an der Vorderseite die Form eines flach geschwellten Kissens

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hat, während der Minderdruck oder «Sogg» an der Rückseite durch einen ähnlichen, aber in der Mitte flach tellerförmig ausgehöhlten Körper dargestellt wird.

Ändert man die Dimensionen der Platten bei gleichbleibender Geschwindigkeit, so ändert sich auch die Form der Staukurven, und es zeigt sich, daß der Widerstand keine so einfache Funktion der Fläche ist, wie man gewöhnlich annimmt. In dieser Frage müssen weitere Versuche in größerem Maßstabe angestellt werden.

Über gewölbte Flugflächen ist in unserem Verein in früheren .lahren vielfach die Rede gewesen. 0. Lilienthal, der kühne Bahnbrecher und Märtyrer der Aviatik, war der Meinung, daß die hohe Flugfähigkeit der Vögel den gewölbten Flugflächen zuzuschreiben sei. Zwar versagten seine mit stark gewölbten Flächen versehenen ersten « Fluggeschirre * vollständig infolge mangelhafter Stabilität, und er sah sich genötigt, schließlich zu ganz flachen Flügeln überzugehen, aber die Meinung, daß den gewölbten Flügeln außer einer starken Hebung auch noch eine eigentümliche, vortreibende Wirkung des Gegenwindes innewohne, hat er doch bis zuletzt vertreten.

Ich habe früher nachgewiesen, daß der Vortrieb gar nicht vorhanden, sondern nur durch eine unstatthafte Zerlegung der Kräfte in der von Lilienthal gegebenen Darstellung erschienen ist. Ks ist wahr, daß die ausgebreiteten Flügel der meisten Vögel mit der Höhlung nach unten gewölbt sind, aber die Wölbung wird stark abgeplattet, sobald das Gewicht des schwebenden Vogels in den Flügeln ruht, und sie wird infolge der elastischen Federung der Schwingen völlig umgekehrt bei starkem Flügelschlag. Der Flügel eines anfliegenden Storches oder Huhnes hat beim heftigen Tiefschlag eine ausgesprochene Konvexität nach unten, die Höhlung ist vollständig durchgebogen, wie der Bogen eines altjapanischen Kriegers. Danach scheint es mir keinem Zweifel zu unterliegen, daß die Höhlung der Vogelflügel weil mehr dem Bedürfnis der Elastizität und der Erzielung einer möglichst ebenen, bei stärkster Anspannung sogar konvexen Flugfläche dient, als einer unmittelbaren Vergrößerung des Widerstandes.

Meine Untersuchungen haben gezeigt, daß gewölbte Flächen, die unter kleinen Neigungswinkeln wie Flugflächen dem Medium dargeboten werden, der Hauptsache nach eine Verschiebung des Widerstandes nach hinten auf den stärker zum Winde geneigten Teil derselben bewirken, unter gleichzeitiger Entlastung des Vorderrandes. Das tangentiale Einschneiden des Vorderrandes in die relative Windrichtung bedeutet zwar eine Verringerung des Stirnwiderstandes, aber dies wird auf Kosten der Stabilität erkauft, die doch von einem dynamischen Flugapparat in erster Linie gefordert werden muß. Lilienthals Verhängnis lag in der ungenügenden Stabilität seiner Maschinen. Hätte er seine Flugllächen weiter abgeflacht, hätte er statt der unglückseligen gewölbten Flächen ebene, oder besser noch flach konvexe Flügel verwendet, so wäre er nicht das Opfer seines Wagemutes geworden.

In einer Abhandlung über die Stabilität der Flugapparate1) habe ich dargelegt, daß allein die flach konvexe Flugfläche durch Selbststeuerung einen unbedingt stabilen Gang der Bewegung sichert. Die geflügelten Samen der javanischen Zanonia maerocarpa (Fig. 7)*) liefern dafür den praktischen Beweis; sie sind die vollendetsten Muster passiver Schweber, welche uns die Natur bietet. Schon in früheren Jahren hat Herr Prof. Dr. K. Müllenhoff solche Samen in unserem Verein demonstriert, und so zeigen auch jetzt die dem Hamburger Botan. Museum entlehnten Exemplare eine entzückende Flugbewegung und den momentanen Ubergang in die stabile Gleichgewichtslage, wie auch immer die Anfangsstellung gewählt werden mag.

Von den zahlreichen Versuchen mit gewölbten Platten möchte ich kurz nur zwei hervorheben, von denen die eine sich dem Strome unter einem Winkel von 25° darbietet, während die andere mit ihrer Sehne ungefähr in die Stromrichtung fällt. Die erslere zeigt an den Staukurven die erwähnte Verschiebung des Gesumtwiderstandes nach hinten, die letztere hat an der vorangehenden Flächenhälfte den Druck von der Oberseite, an der hinteren Hälfte von der Unterseite, es ist also ein starkes Drehungsmoment vorhanden, das die mangelnde Stabilität solcher Flächen bei kleinon Neigungswinkeln beweist.

Für die Kenntnis der aerodynamischen Vorgänge am Drachen bieten die Strömungsphotogramme und Stauversuchc viele wertvolle Aufschlüsse. Dies möge an einem Flächenpaar gezeigt weiden, das sich dem Strome ähnlich wie die Tragllächen eines Kastendrachen darbietet, freilich unter erheblich größerem Winkel, als es beim Drachen der Fall zu sein pflegt (Fig. 8). In dieser Stellung erscheint an der oberen Platte ein Drehungsmoment des Widerslandes, das eine steilere Lage des Systems zum Strome anstrebt.

An zwei parallelen Draehenllächen iFig. 9i sind die Widerstandsströmungen an der Rückseite der oberen Fläche stets viel umfangreicher, als hinter der unteren Platte. Man muß die untere wesentlich steiler stellen (Fig. 10), falls beide ein gleiches Strönningsbild geben sollen, doch hat dabei die letztere stets einen größeren Widerstand. Der Umfang des Widerstandsfeldes ist also für die Größe des Widerstandes nicht immer maßgebend.

Zum Schluß möchte ich noch zeigen, daß auch recht komplizierte hydrodynamische Vorgänge einer Klärung durch die angewandten Methoden zugänglich sind. Ich wähle dazu das Beispiel des Karpfen des Mai», das von Herrn Major Moedebeck wiederholt in unserer Zeitschrift besprochen wurde, i Heft i und 7 von HlOiJ d. Illuslr. Aeron. Mitteil.)

Mr. Palrick Y. Alexander aus Bath halte, ohne von der Existenz des Maikarpfen Kenntnis zu haben, einen * Aerosaek * mit zwei gegenüber hegenden verstellbaren Öffnungen hergestellt, der ein ganz ähnliches Verhalten im Winde zeigte, wie der Karpfen der Japaner. Bei genügend großer, vorderer Öffnung wird der Sack vom Winde aufgeblasen und übt dann auf

"i At'hiuul!. <1 N.itw, V.t. IUiiiL.nr,' 1^.17.

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das vorn befestigte Halteband einen Widerstandszug aus, der eine ganz bedeutende Größe erreicht, wenn die Muudüffnung bis zum vollen Durchmesser des Sackes erweitert wird.

Herr Major Moedebeek bat (III. Aöron. Mitt. 1903, S. 209) ein« au-

Flg. Ii».

sprechende, auch von Mr. Alexander bestätigte Erklärung des Windsaek-Phänomens gegeben und dieselbe dureh eine Zeichnung über die mutmaßliche Bewegung der Luit im Acrosack veranschaulicht. Auf Grund einiger hydrodynamischer Aufnahmen bin ich in der Lage, diese Erklärung in wesentlichen Punkten zu bestätigen, in anderen zu vervollständigen.

Zum Versuch wurde ein prismatisches Modell hergestellt, das denselben Längsschnitt hat, wie die von Herrn Major Moedebeck mitgeteilten Figuren des Aerosacks. Als dasselbe zu */:, seiner Höhe senkrecht in Wasser eingetaucht und dann mittels des Wagens in der Längsrichtung fortbewegt winde, zeigten sich sehr eigenartige Widerstandsströmungen und ein so kontrastreiches dynamisches Niveau, daß ich mich zur Herstellung stereoskopischer Aufnahmen entschloß, von denen ich in der glücklichen Lage bin, eines in Stereoprojektion1) vorzuführen (Fig. 11). Mit Benutzung der farbigen Brille sieht man an dem Bilde, bei dem die weitere Öffnung des Modells vorausgeht, daß sich das Druckmaximum über den ganzen Innenraum ausdehnt. Aus der hinteren, kleineren Öffnung stürzt ein Wasserfall zum weit tiefer liegenden äußeren Niveau hinab. Die Druckdifferenz des Innenraumes gegen die umgebenden Scitenstrüme ist eine sehr bedeutende und erklärt die stralfe Spannung des Sackes. Als Widerstand kommt, wenn wir von der Beibung absehen, nur der Druck gegen die llinlerwand des ganz geöffneten Sackmodells in Frage. Der Einfluß der hinleren Öffnung auf die Größe des Widerstandes bedarf weiterer Prüfung durch Vergleich mit den

•) Da* iweiforbifc Diapositiv ist na< Ii <lvm V-rfalin n von Dui'n* ilu liauron durch Herrn M. Patsold in Clii'nuiitz hugMlettl wonteu.

Zu „Fr. Ahlborn, Die Widerstandserscheinun^en in flüssiger Medien".

Fifi. II. Dynamisches Niveau und Strömungen des Wassers an einem eingetauchten

Modell von der Form eines Luftsackes.

Man betrachte Jas Bild durch die beigefügte farbige Brille* I derart, dass da-, rechte Augt durch die rote, das linke durch die grüne Scheibe sieht. Hann erscheint vor und hinter dem Modell eine Bug-und Heckwelle und zwischen beiden jederseits ein tiefes Tal geringen Hüssigkeit-drtickes. wahrend im Innenraum derselbe hohe Wasserstand und Druck wie in der Bugwelle herrscht, der den „Luftsack" gegenüber dem geringen Aussendruck gespannt erhalt. I)urch den Wasserfall an der hinteren, kleinen Oeffnung des Modells wird die Heckwelle sattelförmig herabgedrückt.

•> K* cmptU-hlt «ich, die fnrbi»:c Gelatine der Brill«: nicht mit Jen Km«ern zu berühren. J.i Ji-.'^iN- JuJurch Hctrtihi unJ unbrauchbar wirj

Berichtigung!

<irftnes I ilas rechts, nicht links!

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Vorgängen an einem hinten geschlossenen Modell; soviel aber glaube ich schon jetzt sagen zu können, daß eine Vergrößerung des Widerstandes weniger auf den Ablluß der «toten Luft * aus dem Inneren der Höhlung zurückzuführen sein wird, als auf die Wirkung des abfließenden Strahles auf die Druckverhältnisse im Minderdruckgebiet hinter dem Versuchskörper. Die sattelförmige Vertiefung der Heekwelle, welche das stereoskopische Bild zu beiden Seiten des austretenden Wasserstrahls mit großer Deutlichkeit erkennen läßt, beweist, daß hier eine Druckverminderung vorliegt, die eine Vergrößerung des Gesamtwiderstandes — gegenüber einem hinten geschlossenen Modell — wahrscheinlich macht.

Durch fortschreitende Verengung der vorderen und Erweiterung der hinteren Olfnung des Windsackes lassen sich die Widerstandserscheinungen beliebig abändern bis zu dem Extrem, daß die vordere Olfnung eng geschlossen, die hintere zum vollen Durchmesser des Sackes erweitert ist.

Die Wasserhöhe und der Druck im inneren des Gefäßes ist dann weit geringer, als an der Außenseite, die Flüssigkeit stürzt vorn vom Maximum in das nahezu leere Innere, die Heckwelle staut von hinten her in den Innenraum und das Medium strebt von außen die Wände des Sackes zusammenzudrücken, statt sie von innen aufzublähen.

Die Zeit gestaltet nicht, bei diesem Gegenstände länger zu verweilen; ich möchte nur noch Herrn Major Moedcbeck für die Anregung zu den zuletzt vorgeführten Versuchen danken, die ich aus seinen Mitteilungen über den ' Aerosak » geschöpft habe, namentlich aber auch unserem verehrten Vorsitzenden für die freundliche Einladung, durch die ich in die angenehme Lage versetzt wurde, in diesem Kreise über meine Versuche zu berichten. Ich glaube gezeigt zu haben, daß wir in den angewandten neuen hydrodynamisch-photographischen Methoden brauchbare und wertvolle Hilfsmittel gewonnen haben, die uns auch auf aerodynamischem Gebiete weitere Fortschritte in der Kenntnis der bisher so wenig geklärten Widerstandsfragen erhoffen lassen.

Deutsche Meteorologische Gesellschaft.

In den Tagen vom 6. bis 9. April fand in Berlin die 10. allgemeine Versammlung der Deutsehen Meteorologischen Gesellschaft statt. Die Sitzungen wurden durch eine längere Ansprache des Geh. Oberregierungsrats Prof. v. Hezold eröffnet. Er bezeichnete es als eine in seiner Eigenschaft als erster Vorsitzender der Gesellschaft gern geübte Pflicht und als eine lieh gewordene Gewohnheit, als Einleitung zu den Verhandlungen über den jeweiligen Stand der meteorologischen Forschung zu berichten, den seit der letzten Versammlung durchlaufenen Weg im Geiste zurückzuverfolgen und die voraussichtlich in nächster Zukunft einzuschlagenden Wege zu kennzeichnen. Seitdem dje Deutsche Meteorologische Gesellschaft zuletzt vor drei Jahren in Stuttgart getagt, ist vor allem die Aufgabe der Erforschung der höheren Luftschichten in den Vordergrund getreten. Erneute Anregung haben dazu die Verhandlungen der Internationalen Kommission für Luftschiffahrt vor zwei Jahren und die Dvaehenexperirnente gegeben, wie solche von Teisserenc de Port mit großer Konsequenz und bestem Erfolge ein ganzes Jahr hindurch

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in Jütland und durch die aeronautische Abteilung des Berliner meteorologischen Instituts beinahe ohne Unterbrechung l'/i Jahre tätlich angestellt worden sind, und zu der Feststellung geführt haben, dal» die ganze Luftmasse in der kurzen Zeit eines Tages ihre Temperatur ändern kann. Leider ist es noch nicht gelungen, den von Rotch und Berson empfohlenen Plan umfassender Untersuchungen der höheren Luftschichten über dem Ozean durch planmäßig ins Werk gesetzte Drachenaufstiege zur Ausführung zu bringen, von so ungeheurer Wichtigkeit solche Untersuchungen auch sein würden, Denn wir wissen, daß die Vorgänge in der Atmosphäre über dem festen Lande wesentlich bedingt und beeinflußt sind durch die verschiedenen Erwärmungen der Erdoberfläche: wir wissen ferner, daß die Erwärmungsverhältnisse des Meeres von denen des festen Landes sehr abweichend sind, somit auch der Einfluß des Ozeans auf die Atmosphäre ein ganz verschiedener sein muß; aber wir belinden uns leider noch nicht in der Möglichkeit, diese Verschiedenheit durch das Drachenexperiment festzustellen, trotz ihrer Wichtigkeit für die Erkenntnis der Gesamtheit der meteorologischen Vorgänge, da ja der Ozean zwei Drittel der ganzen Erdoberfläche bedeckt. Geheimrat v. Bezold bedauert es. daß sich noch kein Mäcen gefunden hat, um die nicht allzu hohen Kosten der Ausrüstung und Unterhaltung eines Dampfers von etwa PMM) Tonnen Gehalt mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten in der Stunde während einiger Monate des Jahres auf sieh zu nehmen. Der beabsichtigte Erfolg erscheint nach den auf einer Fahrt nach Spitzbergen von Berson und Elias gemachten Erfahrungen als ganz zweifellos; denn abweichend von den Störungen, denen das-- Drachenexperiment auf dem Lande durch den Eintritt vollständiger Windstille unterworfen ist, besitzt man auf der See, am Bord eines Dampfers, ja unausgesetzt die Möglichkeit, den für den Drachenaufstieg gerade geeigneten Wind durch die Schiffsbewegung zu schaffen. — Recht wichtige Ergebnisse, die unsere Kenntnisse der Vorgänge in der freien Atmosphäre sehr gefördert buhen, sind auch durch die auf dem Potsdamer Observatorium durch die Professoren Sprung und Siiring ausgeführten Wolkenbeobachtungen gewonnen worden. — Auf dem Felde der theoretischen Forschung stehen die Beziehungen zwischen den Vorgängen auf der Sonne und den Zuständen unserer Atmosphäre im Vordergründe des Interesses. Daß die Fleckenbedeckung der Sonne ein Maß für die Tätigkeit in der Somienatmosphärc ist. darf für mehr als wahrscheinlich gelten, ebenso, daß hierdurch bis zu einem gewissen Grade die Temperatur an der Sonnenoberfläche und die Intensität ihrer Wärmeausstrahlung Änderungen erfülltt. Deshalb ist ein Zusammenhang zwischen der Fleckenhedeckung der Sonne und den meteorologischen Vorgängen im Luflincer sicher und ein Parallelismus zwischen Sonnenflecken und Temperatur auf dir Erde, besonders in den Tropengcgenden, nicht überraschend. r'ür die gemäßigten Klimate aber schien nach früheren Untersuchungen ein solcher Einfluß unwesentlich zu sein. Neuerdings wollen nun französische. Beobachter gefunden haben, daß die bisherige Amiahme, die srninenlleckcnreichen Jahre seien in den Tropen durch besondere Wärme, in der gemäßigten Zone aber durch Kühle ausgezeichnet, nicht zutreffe, es sei vielmehr umgekehrt. Geh. Bat v. Bezold hält diese Ermittlung für richtig und erklärt die Abkühlung in den Tropen trotz stärker zuströmender Wärme durch die gesteigerte Wasserverdunstung. Vermehrung des tropischen Wolkengürtels und hierdurch wieder herbeigeführte Abkühlung, wogegen der in den gemäßigten Zonen absteigende Luftstrom hei seiner großen Wärme der Klarheit des Himmels, dadurch vermehrter Sonnenstrahlung und einer Erhöhung der Temperatur zugute kommt. Für die kalten Zonen wird das Problem des Einflusses der Sonnentlecke auf die meteorologischen Vorgänge deshalb zu einem sehr verwickelten, weil hier die Temperatur der Meeresströmungen sehr bestimmend für die meteorologischen Vorgänge i>t und die Geschwindigkeit des Transportes der Wärme bei diesen Strömungen naturgemäß eine viel langsamere ist als bei dem Lufttransport. Nach allein handelt e-. sieh bei ihr B.-obachluug dieser Zusammenhänge um wichtige, weitaussehende Fragen, die sorgfältigsten Studiums bedürfen, falls jemals dem Problem der Wettervoranshestimmung auf längere Zeit näher getreten werden soll. Wichtige Aufgaben stellen ferner die Beziehungen, die sich aus der er-

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kannten Abhängigheit der Nordlichter von den Sonnenflecken zwischen Sonnenphysik und der Physik unserer Atmosphäre ergeben. Diese Fragen haben durch die magnetischen Gewitter am 31. Oktober und 1. November v. J. neue Anregungen empfangen. In engem Zusammenhange damit stehen die Untersuchungen über die Elektrizität der Atmosphäre, und es ist zu begrüßen, daß sich eine internationale Vereinbarung vorbereitet zur planmäßigen Anstellung solcher Untersuchungen über die ganze Erde während zweier Jahre. Dabei wird voraussichtlich auch der Frage näher getreten werden, ob die Erdoberfläche von elektrischen Strömen durchsetzt ist oder nicht. Ein einfaches Mittel für diese Untersuchung hat schon Gauß in Gestalt magnetischer Messungen im geschlossenen Kreise angegeben. Geh. Rat v. Bezold schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Betrachtungen mit dem Hinweis darauf, daß es auch in der Meteorologie keinen Stillsland gebe, daß die Horizonte und mit ihnen das Arbeitsfeld sich unausgesetzt erweitern und die Beziehungen zum praktischen Leben zahlreicher würden, wofür nächst Wetterprognosen, Sturmwarnungen etc. die Betätigung der Meteorologie für die gesamte Wasserwirtschaft, für die Verhütung oder Verminderung der Überschwemmungsgefahren als Beispiel anzusehen sei.

Es sprachen hierauf Professor Dr. Schubert-Eberswalde über den Einfluß des Waldes auf das Klima nach neuen Beobachtungen der forstlichen Versuchsanstalt in Preußen und Dr. Meinardus-Berlin über Wassertemperaturschwankungen an der westeuropäischen Küste.

Am zweiten Sitzungstage sprachen Professor Dr. Sprung über eine automatisch wirkende Vorrichtung zur Erweiterung des Meßgebiets des Registricr-Elektrometcrs, Dr. Elias über eine Methode zur Registrierung der Luftelektrizität in der freien Atmosphäre, Professor Dr. Schmidt über die Grundzüge eines Planes zur laufenden systematischen Bearbeitung der Beobachtungen über magnetische Störungen, Dr. Steffens über neue meteorologische Instrumente und Professor Dr. Schübert-Eberswalde über den Wärmehaushall im festen Lande, im Meere und in der Atmosphäre. Uber die Untersuchungen von Schubert und von Elias werden in dieser Zeitschrift an anderer Sielte noch ausführlichere Mitteilungen erscheinen. — Nachmittags wurde das meteorologisch-magnetische Observatorium in Potsdam besichtigt.

Der dritte und letzte Sitzungstag galt im wesentlichen denjenigen Erscheinungen, die für die tägliche Weltervorausverkündigung von besonderem Interesse sind. Als Erster sprach Professor Möl 1 er-Braunschweig über die atmosphärische Flut- und Ebbebewegung der Luft, dann Dr. Lcss-Berlin über die Wanderung sommerlicher Hegenfällc durch Deutschland, Dr. Polis-Aachen über die Niederschlagsbildung in den Zyklonen, Professor Dr. Börnstein-Berlin über den jährlichen und täglichen Gang des Luftdruckes in Berlin und Professor Dr. Holdefleiss-Halle über die meteorologischen Ursachen des Aus-winterns des Getreides.

Am Nachmittage dieses Tages fand ein Besuch des aeronautischen Observatoriums und des Kasernements des Luflschiffer-Bataillons in Reinickendorf statt. In Beinickcn-dorf überraschte besonders die ganz außerordentliche Geschwindigkeit und Präzision der Füllung eines WasserstofTballons, sowie das exakte Arbeiten der funkentelegraphischen Station. Seitens des Observatoriums wurde ein unbemannter Registrierbullon aus Gummi hochgelassen, der auf Grund einer wichtigen Verbesserung durch Geheimrat Professor Dr. Assmann jetzt nicht mehr in der Luft zerplatzt und seine Instrumente durch Fallschirm zur Erde tragen läßt, sondern selbsttätig das Ventil öffnet und das Gas entweichen läßt, sobald er sich bis zu einer gewissen Grenze ausgedehnt hat. Auch der Ballon gelangt also unzerstört wieder zur Erde.

Der Berliner Verein für Luftschiffahrt hatte den Meteorologen einen Ballon zu einer Freifahrt zur Verfügung gestellt. Die Fahrt, an welcher sich Professor Dr. Koppen-Hamburg und Weidcnhagen-Magdeburg unter Führung von Professor Dr. Sühring beteiligten, fand bei prächligem Wetter am 12. April statt und endete nach fünf Stunden bei Sprottau in Schlesien. ;^ '

lllu8tr Acronaut. MiU.jil. VIII. Jahre.

Flugtechnik und Aeronautische Maschinen.

Zu dem Artikel „Ein Besuch bei Herring"

(2. Heft. Seite 54 und 4. Heft, Seite 1441. Unser Korrespondent in New-York ist erfreulicherweise in der Lage, stets mit größter Beschleunigung über das neueste an flugtechnischen Errungenschaften zu berichten. Dabei wäre es aber nicht durchführbar, alle Angaben über Einzelheiten noch vor der Berichterstattung durchzuprüfen. Es folgt hieraus die Notwendigkeit wiederholter Ergänzungen oder auch Berichtigungen. So auch hier zu dem oben bezeichneten Artikel in einzelnen Abschnitten desselben:

Zu Abschnitt 1. «Der Widerstand und die Tragkraft der Luft.» Es wurde gesagt: das höchste leistet der natürliche Flügel. Es gibt jedoch künstliche Tragflächen, die mehr leisten und weniger Kräfte besitzen. Der natürliche Flügel ist den künstlichen Tragorganen darin überlegen, daß er unter vielen verschiedenen Luftstoßwinkeln einen höheren Durchschnitt an Tragkraft ergibt.

Der Querschnitt der prinzipiell besten Tragfläche ist weniger der skizzierte, als nahezu der folgende: ^^"^ ~~ * Einem seitdem in der neuen Zeitschrift

«Gas Power» erschienenen Artikel «High Speed Engines» ist die nebenstehende Photographie dieses Motors, sowie die folgende nähere Beschreibung entnommen: «Dieser Benzinmotor ist vielleicht der leichteste und kleinste im Verhältnis zu seiner Kraft, der je hergestellt wurde, da er fast '/• Bremspferdekraft entwickelt und nur 2 Pfund wiegt. Beim anhaltenden Laufen kann man sich indessen nicht ganz auf dieses Maximum verlassen,1) trotzdem fällt seine Kraftentwicklung während eines kontinuierlichen Ganges von mehreren Stunden niemals unter die Grenze dessen, was der Zweck, für den er entworfen wurde, erfordert, nämlich: eine kleine Modelflugmasehine zu treiben. Tatsächlich läßt er einen Lberschuß an Kraft verfügbar, der dazu gebraucht werden könnte, um das Modell viele Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 25—.30 Meilen die Stunde zu treiben.

Em ist allerdings zu bemerken, daß diese kleine zweipfün-dige Maschine mehr zu bauen kostet, als eine gewöhnliche vier-bis fünfpferdige. und da sie enorm schnell läuft, wird sie nicht lange aushalten, sofern sie nicht mit der extremsten Sorgfalt behandelt wird. Bis jetzt hat sie nur das Equivalent von höchstens ISO Stunden anhaltenden Laufens gehabt, während welcher Zeit sie so viele Umdrehungen gemacht hat. wie eine gleichmäßig laufende stationäre Maschine sie in 6 Monaten bei täglichem achtstündigem Gang machen würde. Sie zeigt indessen nur geringe Abnutzung. Aus der Photographie ist die Maschine leicht zu verstehen. Oben sind zwei Ventile, ein Auslaß- und ein Einlaßventil, das letztere mit dem Karburator verbunden, der vorn zu sehen ist. Das Benzin wird diesem in einem feinen Strahl zugeführt, der stetig etwa Pfund die Stunde liefert. Beim langsamen Laufen, unter 1500 Umdrehungen die Minute, bleibt die Hälfte davon unbenutzt, aber beim Laufen mit voller Kraft, gegen 3300—1000 Umdrehungen die Minute, wird beinahe alles von der Maschine aufgebraucht. Ein Tropfen, so groß wie ein Wassertropfen, reicht für mehrere Kolbenhübe.

«Im Dienst» treibt der Motor eine zweiflügelige Schraube, die aus dünnem Stahl' röhr besteht, das mit straffgespanntem Zeug überzogen ist. Sie ist 23'/* Zoll im Durchmesser und dient als Schwungrad, ihr Gewicht beträgt 0,28 Pfund. Der innere Zylinder') Wegen Übcrhit/.ung. (D. Cben.)

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durchmcsser und uVr Kolbenhub Wer Maschine sind beide ziemlich 1 Zoll. Die Strahlungsrippen sind aus dem ganzen Slück herausgearbeitet. 1 tie Ventile und der Kniben sind noch besonders vor der Hitze geschützt und der Ventilsilz ist durch Öl gekühlt. Die Hauptnovilät bildet die Zündvorrichtung, welche dem Primärstiom-'llamrnerschlag»-Typus angehört, der eine solch ungewöhnlich schnelle Stromunlerbrerhung ergibt, daß nur die kleinste Funkenrolle und Hatlerie nötig ist. Die Kunkenrolle wiegt nur 0\2H Pfund, hat ungefähr 700 Windungen .feinen Drahtes und ist 2'* Zoll lang. Die Hatterie besteht aus vier kleinen «Hausinacher« (honie made) Trockenelementen, gegen 1 Zoll im Durchmesser und IS Zoll lang, von denen ein jedes etwa 2 Enzen wiegt. Der Maximumstrom im Kurzschluß ist zwischen 0.:i und tlA Ampere und die Konlaktdauer betrügt etwa ',»o der Zeit, während welcher die Maschine im Gang ist. Die Hatterie bat -M Volt Spannung bei -t Ghlorsilberelemcntcn. Der Klektnzitätsvcrbrauch ist daher elwa '»v Watt, während die Zündvorrichtungen der meisten Maschinen 2—f Watts verbrauchen. Zu Abschnitt ."1. 'Das Instrument zur F.rzielung des Vortriebs.»

Itoi der Beschreibung des Kerzenexperiments ist die Entfernung mit il in etwas zu reichlich angegeben. ib. r>H. Z. 21) von oben.)

Zu Abschnitt i. «Die Form und Art des Apparats. >

Die Herringsche nichl Ghanu(esche) Urheberschaft der besonderen rechteckigen Tragllächenkonstiuklion *) erscheint umso wichtiger, als außer den Brüdern Wrighl auch Gustav Whilehead und Hauptmann Ferber sie adoptiert haben. Sogar Dr. A. G. Bell kam zulelzt auf eine ähnliche Form.

Zu Abschnitt 5. «Die Ausdehnung der Trageflächen.»

Die Breite der Ihn Inn ist im! t.i—~iO cm zu reichlich angegeben.

Zum Schluß: Aus «(Jas Power»: • Heiin Flug hat der Passagier «las faszinierende Gefühl, als ob die Maschine sich auf einer Unterlage bewegte, die so glatt und schlüpfrig wie Kis und dennoch so weich wie Flaumledern ist. Das Interessante an der Zukunft der Flugmaschine ist. daß sie weniger Kraft und weniger Mechanismus erfordert als ein Automobil. Die Kosten, soweit nicht Patente mitreden, werden nichl größer sein. Wenn eine Prophezeihung gestattet ist. so wird sich die Flugmaschineninduslrie in der nahen Zukunft weit schneller und plötzlicher entwickeln, als es beim Automobil der lall war. Db.

Kleinere Mitteilungen.

Gelegentlich eines «Diner Couferetice" im Aero-Club zu Paris machte M. Nicolleau auf Differenzen zwischen den von Tatin und den von Henard fiir Schrauben aufgestellten Zahlen aufmerksam Tatin erklärt dies dahin, daß die Renardschen Zahlen auf die von ihm versuchte Schraube, nicht aber auf Luftschrauben im allgemeinen anzuwenden seien. Henard selbst betont, wie sehr die Luftschraube noch vervollkommnungs-rähig und wie erklärlich es sei. daß die gewonnenen Zahlen mit den Änderungen der Schrauben sich selbst ändern. K. N.

Die Aiifhcbime des LiirtseliHTer|Mirks rem Uigoiibrait In Tonlon erregt fortdauernd die französische Presse. Von vielen Seilen wird darauf hingewiesen, daß ein Beobachtungsballon in Porl-Arlhur halle schlimme Dinge verhindern können. Die vorwiegende Meinung geht dahin, daß statt Aufhebung des Ton Inner Parks die Erweiterung seines Betriebes und die Errichtung von Luflschiflerpnrks in l'lierbourg für die KanaltloMe und in Hoche-

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fort für den atlantisdien Ozean sich empfohlen hätte, und daß jedes Geschwader mit Kaptiv-ballons auf dem Admiralschiffund auf dem Hauptkreuzer versehen werden solle. Auch wird der Einrichtung von Wasserstoffapparaten auf Schiffen das Wort geredet. K. N.

Aeronautische Vereine und Begebenheiten.

Berliner Verein für Luftschiffahrt.

287. Versammlung am 25. April 1904. Nach Verlesung der Protokolle der letzten beiden Sitzungen vom 15. Februar und 21. März wurden die Namen der 12 neu aufzunehmenden Mitglieder verlesen. Es hielt sodann Herr Kempner unter Begleitung einiger Lichtbilder den an anderer Stelle dieser Blätter ausführlich wiedergegebenen Vortrag über «Die Aeroplane in Theorie und Praxis». In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion sprach Hauptmann von Tschudi die auch von Herrn Kempner ohne Widerspruch gelassene Ansicht aus. daß die Erfindung und Herstellung eines den theoretischen Berechnungen im vollsten Umfange Recht gebenden ACroplans nutzlos bleiben werde, solange nicht auch eine Methode erfunden und angewandt würde, das Fahrzeug automatisch zu stabilisieren. Ober die in letzten -1 Wochen unternommenen Freifahrten berichtete im allgemeinen der Vorsitzende des Fahrtenausschusses Hauptmann von Kehler, daß ihrer !) stattgefunden haben, darunter je eine von Breslau, Neumünster und Weimar aus, und daß alle glatt und günstig verlaufen seien. Von den einzelnen Fahrten berichteten hierauf die Ballonführer oder Teilnehmer derer wie folgt : Oberleutnant Spangenberg fuhr am 28. März unter Führung von Hauptmann Sperling bis nach der holsteinischen Schweiz und landete in der Nähe von Grevesmühlen. Unterwegs wurde Willslock gesichtet und während einer Stunde die Ostsee gekreuzt, später der Kieler Hafen in ganzer Ausdehnung gesehen. Baumeister Micßner hatte bei starkem Ostwind an demselben Tage schwierigen Aufstieg an der Charlottenburger Gasanstalt und mußte, um von deren zur Windrichtung ungünstig gelegenen Gebäuden schnell abzukommen, viel Ballast opfern, sodaß nur 5 Sack Ballast noch vorhanden waren, wovon für die Landung ein Best von 1 '/i Sack verblieb. Der Ballon (log mit 50 km Geschwindigkeit in der Richtung auf Wismar. Die höchsterreichte Höhe war 1300 m. Während 3'/* Stunden hielt sich der Ballon in Höhe von 11 - 1200 m. Malerisch war der Anblick von Schwerin, dem Schloß und dem See. «loch wurde bei der Ungunst des Terrains vorgezogen, nach kurzer Schlciffahrt erst bei Gadchusch zu landen. — Oberleutnant von Kleist stieg am Oslersonnahend um St Uhr bei klarem Frühlingswetter in Begleitung der Herren von Herder und von Rössing auf. Bei der mäßigen Fahrtgeschwindigkeit von 25 km war die Dichtung erst östlich, später südlich. Einen schönen Anblick gewährte ein aufbrauendes Gewitter, das anfangs rechts und links vor dem Ballon, später in Gestalt einer großen Wolke vor dem Ballon stand. Nach zweimaligem Donner ging die Landung nach nur zweistündiger Fahrt glatt von statten. — Oberleutnant de le Roi stieg in Begleitung des Herrn Bitterguisbesitzers Koch und Martini in Weimar auf. Da das Wetter schön war, die Schulen frei halten, so wohnten dem Aufstieg wohl 2- 3000 Menschen bei. Die Füllung des Ballons nahm Ii Stunden in Anspruch ; die Fahrt, welche nur Hi km weit führte, dauerte 3 Stunden. Die Landung erfolgte glatt auf freiem Felde zwischen Allstedt und Winkel und wurde den Weimaranern durch ein auf den Siraßen ausgerufenes Extrablatt verkündet, — Oberleutnant Hering begegnete auf einer mit 1H m pro Sekunde Geschwindigkeit vor sich gehenden Fahrt besonders schönen Wolkengebilden, kreuzte Schwerin und Lübeck und landete nach 5<N) in langer Schleiflährt in der Nähe von Piikwalk. Nurh am letzten Sonnabend den 23. April führte Oberleutnant Spangenberg mit dein Ballon «Sigsfeld» eine glatt verlaufende Fahrt bei schönem Woller nach Mecklenburg aus. Sie endete in der Nähe der Eisenbahn, der Ballon war schnell geborgen und verladen, sodaß gern der Einladung

zweier ehemaliger Offiziere, die herbeigekommen waren, Folge gegeben werden durfte. — Oberleutnant von Frese endlich fuhr am 20. April nach seiner Garnison Lüneburg.

Noch teilte Hauptmann von Kehlcr mit, daß auf Antrag des l'osener Vereins ein Ballon dahin auf 14 Tage leihweise abgegeben werden soll. — Hauptmann von Tschudi berichtete ferner über das Ergebnis der Preiskonkurrenz bezüglich eines zuverlässigen Winddruckmessers. Es waren über 100 Bewerbungen eingegangen, sodaß die Prüfungskommission vor einer schwierigen Aufgabe stand. Davon wurden indessen in der ersten Sitzung der Kommission alle bis auf 7 als ungeeignete Lösungen der Aufgabe beseitigt. Von den verbleibenden 7 wurden in einer zweiten Sitzung noch ö ausgeschlossen und in einer dritten Sitzung die restlichen 2 als gleichwertige, den Bedingungen der Aufgabe in vollem Maße gerecht werdende Lösungen anerkannt. Als deren Urheber wurden ermittelt Herr Torpedooberingenieur Giessa und Herr Dr. Ingenieur Beißner in Verbindung mit Herrn Mechaniker Fueß, und dem Erstgenannten öOOO. den an zweiter Stelle Genannten 8000 Mk. zugesprochen. Beide sind als ebenso befriedigende, wie schöne Lösungen der gestellten, wichtigen Aufgabe anzuerkennen. In nächster Versammlung wird über sie ausführlich berichtet werden. — Noch berichtete Oberleutnant de 1c Boi über die Ergebnisse des Versuchs der Kommission, welche im vorigen Sommer zur Prüfung der Frage niedergesetzt worden ist. wie der Gefahr beim Landen des Ballons zu begegnen ist, daß in Folge einer elektrischen Ladung des Ballons im Augenblick der Berührung mit dem Erdboden Explosion eintritt. Die Kommission empfiehlt als das geeigneste Schutzmittel die Anbringung einer Ventilleine, die im Innern einen mit einem Kupferdraht in zahlreichen Windungen umgebenen Bindfaden besitzt. Das Ende dieser Leine ist mit einer unter dem Korbe befindlichen Metallschiene verbunden, sodaß die Kniladung bei der Berührung des Korbes mit dem Erdboden stattfindet. Herr Dr. Haas äußerte auf Grund seiner praktischen Erfahrungen als Elektrotechniker gegen die Umwind im g der Bindfademeele mit Kupferdraht Bedenken, weil infolge der spiralförmigen Wickelungen des Drahtes Induktionsströme entständen, die eine Verzögerung der Ent-adung befürchten ließen. Das Entstehen von Funken sei also nicht mit Sicherheit ausgeschlossen. Auf Vorschlag von Geheimrat Busley beschließt die Versammlung, daß die Kommission erneute Versuche unternehmen solle, bei denen auch Herr Dr. Haas seine praktischen Erfahrungen zur Verfügung stellen würde. Man dürfe nicht eine Sicherheitsmaßregel zur Verhütung von Explosionen bei landenden Ballons einführen, wenn dieselbe durch die Art ihrer Ausführung eine Explosion befürchten ließe. Herr Professor Marckwald erklärt sich bereit, in der Kommission die Versuche wieder aufzunehmen, und bittet Herrn Dr. Volckmann, kooptieren zu können, welchem Vorschlage beigestimmt wird.

Nach dem Schluß der Versammlung vereinigte die Teilnehmer ein Abschiedsmahl, das zu Ehren der nach Südwestafrika zur Einrichtung von Funkenstationen abrückenden Herren Oberleutnant Hacring. von Kleist und Lt. Horn stattfand. A. F.

Münchener Verein für Luftschiffahrt.

Dienstag den 10. Mai 1904 fand abends 7 Uhr im Vereinslokal (Hotel Stachs die letzte Sitzung vor den Sommerferien statt, in der Prof. Dr. C. O. Harz einen Bericht über die am 22. März 190t unternommene Vereinsfahrt gab, bei der der Vortragende wieder einige Messungen über den Bakteriengehalt der freien Atmosphäre vorgenommen hat. An der von Prof Dr. K. Heinke geleiteten Fahrt beteiligten sich ferner noch die Vereinsmitglieder Direktor E. Scherkel und Bankbeamter J. Wittmann. Der Aufstieg erfolgte morgens 8.23 vom Übungsplatz Oberwiesenfeld der Kgl. b. Militär-Luftschifferabteilung aus. 8.32 wurde die Isar in etwa 900 m Hoho überflogen.

Uber dem Ebcrsbcrger Forsl, den die Luftschiffer in 1400 m Hohe passierten, entnahm der Vortragende bei fallendem Ballon die ersten beiden Luftproben zur Bestimmung der darin enthaltenen Keime. Von 10.51 bis 11.09 befand sich der Ballon

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«Sohneke» über dem Chiemsee, wobei sieh die bekannte herabziehende Wirkung von Gewässern auf Ballons besonders stark geltend machte. Diese «deprimierende» Wirkung des Chiemsees konnte erst durch Ausgabe von 18 kg Daliast ausgeglichen werden. Nun wurden die dritte und vierte Luftprobe entnommen, und zwar erstere bei fallendem, letztere sei steigendem Ballon. Ks war 11,231, als die Luftreisenden die München-Salzburger Bahnlinie unter sich hatten, und zwar dicht südlich von Traunstein; kurz darauf wurde bei sinkendem Ballon die fünfte Luflprobe aspiriert.

Nach Überschreitung der Saalach erhob sich der <Sohneke» bis auf 2KK) m. der Maximalhöhe bei dieser Fahrt. Diesen Aufstieg benutzte der Vortragende zur Entnahme einer sechsten Luftprobe, während die siebente wieder im Fallen eingepumpt wurde. Die Fahrt endigte 12.23, also nach 4ständiger Dauer, auf etwas feuchtem Boden, 5 ktn östlich von Salzburg. Die zurückgelegte Strecke beträgt 124,5 km, die mittlere Geschwindigkeit 8,7 m in der Sekunde.

Die von dem Vortragenden ausgeführten bakteriologischen Untersuchungen, deren vollständige Verarbeitung noch nicht abgeschlossen ist, haben bisher folgendes ergeben:

Die Zahl der im Liter eingesogener Luft befindlichen Keime betrug in der Luftprobe I 1,(5 (fallender Ballon), .. ., .. II U.7 ,. ., ,. III 1,11

.. : IV 4.J) ''steigender Ballon), ., V 0.5 (fallender Ballon),

., .. VI 4.95 isteigender Ballon!, „ VII 0.5 (fallender Ballon).

Es zeigt sich, daß die Zahl der Keime bei steigendem Ballon erheblich höher gefunden wird, als bei sinkendem Ballon. Das war a priori wahrscheinlich, da ja beim Steigen dem Aspirator Luft zuströmt, die vorher mit dem Ballon hezw. «1er Gondel in Berührung gewesen ist. Bemerkenswert ist ferner, dal» bei der beschriebenen Fahrt in der Volumeinheit Luft ganz außerordentlich viel weniger Mikroben enthalten waren als bei der am 24. März 15K»3 unternommenen ersten «Baklerienfahrt», deren Ergebnisse der Vortragende eingehend im Jahresbericht W03 des Vereins p. Utt—56 niedergelegt hat. Damals wurden für die überraschend große Zahl von Spaltpilzen, die in Höhen von 1500—2.300 m gefunden waren, aufsteigende Luftströme verantwortlich gemacht. Dr. II. Emden hat an gleicher Stelle (p. 55— 5(5) das Zustandekommen solcher aufsteigenden Luftslröme äußerst klar erläutert und die Notwendigkeit ihrer Bildung an jenem Tage (24. März l!MB) aus den während der Fahrt vom Ballonführer, Freiherr K. v Bassus, ermittelten Temperaturverhältnissen abgeleitet Dr. W. 0. Babc.

Niederrheinischer Verein für Luftschiffahrt.

Die März-Versammlung des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt fand am 28. März l!K)4 im Festsaale der Gesellschaft Union unter Vorsitz des Herrn Oberbürger-meislers Dr. Lcntze stall. Es wurden 70 neue Mitglieder in den Verein aufgenommen, wodurch die Zahl 350 überschritten ist. Zu den Fahrlberichlen erhielten das Wort: Herr Oberlehrer Dr. Weher i'Fahrt vom 27. Februar). Herr Dr. Strauß i Fahrt vom 3. März) und Frau Dr. Sieboitrg Fahrt vom 1(5. März liKlfi

Am 27. Februar herrschte sehr ruhiges, teilweise bewölktes Welter. Die Luft-hewegung erfolgte in den unteren Schichten aus Osten Der Ballon stieg aber bald auf 1500 m und gelangte in westlicher Strömung bis über Mülheim. Die unlere Strömung trieb ihn wieder nach dem Bhein. der südlich Duisburg übet-rhntfenwurde. Bald darauf brachte die Sonne ihn wieder auf :500t) in, der Westwind setzte wieder ein und führte die Luftreisenden wieder zurück, sodaß sie nach 5 slündiger Fahrt bei Solingen glatt landeten.

Der 3. März war internationaler Tag. Herr Dr. Strauß wissenschaftlicher Beobachter. Es herrschte lebhafter Ostwind. Außer dem Führer fuhren nur zwei Herren mit. Der

Ballon durchstieß die Wolkendecke, die bis etwa 1*200 m reichte und erhob steh infolge Erwärmung in 2 Stunden bis auf 2500 m. Nach 2',* Stunden wurde zur Orientierung unter die Wolken gegangen. Sowohl beim Auf- wie Abstieg zeigte sich deutliche Temperaturumkehr in Höhen von 1500 -1800 m. Der Ballon stieg dann nach erfolgter ßallastausgabe bis zur Höhe von +850 m (größte Höhe, die der «Barmen» bisher erreicht hati. Leider war vorher das Aspirationspsychrouieter abgeschnitten worden, daher keine weiteren Ternperaturbeobachlungcn. Nach Verlauf einer Stunde wurde wieder durch 2 Wolkenschichten heruntergegangen, die unterste von 1500 m bis 200 in. Dadurch abgekühlt, war der Ballon trotz Ausgabe des ganzen Ballastes schwer zu dirigieren. Eine Telegraphenleitung längst der Bahn Hertogenbusch—Nymwegen konnte nicht übersprungen werden und die Landung wurde schließlich in der Luft vorgenommen, weil der Korb an einer Telegraphenstange hängen blieb.

Die Fahrt am 16. März hatte bei Nordwestwind günstige Aussichten für lange Dauer. '■« vor 10 Uhr erhob sich der Ballon und war bald von dichtem Nebel umgeben, den er rasch zu strahlendem Sonnenschein durchflog. Lärm von Fabriken, Eisenbahn. Schwebehahn usw. aus den beiden großen Wupperstädten ließ sich noch vernehmen. Bald hörte jedes Geräusch auf und der Ballon slieg höher. Allmählich gestattete der Nebel hier und da einen Durchblick, die Aussicht wurde klarer. Ks war völlig windstill und es wurde bemerkt, daß sich der Ballon nicht mehr fortbewegte, er drehle sich nur um seine Achse. Jetzt wurde das Schleppseil herausgelassen. Der Ballon schwebte über der nächsten Umgebung von Elberfeld-Sonnborn. Westlich am Horizont war als heller Streifen der Rhein sichtbar und von den Wolken verhüllt eine größere Stadt, wohl Düsseldorf. Die Temperatur betrug hier bei 120*1 tu Höhe 5—1!° unter Null: es war jedoch im Sonnenschein behaglich warm. Hauptmann von Bappard vermied es. den Ballon sinken zu lassen, da unterhalb Wolken sich in verschiedenster. Dichtungen bewegten. Nach etwa einer Stunde trat der Ballon den Rückweg nach den Wupperstädten an. Durch die erste Brieftaube ließen die Fahrer nun die Barmer wissen, daß sie sich langsam Barmen wieder näherten. Fräulein Tmost winkte ihrem Eltorn-hause zu. Die Häuser in Barmen waren zu erkennen. Der Berichterstatterin Gemahl, durch die Taubenpost aufmerksam gemacht, stand auf seines Daches Zinnen und konnte den Ballon beobachten, der sich um diese Zeit '/« vor 12 Uhr über dem «Lichtenplatz» befand. In der Taubendepesciie war die Höhe mit +50 m irrtümlich angegeben. Das Baio-meter funktionierte nicht. Der Barograph zeigte später 1200 m. Am Toelletnrm vorbei langsam Bonsdorf zu ging die Fahrt um Mitlag gegen Lüttringhausen. Lennep und Remscheid. Der Ballon hatte hier I4O0 m erreicht und zog mit Fußgängergeschwindigkeit über die Stadt hinweg. Die Wupper übte ihre Anziehungskraft aus, und so zog der Ballon langtam ihren Lauf verfolgend dem Rheinstrome entgegen.

Als ganz in der Ferne der Cnlncr Dom und die verschiedenen Rheinhriirken Cölns auftauchten, wurde '»2 Uhr das eiste Glas Sekl auf den deutschen Rhein und das alte Cöln geleert. Die zweite Brieftaube wurde abgeschickt. Leichlingen. Opladen. Mülheim am Rhein mit Leverkusen wurde überllogen. Militärmusik schallte herauf, doch konnte man keine Truppen erkennen Dagegen bot sich ein ziemlich klares Bild von Cöln. Plötzlich wurde durch eine andere Luftströmung der Ballon nach Nordwesten gegen Düsseldorf getrieben. Bei dem Städtchen Monheim wurde um + Ihr der Rhein gekreuzt. Der Rhein macht hier starke Riegungen und bei der wechselnden Windrichtung kamen die Luftfahrer dreimal über den Strom. Um 7« vor 5 Uhr ging die letzte Brieftaube ab. mit dei Meldung, daß der Ballon 1SOM m hoch sei. zum drittenmal über den Rhein schwebe und daß man allmählich an den Abstieg dachte. Fräulein Troost protestierte energisch gegen eine Landung in der Nähe des nassen Elements. Die Sonne halte sieh verhüllt und so sank der Ballon auf etwa KHK) m herab. Hier war es empfindlich kalt und da der Boden nicht geeignet war zum Landen, wegen veischiedener Waldungen und Sümpfe, wurde der Ballon wieder höher gebracht und erreichte hier seine höchste Höhe von 2100 m. Die Zeit mahnte nun ernstlich zum Abstieg. Da der Knoten der Ventil-

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leine am Ballon durch Zug sich nicht loste, unternahm Herr Oberleutnant Schilling die Aufgabe, auf den Band des Korbes zu klettern und den Knoten loszubinden. Jetzt wurde das Ventil geöffnet, der Ballon sank, und nun begann der lustigste Teil der Fahrt. In einem lebhaften Luftstrom eilte der Ballon in wilder Jagd über Städte und Dörfer hinweg. Auf 100 m Höhe gesunken, schleifte das Schlepptau jetzt über den Erdboden. In den Gehöften wurden Tauben aufgescheucht, Hühner und Gänse stoben auseinander, auf den Feldern nahmen die Hasen Reißaus. Schon nahte sich der letzte kritische Teil der Landung mit Klimmzug, als plötzlich 2 Hindernisse in den Weg kamen, ein Strohhaufen und die Mauer eines Bauernhofes. Diese waren durch Ballastausgabe zu nehmen. Der Ballon erhob sich nochmals zu ,400 m Höhe, überflog ein Bahngleis und mehrere Landstraßen, um dann endgültig auf einem Acker zu landen. Einige Meter vom Erdboden wurde gerissen. Mit sanftem Ruck berührte der Korb den Boden, der Ballon legte sich auf die Seite, zog den Korb um und schleifte die Insassen in buntem Durcheinander noch 30 m weit. Hiermit endigte die 8 stündige schöne Fahrt ';'« Stunde von Grevenbroich. Nach freundlicher, gastfreier Bewirtung mit Kaffee, Eiern pp. auf dem Gute Vollrat hatte die dortige Bäuerin einen Milchwagen, statt des abwesenden Luxuswagens, mit warmen Decken herrichten lassen, unter lebhaftem Bedauern. Fort gings über holperigen Acker Grevenbroich entgegen. Fräulein Troost erklärte die Fahrt mit dem Milchwagen für viel gefährlicher, als wie die mit dem Ballon Zum Schluß wurde Herrn Flöring Dank erstattet für die Brieftauben, die er dem Verein immer bereitwilligst zur Verfügung stellt.

Nun erhielt Herr Dr. Bamler das Wort zu dem angekündigten Vortrage Uber Wolkenbildungen. Er teilte jedoch mit, daß ihm der Vorwurf gemacht worden sei, daß er in seinen Vorträgen immer Fahrten mit Lichtbildern schildere, nur im Luftsehiffcr-vercin noch nicht. Er wolle daher den Wolkenvortrag bis zur nächsten Versammlung verschieben und erst diesen Vorwurf aus der Welt schaffen. In 30 prachtvollen Lichtbildern führte er der Versammlung vor, wie sich die Erde dem Auge des Luftschiffers bis zu Höhen von 3000 m zeigt, und das lebhafte Interesse, das die Vorführung erregte, bewies, daß der Vorwurf berechtigt gewesen war.

Den Schluß der höchst interessanten Versammlung bildete die Vorführung der humoristischen Vereinsgeschichte durch Herrn Th. Schmidt in Wort und Bild und die Auslosung von 2 Freifahrten.

Posener Verein für Luftschiffahrt.

Am 4. Mai fand die 5. Versammlung statt. Der Schriftführer teilte mit, daß der Berliner Verein den Ballon «Süring- nicht verkaufen könne, da augenblicklich in Berlin viele Fahrten stattfinden müßten. — Der Vorsitzende teilte mit, daß wegen der bevorstehenden licisirhtigungen keine Mannschaften zur Verfügung ständen, deshalb erst nach dem 7. Mai die nächsten Fahrten stattfinden könnten, da Zivilarbeiter zu teuer seien. Es wäre daher festgesetzt worden, daß zwei Fahrten, am 14. und 18. Mai, slattlinden sollten. Ferner solle, wie meist geschehen, gleich nach Landung Telegramm über Art und Ort der Landung an den Vorsitzenden geschickt werden. Schließlich kommen Prospekte der Illuslr. Aeronaut. Mitteilungen zur Verteilung.

Es folgte der Bericht des Leutnants Dunst über die Fahrt am 30. April, welche in Rußland geendet hatte. Wie sonst mußte die Füllung des Ballons 4 Stunden vor dem Aufstieg, der zu H Uhr angesetzt war, beginnen, was diesmal recht unangenehm wurde. Schon nach kurzer Zeit begann es so zu regnen, daß der aufsichtführende Vorsitzende des Fahrlenaussihusses die Füllung unterbrechen mußte. Später wurde wieder angefangen, wieder unterbrochen, und schließlich war der Ballon um 10*ß fertig zum Aufstieg. Nun zeigte sich wegen Fehlens einer Hallonhalle, daß der Ballon im Begen so schwer und das Gas durch die vielen Pausen so schlecht geworden, daß nur 1 Mitfahrer außer dem Führer getragen wurde. Dies war Leutnant der Bes. von Oven. Die unge-

übten Leute, welche den Ballon bedienten, machten noch Fehler beim Abwiegen, so daß auf das «Laßt los!» der Ballon wie ein Pfed in die Luft und durch die Wolken stieß. Er war viel zu leicht abgewogen. Mit 7 Sack Ballast erreichte er sofort eine Höhe von 1200 Metern und nahm östliche Richtung, was durch 2 Wolkenlöcher festgestellt wurde, welche Schwersenz und nachher Kostschin erscheinen ließen. Später wurde Wreschen erkannt. Während der ganzen Fahrt bot sich den Luftschiffern ein prachtvolles Wolkenpanorama, welches dauernd wechselte. Auf der einen Seite schienen riesige Schneelager terrassenförmig anzusteigen, während auf der anderen Seite Eisblöcke auf dem Meere zu treiben schienen. Dazwischen stiegen wundersame tiebilde hoch empor und verwandelten sich in alle möglichen Baum- und Blumensorten; jede Minute wechselte das Bild. Einmal war auch ziemlich deutlich die Aureole zu erblicken, der auf die Wolken geworfene Ballonschalten, umgeben von regenbogenfarbigen Kreisen. Fber dem Ballon klarer blauer Himmel und glühende Sonne, die den Ballon bis 2300 Meter emporhob. Nach etwa dreistündiger Fahrt kühlte eine hochragende Wolke den Ballon so ab, daß er trolz Ausgabe von etwa 4 Sack Ballast bis auf 160—200 Meter durchfiel, in welcher Höhe die Fahrt, nunmehr in Sicht der Erde, noch eine Meile weiter ging. Eine Landung war vorläufig, der vielen Sümpfe wegen, ausgeschlossen. Sie erfolgte später nach 104 Kilometern Fahrt bei Kramsk um 220 nachm. Die Durchscbnitts-Geschwindigkeit war 31,2 Kilometer. Nachdem die Balloninsassen in Kramsk auf dem Bezirksamt vorläufig ihre Personalien usw. hatten feststellen lassen, fuhren sie in Begleitung eines Gendarmen nach Konin an der Warthe. Auch hier wurden zunächst die Personalien festgestellt, was aber schnell durch Dazwisehenkunft von drei Herren der in Konin in Garnison stehenden 13. Dragoner unterbrochen wurde. In der liebenswürdigsten WTeise luden diese die Luftfahrer ein, Gäste der 13. Dragoner zu sein, bis Antwort aus Warschau zurück sei, und führten ihre preußischen Kaineraden im Triamph in das Kasino des Regiments. Es begann nun ein Wetteifer der russischen Offiziere, es ihren Gästen so angenehm wie möglich zu machen; ja die Liebenswürdigkeit des Regimentskommandeurs ging so weit, daß er am Sonntag nachmittag sein Regiment alarmierte und es den Gästen in kühnen Attacken vorexerzierte. Die bei der russischen Kavallerie rühmlichst bekannte Geschicklichkeit in verwegenen Reiterkunststücken wurde dann noch durch die besten I^eute der einzelnen Schwadronen besonders vorgeführt. Den Schluß des Tages bildete eine große Verbrüderung zwischen den liebenswürdigen Gastgebern und den Luftschiffern, welch letztere die wunderschönen Tage nie vergessen werden. Der Verein beschloß in einem Telegramm an die russischen 13. Dragoner den Dank des Vereins auszusprechen.

Dann wurde der Vortrag des Leutnant Dunst über die beim Ballonfahren zur Verwendung kommenden Instrumente, der beim vorigen Male ausfallen mußte, nachgeholt: Barometer, Barograph und Aspirationspsychromeler wurden kurz beschrieben und erklärt; ihre Verwendung und die Art des Abiesens praktisch erläutert und die Folgerungen, welche aus den Ablesungen zu ziehen sind, an praktischen Beispielen vorgeführt. Nach kurzer Diskussion über das Thema wurde Leutnant Dunst unter allseitigem Beifall der Dank des Vereins ausgesprochen. Zum Schluß, etwa ','»11 l''ir- wurden drei neu angemeldete Herren als aufgenommen erklärt und beschlossen, am lt. Mai an das Luft-schilTci-Bataillon ein Glückwunschtelegramm zu seinem 20jährigen Bestehen abzusenden.

Wiener Flugtechnischer Verein.

Dienstag den 21». April hielt der Wiener Flugtechnische Verein im Wissenschaftlichen Klub seine ö. Vollversammlung unter dem Vorsitze seines Vizepräsidenten. Herrn Oberingenieur Friedrich Ritter v. Lößl. mit folgender Tagesordnung ab: 1. Geschäftliche Mitteilungen, 2. Vortrag des Herrn k. u. k. Oberleutnants Ottokar Hermann v. Herrnritt, Lehrer der k. u. k. Luftschifl'erabteilung: > Die Verwertung der Luftschiffahrt in der Armee im Jahre DK)3>.

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Der Vortrugende entwarf in klaren Zügen ein anschauliches Bild über die Verwendung der Ballons in der österreichisch-ungarischen Armee im abgelaufenen Jahre. Darnach gelinkten 3 Baiionabteilungen auf den x\rtilleriesehießplätzcn: Neumarkt, Krakau und Przemysl zur Verwendung Überdies wurden 2 Feldballonabteilungen zu den Korpsmanövern in Südungarn herangezogen. — Der Ballon ist - so führte der gewandte Bedner ferner aus — heutzutage ein unentbehrliches Requisit für die moderne Kriegführung. Namentlich den Festnngsballonabteilungcn wird seitens der Armeeleitung große Aufmerksamkeit zugewendet. Km Festungsballon muß innerhalb :UJ .Minuten aktionsbereit sein, wenn sich das Artilleriefeuer wirksam gestalten soll. Dies ist nur möglich, wenn man das Füllgas — den Wasserstoff — in komprimiertem Zustand in Stahlflaschen zur Verfügung hat. Ks müssen darnach alle flugtechnischen Apparate, z. B. Kaptiv-schrauben, welche als Ersatz für die Kaptivballons dienen sollen, in der gleichen Zeit ihre Obsorvationshöhe erreichen, als die Belagerungsgeschütze zum Einnehmen ihrer Position benötigen. — Der Vortragende erläuterte hierauf an der Hand einer Karte des vorjährigen Manövergebietes die Aufgaben der 2 Feldballonabteilungen, sowie die Art, wie sie sich derselben entledigten. Es gelang denselben nicht allein, einen feindlichen Brückenschlag auf 10 km Entfernung genau wahrzunehmen, sondern auch alle wichtigen Operationen des Gegners für den bevorstehenden Zusammenstoß rechtzeitig zu melden. Oberleutnant v. Hermann widmete sodann längere Betrachlungen den Freiballons und teilte mit, daß im Vorjahre 71! Freifahrten stattfanden, und zwar II militärische, 20 mit dem Ballon Seiner kais. u. königl. Hoheit des Herrn Erzherzog Leopold Salvator und 12 wissenschaftliche, gelegentlich der monatlichen internationalen Simultanfahrlen. Sodann wendete sich der Vortragende den (5t Ballonfahrten zu. welche im Jahre 187071 während der Belagerung von Paris stattfanden und vornehmlich dazu dienten, um Personen und Depeschen aus der belagerten Festung hinaus zu befördern, was auch zum großen Teil gelungen war. Heutzutage würden solche Fahrten freilich eine weitaus größere Rolle spielen, da genügend ausgebildete Berufsluftschiffer vorhanden sind. Man könnte sich leicht mit den Hauptorten der vier Verteidigungsbezirke in Verbindung setzen, um eine Entsatzarmee zu organisieren. Man könnte auch unschwer die Bclage-rungsarlillerie des Gegners wahrnehmen und entsprechende Gegenmaßnahmen trefTen.

Weiter führte der Vortragende ans. daß ein Freiballon, wenn er auch in der feindlichen Macht-sphäre landet, noch nicht verloren sei, sondern — wie derartige Ehlingen dargetan haben — große Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, sich der Verfolger zu erwehren, welche zu Pferd, mit dem Motorrad oder Automobil zumeist erschöpft anlangen, die bewaffneten EuflschilVer dagegen bei frischen Krättcu landen. Zum Schluß des sehr interessanten Vortrages spricht Oberleutnant v. Hermann die Überzeugung aus. daß der Ballon trotz allen FoiIschlilten der Technik bestimmt auch fernerhin eine Bolle spielen wird, denn seine Billigkeit, die Möglichkeit zu improvisieren und die leichte Bedienung sprechen für sein» n Fortbestand. Enter lebhaftem Beifall und dem Dank des Vorsitzenden wurde die Sitzung geschlossen. Ni.

Commission Permanente Internationale d'A6ronautique.

In der Sitzung vom 2t. Februar IftOi hat obige Kommission den neuen Vorstand wie folgt gewählt: Ehren-Vorsitzender: Professor Jansen: Vorsitzender: Oberst Renard; stellvertretende Vorsitzende: Professor Borg« seil, Ingenieur Ohanute. Drziewicki. Professor Marev. Oberst Studie, romte de la Valette. Schriftführer und Berichterstatter: E. Surcouf; Schriftführer: Oberstleutnant Espitallier. M. Guillaunic, Ingenieur Pcsce. Des verstorbenen Mitgliedes Lachambre winde in Ihren gedacht und der Familie das Beileid der Kommission zum Ausdruck gebracht.

Die S l'nter-Kommissioii berichtete über 10 Projekte, die dem Internationalen Kongreß l!Miu eingereicht waren. Ks wurden höchstens 3—[ als rationell befunden, in

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Anbclrachl der in aeronautischen Dingen immer noch herrschenden Unsicherheit wurde indes von ihrer besonderen Namhaftmachung Abstand genommen.

Eine Einladung der Ausstellungsleitung in St. Louis zur Organisation eines Internationalen Aeronautischen Kongresses wurde mit der Begründung, daß die Zeit bereits zu sehr vorgeschritten sei, dankend abgelehnt.

Dahingegen wurde auf Vorschlag von Surcouf eine Kommission erwählt zur Organisation des nächsten Internationalen aeronautischen Kongresses 1905 in Mailand. Zu letzterem wurden gewählt die Herren Surcouf, Espitallier, Pesce, Miliard. Botch. Herve, Guillaume. Hergesell, Major Benard, Major Hirschauer, Fave, Balsac und Besancon.

Sämtliche Unter-Kommissionen wurden sodann aufgelöst bis auf 1. Sous-Commis-sion Point en ballon. 2. S.-C. Inloxication par les gaz. 3. S.-G. Association Aero-nautique Internationale. 4. S.-C. Acro Dynamique. 5. S.-C. Formulaire de l'Aeronaute. 0. S.-C. Congres. tj»

Aeronautischer Kongreß in St. Louis.

Im Oktober d. Js. soll in St. Louis ein internationaler aeronautischer Kongreß stattfinden. Das Komitee besteht aus nachstehenden Herren: Prof. Calvin M. Wo od ward, Präsident; Prof. Francis E. Nipher, Vize-Präsident; Prof. Alexander, S. Dangsdorf, Schriftführer und Schatzmeister.

Das Komitee hat folgende Herren zu Komiteemitgliedern erwählt; Mr. Octave Chanutc, Mr. A. L. Boich, Prof. A. F. Zahm. Mr. Boberl Moore für die Vereinigten Staaten von Amerika; Geh. Bat Prof Busley, Prof. Dr. Hergesell, Major Moedebeck für Deutschland; Sir H i r a m M a x i m, Oberst Baden Powell, Mr. Patrick Y. Alexander für England; Oberst Benard, M. B. Soreau und S. Drziewicki für Frankreich.

Personalia.

Graf r. Am im, Leutnant im 1. Gardc-Ulancn-Hegiment, mit dem Berufungsbefehl für Luftschiffahrt zur Schutztruppe für Deutsch-Südwest-Afrika übergetreten.

9 v. Wahlen-.! Ureaß, Major und Adjutant der 20. Division durch A. K. 0. vom 17. 5. Ol zum Kommandeur des 1. Bat. 2. Feldart.-Bgls. der Schutztruppe in Südwest-aTrika ernannt.

$ Maereker, Hauplm. u. Komp.-Chcf im Inf.-Bgt. 4t unter Überweisung in den Generalstab der 2. Division durch A. K. 0. vom 17. 5. 04 in den Generalstab der Armee versetzt.

IQf v. Nteber, Oberst mit dem Bange eines Brig.-Kommandeurs und Chef des Gcncralstabes XI. A.-K., durch A. K. 0. vom 17. 5. 04 zum Kommandeur der 0. Feldart.-Brig. in Brandenburg a. H. ernannt.

$ Sehoof, Leutnant im Fußart.-Bgt. von Hindersin (Pornm.) Nr. 2, unter Beförderung zum Oberleutnant ohne Patent mit einem Dienstalter vom 15t. 12. 1903 in das Luftschiffer-Bat. versetzt.

f Huaro Ludwig: >'lkel, techn. Offizial im K. u. K. Militärgeographischen Institut, Redakteur unserer Illustr. Aeron. Mitteil, in Wien, verlobte sich mit Fräulein Marianne v. Baraniecki, Tochter von Herrn und Frau Leonard v. Baraniccki.

Totenschau.

Der schwedische Ingenieur-Kapitän Erle Unze, bekannt als Erfinder des absonderlich geformten Ballons «Svenske» (I. und II.) ist in Stockholm gestorben. Er war Mitglied der Cornmission permanente internationale d'Acronautique und der Societe franraisc de Navigation aerienne. K. N.

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Bibliographie und Literatlirbericht.

Ans meinem Lnftschlffertagebnche. Aufzeichnungen von Franz Hinterstoisser, Hauptmann im k. und k. Inf.-Regl. Nr. !K). 140 Seiten. 14'/„V21 cm. 5 Bilder. Rzeszow 15)04. Verlag. I. A. Pelar (H. Czemy).

Daß ein Luftschiffer in der Stellung als Kommandant einer Luftschifferabteilung etwas erlebt hat und letzteres ganz besonders, wenn er seine Stellung nicht allein als Soldat, sondern auch als Luftschiffer in des Wortes eigenster Bedeutung aufgefaßt hat, liegt gewiß klar auf der Hand. Der Verfasser hat das Glück gehabt, die von einigen seiner Kameraden eingeleitete Organisation der k. und k. österreichischen aeronautischen Anstalt mit Erfolg durchführen und die österreichische Luftschiffertruppe in seiner Armee zu allgemeiner Anerkennung bringen zu können. Hauptmann Hinterstoisser war auch der aeronautische Lehrer Sr. k. und k. Hoheit des Erzherzogs Leopold Salvator. dem das vorliegende Buch gewidmet ist, und er hat weit über Österreichs Grenzen hinaus für die Luftschiffahrt geschafft und gewirkt. Wer das alles eingehend erfahren will, der lese obiges Buch. Der Verfasser schildert darin seine eigene aeronautische Entwicklung in Wien, in Rerlin und München, er spricht von seiner Tätigkeit als Lehrer der Luftschiffahrt und als Kommandant der militäi-aeronautischen Anstalt. Einige «Meteor»fahrten finden in dem Buche ihre interessante, kurz gefaßte Geschichte und die Verhältnisse im Wiener flugtechnischen Verein, im Wiener Aeroklub und im ungarischen Aeroklub werden uns mit ihren Beziehungen zu Hauptmann Hinterstoisser dargelegt. Den Schluß bildet eine Tabelle der 89 Freifahrten des Verfassers.

Der Stil des Buches ist ein außerordenllieber frischer und gefälliger. Es spricht aus demselben ein mit klarem Blick gepaartes, tief angelegtes offenes Gemüt. Daher wird das Buch selbst da nicht langweilig, wo es sich vorübergehend mit aeronautischer Technik beschäftigt. In letzterer Beziehung sind für uns besonders die eingehenden Vergleichsversuche interessant, die der Verfasser mit gefirnißten und gummierten Ballonstoffen angestellt hat und die ihn schließlich von der Überlegenheit des letzteren überzeugten, den er daraufhin später in die k. und k. Armee einführte. Es scheint uns, daß er nicht ohne Grund gerade diesen Punkt recht eingehend besprochen hat, ist es doch genügend bekannt, daß es in Österreich einige zwar weniger gut informierte, aber um so lauter redende Widersacher dieses BallonstofTes tatsächlich gibt. Ebenso warm tritt er für die noch von einigen wiener Luftschiffern angefeindete Beißvorrichlung ein.

Das Buch ist nach einem Bemerken in der Einleitung für Freunde des Verfassers geschrieben und für Interessenten im großen Publikum. Es kann für den. welcher das Buch einmal gelesen hat, kein Zweifel darüber herrschen, daß es nicht nur bei seinen Freunden, sondern auch bei allen Interessenten eine wohlverdiente Würdigung finden wird.

Moedebeck.

Die Fortschritte der technischen Physik in Deutschland seit dem Begierungsantritt

Kaiser Wilhelms II. Bede gehalten hei der Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs in der kgl. hohen Maschinenbauscbule in Hagen i. W. von Dr. Ludwig Harald Schütz, kgl. Oberlehrer. Berlin 1904. Der Verfasser behandelt sein Thema auf dem Baume eines Druckbogens in knapper Form sehr vollständig und bespricht dabei natürlich auch Aßmanns Aspirationsthermometer und die durch des Kaisers Munifizenz ermöglichten Fahrten des deutschen Vereins zur Förderung der Luftschiffahrt in Berlin.

P. V.

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Die Redaktion hält sich nicht für verantwortlich für den wissenschaftlichen Inhalt der mit Namen versehenen Artikel.

.4lle Rechte ssrbekatten; teilweise Auszugs nur mit Quellenangabe gestattet.

Die Redaktion.

bpeitcnnis Autfahrt 21. Februar 1904.


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